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Full text of "Die Schriften des Uriel da Costa"

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BIBLIOTHECA SPINOZANA 
CURIS SOCIETATIS SPINOZANA: 

TOMUS II. 



KURT L. SCHWARZ 

b □ □ ks eller 
Beverly Hills, California 



DIE SCHRIFTEN DES 

URIELdaCOSTA 

MIT EINLEITUNG / ÜBERTRAGUNG UND 
REGESTEN HERAUSGEGEBEN VON 

CARL GEBHARDT 




MCMXXII 

CURIS SOCIETATIS SPINOZAN/E 

AMSTERDAM: MENNO HERTZBERGER / SINGEL 155 
HEIDELBERG: CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 
LONDON: OXFORD UNIVERS ITY PRESS /AMEN CORNER 



EINLEITUNG: DA COSTA UND 
DAS M A R R A N E N P R O B L E M 



Alç Tw auTto 7toTa(i(j)oux eoTiv e(i.ß7)vat. Herakleitos. 



Einleitung VII 




Als ein düftrer Schatten geht Uriel da Cofta durch die 
neuere Geiftesgefchichte . Dichter haben ihn zum Helden 
ihrer Schöpfungen gemacht und fein Gefchick ift bekannt 
wie kaum das eines andren Denkers. Aber noch hat die 

5 Wiffenfchaft die Frage kaum aufgeworfen, gefchweige 
denn beantwortet: welches war der Sinn diefes Schick- 
fals? Als individuelles Erlebnis böte es kaum mehr als 
anekdotifches Intereffe. Bedeutung kann es nur dadurch 
erhalten, daß fich in ihm das 'Gefchick eines Volkes voll- 

io zieht, und daß fein Weg zu einem Ziele führt. Diefes Volk 
find die Marranen, das Ziel die Philofophie Spinozas. 



VIII 



Einleitung 



DIE GRÜNDUNG DER 
SEPHARDISCHEN GEMEINDE IN AMSTERDAM 

Das Gefchick da Coitas verkörpert die Problematik 
jener Gemeinde, die portugiefifche Juden, dem Chriften- 
tum und den Nachftellungen der Inquifition entfliehend, 5 
neue Heimat und Sicherheit der Religionsübung fuchend, 
in Amfterdam gegründet. 

Zwei urkundliche Zeugniffe vermitteln von der Grün- 
dung diefer Gemeinde Kenntnis. 

Das erfte Zeugnis ift eine Erzählung, die der Dichter- 10 
Chronift Daniel Levi de Barrios in feiner Caja de Jacob 
(Amfterdam 1684, S. 8 f.) aus alter Tradition weitergibt 
und die folgenden Wortlaut hat: 

Alle, die den Namen des Herrn anrufen, werden 
gerettet werden, verkündet der Prophet Joel. Unter dem T 5 
Schrecken der grau/amen Inquifition rief ihn Mayor Rodri- 
gues an, um gerettet zu werden mit ihrem Gemahl Gafpar 
Lopez Homem, ihren Söhnen Manuel und Antonio Lopez 
Pereyra und ihren Töchtern Maria Nunez und Jufta Pe- 
reyra. Manuel und Maria fchifften fich nach Holland ein 20 
zufammen mit ihrem Oheim Miguel Lopez im Jahre jüdi- 
fcher Zeitrechnung 5353, das dem Jahre 1593 chriftlicher 
Zeitrechnung entfpricht. Die Engländer, die Krieg gegen 
Spanien führten, nahmen jene Seefahrer gefangen, und ein 
englifcher Herzog, verliebt in die feltene Schönheit der 2 5 
Maria Nunez, warb um fie mit folchem Liebesübermaß, daß 
die Königin Elifabeth von England, von feiner Liebe unter- 
richtet, befahl, fie zu ihr zu bringen. Sie bewunderte ihre 
Schönheit und ihre Befcheidenheit und, indem fie das Schiff 
mit Rückficht auf fie mit freundlichen Verfprechen freigab, 3° 
fetzte fie fie in ihren Wagen, um den Londonern das Wunder 
einer Schönheit zu zeigen, die fich nicht den Liebesfchwüren 
und den ehrenvollen und vorteilhaften Anerbieten ergab, 
fondern alle Pracht Englands für das Judentum ver- 



Einleitung 



IX 



fchmähte, das fie in Am fiter dam beobachtete. Im Jahre 1598, 
als ihre Mutter Mayor Rodriguez mit ihren Kindern An- 
tonio Lopez Pereyra und der berühmten Jufla Pereyra von 
Portugal kamen, wurde die Ehe gefchlo/fen zwifchen Manuel 
5 Lopez Homem und der heldenhaften Maria Nunez, und 
zwifchen Jufla Pereyra und ihrem Vetter Francisco Nunez 
Pereyra. Auf ihrer Hochzeit waren vierundzwanzig Ge- 
fchwifterkinder der Brautleute, J amtliche erwachfen, und 
feierten fie mit Tänzen, mit Mufik und verfchiedenen Spie- 

10 len. Antonio Lopez Pereyra wurde nachher Groß zahlmeifter 
des Königs von Spanien und Vogt des Herzog-Grafen. Die 
berühmte Jufla Pereyra, im Schmerz über den Tod zweier 
Söhne, den fie der Verzögerung in der Befchneidung ihres 
Gatten zufchrieb, trennte /ich von ihm, bis er fich durch die 

15 Hand des Uri Levi befchneiden ließ. Er nannte fich in der 
Befchneidung David Abendana, und fein Weib Jußa Abi- 
gail, und aus diefer heiligen Ehe ging der Rabbiner Ma- 
nuel Abendana hervor. 

Die hiftorifche Glaubwürdigkeit diefer Erzählung findet 

20 ihre Stütze in einem Document der Zeit, von der der Bericht 
geht. In den Amfterdamer Trauungsbüchern heißt es : 

Am 25. Auguß 1598 erfchienen vor Lauris Jacobfz und 
Herrn Pieter Schaep Duarte Serayva aus Amarante in 
Portugal, 26 Jahre alt, in Lißabon wohnhaft, Wittwer von 

25 Brüte Rodriguez, einer feits, und Maria Nunez aus Saa do 
Porto in Portugal, 19 Jahre alt, begleitet von Herrn Pedro 
Homem, ihrem Vater, und Branca Nunnez, ihrer Mutter, 
andrer feits, und gaben an, daß fie einander verlobt und in 
Treue verbunden feien, indem fie um ihr dreimaliges fonn- 

30 tägliches Aufgebot nachfuchten, um danach die vorge- 
fchriebene Trauung zu feiern und alles zu vollziehen, fofern 
kein anderweitiges Hindernis entgegenftehe, und nachdem 
fie auf alles gehörig geantwortet hatten, wurden ihnen ihre 
Gefuche bewilligt. Gez. Maria Nunez. Gez. Duarte Sarajua. 



X 



Einleitung 



Am 28. November 1598 er Schienen vor Herrn Jacob/z 
Rofencranz und Herrn Pieter Schaep Manuel Lopes Home 
aus Porto in Portugal, 2j Jahre alt, wohnhaft auf dem 
Oudezijdsvoorburghwal, begleitet von Herrn Pero Home, 
feinem Vater und Maria Nunnez, feiner Mutter und Miguel 5 
Lopes Home feinem Oheim einerfeits, und Maria Nunez 
aus LiJJabon, 23 Jahre alt, wohnhaft wie oben, begleitet von 
Herrn Duarte Fernandez, der erklärte, in Liffabon zugegen 
gewefen zu fein, daß der Vater in die Heirat einwilligte, und 
von Manoel Lopez Pereira, ihren Bruder, andrerfeits und 10 
gaben an ufw. Gez. Manuel Lopez Home. Gez. Maria Nunez. 

Die Bedeutung der Erzählung Daniels de Barrios liegt 
darin, daß fie das doppelte Motiv klarlegt, das die iberi- 
fchen Neuchriften aus ihrer Heimat trieb, nachdem fie in 
einem Jahrtaufend wechfel voller Gefchichte dem Juden- 15 
tum dort eine neue Cultur geformt und nachdem man zu- 
letzt ein Jahrhundert hindurch verfucht, fie dem in Sym- 
biofe ihnen verbundenen, aber durch Religion, Sprache, 
Denken, Sitte und Tradition, kurz in allen organifchen 
Formen des Lebens von ihnen gefchiedenen Volke mecha- 20 
nifch-gewaltfam anzugleichen. Das Motiv war auf der 
einen Seite die Furcht vor der Inquifition, die fich nicht 
mit der äußerlichen Übernahme der chriftlichen Formen 
begnügte, fondern auch die innerliche Reception des Chri- 
ftentums mit Gewaltmaßnahmen erzwingen wollte und 25 
dem leifeften Verdacht eines inneren Fefthaltens an der 
Religion der Väter mit Folter, Kerker und Scheiterhaufen 
begegnete. Das andere Motiv war die Sehnfucht zum 
Judentum, der die Sicherheit des Lebens nicht genügte, 
fondern die jener vom Gefetz umhegten geiftigen Heimat 30 
zuftrebte. England kannte keine Inquifition, aber es 
verbot aus mittelalterlichen Zeiten her bekenntnistreuen 
Juden die Niederlaffung. Darum fuchte der Wille zum 
Judentum neue Küfte, und Holland wurde fein Afyl. 



Einleitung 



XI 




Das zweite Zeugnis, das die Gründung der Gemeinde 
darftellt, ift eine kleine Druckschrift, die 1 710 in Amfter- 
dam erfchien und folgenden Wortlaut hat : 

Denkfchrift für die künftigen Jahrhunderte. Die berühmten 
5 Rabbinen der feiige R. Mofe Uri Levi und fein Sohn Aaron 
Uri ha-Levi, mein Vater und Herr waren Einwohner von Em- 
den in der Provinz Oftfriesland. Sie hatten über die Türe ihres 
Haufes gefchrieben: D^JMl örtffl fiBK d.h. Wahrheit und 
Friede ift die Grundlage der Welt, und darunter die lateinifche 
10 Überfetzung. Nun gefchah es, daß im Jahre 1604 zwei Schiffe 



XII 



Einleitung 



in diefer Stadt anlangten, die von Spanien kamen und zehn 
fpani/che Juden mitführten, nämlich Verbannte und vier 
Kinder, mit Kaufmannsgut beladen und mit dem Mobiliar 
und Hausgerät, das fie mit fich führten, /teilte es ein großes 
Capital dar. Einige diefer Juden oder Schiff spaff agiere , 5 
die an Land kamen und durch die Stadt gingen, fahen eine 
gefchlachtete Gans in das Haus meines Großvaters tragen 
und wurden aufmerkfam auf die Devife, die in hebräifcher 
Schrift war, und die fie nicht lefen konnten. In ihrer Her- 
berge angekommen jagten fie dem Wirt, Jie möchten an J o 
die fem Tage zum Mittageffen eine Gans. Der Wirt ging, 
eine zu kaufen, und indem er in das Haus meines Groß- 
vaters trat, fah er eine fehr fette gefchlachtete Gans auf dem 
Tifch. Er f uchte die Gans zu kaufen, indem er fagte, es 
feien einige reiche Kaufleute aus Spanien hergekommen, l S 
die große Luft hätten, eine fette Gans zu effen. Mein Groß- 
vater entfchuldigte fich, indem er fagte, diefe hätte er für fich 
felbft beftellt. Der Wirt drang aber fehr in ihn, fie ihm zu 
verkaufen, und fchließlich gab er ihm die Gans unter der 
Bedingung, daß er ihm eine andere lebende Gans von 20 
gleicher Befchaffenheit wie diefe gäbe. Der Goi begab fich 
fehr zufrieden mit der Gans nach Haufe und als er fie 
feinen jüdifchen Gäften vorwies, fagten diefe, die fei fo fett, 
daß fie fie gar nicht effen könnten, und als fie ihn f rügen, 
von wo er fie gekauft hätte, entgegnete er: von dem Juden. 2 5 
Da fagten die Verbannten wie verwundert: wie denn, gibt 
es hier Juden? Der Goi erwiderte: ja, und zwar habe er 
über feiner Türe eine Devife auf Hebräifch. Zwei von 
den Paff agieren begaben fich am folgenden Tag zu dem 
Haus meines feiigen Großvaters. Als fie ihn auf Spanifch 3° 
anredeten, konnte er fie nicht verfiehen und rief feinen Sohn 
Aaron, meinen feiigen Vater, daß er mit ihnen fpräche. 
Sie fagten ihm, fie möchten mit ihm insgeheim fprechen 
und nachdem fie alle in ein Zimmer getreten waren, offen- 



Einleitung 



XIII 



harten fie fich meinem Vater: fie feien hierher mit zwei 
Schiffen aus Spanien gekommen, insgefamt zehn Kauf- 
leute und vier Kinder, und fie wünfchten [ich befchneiden 
zu laffen, weil fie Söhne Ifraels wären. Darauf erwiderte 
5 ihnen mein Vater, das laffe fich in diefer Stadt nicht aus- 
führen, weil alle Lutheraner feien, die der Religion Luthers 
folgten. Er zeigte ihnen aber ein Gemälde, das er im Haufe 
hatte und auf dem die Stadt Amfterdam gemalt war, und er 
zeigte ihnen auf die fem Bild einen Turm namens Monkel- 

io baens-Turm, und wenn fixe nach diefer Stadt gekommen 
feien, möchten fie ein Haus in der Junkerfiraße, dem Turm 
gegenüber weiter oben mieten und ein Zeichen anbringen, 
damit das Haus zu finden wäre; denn in Zeit von zwei 
oder drei Wochen wäre er gleichfalls dort. Demgemäß be- 

! 5 gaben fixe fich nach Amfterdam und nahmen ein Haus, wo 
er ihnen gefagt, gegenüber dem Turm, den die Portugiefen 
danach den Aaronsturm nennen, und fo begab fich mein 
feiiger Großvater und Vater nach Amfterdam, um jene 
Herren aufzufuchen, und fanden fie in der Straße an dem 

20 Zeichen, wie fie ihnen gefagt hatten, und als fie kamen, 
freuten diefe fich fehr, und fie befchnitten fie alle, zehn 
Männer und vier Kinder, und nahmen ein Zimmer, in 
dem fie alle Tage mit großer Andacht ihr Gebet verrich- 
teten. 

2 5 Einige Wochen darauf er fiatteten die in der Nähe wohnen- 
den Flamländer dem Gerichte Bericht, daß fich hier Leute auf- 
hielten, die von Spanien kämen und fich von zwei auswärtigen 
Juden befchneiden ließen und die Tag für Tag ihr Gebet in 
einem befonderen Zimmer verrichteten. Als die HerrenBürger- 

30 meifter das hörten, gaben fie Befehl, meinen Großvater und 
meinen Vater gefangen zu nehmen, wie denn auch gefchah. 
Als fie einige Tage gefangen waren, brachte man fie vor 
die Herren Bürgermeifter und frug fie, wer ihnen die Er- 
mächtigung dazu gebe, hier eine neue Judenreligion ins 



XIV 



Einleitung 



Leben zu rufen und diefe Leute, die von Spanien kommen, 
zu befchneiden; ihr feid Menfchen, die den Tod verdienen. 
Mein Großvater und Vater entgegneten den Herren Bürger- 
meißern: In Wahrheit tun wir es zum Nutzen und Vorteil 
diefer Stadt Amßerdam, um ße zu großem Handel gelangen 5 
zu laßen. Wir hätten es wohl an anderen Orten tun können, 
die uns jede Freiheit gewähren wollten, aber wir haben es 
getan, um diefe Stadt zu großem Seehandel gelangen zu 
laßen. Denn diefe Leute aus Spanien brächten große Capi- 
talien und Reichtum mit fich; falls die Herren bereit wären, 10 
diefen Leuten aus Spanien freie Aufenthaltsbefugnis am 
Orte zu geben, fo ver fichem wir den Herren Bürgermeiftern, 
daß fie binnen Jahresfrift hier mehr als fünfzig Häufer 
von diefer Nation aus Spanien und Portugal mit großen 
Capitalien haben werden und daß fie die Stadt Amfterdam 15 
an die Spitze aller europäifchen Handelsplätze /teilen wer- 
den, weil zuvor Amfterdam wenig Handel hatte. Als die 
Herren Bürgermeißer das von meinem Großvater und 
meinem Vater hörten, frugen ße, wo diefe Leute ßch auf- 
hielten. Sie erwiderten: In dem Haufe, in dem die Herren 20 
uns gefangen nehmen ließen. Gleich ließ man ße vor die 
Herren Bürgermeißer rufen, aber als die Leute aus Spanien 
vor die Herren kamen, ver fanden ße nur Spanifch und 
Lateinifch zu fprechen und daher begannen die Herren 
lateinifch mit ihnen zu fprechen und examinierten ße, 25 
fanden aber alles wahrheitsgemäß, wie es ihnen mein Groß- 
vater und Vater gefagt, und da ße ihnen in Bälde diefe 
Freiheit gaben, kamen viele höchst angefehene Häufer von 
Spanien und Portugal mit großen Capitalien herüber. Als 
die Herren das hörten, waren ße fehr befriedigt und ließen 30 
uns nach Haufe. Später ließen die Herren meinen feiigen 
Großvater und Vater rufen und jagten: Eure Worte über 
die Leute von Spanien haben ßch erfüllt; es iß gut fo; 
wir befchließen, ihnen alle Freiheit der Welt zu geben, um 



Einleitung 



XV 



fich hier aufzuhalten und euer Gefetz und eure Religion frei 
zu beobachten, und ein Haus, um euer Gebet zu verrichten. 
Als fie das hörten, dankten mein Großvater und Vater den 
Herren Bürger meiftern fehr und begaben fich in großer 
5 Freude nach Haufe und brachten den fpanifchen Juden 
diefe Neuigkeit, die fie umarmten und vor Freude 
Tränen vergo ff en und Gott priefen für die Gnade, die 
er an ihnen getan. Sie fchrieben dementfprechend nach 
Spanien und Portugal von der Freiheit, die ihnen die 
■ io Herren Bürgermeifter verliehen, und nach dem kamen viele 
Häufer von Spanien und Portugal, um fich hier in diefer 
Stadt niederzulaffen, und mein Großvater war ihr Rabbiner 
und mein Vater ihr Vorbeter, und fie befchnitten fie und 
wurden die Urheber diefer hl. Gemeinde, und er fchrieb 

15 ihnen die Ordnungen und Regeln vor, wie fie ihre Verwal- 
tung nach göttlicher Obfervanz einrichten follten, die Gott 
gedeihen laffe für immer, Amen. Wie die deutfchen und 
polnifchen Juden hörten, daß hier fpanifche und portu- 
giefifche Juden wohnten, kamen fie gleichfalls hier zu 

20 wohnen, und nahmen fich jede Ermächtigung bis auf diefen 
Tag. Der Herr fei gelobt für die große Gnade, die er an 
uns getan und er laffe kommen unfer Gut mit der Ankunft 
unfres Meffias. Amen. 

Amfterdam, am 2. Dezember ij 10. 

25 Uri, Sohn des Aron ha-Levi, Sohn des Rabbiners R. Mos- 
feh Uri Levi, Gründer diefer hl. Gemeinde, die Gott gedeihen 
laffe durch viele Jahre. Amen. 

Mag diefe Denkfchrift auch in ihrer Fafiüng apokryph 
fein und darauf ausgehen, die Stellung des Mofe Uri ha- 

30 Levi bedeutungsvoller, fein Verdienft größer erfcheinen 
zu lallen, als fie waren, fo ift doch der wefentliche Inhalt 
der Darfteilung von der portugieüfchen Gemeinde jener 
Zeit als glaubhaft beftätigt, denn in einer Urkunde, die 
dem Ifaak Levi, einem Urenkel des Mofe Uri ha-Levi im 



XVI 



Einleitung 



März 1 719 ausgeftellt wurde, heißt es: Jedermann Jei es 
hiermit zur Kenntnis, fo wie es in den Chroniken für die 
künftigen Gefchlechter aufgezeichnet iß, daß der Wohledele 
und Hochgelahrte Herr Uri Levi eine ruhmeswürdige und 
fehr edle That verrichtet, indem er der erfle war, der fich 5 
an die Spitze /teilte, um die portugiefifchen Ifraeliten, als fie 
zuerft aus Spanien und Portugal nach Amsterdam her- 
kamen, durch Befchneidung in den Bund des Ewigen treten 
zu laßen, eine Tat, deren Heiligkeit und Größe jeden mit 
Bewunderung erfüllte und von der das ganze Land redete. 10 
Nachdem er hierfür fchon die Liebe feiner Brüder im Glau- 
ben erworben hatte, ließ er aber feine Wohltaten dabei nicht 
beruhen, fondern fertigte für die portugiefifch-ifraelitifche 
Gemeinde Gefetze und Ordnungen, damit fixe wußten, wie fie 
fich an Feier- und F efttagen, Sabbaten und Neumondfeften 15 
zu verhalten hätten, wodurch er ihnen den Weg ihres Ver- 
haltens im religiöfen Leben wies. Auch war er Vorfänger 
bei der Gemeinde und verrichtete viele andre gute Taten, 
die an andrer Stelle gefchrieben und gedruckt find. Da es 
nun nicht mehr als billig ift, daß der, der den Baum pflanzt, 20 
feine Früchte genieße, und daß die Folgen der Taten eines 
wackeren Mannes auch feinen Kindern und feiner fpäteren 
Nachkommenfchaft zu gute kommen, fo ift ihm die Ehre 
widerfahren, daß ihm die Mitgliedfchaft der portugiefifch- 
ifraelitifchen Gemeinde zu teil wurde. 2 5 

Die Bedeutung der Denkfchrift, als deren Verfaffer oder 
Veranlaffer Ifaak Levi wohl felbft anzunehmen fein wird, 
liegt zunächft darin, daß fie auf ein drittes Motiv der 
Auswanderung und Einwanderung der portugiefifchen 
Juden hinweift, das kaufmännifche. Die Expedition, von 30 
der hier berichtet ift und die ficher von der der Maria 
Nunez verfchieden ift — fie führt über Emden, nicht über 
London nach Amfterdam und es fcheinen keine Frauen 
dabei beteiligt — bringt nicht nur Menfchen, die den 



Einleitung 



XVII 



alten Glauben und eine neue Heimat fuchen, fondern 
Kaufmannsgüter und Capitalien. Das Land, das diefe 
Marranen verließen, das spanifche Weltreich, war im 
Begriffe, durch die Monopole und Privilegien feiner Adels- 
5 herrfchaft den Handel zu vernichten, während der Calvi- 
nismus der Niederlande, indem er die Activität sanctio- 
nierte, für die Initiative des Kaufmanns ein neues Welt- 
reich des Handels fchuf. Wie iich hier das Intereffe der 
auswandernden Portugiefen mit dem Intereffe der auf- 
10 ftrebenden Handelsftadt traf, erzählt die Denkfchrift in 
romanhafter Zufpitzung, aber ficherlich in richtiger Wie- 
dergabe von Erwägungen, die auf beiden Seiten obwalten 
mochten. 

Vor allem ftellt uns die Denkfchrift die bedeutfame Tat- 

J 5 fache vor Augen, daß diefe Marranen ohne die geringfte 
jüdifche Tradition, Juden nur durch das Bewußtfein, 
Söhne Ifraels zu fein, nach Holland kamen, und daß fie, 
Sephardim, fich an einen Afchkenas wandten, um in die 
jüdifche Tradition eingeführt, mit den Ordnungen und 

20 Regeln der göttlichen Obfervanz bekannt gemacht zu wer- 
den. Wohl ift diefer Afchkenas nicht Rabbiner der fephar- 
difchen Gemeinde gewefen — diefen Anfpruch der Denk- 
fchrift fchränkt fchon die Ehrenurkunde zur befcheideneren 
Würde des Chazan, des Vorbeters ein — und man holte, 

2 5 fobald es angängig war, im Raffenftolz der Sephardim 
Rabbiner aus der fephardifchen Diaspora, aus Fez, aus 
Venedig, bis man felbft in Amfterdam Rabbiner ausbilden 
konnte. Wohl aber war der Afchkenas der erfte Lehrer 
der Gemeinde im Gefetz des Judentums und noch heute 

30 bewahrt die afchkenafifche Gemeinde in Amfterdam die 
heiligen Texte, aus denen er ihnen vorgelefen und in die 
er die fephardifche Ausfprachebezeichnung eingetra- 
gen hat. 



Einleitung 



XIX 



DIE SPALTUNG DES BEWUSSTSEINS. 
Die Gefchichte der Marranen erfchöpft iich nicht mit 
der Aniiedlung eines vertriebenen Volksteils in neuer Hei- 
mat. Das Marranenproblem ift ein religionspfychologifches 
5 Problem von vollkommener Einmaligkeit. 

Der Marrane oder, wie er in der alten Heimat hieß, der 
nuevo Criftiano, war nicht fchlechthin heimlicher Jude. 
Die Generation der Großväter, die in ihrer Jugend vom 
Edict des Jahres 1492 betroffen war und die ftatt des Exils 

10 den neuen Glauben hatte wählen müffen, mochte gerade 
noch in jüdifcher Tradition unterwiefen fein. Die Gene- 
ration der Väter überkam nur ganz weniges noch davon, 
denn jede Mitteilung durfte nur in größter Heimlichkeit 
erfolgen. Die Kenntnis der hebräifchen Sprache verlor 

15 iich mit den talmudifchen und rabbinifchen Texten, die 
ausgeliefert und vernichtet waren. Dafür wuchs diefe Ge- 
neration auf im Unterricht der katholifchen Dogmatik und 
der auf der Antike beruhenden Weltcultur der Renaiffance. 
Was die Generation der Söhne, das dritte Gefchlecht feit 

20 dem Hereinbrechen der Kataftrophe, noch vom Judentum 
hatte, war nicht viel mehr als vage Erinnerung alter Ge- 
fchichten, fcheue Übung einiger halbverftandenen Bräuche. 
Die Marranen diefer Zeit waren Spanier oder Portugiefen 
und Katholiken, manche wohl fchon völlig affimiliert, die 

25 anderen eben darin von den neuen Glaubensgenoffen ge- 
fchieden, daß fie diefen Glauben nicht iich zu eigen machen 
konnten, daß fie ihn bei fich oder den Ver trau teften gegen- 
über als Idolatria bezeichneten. Und während mancher 
der Neuchriften den Weg zu kirchlichen Ämtern und Wür- 

30 den fand, warfen andere im Trotz den fremden Glauben ab 
und bekannten iich zu einer Religion, von der fie kaum 
mehr etwas wußten. Der Marrane ift Katholik ohne Glau- 
ben und Jude ohne Wiffen, doch Jude im Willen. 

Ein merkwürdiges, noch unbekanntes Document, frei- 



XX 



Einleitung 



lieh nicht aus der Zeit der erften Einwanderung, fondern 
aus dem Jahrzehnt, da fich Spinoza vom Judentum löfte, 
gibt uns Einblick in die Pfychologie des Marranen und 
offenbart uns die Spaltung feines Bewußtfeins. In einem 
Sendfehreiben, das Ifaak Orobio de Caftro um 1660 an 5 
einen vom Glauben abtrünnigen Juden richtete, heißt es : 

Diejenigen, die fich vom Götzendienft in die Provinzen 
zurückziehen, wo dem Judentum Freiheit verftattet ift, find 
von zweierlei Art. Die einen erfüllen, Jobald fie zum er lehn- 
ten Hajen gelangt find und das heilige Beftätigungszeichen 10 
empfangen haben, vollkommen feinen Willen, indem fixe das 
göttliche Gefetz lieben und danach ftreben, foweit ihre Faf- 
fungskraft reicht, alles zu lernen, was nötig ift, um gewiffen- 
haft die heiligen Gebote, Gefetze und Ceremonien zu beob- 
achten, die fie und ihre Vorfahren im Elend der Gefangen- l S 
fchaft vergeffen haben. Demütig hören fie auf diejenigen, die, 
weil fie im Judentum aufgezogen find und das Gefetz gelernt 
haben, es ihnen erklären können, machen fich fobald als mög- 
lich fähig für Stil, Überlieferung und lobenswerten Brauch, 
wie fie Ifrael in der ganzen Welt beobachtet, jeder nach Stand 20 
und Möglichkeit, um fein Leben in den Dienft Gottes zu ftel- 
len und den Irrtümern zu entgehen, in die vordem die Un- 
wiffenheit verfiel. Diese find gekommen, krank an Unwiffen- 
heit, aber da die furchtbare Krankheit des Hochmuts fie nicht 
befallen, möchten fie leicht heilen, indem fie die heilfame und 2 5 
heilige Medicin koften, die ihnen die Frömmigkeit ihrer Brü- 
der darbietet, da bei ihrer Ankunft vom Oberrabbiner bis zum 
letzten Laien alle trachten fie zu belehren, damit fie nicht in 
der Beobachtung des göttlichen Gefetzes irregehen. 

Andere kommen zum Judentum, die im Götzendienft einige 3° 
Profanwiffenfc haften wie Logik, Philofophie, Metaphyfik 
und Medicin ftudiert haben. Diefe kommen an, nicht weniger 
unwiffend über das göttliche Gefetz als die erften, aber voll 
von Eitelkeit, Hochmut und Dünkel, überzeugt, daß fie in 



Einleitung 



XXI 



allen Materien grundgelehrt find, daß fie alles wiffen, und 
obwohl fie das Wefentlichfte nicht wiffen, glauben fie, fie 
wüßten alles. Sie gehen unter das glückliche Joch des Juden- 
tums, beginnen von denen, die wiffen, zu hören, was fie nicht 
5 wiffen, aber ihre Eitelkeit und ihr Hochmut erlaubt ihnen 
nicht, Lehre anzunehmen, um aus der Unwiffenheit heraus- 
zukommen. Sie vermeinen, daß fie an Credit als Gelehrte ein- 
büßten, wenn fie fich von denen belehren laffen, die wirklich 
Gelehrte im heiligen Gefetze find, fie legen große Wiffenfchaft 

io an den Tag, dem zu wider fprechen, was fie nicht ver flehen, 
obgleich alles wahr, alles heilig, alles göttlich ift. Sie ver- 
meinen f indem fie fophiftifche Argumente ohne jede Grund- 
lage bilden, würden fie fich als geiftr eiche, fcharf finnige, 
wiffenfchaftliche Köpfe accr editieren, und das Schlimmfte ift, 

15 daß fie diefe Meinung auch bei Menfchen erlangen, die fich 
infolge ihrer Jugend oder nach ihrer fchlimmen Naturanlage 
für verftändig halten, und obfchon diefe nichts von allem ver- 
ftehen, was der neue Philofoph gegen das Gefetz Gottes fagt, 
fo tun fie doch in allem fo, als ob fie es verftünden, um nicht 

20 zu bekennen, daß fie es nicht verftehen, und um als Sach- 
kenner in Geltung zu bleiben. Diefe Menfchen machen einen 
derartigen Sophiften nun vollends hochmütig; fein Hochmut 
wächst und im gleichen Maße feine Unfrömmigkeit, mit der 
fie binnen kurzem in den Abgrund der Apoftafie und Ketzerei 

25 verfallen. 

Als Menfchen einer Zeit ohne zwingende innere For- 
mung vermögen wir uns nur fchwer vorzuftellen, was die 
erlebt, die zuerft diefe Formung verloren und in dem Be- 
wußtfein diefes Mangels in einer formgebundenen Welt 
30 fich fanden. Die Gegenreformation, eine der ftärkften form- 
bildenden Bewegungen der Gefchichte, hatte der fpani- 
fchen Culturwelt das fefte Gefüge ihrer Religioiität gege- 
ben. In die Kirche wurde jeder hineingeboren ; ihre Gnaden- 
mittel überwanden die Erbfünde, bereiteten die ewige Se- 



Da Costa Opera. 



II 



XXII 



E I N*L E I T U N G 



ligkeit. Die Juden, die iich als Juden vor der Zwangstaufe 
in eine der africanifchen, italiänifchen, levantinifchen Ge- 
meinden gerettet, hatten in der treuen Gefetzeserfüllung 
die Sicherheit der Gerechtigkeit. Hier wie dort Menfchen 
einheitlicher innerer Form, Menfchen, die in eingeborenen, 5 
unbezweifelten Kategorieen dachten, fei es in der Kate- 
gorie der Erbfünde und der Erlöfung, fei es in der Kate- 
gorie von Gefetz und Gerechtigkeit, kurz Menfchen, für 
die Welt und Dafein einen eindeutigen Sinn hatte. Für 
den Marranen galt all das nicht. Wohl formte auch ihn 10 
die Gegenreformation, aber nur von außen her, in arg- 
wöhnifch bezweifelter oder widerwillig abgelehnter Lehre, 
nicht von innen, vom Bewußtfein her. Und das Juden- 
tum lag ihm zu fern, als daß es Formkraft für ihn hätte 
werden können. Er ftand zwifchen den Welten. In feinem 15 
Bewußtfein war Katholicismus und Judentum, unvereint 
und unvereinbar, und in diefem inneren Kampfe war fein 
Bewußtfein gefpalten. 

Schon einmal hatte die neuere Geiftesgefchichte eine 
Spaltung des Bewußtfeins erlebt, als in Italien neben das 20 
franciscanifch erneuerte Chriftentum die wiederbelebte An- 
tike getreten war, als die Renaiffance die alleinige Gel- 
tung der chriftlichen Zielfetzung beitritt und dem Alter- 
tum neue Menfchheitsziele entnehmen wollte. Auch da 
hat die Doppel-Orientierung, die ihren naiven Ausdruck 25 
in der Lehre von der doppelten Wahrheit fand, das Be- 
wußtfein gefpalten, an deffen Formung zwei divergierende 
Mächte wirkten. Man datiert von dort den Beginn einer 
neuen Zeit, eines neuen Bewußtfeins. 

In der Formeinheit, die danach die Gegenreformation 30 
erzwang, zeigt fich nun neue Spaltung, wenn auch nur bei 
einem kleinen Kreife von Menfchen feltfamen Schickfals. 
Die Gegenreformation hatte die von innen her formende 
Kraft der Antike gebrochen, indem fie fie zur äußeren 



Einleitung XXIII 

Form, zum conventioneilen Zeitftil machte. Für jeneMen- 
fchen ohne Formkraft wurde mehr daraus. Sie lernten die 
religiöfe Welt entbehren, die das Gefchick ihnen genom- 
men, und begannen fich in einer durchaus profanen Welt 
5 einzurichten. Die Profanwiffen/chaften, von denen Orobio 
de Caftro fpricht, rückten für fie von der Peripherie ins 
Centrum. Sie begannen, den Sinn der Welt in der Welt 
anftatt in Gott zu fuchen. 

Das Gefchlecht, das die Gefahr der Inquifition und der 

io Wille zum Judentum nach Holland führte, brachte die 
Weltlichkeit der Renaiffance mit ßch. Das Judentum, das 
fich ihnen darbot, war nicht mehr das von der Philofophie 
beftimmte Judentum, das ihre Vorfahren als Erbe der 
großen Zeit des maimonideifchen Rationalismus befeffen. 

15 Die Qabbalah, jene emana tiftifche Gotteslehre des Mittel- 
alters, die myftifchen Tieffmn und abergläubifche Spielerei 
wunderlich durcheinanderwirkte, war in der Religiofität 
der öftlichen Juden, der Afchkenafim, zu faft unbeftrittener 
Herrfchaft gelangt, und fie bot fich nun den verfprengten, 

20 vom Judentum der eigenen Tradition gelöften weftlichen 
Juden, diefen Amfterdamer Sephardim, als der wahre my- 
thifche Kern des Judentums. Die Wiffenfchaftlichkeit des 
17. Jahrhunderts begegnete einer Religionsform des 15. 
Daß hier eine Synthefe nicht ohne fchwere Conflicte, ja 

25 nicht ohne eine Zurückbiegung der Geiftigkeit möglich 
war, verfteht fich, und der Brief Orobio de Caftros berichtet 
von diefem Kampf. Die Wiffenfchaft fteht gegen die Tra- 
dition, die Philofophie gegen die Qabbalah. 

Die Frühgefchichte der fephardifchen Gemeinde in Am- 

30 fterdam ift von diefem geiftigen Kampfe erfüllt. Nur durch 
Zufall haben wir von diefen Conflicten documentarifche 
Kunde. In den Gutachten einer rabbinifchen Autorität 
aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts, des Joel Sirkes aus 
Breft-Litowsk, lefen wir : 

Ii« 



XXIV 



Einleitung 



Wir haben eine Läßer ßimme laut werden hören aus einem 
fernen Land, der Stadt Amfterdam, daß fich ein Auf rühr er 
erhoben hat, ein Arzt, der es fertig bringt, felbft ein Gewürm 
für rein zu erklären . . . Zwei fchlimme Dinge hat er mit 
einem Wurf getan, eine große Übeltat hat er ins Werk ge- 5 
fetzt. . . Darüber find alle Glaubenstreuen erßaunt und er- 
fchreckt. Vor langer Zeit fchon erhob er fein Herz und feine 
Hände voll Spott über die Worte unfrer Weifen feiigen An- 
denkens in der Haggadah, auch über die Weifen der Qabba- 
lah, indem er die Hand feiner Zunge entfandte und fpottete 10 
über die Weisheit, die wahre Weisheit, fprach Häßliches über 
fie und fagte, fie fei in feinen Augen nicht wichtig, fondern 
allein die Philofophie, und nach die f er folle fich jedermann 
richten. Noch hält er feft an feiner Unreinheit, indem er 
würdige Männer zu fich herüberzieht und feinem Sinne ge- 15 
mäß überredet. Das zweite Übel: da er einer der Parnaffim 
iß, gab er einem Menfchen die Autorifation, für das Bedürf- 
nis der Gemeinde Vieh zu fchlachten. Die Herren des für die 
beiden Synagogen beßehenden Mahamad beauftragten zwei 
Rabbiner, diefen Schächter in den Gefetzen des Schächtens 20 
zu examinieren. Bei diefem Examen wußte er nichts und 
erklärte Verbotenes für erlaubt. Darauf wurde sofort im 
Einver ftändnis von Mahamad und Rabbinern in den Syna- 
gogen der beiden heiligen Gemeinden das von diefem Manne 
Gefchlachtete als Aas erklärt und die Gefäße, in denen es ge- 25 
kocht wurde, als verboten; denn fogar den Tractat Schechita 
hat er nicht gelernt. In diefem Augenblick beftieg der er- 
wähnte Arzt den Almemor und erklärte mit lauter Stimme, 
man folle diefe Proclamation nicht beachten und auf feine 
Verantwortung hin das Fleifch effen. Die Mitteilung hier- 30 
von kam fchriftlich vor uns von den berühmten Rabbinern 
aus der Stadt Amßerdam und ihre Unterfchrift wurde von 
dem Rabbiner, dem G er ichtsvor fitzenden der heiligen Ge- 
meinde Lublin beglaubigt. 



ElN LEITUNG 



XXV 



Der Conflict, von dem hier die Rede ift, geht um zwei 
Fragen, um dieVorrangftellungder weltlichen Wiffenfchaft, 
der Philofophie vor Thalmud und Qabbalah, und um die 
Ritualvorfchriften der Speifebereitung : die Tradition der 
5 Lehre und die Tradition des Ritus wird negiert. Da der 
Verfechter der neuen Weltlichkeit nicht der erftbefte Zu- 
wandrer, fondern felbft Gemeinde vor ftand ift — man ver- 
mutet mit Grund in ihm den Arzt Abraham Farrar, mit 
feinem portugiefifchen Namen Simon Lopez Rofa — 

10 kommt es zur Spaltung und neben die beiden Amfter- 
damer Gemeinden Beth Ja'aqob und Neweh Schalom tritt 
als dritte die Gemeinde Beth Iifrael. 

Der Conflict, dem übrigens der am Ende des Jahres 
erfolgende Tod Farrars die Spitze abgebrochen zu haben 

1 S fcheint, fällt ins Jahr 1618: In diefem Jahre wurde in 
Venedig zum erften Male der Bann über Uriel da Coita ver- 
hängt, weil er fich von der Tradition des mündlichen Ge- 
fetzes losgefagt und die Riten mißachtet. Ob zwifchen 
Farrar und daCofta irgendwelche Beziehungen beftanden, 

20 vermögen wir nicht zu fagen. Sicher lebt in beiden Vor- 
kämpfern der Weltlichkeit der gleiche Marranenzweifel . 

Wenn hier der Verfuch unternommen wurde, ein merk- 
würdiges und folgenreiches Capitel der Geiftesgefchichte 
unmittelbar aus feinen Documenten fprechen zu laffen, aus 

2 5 der Erzählung des Dichters, aus der Familienchronik, aus 
der Streitfchrift des Apologeten und aus dem Gutachten 
des polnifchen Rabbiners, fo gefchieht es, um die Tragik 
des Marranenfchickfals auf zu weifen. Ein Volk, das fein im 
Religiöfen wurzelndes Volkstum verlor, glaubt, feine Ge- 

30 fchichte wieder da fortfetzen zu können, wo die Kata- 
ftrophe fie unterbrach. Der Glaube, wieder Juden werden 
zu können, wie die Vorfahren es gewefen, mußte fich als 
Illuhon erweif en. Die Religiofität, die vor ihnen ftand, die 
qabbaliftifch gefärbte Religion der Afchkenafim, aus an- 



XXVI 



Einleitung 



derer Geiftigkeit, andren gefchichtlichen Zufammenhängen 
erwachfen, mußte das Wertvollfte in ihnen zerbrechen, 
ließ fie nicht zu (ich felbft kommen. Die Mehrheit des Vol- 
kes ging den Weg der Angleichung, wie ihn oberflächliche 
Halbnaturen in der Art Menafcheh ben Ifraels wiefen, da 5 
fie den Aberglauben der Qabbalah — nicht ihre Myftik — 
als Mythos des Judentums nahmen, und in der fpäteren 
Zeit find die Amfterdamer Sephardim als Volk in belang- 
lofer Afchkenaiierung untergegangen. Nur wenige fanden 
eigenen Weg. Abraham deHerrera erfüllte den Formalismus 10 
der Qabbalah mit dem kofmifchen Lebensgefühl des Neu- 
platonismus und Bento Defpinoza, der Schüler Leone 
Ebreos, fchuf neuen Mythos. Das edelfte Opfer des Ver- 
fuchs, das gefchichtlich Vergangene zu zweiter Gegenwart 
zu zwingen, wurde Uriel da Cofta. 15 

DAS SCHICKSAL DA COSTAS. 

Während man bis vor kurzem vom Leben da Coitas nicht 
viel mehr wußte, als was er felbft in feiner Lebensbefchrei- 
bung von fich berichtet, liegt jetzt fein äußeres und inneres 
Leben in den Grundlinien klar vor uns. 20 

Gabriel da Cofta iil wohl um das Jahr 1585 in Oporto 
geboren. Von 1604 bis 1608 hat er an der Jefuiten- 
Univerfität Coimbra, die im Collegium Conitnbricenfe die 
thomiftifche Scholaftik codificierte, kanonifches Recht 
ftudiert. Danach ift er 2 5 jährig Schatzmeifter einer Stifts- 25 
kirche in feiner Vaterftadt Oporto geworden, hat alfo wahr- 
fcheinlich . die niederen Weihen empfangen. Die Affimi- 
lation feiner Familie fcheint fchon nahezu vollftändig ge- 
wefen zu fein, denn feinen offenbar früh geftorbenen Vater 
Bento da Cofta, nennt er einen gläubigen Chriften. Die Er- 30 
fchütterung, die für fein Leben beftimmend wurde, ging 
nicht von dem Gegenfatz von Judentum und Chriftentum 
aus, fondern von dem rein chriftlichen Problem der Er- 



Einleitung 



XXVII 



löfung: der Zweifel am Seelenheil, die Angft vor der ewigen 
Verdammnis untergruben in ihm die römifch-katholifche 
Religion, in der er unterwiefen war, den Glauben, der in ihm 
Jchon tiefe Wurzeln gefchlagen. Aus diefer Not flüchtete er 
5 ins Judentum, wohin, wie es fcheint, nicht fo fehr feil- 
gehaltene Familien tradition, als die Belehrung älterer 
Freunde, vor allem Samuels da Silva, ihn gewiefen zu 
haben fcheint. Er ftudierte Mofe und die Propheten, wie 
die Vulgata fie ihm zugänglich machte, und bildete fich 

io danach die Vorftellung eines in der Gefetzeserfüllung feine 
Sicherheit findenden Judentums, das ihn von allen Ge- 
fahren befreite, mit denen die abfolute Forderung des 
Chriftentums die Seele bedrohte. Dem wiedergewonnenen 
Glauben führte er auch feine Mutter, Sara da Cofta, und 

15 feine Gefchwifter zu — wir wiffen von vier Brüdern, Aaron, 
Mardochai, Abraham und Jofeph da Cofta und von einer 
Schwefter. Etwa zwifchen 161 2 und 161 5 mag die Familie 
da Cofta nach Holland ausgewandert fein. 

Gabriel da Cofta, nach der Befchneidung Uriel, hatte 

20 ein beftimmtes bloß aus dem Gefetz und den Propheten 
gewonnenes Bild des Judentums. Die nachbiblifchen Reli- 
gionsurkunden waren ihm ja bei feiner Unkenntnis der 
hebräifchen Sprache nicht zugänglich. Das Judentum 
aber, das er in Amfterdam fand, war das durch eine zwei- 

25 taufend jähr ige Tradition geformte Judentum, wie es zu- 
erft Mofe Uri ha- Levi den Einwanderern aus afchkenafi- 
fcher Übung vermittelt und wie es um 1 616 in Amfterdam 
die Rabbiner Jofeph Pardo aus Salonichi, Ifaak Uziel aus 
Fez und Saul Levi Morteira aus Venedig lehrten. Da Cofta, 

30 der das Seelenheil nunmehr in peinlich genauer Gefetzes- 
erfüllung fuchte, fand in allen Ausgeftaltungen der Tradi- 
tion Entftellungen und Fälfchungen, die die Erreichung 
des Zwecks felbft in Frage ftellten , So kommt er zunächft 
zu feiner Kritik der Tradition, die uns nur folange klein- 



XXVIII 



Einleitung 



lieh oder rechthaberifch erfcheinen kann, als wir die Sache 
nicht bedenken, um die es dabei dem von den Seelennöten 
des Katholicismus Verfolgten ging. 

Das Haus da Coita errichtete Niederlagen gleichzeitig in 
Amfterdam und Hamburg — 1619 erfcheint Abraham da 5 
Cofta unter den Gründern der Bank von Hamburg und 
auch im Familienarchiv der da Cofta finden fich zwar keine 
Urkunden über Uriel, wohl aber folche über die commer- 
ciellen Beziehungen der Familie zu Hamburg. So ift Uriel 
wohl fehr bald nach feiner Einwanderung von Amfterdam 10 
nach Hamburg gekommen und von hier aus hat er 16 16 
eine Reihe von Thefen, Propoftas contra a Tradição an die 
fephardifche Gemeinde nach Venedig gefandt, in dem 
ficher ernft gemeinten Beftreben, Klarheit über diefe Fra- 
gen zu fchaffen. Dabei hielt er fich in feinem Leben ftrenge 15 
an das Gefetz, wie er es verftand, hielt die Fefttage nach 
eigner Berechnung und bereitete die Speifen nach eigener 
Interpretation der Ritual vor fchriften. 

Die venezianifchen Sephardim, nicht durch den Katho- 
licismus hindurchgegangen und ohne Verständnis für die 20 
Seelennot da Coftas, faßten die Propoftas als eine Heraus- 
forderung auf und beauftragten den übrigens durchaus 
nicht ftarr orthodoxen Rabbiner Leon da Modena mit einer 
Entgegnung. Leon lieferte eine folche in feiner Schrift 
Schild und Tartjche, eingehend auf alle Einwände da Co- 25 
ftas, doch ohne Gehäffigkeit. Zugleich wandte er fich in 
einem Sendfehreiben an die Hamburger Marranen und 
exeommunicierte den Kritiker der rabbinifchen Tradition 
für den Fall, daß er auf feiner Meinung beharre. Als es 
fich aber herausftellte, daß da Cofta nicht nur bei feiner 30 
Kritik blieb, fondern damit auch Anhänger gewann, die 
fich davon eine Erleichterung der drückenden Schwere des 
Gefetzes verfprachen, wurde er am 14. August 161 8 
zu Venedig feierlich in Bann getan und diefer Bann auch 
in Hamburg verkündet. 



Einleitung 



XXIX 



Um diefe Zeit fcheint da Coita, vielleicht dem Banne 
ausweichend, wieder nach Amfterdam übergefiedelt zu fein, 
wo er zunächft trotz des Bannes noch in einem leidlichen 
Verhältnis zur Gemeinde gelebt haben muß. Er war in 
5 kinderlofer Ehe verheiratet, doch ift feine Frau Sara da 
Cofta fchon 1622 geftorben. In Amfterdam befaß er ein 
eigenes Haus, und fein Gefchäft, das er gemeinfam mit 
feinen Brüdern betrieb, profperierte, fo daß er 1623 von 
fich fagen konnte: alle meine Güter gedeihen und wachfen 

10 in den Augen des Menfchen und mein Wohl wurde mit be- 
fonderem und offenfichtlichen göttlichen Beiftand gewahrt. 

In Amfterdam trat nun die zweite Wendung in feiner 
Gedanken entwicklung ein. Die entfcheidende Frage war 
von Anfang an für ihn : Was muß ich tun, um der ewigen 

15 Seligkeit teilhaftig zu werden? Nachdem er die Gnaden- 
mittel der katholifchen Kirche verworfen, hatte er in der 
genauen, von allen Zutaten der Tradition freien Gefetzes- 
erfüllung den Weg gefehen. Jetzt kam er, indem er feine 
Meinung in einem Buche darlegen wollte, zu der Über- 

20 zeugung, daß es eine ewige Seligkeit überhaupt nicht gebe, 
daß in der Bibel von einer Unfterblichkeit der Seele nicht 
und nur von zeitlichem Glück die Rede fei. Diefes Buch, 
das den wefentlichen Inhalt der Propoftas mit der neu- 
gewonnenen Lehre von der Sterblichkeit der Seele ver- 

25 band, wurde zu feinem Schickfal. Offenbar durch eine In- 
discretion kam es, nicht in feinem ganzen Umfang, doch 
in dem entfcheidenden Teile der Seelenlehre, in die 
Hände von Gegnern, und der Arzt Samuel da Silva unter- 
nahm es (vielleicht gerade weil er da Cofta einft den Weg 

30 des Judentums gewiefen und weil man fich jetzt von feinem 
Einfluß etwas verfprechen mochte,) das Buch zu wider- 
legen. Sein Tratado da Immortalidade er fehlen 1623 in 
Amfterdam bei Paul van Ravefteyn . Damit war da Cofta 
vor aller Öffentlichkeit als Ketzer und Abtrünniger denun- 



XXX 



Einleitung 



eiert. Gleichzeitig wurde er in den Bann getan und feinen 
Brüdern der Verkehr mit ihm unterlagt. Er fetzte fich fo- 
gleich in einer Gegenfchrift zur Wehr, in die er wohl den 
wefentlichen Inhalt feiner erften, nicht publicierten Schrift 
übernommen haben wird, ging aber darüber noch hinaus, 5 
indem er feine Gegner als Pharifäer bekämpfte und ihnen 
Abweichungen von Mofe nachzuweifen unternahm unter 
dem Titel einer Prüfung der pharifäifchen Traditionen in 
Vergleichung mit dem gefchriebenen Gefetz. Nun wurde er 
von der Gemeindevertretung bei der Amfterdamer Be- 10 
hörde verklagt, weil iich ja die Leugnung der Unfterblich- 
keit mehr noch gegen die chriftliche wie gegen die jüdifche 
Religion richtete. Er kam ins Gefängnis, wurde aber bald 
gegen die Bürgfchaft feiner Brüder freigelaifen ; indes 
wurde er zu einer Geldftrafe von 300 fl. und zur Verwei- 15 
fung aus Amfterdam verurteilt und fein Buch öffentlich 
verbrannt. 

Betrachtet man den Conflict auf feine Motivation hin, 
fo liegen auf beiden Seiten die Triebkräfte außerhalb der 
augenfeheinlichen Streithandlung. Da Cofta hat in das 20 
Judentum ein katholifches Problem hineingetragen. Wie 
immer man Reh zu der Frage ftellen mag, ob die Unfterb- 
lichkeit der Seele zu den urfprünglichen Lehren des Juden- 
tums gehöre oder nicht, jedenfalls ift fie innerhalb des 
Judentums niemals Cardinalfrage gewefen und felbft durch 25 
die Qabbalah mit ihrer Lehre von der Seelen Wanderung 
(Gilgul) und von der Seelenfchwängerung ('Ibbur) auch in 
den Tagen da Coftas nicht zu einer Cardinalfrage des 
Judentums geworden. Andererfeits war der Eifer der Am- 
fterdamer Marranen um die Reinhaltung der Lehre wefent- 30 
lieh bedingt durch die Notwendigkeit, der neuen, gewiiTer- 
maßen aus dem Schöße des Katholicismus hervorgegan- 
genen Gemeinde erft die Anerkennung der jüdifchen Welt 
als einer vollgültigen Judengemeinde zu fichern. Als da 



E INLEITUNG 



XXXI 



Coita damit umging, iich mit einem Buche an die Öffent- 
lichkeit zu wenden, konnten fie den Bann von Venedig 
nicht länger ignorieren. Ihre wenige Jahre vorher an den 
Brefter Rabbiner Joel Sirkes gerichtete Anfrage zeigt, wie 
5 fehr fie auf die Bestätigung ihrer Rechtgläubigkeit in der 
oftjüdifchen Welt Wert legten. Der Kampf gegen da Cofta 
ift ein Kampf um die Reputation der Amfterdamer Ge- 
meinde. Wie groß die Verblendung war, zeigt die Anfrage 
der Gemeinde, ob der Mutter des Irrenden, die Irrtum und 

io Bann mit ihm teilte, im Falle ihres Ablebens ein Begräbnis 
zu teil werden dürfe. In diefer Anfrage, die wohl bald 
nach dem Proceffe erging, bedauern es die kaum felbft der 
Inquifition Entronnenen, daß es in Holland keine Inqui- 
ßtion gebe und daß man es darum nicht zu Wege bringen 

15 konnte, die Todesßrafe gegen ihn zu erwirken. 

Jahre lang blieb nun da Cofta in der Abfonderung und 
nun vollzog fich von neuem in ihm eine Wandlung. War 
er bisher gefetzestreuer Jude, wenn auch zuletzt ohne den 
Glauben an die Unfterblichkeit (alfo nach feiner Über- 

20 zeugung Sadducäer, nicht Pharifäer) gewefen, fo löfte er 
fich jetzt vom Judentum überhaupt, indem er den Glauben 
einer Autorfchaft Mofis am Pentateuch und damit eines 
göttlichen Urfprungs des Gefetzes aufgab. Er wurde nun 
zu dem, was feine Zeit als Libertin bezeichnet : mit der 

25 heteronomen Moral des Gefetzes negierte er den Anfpruch 
der Moral als folcher, und fand nun keine Schwierigkeit 
mehr, entgegen feinen Überzeugungen einen Widerruf zu 
unterfchreiben, um zu einer Gemeinfchaft zurückzukehren, 
mit der ihn jetzt keine gemeinfame Überzeugung mehr 

30 verband. Vielleicht gehörte die Abficht, eine zweite Ehe 
einzugehen, zu den Motiven der Umkehr. 

Diefer Widerruf leitet die zweite Kataftrophe im Leben 
da Coftas ein, die feinen Angaben zufolge ins Jahr 1633 
gefallen fein muß. Sie nimmt ihren Ausgang von einem 



XXXII 



Einleitung 



Familienconflict. Ein Neffe denunciert ihn, daß er fich 
nicht an die Speifevorfchriften halte. Ein Vetter, der eben 
erft den Ausgleich mit der Gemeinde herbeigeführt, fühlt 
ßch perfönlich compromittiert, hetzt die Familie gegen ihn 
auf und vereitelt die Verehelichung. Jetzt erft fch einen 5 
die Brüder die Gefchäftsverbindung mit ihm, unter Vor- 
enthaltung feines Vermögens, gelöft zu haben. Ein Pro- 
ceß, den er deswegen vor den ordentlichen Gerichten an- 
ftrengte, wurde in die Länge gezogen und blieb erfolglos. 
Als er nun zwei chriftlichen Glücksrittern den Übertritt 10 
zum Judentum widerriet, glaubte auch die Gemeinde of- 
fiziell gegen ihn vorgehen zu müffen, und zum zweiten 
Male wurde, nachdem er Widerruf und Bußceremonie ab- 
gelehnt, der Bann über ihn verhängt. 

Nun folgen heben Jahre tiefften Elends für Uriel da 15 
Cofta. Man bekämpfte feine Lehre. Menafcheh ben Ifrael 
fchrieb über die Unflerblichkeit der Seele gegen die Saddu- 
cäer, ebenfo fchriebenAguilar und Morteira über dieUnfterb- 
lichkeit. Wie man immer noch mit feinen erften, inzwi- 
fchen iicher von ihm felbft aufgegebenen The/en gegen die 20 
Tradition rechnete, wie man zugleich verfuchte, ihn durch 
gütliches Zureden dem Judentum zurückzugewinnen, zeigt 
die Schrift Aguilars. Schlimmer war die Gehäffigkeit des 
perlönlichen Kampfes, war die vollkommene Verein- 
famung. Zermürbt durch die geiftige und wohl auch durch 25 
materielle Not, nicht mehr in der Frivolität des Libertinis- 
mus, unterwarf ßch da Cofta fchließlich der Ceremonie 
moralifcher Selbftvernichtung, die die Gemeinde über ihn 
verhängte. Vielleicht hat er fchon früher an die phyii- 
fche Selbftvernichtung gedacht und in einer folchen Stirn- 3° 
mung einer Dienftmagd, die treu bei ihm ausgehalten, all 
fein Habe vermacht. Jetzt blieb ihm kein anderer Aus- 
weg mehr. Er zog die Summe feines verfehlten Lebens, 
indem er (in portugiefifcher Sprache wie alle feine Schrif- 



Einleitung XXXIII 



ten) feine Autobiographie fchrieb, die er felbft als docu- 
ment humain bezeichnete. Dann verfuchte er, an dem Ver- 
wandten, dem er die Schuld feines Unglücks gab, wie er 
fchon in feiner Lebensbefchreibung androht, Rache zu 
5 nehmen und erfchoß fich felbft. Er endete im April 1640. 

Uriel da Cofta fiel als Opfer des Irrtums feines Volkes, 
das wähnte, vom Katholicismus in das Judentum zurück- 
kehren zu können, als ob die Gefchichte eines Jahrhunderts 
nichts gewefen wäre. Die Unficherheit da Coftas geht aus 

10 jener Spaltung des Bewußtfeins hervor, die diefen Nicht- 
mehr- Juden und Noch-nicht- Juden eignet. Sie wollten, 
indem fie das Judentum zurückzwingen wollten, da Cofta 
hineinzwingen in eine Religion, die fie, unbewußt der Dif- 
ferenzierung des Judentums, für die 1492 von den Vor- 

15 fahren verlaffene Religion der Sephardim hielten, die aber 
alle Züge der afchkenafifchen Religiofität der Zeit ange- 
nommen hatte. In der Unmöglichkeit, diefe Entfeh eidung 
fich zu eigen zu machen, bildete fich da Cofta abfeits von 
den Bekenntniffen des Jahrhunderts den Glauben eines 

20 Deismus, aber er vermochte nicht, wie der Größere nach 
ihm, mit feinem Glauben allein zu bleiben. So ging er zu 
Grunde, weil er als Marrane nicht mehr Jude werden 
konnte. Seine Tragödie die Tragödie diefes Volkes : 
Tragik der Einmaligkeit. Ach und in dem gleichen Strome 

2 5 Schwimmft du nicht zum zweiten Male. 

* * * 

DA COSTA UND SPINOZA. 

Man hat unzählige Male da Cofta den Vorgänger Spi- 
nozas genannt, ohne daß man bisher die Unterlagen hatte 
zu beftimmen, in welchen Punkten die Gedanken der 
30 beiden zu einander in Beziehung ftehen. 



XXXIV 



Einleitung 



Die philofophifche Entwicklung im Übergang vom Mit- 
telalter zur neueren Zeit vollzieht fich in der Richtung von 
der Tranfcendenz zur Immanenz. Ob es um den Wert der 
Welt, das Verhältnis von Gott und Welt oder um den 
Wert fittlichen Handelns geht, überall wird die Zweiheit 5 
aufgegeben, die im Mittelalter Tatfächlichkeit und Wert- 
begriff getrennt, und der Wert wird in die Dinge hinein- 
gelegt. Die Welt des Diesfeits wird an fich gewertet und 
das tätige Leben in ihr, zunächft neben dem Jenfeits und 
bald ftatt feiner. Welt und Gottheit hören auf, Polaritäten 10 
der Wirklichkeit zu fein, nähern fich einander bis zu ihrer 
völligen Identification. Das Sittengefetz verläßt den 
Weltenthron, um als Autonomie der felbftbeftimmten Per- 
fönlichkeit dem Individuum feine Würde zu geben. Aus 
Zwei-Welt wird Ein- Welt. 15 

Da Coftas Seelenlehre liegt in der Richtung diefer Ent- 
wicklung. Mit dem Leben nach dem Tode entfällt das Jen- 
feits. Indem da Cofta das Zeugnis Gottes in der Bibel da- 
für in Anfpruch nimmt, daß für den Menfchen mit dem 
Tode alles ende und daß darum die Seele dem Blut und 20 
Lebensgeift gleichzufetzen fei, wertet er Welt und Leben, 
die bislang ihren Wert aus der Bezogenheit auf das Jen- 
feits erhalten, in fich felbft: es bleibt dem Menfchen kein 
anders Leben zu leben; aus dem zeitlichen Leben muß er 
Nutzen und Capital ziehen. Er verwirft darum, fich mehr 25 
gegen den Katholicismus kehrend als gegen das Juden- 
tum, mit aller Entfchiedenheit Weltverneinung und Welt- 
abkehr, wie fie fich in der Askefe und im Märtyrertum 
offenbaren, und lehrt frohe Weltbejahung. Die tranfcen- 
dente Wertbeftimmung ift ihm falfche Hoffnung erträumter 30 
Güter: ich errichte keine Türme im Wind; dafür daß ich 
ein Menfch bin, was Gott mir gab, und für das Leben, das 
er mir verlieh, danke ich ihm von Herzen; ich lebe zufrieden, 
mein Ziel zu wiffen und die Bedingungen des Gefetzes zu 
kennen, das Gott mir zu halten gab. 



Einleitung 



XXXV 



Von der Seelenlehre da Coitas führt keine Verbindung 
zu der Spinozas. Hier zeigt fich am deutlichften, daß fie 
zwei verfchiedenen Generationen angehören, da Cofta jener 
älteren Generation der Marranen, die noch in den Pro- 

5 blemen des Katholicismus aufgewachfen ift — auch Mi- 
chael Defpinoza, des Philofophen Vater hat zu diefer Ge- 
neration gehört, während Spinoza felbft vom Katholicis- 
mus aus Eignem nichts mehr weiß. Die Frage der ewigen 
Seligkeit, für den aus dem Katholicismus ins Judentum 

io flüchtenden da Cofta das Centraiproblem, befteht für diefe 
Generation kaum mehr, und die Frage des Lebens nach 
dem Tode ift für Spinoza keine Zweifelsfrage. In feiner 
Jugendfchrift, der kurzen Abhandlung, verlegt er in An- 
lehnung an Leone Ebreos virtü heróica den Unfterblich- 

15 keitsbegriff aus der Zeit in die Zeitloiigkeit, und in der 
Ethik, in der er ausdrücklich das zeitlich unbegrenzte 
Fortleben der Seele nach dem Verfall des Körpers negiert, 
erfetzt er den Begriff der Unfterblichkeit durch den Be- 
griff der Ewigkeit. Hier wie anderswo negiert Spinoza 

20 nicht die Begriffe, wie da Coila es getan, fondern erfüllt fie 
mit neuem Inhalt. Da Cofta ift kritifch, Spinoza fchöp- 
f erifch . 

Inder Gotteslehre ift da Cofta erft in feiner dritten und letz- 
ten Entwicklungsphafe über den Standpunkt des Juden- 

25 tums hinweggefchritten. Auch diefe Entwicklung liegt auf 
der Linie der Immanenz. Da Cofta faßt Gott nicht mehr 
als im Gegenfatz zur Natur ftehend, fein Gefetz in diefe 
Welt als ein naturfremdes hineinftellend. Der Gott, zu 
dem er fich durchgerungen, offenbart fich in der Natur und 

30 gibt in der Natur fein Gefetz und diefes Gefetz, nichts 
andern zu tun, was wir nicht uns getan wiffen wollen, ift 
das Gefetz gegen feit iger Liebe. Wie im fpäteren 17. Jahr- 
hundert die natürliche Religion als Reaction gegen den 
theologifchen Streit und Zank diefes Jahrhunderts der 



XXXVI 



Einleitung 



Theologie entftand, fo ift auch da Coitas Religion der natür- 
lichen Liebe aus den Lebenserfahrungen eines Mannes er- 
wach fen, der um der Religion willen im Leben Unglaub- 
liches hatte dulden müjjen. Sein Naturalismus ift in diefer 
Frühzeit fingulär und bedeutfam. Die thalmudifche Vor- 5 
ftellung der Vor- Gefetzes- Religion jener fogenannten heben 
noachidifchen Gebote ift nur Beleg, nicht Wurzel diefer 
Vor ftellung. Wird das Naturgefetz, das allein lehrt, recht 
zu leben, das allein zwifchen gerecht und ungerecht, häßlich 
und fchön fcheidet, durch das pofitive Gefetz der Religionen 10 
durchbrochen, fo kommt Verwirrung und Übel in die Welt. 
Aus diefem Naturalismus heraus kehrt fich da Cofta ab von 
der pofitiven Religion : Laßt mich jener andren Schar mich 
gef eilen. 

Daß der Naturalismus da Coftas auf Spinoza irgend- 15 
einen wef entlichen Einfluß geübt, ift kaum anzunehmen, 
auch wenn es durchaus möglich ift, daß er d eilen Auto- 
biographie gekannt hat. Bei aller Entwicklung zur Im- 
manenz hin blieb da Cofta bei der Vorftellung des extra- 
mundanen Gottes, während für den vom Piatonismus der 20 
Renaiffance herkommenden Spinoza von Anfang an Welt 
und Gott coincidieren. Gemeinfam ift beiden die Aufgabe, 
die ihnen aus dem Schickfal ihres Volkes erwächft, für fich, 
in eigener freier Entfcheidung die Gottheit zu fuchen, ge- 
meinfam die Ablehnung des Gottes, den die Theologen 25 
ihres Volkes aus dem Formalismus des Rabbinismus und 
dem Emanatismus der Qabbalah zufammenfetzten. Der 
Natur- Gott, den Spinoza im Theologifch-Politifchen Trac- 
tat an Stelle der Gott-Natur zum doppelfinnigen Inhalt der 
Volksreligion machen will, mag im äußeren AnfcheinÄhn- 30 
lichkeit haben mit der im Naturgefetz fich offenbarenden 
Gottheit da Coftas. Die Liebe, die bei ihm die Wefen 
bindet, ift nicht die utiliftifche Liebe da Coftas, fondern 
der Eros Piatons. Nur Spinoza hat vermocht, wonach die 



Einleitung 



XXXVII 



Sehnfucht feines Volkes irre ging, die nicht Menafcheh ben 
Ifrael, nicht da Cofta erfüllte: neuen Mythos zu fchaffen. 

Der extremfte Ausdruck der Tranfcendenz ift die Offen- 
barung : durch die religiöfe Urkunde projiciert Gott feinen 
5 Willen in die Welt. Die Bibelkritik ift darum eine ent- 
fcheidende Phafe in dem Kampfe von Immanenz und 
Tranfcendenz. Und hierin fcheint die Stellungnahme Spi- 
nozas wef entlich durch die Stellung da Coftas beftimmt. 
Da Cofta wurde, noch ehe er mit feiner Leugnung der 

io Unfterblichkeit hervortrat, von den Gegnern der Secte der 
Sadducäer zugerechnet und hat fich alsbald felbft, zumal 
in der Beftreitung der Unfterblichkeitslehre, als Saddu- 
cäer empfunden. Nunmehr fah er, die Sadducäer als Ver- 
treter des urfprünglichen, reinen Judentums nehmend, in 

*5 allen Anhängern der Tradition Nachfolger der Pharifäer, 
als welche ihre eignen Erfindungen dem Gefetz hinzu- 
gefügt, und auch die Lehre von der Unfterblichkeit war 
für ihn der Bibel fremd, Hinzufügung und Erfindung. Aus 
diefem Geift heraus nannte er fein Hauptwerk eine Prü- 

20 fung der pharifäifchen Traditionen in Vergleichung mit dem 
gefchriebenen Gefetz, und bezeichnete feine Gegner, den 
Doppelfinn des Wortes im neuen Teftament mitbenutzend, 
als Pharifäer. Diefe acceptierten die Bezeichnung von 
der Secte der Pharifäer, der wir gerne uns zurechnen, und 

25 führten den Kampf gegen die Leugner der Tradition als 
gegen die Sadducäer und Atheiften. So fand Spinoza die 
Kampfftellung vn* und bezeichnet im Theologifch-Poli- 
tifchen Tractat wie in den Briefen die Gefamtheit der tradi- 
tionsgläubigen Juden von den Zeiten des Thalmud bis auf 

30 die eigne Zeit als Pharifäer. Wie allgemein diefe Einord- 
nung geworden fein muß, zeigt noch 1675 Jean Bruns 
Apologie der wahrhaften Religion der Holländer, die die 
holländifchen Juden als Anhänger des pharifäifchen Aber- 
glaubens claffificiert. 

Da Costa Opera. III 



XXXVIII 



Einleitung 



Da Coita war des Glaubens, daß die Bibel in ihrer gegen- 
wärtigen Geftalt von den Pharifäern redigiert und ver- 
fälfcht worden fei; die Pharifäer hätten zur Beftätigung 
und Bekräftigung ihrer verworrenen Träume die Schriften 
verkehrt ausgelegt, Worte vertaufcht, abgeändert, verdreht, ja 5 
er befchuldigt iie, unächte Bücher in die Bibel eingefügt 
zu haben, wobei er fich auf die Sadducäer beruft: man 
muß wijjen, daß unter den Büchern, die uns die Pharifäer 
als ächt verkaufen und darbieten, viele find, die die Sad- 
ducäer verwerfen; darum müjjen alle, die die Wahrheit 10 
lieben und fie vertreten wollen, mit aller Macht danach ftreben, 
daß fie fich mit dem vertraut machen, was die Sadducäer 
über die Ächtheit der Bücher fagen. So erfüllt er fich, zu- 
mal er ja mit den Sadducäern nicht in Verbindung geftanden 
ift, gegen die Textüberlieferung der Bibel mit einem tiefen 15 
Mißtrauen, in der Überzeugung, daß diefe Menfchen fo ver- 
dächtig oder bejjer gejagt, in allen Dingen fo wenig wahr- 
heitsliebend find, daß die Schrift, die zu ihrer Beglaubigung 
kein anderes Zeugnis weiter hat als das ihre, äußer ft ver- 
dächtig und zweifelhaft ift. 20 

Diefe polemifche Einteilung gegen die Pharifäer und die 
Behauptung von ihrer Schriftverfälfchung teilt Spinoza 
mit da Cofta, und da deffen Kampf gegen das Pharifäer- 
tum ja noch in Spinozas Jugend mannigfach nachwirkte, 
ift als ßcher anzunehmen, daß er hier unter dem Einfluß 25 
da Coitas ftand. Wie da Cofta glaubt Spinoza, daß die 
Bücher, die wir nunmehr be fitzen, zur Zeit des zweiten Tem- 
pels von den Pharifäern aus vielen anderen ausgewählt und 
bloß nach ihrer Entfcheidung in den Kanon aufgenommen 
worden find; wer alfo die Autorität der hl. Schrift beweif en 30 
will, fchließt er daraus mit da Cofta, der muß die Auto- 
rität jedes einzelnen Buches dartun. Dabei befeelt ihn das 
gleiche Mißtrauen, daß Frevlerhände fich nicht gejcheut 
haben, die Schrift an vielen Stellen zu fälfchen, und im ver- 



Einleitung XXXIX 



trauten Gefpräch befchuldigt er die Pharifäer geradezu, 
daß fie ihre Hand ins Spiel gemengt und das Gefetz nach 
ihrem Belieben eingerichtet, auch wohl die Vorausfagen der 
Propheten nach den gefchehenen EreigniJJen umgebogen hat- 
5 ten. Darum verwirft Spinoza die Tradition der Pharifäer 
als in /ich nicht begründet, und fordert jene Bibelkritik, 
für die er felbft die Grundlage gefchaffen hat. 

Eines der Bücher, die der Sadducäer da Cofta als apo- 
kryph verwarf, ift das Buch Daniel, das ihm in feinem 

io Uniter blichkeitsglauben und in feiner Efchatologie als 
künftliche Erfindung der Pharifäer erfcheint. Spinoza folgt 
ihm darin, indem er gerade in der Einfügung des Buches 
Daniel in den Kanon den Beweis dafür erblickt, daß die 
Redaction der Bibel das Werk der Pharifäer fei. 

15 Erft in feiner Ablöfung vom Judentum kommt da Cofta 
zum Zweifel daran, ob das mofaifche Gefetz wirklich als 
Gottes Gefetz gelten dürfe, und befeftigt fich in der Über- 
zeugung, das Gefetz fei nicht von Mofes, fondern bloß eine 
menfchliche Erfindung. Damit negiert da Coftas letzte 

20 Kühnheit die Tranfcendenz der OfTenbarungsreligion . Spi- 
noza beginnt, wo da Cofta endet. 

* * * 

Völker find, wie Menfchen, um ihres Beften willen da. 
2 5 Wenn wir der Gefchichte der Marranen einen Sinn ge- 
ben wollen, fo kann er nicht darin gefunden werden, daß 
iie in einer im ganzen wenig eigenartigen Weife fremde 
Religion reproducierten. Ihr Erlebnis war, ihre Einmalig- 
keit in der Gefchichte, daß fie zwifchen den Welten, zwi- 
30 fchen den Glauben ftanden, in der Spaltung ihres Bewußt- 
feins die erften Menfchen ohne eingeborene Kategorien. 

Menfchheitsbedeutung haben nur die Marranen, die ihr 
Schickfal bejaht und aus ihrem Erlebnis Erkenntnis ge- 
macht. Von ihrer Zeit find fie als Abfeitige oder Abtrün- 

111 • 



XL 



Einleitung 



nige ausgefchieden und der VergelTenheit überliefert. 
Gleichwohl kennen wir den einen oder anderen von ihnen 
— man wäre verfucht, von Marranen-Literatur zu reden» — : 
Abraham Farrar etwa, der die Philofophie allein als Leh- 
rerin anerkannte; Ifaac la Peyrère, der einer wörtlichen 5 
Textauslegung den feltfarnen Gedanken doppelter Men- 
fchenfchöpfung entnahm und dabei die erften bedeut- 
famen Verfuche einer Bibelkritik über die Authenticität 
der biblifchen Bücher anftellte; Juan de Prado, der in 
den Tagen Spinozas und in feltfamer Parallelität mit ihm 10 
der Wahrheit der Schrift den Glauben verfagte und fich 
zu Gott und Gefetz der Natur bekannte. Nur zwei von ihnen 
gehören der Weltgefchichte des Geiftes : Uriel da Cofta und 
Benedictus de Spinoza. Ihnen war es gegeben, im Ver- 
nich dem einen, in der Vollendung dem anderen, fich eigne 15 
Kategorien zu bilden. Aus der Spaltung ihres Bewußt- 
feins ift das moderne Bewußtfein hervorgegangen. 

Das Volk, das beide dem Untergang weihte, ift unter- 
gegangen, denn von feiner Eigenart findet niemand mehr 
eine Spur. Was von ihm lebendig ift, lebt in jenen beiden. 20 
Sie find der Sinn feiner Gefchichte, fie hervorzubringen 
war die welthiftorifche Miffion der Marranen. 

Da Cofta hat den neuen Mythos, den Spinoza fchuf, nur 
von der Ferne gefehen. Sein Leben ging nicht wie bei 
jenem auf in das Werk; es blieb Leben und leidvoll. 25 
Nachdem er den ergreif endften Brief gefchrieben, den die 
Menfchheit empfangen, fiel er, ein Opfer dem unbekann- 
ten Gotte. 



PROPOSTAS CONTRA A TRADIÇÃO/ 
THESEN GEGEN DIE TRADITION 



I 



Da Costa Opera. 



1 



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iödi ,dö^i ornou öiWtfjii pw ikuö ftiflna psv JJHH 
5 *p ^md idwbti t$V>ta íwn rw» mtoaff 
5 Ksvoi rtijMisnai n^a ^ nDW v^snn wr^ maaa nn\n 
pn ny *?aa zw avn rn ftWi p avn vn um /an 
nw mmn rraw fftwtt iMi /rwi np^n Kto fpa 
nmK n^ity nö^ nrto ,pr toa *fl|fi msm ,pr toa 
o raMMV sams-i mnava *6i -rato nton njwa 
?wy WfllftiH 'n nwo mar 5 ? pai w anjhp» 
r/Tv nno hkií ir» ^^öna min maw mDipDW /an 
WH jtw ,nioa piar as ^a ^itott ian i» *to 
; nniCöö r n Tiwrm t prna ^a f a parti ffl 5ty nnrt 
5 ,«W1 psi n^yn pa rtm ian wirw rtifll i^k nffti 
,ms "»ya nmn nia-n >tPlfö wjp ia? ^tyft irts 
noK Tjn ^inai 6 ? tbm pa sin n?n iam nmaa 

piam mianp niha nstaita nysn ynaf ays ma nm« 
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,th pai D^^n pa nibn 5 ? iti nvjw a^i^D fito^ 
5 mif ta 1 ? aari^ o ■»toa ro^ nbn 

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4 



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mp^nantr piaa ,ntofc *6i nb*o a^&ny ara awpm 
^s^antra^sa ,nwi ntep ma n«a Kbttf nsi: ite 

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n^^nt^ im , n^örtg jrra«a mmi par nr^n 

♦ pn toa sbs ntena h^i^n imsa 
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io mayn iK^nt? #n ; *fi Minien 7>torfti Torß mi 
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frtonrl <a iy ,ai\i my nnw a^iy IM ^"«^ ,Wh&3 »in 
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8 



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,nbs nbw wtd^ nas^ a^snb tnnn s^i ,nr»n nny 
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pi ntra bs ps^ rwpn im toi mmn i sbs 
jnsn "?s a^pn a^irmi ,ynx itbjtw mmn nm* 
71 ^ p sbs ,nins mm »fc uitw s"? mib6 ik 20 

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pa 2b 'nb tow pin stra misin na 1 ?^ ^ant^ /m 
sbs ns tynt^ mmn p hm sbi ^mmn w öib^ 
,masn by man p isi nym ,an,iann a^aBtran toß^a 
nt^Db iin^ last^ nui^n^ n^nx a^Bi^nt^ ^sbi 25 

mmn kmtn nbzpn km mkí 'Ui a^a^n 

ins iwa k^i mm pstr unisnn ins p as 
ansnn o^n^a nbnp rmnptp na D"S /na nw» smnna 
rnrflb » mba r n^» ^mb nt^BSi sm nnn nnnsi 30 
nii^bi isnbi nt^a nima nab ais 1 ? aipa nnb s\n nbm 
ast^ ma ^mbsn mian a^trus a^n^B r»W?i 
laibi nM^s 5 ? nnn^n 1 ? nbna m^BD ,n^us sm ntr nsii 



n i b s 



9 



tos ,wö min iDa wbm naspö ba mrat^ a^nmt^ 
Datas ,nt^ta ?pwi w anaa nrs m^v waatr anw 
laatrna sb asi min'? d^dö kvi ds ,vtyi iipna 

.tote* 

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hw tew ws 5 ? wisi ^ròa d^vwi pa ^ 
,\rDff n^aob pi ^a mDisn bsb sbi rrKb rnpim 
bs p Di nnaap sbs ms -»aa ^aa mjn \n naba sb 
io iam 1 ?! idsh 5 ? sbi abö pnanb wim ^npn aita 

, toDmaa 

/D nbst^ 
.nma mnna 

nvn^i muib iaa& wsi iwfc "»o ia nosa w» man 
i 5 nta mtni na ib nw# ^ ,mnn ib p< 
?niwi ^a sb is bn ns isab pn mm onb o^anni 

s^vaa aman wni«wi imb ^sn 

. a^on by 

2o wtarr» p ,Ö*?ftna a^aiD aa^s minb a^a ísip yp* 
p ,atrsa ípyri kvw naiaa bpia a^asn 
sW \mb nmiDon a^iaim ,a^a ims mr qs sitsnb 
sbi ,aip^D nntD sbi ,pnb ant? aisab •nsi aisn sarp 
Eitras viba Djnaai na&ta rrnem rnih by f\y\h maab 
25 viterf timS mki pai ,niBDu nnri"» mxon pi ,nv»pn 

r ntí> nt mitrnb sbi ,^iasn£ 

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, raps í-iaia by 

p sb pan mso istn bbnn naiat^ iasa na 

30 neoni ;minn p nwon nrn a^maö wsn aitasa 



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♦fit^Tpn ímin td^i ti sb6 nmrrt dk ^ 



ERSTE FRAGE: ÜBER DIE GEBETSRIEMEN. 

Das Anlegen der Gebetsriemen ift nicht von der Thora, 
fondern von Menfchen geboten, wie aus folgenden Grün- io 
den eriichtlich wird : 

1 . In der Thora ift nicht die Art und Weife ihrer Her- 
ftellung, ihr Ausfehen und ihre Form erläutert. So 
wie ße es bei den Schaufäden erläutert hat, daß es 
Fäden sein sollen, und daß ein himmelblauer hinzu- 15 
komme, fo hätte auch erläutert werden muffen, daß 
die Gebetsriemen aus Haut hergeftellt werden müßten, 
mit zwei Gehäufen, mit Riemen u. dgl. 

2 . Wenn fie von der Thora aus Verpflichtung wären, hätte 
die gleiche Verpflichtung zu jeder Zeit beftanden, da die 20 
Thora keinen Unter fchied macht, ebenfo wenig wie bei 
den Schaufäden, wo die Erinnerung an die Gebote zu 
jeder Zeit gleich ift. Ein Zeichen paßt auch für jede Zeit, 
und warum fagte man, daß wir fie nur zur Gebetszeit an- 
legen follten, aber nicht an Sabbathen und Feiertagen? 25 
Denn wäre es im Gegenteil nicht an Sabbathen und Feft- 
tagen paffender, der Gebote Gottes zu gedenken und der 
Wunder, die er getan? 

3. Aus den Stellen, an denen die Thora von Gebets- 
riemen fpricht, ift nicht erfichtlich, daß fie ein Gerät oder 30 
überhaupt ein greifbarer Gegenftand feien, fondern nur 



Thesen gegen die Tradition ii 

eine Erinnerung des Gehirns. 2. Buch Mofe, Cap. 13 : Sie 
/ollen fein zum Zeichen auf deiner Hand und zur Erinnerung 
zwifchen deinen Augen, denn mit fiarker Hand hat dich 
Gott aus Ägypten herausgeführt. Daraus ift nicht eriicht- 
5 lieh, daß man etwas herftellen folle, um es zwifchen die 
Augen und um den Arm zu hängen, fondern daß man die 
Erinnerung an den Auszug aus Ägypten ftärke. DieThora 
bedient fich dabei der gewöhnlichen Umgangsfprache, wie 
wenn einer fpräche : diefe Sache fchwebt vor meinen Augen 

10 fländig in der Erinnerung. Der Text fagt dort ferner : es 
foll fein zum Zeichen auf deiner Hand und zur Stirnbinde 
zwifchen deinen Augen ufw., wobei aus der Veränderung, 
mit der er einmal Zeichen, einmal Erinnerung und einmal 
Stirnbinde fagt, erfichtlich ift, daß die Abiicht nur auf 

15 die Erinnerung, aber nicht auf einen umgehängten und 
umgelegten Gegenftand ging. Ebenfo 5. Buch Mofe, Cap. 6, 
im Abfchnitt Höre wird aus dem Vorhergehenden das- 
felbe erfichtlich : es follen fein diefe Worte, die ich Dir 
heute gebiete, auf deinem Herzen. Das bedeutet doch gewiß 

20 nicht, daß man fie auf das Herz fchreiben foll, fondern 
daß wir fie nicht vergeffen, wie es auch ebendort Cap. 2 
heißt : damit fie nicht weichen von deinem Herzen ufw. Und 
ebenfo ftärkt der Text ftändig die Erinnerung an den Aus- 
zug aus Ägypten, nicht aber, daß wir einen Gegenftand 

25 fertigen, um ihn zwifchen die Augen und um den Arm zu 
hängen; ähnlich wie in den Sprüchen, Cap. 3, fleht: 
fchreibe fie auf die Tafel deines Herzens, binde fie um deinen 
Hals ufw. Auch findet man den Namen Gebetsriemen 
( Thephillin) an allen diefen Stellen nicht erwähnt, fondern 

30 Stirnbinde ( Totaphoth) . 

4. Die Verfchiedenheit, mit der die Juden die Gebets- 
riemen anlegen (die Deutfchen legen fie an Halbfeiertagen 
an ohne Segensfpruch, aber nicht fo die Levantiner, 
während die Qaräer weder wie die einen noch wie die 



12 Thesen gegen die Tradition 

andern es machen) lehrt, daß augerifcheinlich keine Über- 
lieferung von der Thora her auf fie kam, fondern nur von 
Leuten, die fie erfanden, und darum macht es jeder, wie 
er will. 

5. Warum follte der nicht Betende frei fein vom An- 5 
legen der Gebetsriemen , während die Thora die Erinnerung 
an die Gebote nicht vom Sprechen des Gebetes abhängig 
machte, ebenfowenig wie die Schaufäden vom Gebete ab- 
hängen, fo daß fie jederzeit getragen werden. 

6. Die Thora führte die Erinnerung an die Gebote 10 
bereits mit den Schaufäden ein und dazu hätte man der 
Gebetsriemen nicht bedurft, denn fie hat nicht erläutert, 
daß man fie auf diefe Weife herftellen folle. Unter der 
Vorausfetzung, daß das Gebetsriemen-Gebot nur Men- 
fchengebot ift — und wir wollen uns jetzt nicht in die 15 
Unter fuchung einlaffen, ob wir verpflichtet find, auf die 
Menfchen zu hören oder nicht — ift es doch wertvoll, die 
Einführung daraufhin näher zu betrachten, ob fie nützen 
oder fchaden kann. Nutzen ift dabei keiner erfichtlich, 
Schäden find folgende : 1 . Man macht einen Segensfpruch 20 
über etwas, das uns nicht geboten ift, und dazu noch über 
die Gebetsriemen, von denen nicht erwähnt ift, daß fie 
sei es auf dem Kopf, sei es auf den Arm gelegt werden 
müffen; 2. man gibt den Nichtjuden Veranlaffung, über 
die Gebote des Gottesvolkes zu fpotten, indem fie aus 25 
ihrer Gotteslehre felbft ihre Hinfälligkeit beweifen und fie 
zu einem unvernünftigen, ja törichten Volke ftempeln, ftatt 
der gegenteiligen Vorfchrift, daß die Völker fprächen : 
ein weif es undverftändiges Volk ift diefe große Nation ; 3. wir 
verfehlen die Abficht in der Thora, deren Hauptzweck war, 30 
daß wir aller ihrer Gebote gedenken, während mit dem 
Anlegen der Gebetsriemen das Gegenteil eintritt, daß wir 
nur fo lang gedenken, als die Gebetsriemen auf unferem 
Haupte find, eine halbe Stunde oder eine Stunde, und daß 



Thesen gegen die Tradition 13 



wir glauben, daß es damit genug fei; 4. es ift eine Hinzu- 
fügung eines Gebotes zur Thora, die da fagt: ihr follt 
nichts hinzufügen zu dem Worte, das ich euch heute befehle 
ufw, Alfo kommen die Gebetsriemen nicht aus der Thora 
5 und ihr Anlegen ift weder ziemlich noch richtig. 

ZWEITE FRAGE: ÜBER DIE BESCHNEIDUNG. 

Wie wir uns bei der Befchneidung und der Art ihrer 
Ausführung beim heutigen Gebrauch gegen die Thora ver- 
fündigen . 

10 1. Das Ausfaugen des Glieds mit dem Munde wurde 
nicht zugleich mit der Befchneidung befohlen, ift alfo hin- 
zugefügt, und wir dürfen nichts zu den Geboten hinzu- 
fügen. 

2 . Wegen der Sittlichkeit : es ziemt iich nicht für einen 
15 Mund, der die Worte des lebendigen Gottes ausfpricht, 

iieh dadurch zu verunreinigen, und von der Natur aus 
ift dies zu verabfcheuen. Wenn man fagt, es gefchehe zu 
Heilungs zwecken, fo ift das falfch, denn es heilt nicht, 
wie jedem gefchickten Arzte bekannt ift, und wäre es dann 
20 nicht veröffentlicht in den Büchern der Völker, wenn es 
ein Heilmittel wäre? Es ift aber ein hinzugefügter Ge- 
brauch und ganz abfcheulich. 

3. Was die Bereitftellung des Seffels für Elias angeht, 
fo fpotten unfere Feinde darüber ; denn folche Dinge find 

25 Torheiten, aber keine Gefetzesvorfchriften. 

4. Was die Ausführung der Peri'a (Bloßlegung der 
Eichel) angeht, fo wurde diefe nur aus eignem Urteil von 
einem der Lehrer eingeführt, denn befohlen war fie nicht, 
und wir fügen zu der Ausführung unferer Väter etwas 

30 hinzu. Zum Beweife, daß es eine Hinzufügung ift, diene: 
1 . daß die Thora ftändig bei diefem Gebot den Ausdruck 
Milah gebraucht, deffen Bedeutung Rundfchnitt ift, aber 
nicht Peri'a fagt oder irgend einen anderen Ausdruck für 



14 Thesen gegen die Tradition 

fchneiden, wie fie gefagt hätte, wenn fie jenes gemeint 
hätte, denn fie ließe eine folche Haupt fache gewiß nicht 
ohne Erläuterung; 2. genügt als Zeichen ein einfaches 
Abfchneiden zum Symbole, daß wir die Vorhaut unferes 
Herzens befchneiden, und ein Auffchneiden der Länge 5 
nach wäre nicht nötig, denn im Rundschnitt liegt das 
Symbol, Überflüffiges zu entfernen und von fich zu tun, 
und damit ift Genüge ; 3 . die Eichel ift verfteckter ohne 
die Peri'a, und als Stütze für all das Gefagte diene es, 
daß die Söhne Ifmaels, die von den Zeiten ihres Urahnen 10 
Ifmael her feine Fußftapfen gingen, Zeugnis dafür ab- 
legen, daß auch er keine Peri'a ausführte; denn fonft 
führten fie fie auch heute noch aus. Es beweift alfo 
die Thora einerfeits und der Gebrauch der Türken und 
Qaräer andererfeits, daß die Peri'a ein neueingeführter 15 
Gebrauch ift und darum nicht gut. 

DRITTE FRAGE: ÜBER DIE FEIERTAGE DES 

EXILS. 

Daß das Einführen von hinzugefügten und verdoppelten 
Feiertagen, acht ftatt fieben, wie die Thora uns vor- 20 
fchreibt, eine Änderung ift und eine Verfündigung gegen 
die Thora. 

1 . Es ift nicht zu leugnen, daß in der Siebenzahl, die in 
der Thora beftimmt ift, ein Symbol und ein geheimer 
Grund liegt, und daß mit der Veränderung diefer Zahl 25 
auch das Symbol hinfällig wird . 

2. Es bedeutet eine Änderung in der Thora, und eine 
folche dürfen wir in keinem ihrer Teile vornehmen. 

3. Wir fetzen die Gebete herab, indem wir aus zwei 
Tagen einen machen; denn wenn der erfte heilig ift, ift 3° 
der zweite ein Wochentag, und umgekehrt, und wie kann 
man fagen, daß in diefer Nacht Gott uns aus Ägypten 
geführt habe und in der zweiten Nacht dasfelbe, wenn es 



Thesen gegen die Tradition 15 



nur eine einzige Nacht war, in der wir aus Ägypten ge- 
zogen find. 

4. Es genügt fchon, zu fagen, daß aus dem Feiern von 
acht Tagen ftatt von fieben, die die Thora befohlen hat, 
5 keinerlei Nutzen entfteht: 1. Wenn ihr erwidern wolltet, 
daß es aus Zweifel über die Neumonde entftanden fei, 
fo antworten wir, daß darüber keinerlei Zweifel befteht, 
denn durch die kalendarifche Feftfetzung des Neumonds 
wiffen wir, welcher Tag es ift, ob der 14. oder der 15. des- 

10 felben; 2. hätten wir ebenfogut zwei Tage Verföhnungs- 
tag feiern müffen ; 3 . wenn der zweite aus Zweifel wegen 
des erften gefeiert wird, hätte man am zweiten nichts 
vom erften erlauben dürfen. Ift er ihm nicht wiederum 
gleichgeftellt, dann ift er eben zu viel, und nicht nötig. 

15 Kurz, wir finden keine Rechtfertigung, mehr Tage zu 
feiern, als in der Thora geboten find. 

VIERTE FRAGE: DASS DAS VERBRENNEN 
NICHT MIT FLÜSSIGEM BLEI GESCHIEHT. 

Da die Thora befahl, daß irgend einer durch Verbrennen 
20 abgeurteilt werde, ift es gegen deren Gebot, wenn wir 
fagten, es folle bewerkftelligt werden durch Eingießen 
flüfiigen Bleis in feinen Mund. 

1. Die Thora fagt das nicht, und wenn fie es gewollt 
hätte, hätte fie ihre Worte erläutert. Wir können uns nur 

25 an ihren klaren Wortlaut halten. 

2. Der Text fagt im 3. Buch Mofe, Cap. 20: Und wenn 
jemand ein Weib nimmt, und dazu ihre Mutter, fo ift es 
Unzucht. Im Feuer foll man ihn und fie verbrennen u/w. 

3. Das Eingießen von Blei in den Mund ift kein Ver- 
30 brennen durch Feuer, denn Blei ift kein Feuer und von 

Verbrennen kann nur dann die Rede fein, wenn der Mann 
im Feuer verbrennt, nicht aber das Feuer im Mann. Ein 
Beweis läßt fich dem Falle der roten Kuh entnehmen, bei 



i6 Thesen gegen die Tradition 

der gefchrieben fteht : er foll die Kuh verbrennen ufw. Hier- 
bei war es nötig, fie in Afche zu verwandeln und dabei 
erwähnt der Text bei der Kuh nicht einmal etwas vom 
Feuer, während er dort lagt : im Feuer foll man fie ver- 
brennen, um die Auffaffung auszufchließen, es folle durch 5 
etwas Heißes gefchehen, vielmehr wirklich im Feuer. 

FÜNFTE FRAGE: ÜBER DEN EIGENTÜMER 
EINES STÖSSIGEN OCHSEN. 

Daß es gegen das Recht der Thora verftößt, den Eigen- 10 
tümer eines ftößigen Ochfen nicht zu töten, wenn der 
Ochfe öinen Menfchen getötet hat, nachdem der Eigen- 
tümer gewarnt war. 

1. In der Thora find verfchiedene Fälle angeführt: 

1. ein Ochfe, der getötet hat, ohne daß fein Eigentümer 15 
verwarnt war, in welchem Falle der Ochfe getötet wird 
und der Eigentümer frei bleibt; 2. wenn er getötet hat, 
nachdem der Eigentümer verwarnt war, in welchem 
Falle der Ochfe zufamt dem Eigentümer getötet wird ; 
nur läßt der Text in diefem Falle die Möglichkeit einer 20 
Milderung zu, weil der Eigentümer nicht felbft der 
Mörder war, indem er fagt: wenn ein Löfegeld ihm auf- 
erlegt wird, fo foll er feine Perfon befreien. Jedoch follte 
das Recht dem Kläger zuftehen, und ohne ihn dürfte 
man nicht anftatt der Tötung Geldauslöfung annehmen. 25 
Denn wenn niemals der Fall eintreten könnte, daß er 
getötet würde, warum follte da die Thora vergeblich 
gefagt haben : auch fein Eigentümer wird getötet ? 

2. Beweis aus anderen Stellen aus der Thora, daß der- 
jenige, der einen Schaden verur facht hat, geftraft wird, 30 
als habe er felbft ihn zugefügt, wie es dort heißt: wenn 
ein Mann eine Grube gräbt ufw., fo muß der Eigentümer 
der Grube bezahlen und ebenfo: bezahlen muß derjenige, 
der den Brand entzündete. Ebenfo hier, da der Eigentümer 



Thesen gegen die Tradition 17 



des Ochfen verwarnt war und ihn nicht gehütet hat, hat 
er den Schaden verurfacht und wird mit dem Tode be- 
ftraft, wenn der Kläger nicht in das Löfegeld willigt. 

SECHSTE FRAGE: ÜBER AUGE UM AUGE. 

5 Es verftößt ebenfo gegen das Recht der Thora, zu 
fagen, daß derjenige, der des anderen Auge ausfchlägt 
oder fonft ihm einen Leibesfchaden verurfacht, nur Geld 
zu zahlen brauche. 

1. Beweis. 3. Buch Mofe, Cap.24: Wenn ein Mann 
10 feinem Nächflen einen Leibesfchaden verurfacht, fo zvie er 

getan, foll auch ihm getan werden. Auge um Auge ufw. 
Daraus, daß der Text mehrmals wiederholt, fo wie er 
einen Leibesfchaden verurfacht hat ufw., geht hervor, daß 
die Abficht ift, ihm wirklich dasfelbe anzutun. Ebenfo 

15 heißt es 2. Buch Mofe, Cap. 2 1 : wenn Männer ftreiten ufw., 
muß er ihn nur für die Zeit, da er feierte, entfchädigen und 
für feine Heilung for gen. Diefer Fall, in dem er ihm keiner- 
lei Leibesfchaden verurfachte, kann durch Geldzahlung 
erledigt werden. Verurfacht er aber einen Leibesfchaden, 

20 fo muß ebenfo mit ihm verfahren werden. Das find ge- 
fonderte Gefetzesvorfchriften. 

2. Es ift erfichtlich aus dem Falle, daß einer das Auge 
feines Sklaven oder fogar nur einen feiner Zähne aus- 
fchlägt und er ihn deswegen frei laffen muß, wobei die 

25 Freiheit doch wertvoller ift als alle Geldentfchädigung. 
Wenn fchon die Thora bei dem Sklaven, der doch leichter 
ins Gewicht fällt, da er das eigene Vermögen betrifft, 
eine fo fchwere Strafe auferlegt, um wie viel mehr bei 
freien Menfchen, fodaß man fich dabei nicht loskaufen kann. 

30 3 . Die Logik zwingt dazu, daß es nicht genügt, in folchen 
Fällen eine Geldftrafe zu verhängen. 

4. Die Thora hat überall die Abficht, den Übeltätern 
Furcht einzuflößen. Es bedeutet aber keinen Zügel oder 



Da Costa Opera. 



2 



i8 Thesen gegen die Tradition 

keine Furcht, wenn fie mit Geld zahlen könnten ; nur wenn 
fie denken, daß ihnen ebenfo am eigenen Körper ge- 
fchehen wird. 

5. Daraus, daß es bei der Frau heißt: wenn fie ihn 
bei JeinemSchamteil packt, follft Du ihre Hand abhauen , ohne 5 
Dich ihrer zu erbarmen, wobei wir fehen, daß die Thora nicht 
wollte, daß wir uns eines Übeltäters erbarmen. Wenn 
fchon bei der Frau, die keinen Leibes fchaden verur facht 
hat, der Text fagt : Du follft dich nicht erbarmen, um wie 
viel weniger follen wir uns dem gegenüber, der des Ande- 10 
ren Auge ausfchlägt oder desgleichen, aus Erbarmen zu- 
rückhalten und die Vorfchriften nicht wörtlich auff äffen. 

6. Aus den Gefetzen der anderen Völker, die es einge- 
führt haben, daß man iich in ähnlichen Fällen nicht mit 
Geldftrafen begnügt, fondern nur mit Körper ftrafen, ja *5 
mitunter mit der Todesftrafe. 

SIEBENTE FRAGE: ÜBER DAS GRUNDSÄTZ- 
LICHE DER MÜNDLICHEN LEHRE. 

Es genügt allein, um das Fundament der Thora umzu- 
ftürzen, wenn man fagt, man müffe die Vorfchriften der 20 
Thora auf Grund der Überlieferung beurteilen, und man 
müffe an diefe glauben wie an die Thora von Mofe felbft, und 
fie für wahrhalten, wodurch man beinahe die Thora ändern 
und eine neue Thora der wirklichen entgegen ftehend 
fchaffen würde, während es unmöglich ift, daß eine 2 5 
mündliche Lehre exiftiert außer der beftehenden aus fol- 
genden Gründen: 

1 . Es ift aus der Thora nicht erfichtlich, daß eine andere 
Thora fich vorfindet, noch gibt es einen Hinweis auf diefe; 
und es hätte doch in der Thora erwähnt werden müifen, 30 
denn wenn einer ohne dies irgend etwas bekräftigen 
wollte, läge darin kein Beweis. Ja felbft wenn diejenigen, 
die die mündliche Thora bezeugen, Männer wären, die 



Thesen gegen die Tradition ig 

Wunder vollbrächten, fo dürften wir doch auf ihre Worte 
keine Rücklicht nehmen, wenn iie nicht mit der fchrift- 
lichen Thora übereinftimmten. Denn nachdem die Thora 
uns durch den höchften aller Propheten gegeben wurde 
5 und ihr Empfang und ihr Abfchluß durch den Mund 
Gottes beftätigt wurde, gibt es für uns kein untrügliches 
Zeichen, die wahren von den falfchen Propheten zu unter- 
fcheiden, als die Übereinftimmung mit der Thora. 

2. Es ist aus der Thora felbft eriichtlich, daß es nichts 
J o außer ihr gibt und daß wir uns nach ihren Worten richten 

müffen und nach nichts anderem, da unfer Lehrer Mofe 
zu wiederholten Malen hervorhebt, befonders 5. Buch 
Mofe, Cap. 4: und jetzt, Ifrael, höre auf die Gefetze ufw.; 
ihr Jollt nichts hinzufügen und nichts verändern, und das 

15 Wort heute foll nachdrücklich hervorheben: es gibt keine 
Gebote weiter, als die ich euch heute befohlen habe, und 
du follft nicht berückiichtigen zukünftig, die da fagen 
werden, ich hätte noch anderes vorgefchrieben außer 
diefem; ich gebe fie alle öffentlich und fchriftlich, nicht 

20 durch mündliche Einflüfterungen. Ebenfo Cap. 27: Ver- 
flucht, wer nicht hält die Worte die f er Thora ufw., d.h. es 
gibt nur diefe Thora und ich gebe euch keine andere. 

3. Auch die Proceffe, die in MofisZeit begannen, wurden 
nicht von der Überlieferung her entfchieden, fondern auf 

25 Grund der Thora : alle fchweren Fälle brachten fie zu Mofe, 
und ebenfo befahl die Thora, auch fpäter daran f eftzu- 
halten und bei fchweren Fällen an den Priefter oder den 
Richter fich zu wenden, damit fie nicht nach einer anderen 
Thora entfchieden, fondern auf daß Gott feinen Geift über 

30 fie ausgieße, um nach der fchriftlichen Thora zu urteilen. 

4. Als König Salomo die Schwere des Urteils erkannte, 
verlangte er von Gott einen verftändigen Sinn, um fein 
Volk nach feiner Thora zu richten, aber er urteilte nicht 
nach einer mündlichen Thora, fondern in fchweren Rechts- 



2o Thesen gegen die Tradition 

fällen nach dem Verftande. Das Volk fah es und ftaunte 
über feine Weisheit, weil Richter befonders vernunft- 
begabt fein müffen, wie Jithro zu Mofe fagte: Bieder- 
männer, Weife ufw. Das ift die Überlieferung, die zur 
Thor a gehört, keine andere. 5 

Nachdem wir nun dargelegt, daß keine andere Thora 
und keine andere Erläuterung außer der fchriftlichen von 
Gott ftammt, muß alfo die fogenannte Überlieferung hin- 
iichtlich der erwähnten Erklärungen und ähnlicher fchon 
menfchlich fein. Gegen fie läßt fich einwenden : abgefehen 10 
davon, daß es eine große Brefche bedeutete, wenn man 
den Menfchen Gelegenheit gäbe, von Mofis Thora abzu- 
weichen, zu erläutern, und menfchliche Erklärungen ftatt 
göttlicher zu lernen und zu verkünden, würde es, fobald 
es fich uns als etwas Menfchliches ergäbe, eine große l S 
Leugnung bedeuten, es dem Göttlichen gleichzuftellen 
und zu fagen, wir feien verpflichtet, alle Gefetze des 
Thalmud zu halten wie die Thora von Mofe. Allerdings 
müiTen wir zugeben, daß hinhchtlich der praktifchen 
Ausführung ein Gewohnheitsrecht möglich ift, jedoch 20 
müiTen wir genau prüfen, ob diefes mit der Thora über- 
einftimmt. In diefem Falle hat es Geltung; im anderen 
Falle ift es nichtig. 

ACHTE FRAGE: ANSICHTEN. 

Es gibt bei den Juden Anflehten, die desjenigen, der 25 
den Namen Ifraels trägt, nicht würdig find, die vielleicht 
anderen Völkern geziemen, aber auch nicht allen anderen 
Völkern, fondern nur den törichten unter ihnen, die nicht 
nur Anflehten törichter Menfchen find, fondern auch im 
Wider fpruch gegen die guten Sitten, die fich deren 30 
Träger aus dem Sinne fchlagen follten, die man nicht 
öffentlich befprechen und erwähnen follte. 



Thesen gegen die Tradition 21 



NEUNTE FRAGE: ÜBER DAS AUFHEBEN DER 

GELÜBDE. 

Das Gelübde, womit fich irgend einer bindet, fofern es 
weder derThora noch den guten Sitten wider fpricht, kann 
5 nicht gelöft werden. Dazu hat keiner Kraft und Erlaub- 
nis. Den Weifen ift es nur geftattet, zu unter fuchen, ob 
das Gelübde vom Standpunkte der Thora aus ftatthat 
oder nicht. Man follte der Leichtfertigkeit, die in folchen 
Fällen Platz gegriffen hat, fteuern. 

10 ZEHNTE FRAGE: ÜBER DIE UMZÄUNUNGEN. 
Was man Zaun um die Thora nennt, ift nicht unbedingt 
gut; denn fie können die Menfchen leicht zur Sünde 
bringen mittels der Abficht, die doch die Hauptfache bei 
einem Vergehen bildet; denn fie glauben zu fündigen, 

15 wenn üe diefen Zaun durchbrechen. Dinge, die ange- 
ordnet find, um Schutz zu bilden, damit der Menfch nicht 
fündige, follte man als Schutz erklären und nicht als 
felbftändiges Gebot, und nicht eine Thora auf die andere 
aufbauen, eine noch fchwerere als die erfte und kaum aus- 

20 führbare; ebenfo bei neuhinzugefügten überflüffigen Ge- 
boten. Man follte das Göttliche vom Menfchlichen 
trennen und beides nicht einander gleichftellen. 

ELFTE FRAGE: ÜBER DEN SEGENSSPRUCH 
DER ES GEHEILIGT DURCH SEINE GEBOTE 

25 UND UNS BEFOHLEN. 

Ferner wollen wir fagen, daß der Segensfpruch vor dem 
Hallel- Gebet und anderen rabbinifchen Geboten ungehörig 
ift ; denn indem man fagt : der uns befohlen, fetzt man vor- 
aus, daß das Gebot von der Thora fei. Und in den Gebet- 

30 büchern find Dinge, die man ftreichen follte, wie z. B. 
daß Elias zwölf Gefchlechter fchaute, und bei dem Mär- 
tyrertod der zehn Weifen, bei dem es heißt: /0 war es 
im Rate Gottes bejchloffen. 



22 Propostas contra a Tradição 



Auf alle diefe Fragen erhoffen wir eine Löfung entweder 
durch Gegenbeweife aus der Thora und aus der Vernunft, 
fo daß das Fundament eingerifíen wird, oder durch Zu- 
ftimmung. Es foll dies nicht als Streitfucht und Hart- 
näckigkeit aufgefaßt werden, fondern nur zur Anerken- 5 
nung des göttlichen Namens und zur Ehre feiner heiligen 
Thora. 



PROPOSTAS CONTRA A TRADIÇÃO. 
E PRIMEIRA DOS THEPHILIN. 

Propom, que o preceito Thephilin naõ feja de 10 
ordern da ley, mas humano, e ifto per razoens. E pri- 
meira que naõ efta claro na ley como devaõ fer feitos 
de couro, com correas, e divididos em 4 cafas, o qual 
ouvera de declaralo, como no cicit. &ca. 

Segunda diz eile que fe foffe ordem Divina, feria 15 
obrigação trazelos em todo tempo e ora, & naõ fo na 
ora da Tephila de menham; e em Sabat & feitas que 
naõ fe pom &ca. 

Terceira diz elle: que nos lugares donde fala a ley 
dos Tephilin, naõ moftra que devaõ fer coufa inftru- 20 
mental & effencial, mas fomente prefervaçaõ de me- 
moria &ca. & nifto fe alarga muito. 

Quarta: argumenta la diveríidade que ha entre os 
fectas dos Judeus, Tudefcos, Efpanhoes e outros, que 
alguns pom Tephilin em medianos de Feitas & outros 25 
naõ, & os Karaim nunca. 

Quinta diz: que aquelle que por qual quer cccafiaõ 
naõ diffe Tephila, he liure de por Tephilin; e que 
naõ fe deva caeer que a ley aja pofto a memoria dos 
preceitos fomente na oraçaõ &ca. 30 

Sexta diz: que feja fuperfluo o preceito dos Te- 



Propostas contra a Tradição 23 

philin por memoria dos preceitos fendo ja o do cicit 
para eíte fim ordenado &ca. 

SEGUNDA PROPOSTA 

diz, que no modo que se uza na circuncifaõ fe offende 
5 a ley: Por rezons. 

I a Primeiramente: com o chupar o fangue da carne 
circumíidada muitas vezes com a boca, o qual naõ he 
mandado na ley; he logo acreffentado, & que naõ he 
feito por medicamento, conforme temos cirugioens, pois 
10 naõ teria numero de vezes prefixo. 

2 a diz: ser deshoneftidade, que a boca que a da 
Ds. para pronunciar coufas Divinas, deva inmundarfe 
recebendo em íi aquella parte vergonhofa. 

3 a diz: que fe offende a Ley, com preparar hüa 
15 cadeira para Eliau, fendo coufa acreffentada, e que 
damos com ifto ocafiaõ aos gentios de zombarfe de 
nos &ca — . 

4 a Quarta diz, que feja contra a ley o fazer a Periha, 
naõ fendo uzada de noftros pais, e que a Efcritura ha 

20 uzado a palavra de Mila, que quer dizer cortar arroda, 
& naõ ajuntou outra algüa palavra fignificante outro 
corte. 2 a fegunda razaõ nifto, diz, que baila o pri- 
meiro corte de arroda para cumprir o mifterio que 
a ley quer, que he o rixar toda a fuperfluidade do co- 

25 raçaõ, com hum corte arroda, e naõ he neceffario mais. 
3 a Terceira rezaõ nifto diz, que ficaria o membro 
muito mais honefto cuberto fem Perihâ. 

Alega pois, por prova os Turcos, que diz haõ feguido 
a circuncifaõ de Ismael, e os Caraim, que naõ fazem 

30 Perihà. 

TERCEYRA PROPOSIÇÃO, 

que o fazer outo dias de Pafcua em lugar de fette, 
feja mudança & acrecentamento à Ley. 



24 Propostas contra a Tradição 

i a E primeiramente por que o numero fetenario 
tem mifterio o qual naõ fe obferva fazendo outo. 

2 a Que he emnovaçaõ na Ley. 

3 a Que nas oraçoens dizemos em ambos os dias, 
tal dia, e naõ pode fer fenaõ hum. 5 

4 a Que he inútil e vaõ o fazer outo, nem fe deue 
dizer que he por duvida da Luá, pois do primeiro do 
mez se sabe todo o mez, a demais, que tambe o dia 
de Kipur hera neceffario fazer dous dias : e mais que fe 
fe fas o fegundo dia por duvida, naõ fe devera fazer io 
cicit nelle coufa algüa mais que no primeiro. 

E finalmente, paraque queremos fazer mais daquilo 
que a ley manda. 

QUARTA PROPOSTA: 

que o queimar que fazia o Magiftrado aos reos da 15 
tal morte, devia fer com fogo e lenha; naõ com chumbo 
derretido &ca: E iffo por rezoens — 

I a E primeira: que a ley naõ diz afíi. 

2 a Segunda: que diz, no fogo arderão: que he com 
fogo e lenha, lo prova também por la vaca vermelha, 20 
adonde diz, e queimará â vaca, e depois diz, e apan- 
hara â finza, e que fempre diz no fogo, para excluir 
efta interpretação do chumbo, que naõ he fogo. 

QUINTA PROPOSIÇÃO: 
Que feja contra a ley que o dono de hum boy, o 25 
qual foy proteftado, e matar algüa pefíba, que tal dono 
nao morra. 

E ifto por que no dono de boy que naõ foy avizado, 
diz a ley que fera livre ou innocente o tal dono; e 
aqui diz, que fera matado. E fenaõ foffe em effeito 30 
executado â morte, feria hum juizo igual, com o do 
dono do boy naõ proteftado. E que nefte cafo ficaua 
a libertade do mais próximo parrente do morto, que 



Propostas contra a Tradição 25 

morreffe o patraõ do boy, ou naõ, dandolhe feu ref- 
gate. E que em outros lugares, que quem he occafiaõ 
de dano, he caftigado: como quanto cavar hum home 
fosso y e cair nelle &ca. 

5 SEXTA PROPOSIÇÃO 

diz: que adonde diz a ley olho por olho &ca deua 
en tender fe affi juftamente, e naõ pena pecuniária &ca 
e ifto por rezoens 
I a Primeiramente. 

10 2 a Segunda Razaõ diz: que ja eftava ditto em outra 
parte dizendo e quando ferir home a feu companheiro 
com pedra &ca, o feu ocio dara, e mezinhar fera mezin- 
hado : que fala de quem naõ offende membro principal 
e incurável, que aquelle dara dinheiro, mas naõ efte. 

15 3 a Terceira diz, que fe o efcravo deve fer mandado 
livre pela offença do olho, ou do dente, que a liber- 
tade he mais preciofa que qual quer dinheiro; 
quanto mais fe offender o hum feu companheiro, que 
fera neceífario, que feja punido com outra coufa que 

20 dinheiro. 

5 a Quinta diz: que a Divina entençaõ he meter 
temor, para que naõ fe faíTa hum ao outro femel- 
hantes offen ços, e que por dineiro naõ se temeria 
tanto. 

25 6 o Sexta diz: que se a mulher que pegava pella 
vergonha de algum home, selhe cortava a maõ, sem 
compaixão; quanto mais quem priva a outro de hum 
membro, senaõ deve apradar fobre eile, e promutar 
em dinheiro feu caftigo. &ca. 

30 7 a Sétima prova pellos Leys de outros gentes, que 
affi o feguem. 

Hora vamos â foluçaõ da 



26 Propostas contra a Tradição 

7 a QUESTÃO 
do proponente que diz, que naõ fe deue dizer, que 
aja Ley de bocca, nem outra que a efcrita; e ifto 
por razoens: E para que naõ parece na Ley acharfe 
outra, nem declaração delia, e que devia estar expresso 5 
na Ley. 

Diz o Proponente na 2 a razão da sétima sua questão 
acima ditta que pela misma Ley parece, que naõ aja 
outra, & que difíe Motten: & agora Ifrael ouve os 
preceitos & os Juízos, que eu te encomendo oye: (Que 10 
he o quer dizer oye, fenaõ aquelle dia & naõ outro) 
naõ acrecenteis, nem diminuais &ca. Maldito aquelle 
que naõ observar as palavras desta Ley &ca. 

Na tercera razaõ da fobre dita fetima queftaõ fua, 
diz que os Judeus do tempo de MoíTeh naõ julgavaõ *5 
por Ley de boca, fenaõ pela escrita, & as coufas 
difficultofas traziaõ a MoíTeh. 

Por 4 a rezaõ da 7 a Queftaõ diz, que Selomo pedio 
de Ds. coração entendente para julgar: de modo que 
naõ julgaua por Ley de boca, mas por feu entendi- 20 
mento. E affi os Juizes deputados por Moffeh por 
confelho de feu fogro, que deviaõ fer inteligentes. 

OUTAVA PROPOSTA 
diz : que ha entre os Hebreos opinoens indignos 
delles &ca. 25 
NONA PROPOSIÇÃO: 
Que os ditos ejuramentos que naõ fejaõ contra a 
Ley e boms coftumes, naõ fe podaõ dispenfar, e que 
naõ fem autoridade os fabios para iffo &ca. 

10 a PROPOSTA, 30 
que aquellas coufas que chamaõ reparos ou vallados, 
naõ faõ abfolutamente bons porque fazem pecar em 
confciencia &ca. 



Thesen gegen die Tradition 



27 



THESEN GEGEN DIE TRADITION. 

DIE ERSTE THESE HANDELT VON DEN 
GEBETSRIEMEN. 

Er ftellt die Thefe auf, das Gebetsriemen-Gebot fei 
nicht gefetzliche Anordnung, fondern menfchliche, und 
5 zwar aus beftimmten Gründen. 

Der erfte ift: es ift im Gefetz nicht klar, wie fie 
hergeilellt werden f ollen, aus Haut, mit Riemen, und 
geteilt in vier Gehäufe, was hätte erklärt werden 
müiTen wie bei den Schaufäden ufw. 

I0 Zweitens fagt er : wenn es göttliche Anordnung wäre, 
beftünde die Verpflichtung, fie zu tragen, zu jeder Zeit 
und Stunde, und nicht bloß zur Stunde des Morgen- 
gebets, ferner am Sabbath und an Fefttagen, an denen 
man iie nicht anlegt ufw. 

15 Drittens fagt er: aus den Stellen, an denen das 
Gefetz von den Gebetsriemen fpricht, ift nicht erficht- 
lich, daß fie ein Gerät und ein greifbarer Gegenftand 
fein follen, fondern nur eine Gedächtnishilfe ufw. und 
darüber verbreitet er iich ausführlich. 

20 Viertens : er argumentiert mit der Verfchiedenheit, 
die zwifchen den jüdifchen Sekten, den Deutfchen, 
den Spaniern und andren befteht, daß einige die Ge- 
betsriemen an Halbfeiertagen anlegen, andre nicht, 
und die Qaräer überhaupt nie. 

25 Fünftens fagt er : wer wegen irgend eines Umftandes 
kein Gebet fagt, ift davon befreit, Gebetsriemen zu 
tragen, und es darf doch nicht der Fall fein, daß das 
Gefetz die Erinnerung an die Gebote bloß in das Ge- 
bet gelegt hätte ufw. 

30 Sechftens fagt er: das Gebetsriemen-Gebot wäre zur 
Erinnerung an die Gebote überflüffig, dajafchondas Gebot 
von den Schaufäden zu diefem Zweck verordnet war ufw. 



28 Thesen gegen die Tradition 

DIE ZWEITE THESE 
befagt : in der Art, in der die Beschneidung ausgeführt 
wird, wird das Gefetz verletzt^ und zwar aus folgen- 
den Gründen: 

1. Dadurch, daß das Blut aus dem befchnittenen 5 
Fleifch viele Male mit dem Munde ausgefaugt wird, 
was im Gefetz nicht befohlen ift; es ift alfo hinzuge- 
fügt, und zwar ift es nicht gefchehen als Heilmittel, 
entfprechend den wundärztlichen Heilmitteln, die wir 
haben, da es dann nicht eine vorgefchriebene Zahl von 10 
Malen hätte. 

2. fagt er: es ift eine Unehrbarkeit, daß der Mund, 
dem es von Gott gegeben ift, göttliche Dinge auszu- 
fprechen, fich verunreinigen follte, indem er jenes 
Schamteil in fich aufnimmt. 15 

3. fagt er: das Gefetz wird verletzt, indem ein SeiTel 
für Elias bereitgeftellt wird, da dies etwas Hinzugefüg- 
tes ift, und damit geben wir den Nichtjuden Anlaß, 
uns zu verfpotten ufw. 

4. fagt er: die Ausführung der Peri' a ift gegen das 20 
Gefetz, da fie von unfern Vätern nicht geübt worden 
ift. Die Schrift hat das Wort Milah gebraucht, was 
in der Runde abfchneiden bedeutet, und fie hat kein 
anderes Wort hinzugefügt, das einen andern Schnitt 
bedeutete. 2. Der zweite Grund dabei befagt: der 25 
erfte Rundfchnitt genügt, um das Geheimnis zu er- 
füllen, das das Gefetz im Auge hat, zu bekämpfen 
jegliche Überflüffigkeit des Herzens mit einem Rund- 
fchnitt, und mehr ift nicht von Nöten. 3. Der dritte 
Grund dabei befagt : das Glied bliebe viel ehrbarer 30 
bedeckt ohne Peri'a. Er führt dann zum Beweife die 
Türken an, die, wie er fagt, die Befchneidung Ifmaels 
befolgt haben, und die Qaräer, die keine Peri'a aus- 
führen. 



Thesen gegen die Tradition 29 

DRITTE THESE, 

daß das Einführen von acht Oftertagen anftelle von 
heben eine Änderung und Hinzufügung zum Gefetz ift. 

1. Es ift es erftens deshalb, weil die Siebenzahl ein 
5 Myfterium birgt, was nicht beachtet wird, wenn man 

acht daraus macht. 

2. Es ift eine Neuerung im Gefetz. 

3. In den Gebeten fagen wir an beiden Tagen: ein 
folcher Tag, und das kann nur ein Tag fein. 

10 4. Es ift nutzlos und eitel, acht zu halten, auch 
darf man nicht fagen, es gefchehe aus Zweifel über 
den Mond — aber nach dem erften des Monats weiß 
man den ganzen Monat. Überdies wäre es ebenfo not- 
wendig, aus dem Verföhnungstag zwei Tage zu machen. 

15 Zudem dürfte man, wenn der zweite Tag aus Zweifel 
gehalten würde, an ihm nicht Schaufäden legen, alfo 
etwas mehr als am erften Tag. 

Kurz es gefchieht, damit wir mehr tun wollen als 
das, was das Gefetz befiehlt. 

20 VIERTE THESE: 

daß das Verbrennen, das die Obrigkeit über die zu 
folchem Tode Verurteilten verhängt, mit Feuer und 
Holz erfolgen muß, nicht mit gefchmolzenem Blei ufw. 
Und zwar aus folgenden Gründen: 

25 1. Der erfte ift der, daß das Gefetz es fo nicht fagt. 
2. Der zweite: daß es fagt, im Feuer Jollen fie brennen, 
das bedeutet mit Feuer und Holz. Es beweift es auch 
durch die rote Kuh, wo es fagt: und er foll die Kuh 
verbrennen, und fpäter fagt es: und er foll die Afche 

30 fammeln, und immer fagt es im Feuer, um diefe Aus- 
legung mit dem Blei auszufchließen, das kein Feuer ift. 



30 Thesen gegen die Tradition 

FÜNFTE THESE: 

daß es gegen das Gefetz ift, daß der Eigentümer eines 
Ochfen, der verwarnt war, wenn der Ochse eine Perfon 
getötet hat, daß dieser Eigentümer nicht ftürbe. 

Und zwar deshalb, weil bei dem Eigentümer eines 5 
Ochfen, der nicht benachrichtigt war, das Gefetz fagt, 
ein folcher Eigentümer fei frei oder ohne Schuld. Und 
hier fagt es, er folle getötet werden. Und wenn er 
nicht in der Tat zu Tode gebracht wird, wäre es ein 
Urteil gleich dem über den Eigentümer des Ochfen, der 10 
nicht verwarnt war. Und in diefem Falle blieb dem 
nächften Verwandten des Toten die , Freiheit, ob der 
Herr des Ochfen fterben folle oder nicht, indem er ihm 
Löfegeld für iich gab. Und an andren Stellen: wer Ver- 
anlaiTung eines Schadens ift, wird beftraft, wie wenn l S 
ein Mann eine Grube gräbt, und es fällt einer hinein ufw. 

DIE SECHSTE THESE 

befagt: wo das Gefetz fagt: Auge um Auge ufw., muß 
man es genau fo verftehen und nicht eine Geldftrafe 
ufw., und zwar aus folgenden Gründen: 20 

1. Erftens. 

2. Der zweite Grund befagt: es wurde fchon ander- 
wärts gefagt, da es hieß : wenn ein Mann feinen Ge- 
noffen mit einem Stein fchlägt ufw. muß er ihn für die 
Mußezeit entfchädigen und für feine Heilung Jorgen, 2 5 
Dabei ift die Rede von einem, der kein Hauptglied und 
unheilbar verletzt, daß diefer Geld geben kann, aber 
nicht ufw. 

3. Der dritte befagt: wenn der Sklave freigelaiTen 
werden muß wegen der Verletzung des Auges oder des 30 
Zahnes, da doch die Freiheit wertvoller ift, als alles 
Geld, um wieviel mehr wird es notwendig fein, wenn 



Thesen gegen die Tradition 31 

einer feinen Genoffen verletzt, ihn um anderes zu 
ftrafen als um Geld. 

5. Der fünfte befagt: es ift göttliche Abficht, Furcht 
einzuflößen, damit der eine dem andern nicht ähnliche 

5 Verletzungen zufüge, und um Geldes willen würde 
man fich nicht derart fürchten. 

6. Der fechfte befagt: wenn man der Frau, die das 
Schamteil eines Mannes packte, die Hand abhieb, ohne 
Erbarmen, um wie viel weniger darf man fleh über 

den, der den andern eines Gliedes beraubt, erbarmen 
und feine Strafe in Geld umwandeln ufw. 

7. Der fiebente Beweis aus den Gefetzen der ande- 
ren Völker, die es fo befolgen. 

SIEBENTE FRAGE 

5 des VerfalTers, der fagt, man dürfe nicht fagen, es 
gebe ein mündliches Gefetz noch irgend ein andres als 
das gefchriebene und zwar aus folgenden Gründen : 
Es ift deshalb, weil im Gefetz nicht erfleh tlich ift, 
daß noch ein andres Gefetz fleh findet, noch eine Dar- 

legung darüber, und es hätte doch im Gefetz zum 
Ausdruck gebracht werden rnüflen. 

Der Verf aller fagt im 2. Grund feiner obengenann- 
ten fiebenten Frage: aus dem Gefetz felbft ift erficht - 
lich, daß es kein anderes gibt und daß Mofe fagte: 

5 und nun, IJrael, höre auf die Gebote und die Rechte, 
die ich euch heute anbefehle (denn er will fagen heute, 
bloß an jenem Tage und nicht an einem anderen); ihr 
follt nichts hinzufügen und nichts davon tun ufw. Ver- 
flucht, wer nicht hält die Worte diefes Gefetzes ufw. 

Im dritten Grund feiner obengenannten fiebenten 
Frage fagt er: Die Juden in der Zeit des Mofe richte- 
ten nicht nach dem mündlichen Gefetz, fondern nach 
dem fchriftlichen, und die fchwierigen Sachen brachten 
fle vor Mofe. 



32 Thesen gegen die Tradition 

Als 4. Grund der 7. Frage fagt er: Salomo erbat 
von Gott ein verf tändiges Herz, um zu richten, der- 
geftalt, daß er nicht nach mündlichem Gefetz richtete, 
fondern nach feinem Verftand, und ebenfo die Richter, 
die dem Mofe nach dem Rat feines Schwiegervaters 5 
beigegeben waren, welche einfich tsvoll fein mußten. 

DIE ACHTE THESE 

befagt: bei den Hebräern gibt es Anflehten, die ihrer 
unwürdig find ufw. 

DIE NEUNTE THESE: 10 

daß die fogenannten Gelübde, die nicht gegen das Ge- 
fetz und die guten Sitten find, nicht gelöft werden 
können und daß die Weifen deshalb nicht ohne Auto- 
rifation ufw. 

ZEHNTE THESE: 15 

daß jene Dinge, die man Wälle oder Einfriedigungen 
nennt, nicht unbedingt gut find, weil fie GewiiTens- 
fünden veranlaffen ufw. 



SOBRE A MORTALIDADE DA ALMA 
DO HOMEM / ÜBER DIE STERBLICH- 
KEIT DER SEELE DES MENSCHEN 



Da Costa Opera. 



3 



Sobre a Mortalidade da Alma 35 

Cap. XXIII. 

Em que Je trata que couja Jeja alma do homem, 
quem ha gera, Je he mortal, ou polo contrario 
immortal. 

5 Para auermos de tratar fobre a mortalidade, ou imorta- 
lidade da alma do homem he conveniente perguntar pri- 
meiro que coufa feja a dita alma, mormente que algüs 
ignorantes quando a nomeaõ parece que a figurão algüa 
donzela em corpo, como outros nola pintaõ faindo do pur- 

10 gatorio. A alma do homem pois dizemos que he & fe 
chama o efpirito da vida com que viue o qual efta no 
fangue; & com efte efpirito viue o homem, faz fuas obras, 
& fe moue em quanto lhe dura, & naõ fe extingue faltando 
naturalmente, ou por algum cafo violento, & naõ ha outra 

15 diferença entre a alma do bruto, & a do homem, que fer 
a do homem racional, & a do bruto carecer de razaõ: no 
de mais nacer, viuer & morrer por tudo faõ iguais como 
diz felomoh : ô° naõ tem o homem ventagem do animal 
na duração, porque tudo vaidade; afíique à alma do 

20 animal he o seu sangue efpirituado como diz a ley & nelle 
confifte & efta a dita alma : da mefma maneira a alma do 
homem no fangue & efpirito vital confifte. 

E fabido que temos coufa que fe chama alma, pergun- 
tamos agora quem gera efta alma no corpo do homem. 

25 Refpondemos que na queftaõ ha pouca duuida, & he claro 
como o sol gerar o homem a alma doutro homem por 
geracaõ natural da mefma maneira que hum animal gera 
a alma doutro animal femelhante a elle, affi que hum 
Elephante gera outro Elephante taõ prudente; a rapofa 

30 outra rapofa taõ fagas : o caualo outro caualo taõ forte 
obediente, & briofo; o homem polo confeguinte gera 
outro homem racional como elle, & de coração entendido, 

3* 



36 Sobre a Mortalidade da Alma 

que he a diferença comque dos brutos fe aparta, & naõ 
ha na matéria fobre que duvidar: doutra maneira fora a 
geração do homem manca & imperfeita contra a ordem 
& inftituiçaõ diuina, a qual em virtude de fua palaura 
por meyo da femente pofta em cadahuá das criaturas 5 
todas geraõ feu femelhante, & affi fe conferuaõ fuas 
efpeçies, & multiplicaõ, Sc ao homem particularmente foy 
dito : & bem diffe a elles Deus, & dijje a elles Deus gerai, 
multiplcai, & enchei a terra, & fogeitai a ella, & dominai 
fobre os pexes do mar. E porque o homem gera em todo 10 
feu femelhante ; por iffo diz a mefma efcritura : & Adam 
viueo cento & trinta annos, & gerou a fua femelhança: 
Adam raçional & principe na terra fobre as criaturas 
gerou a fua imagem & femelhança em tudo perfeito fem 
que outrem interuieffe na geração. O mefmo diz Selomoh 15 
quando diz que o naçer do homem he femelhante ao 
naçer do animal ; Sc enfim a coufa careçe de toda duuida 
& contradição confirmada por rezaõ & por ley. 

Os que dizen que as almas faõ Entes apartados do corpo, 
os quais Deus criou por junto, & tem poftos como em 20 
íileiro donde os manda meter nos ventres das prenhes naõ 
merecem fer ouvidos, Sc faõ eftes os fonhados defa tinos da 
antiga vam gentilidade indinos de toda repofta, que ynda 
agora feguem os pharifeos. Outros dizem que nos ventres 
das prenhes por nova criação cria Deus eftes Entes : coufa 25 
também marauilhofa eftranha de rezaõ Sc ley: & os que 
efta opinião tomaõ foy por naõ conçederem fer a alma do 
homem mortal como entendiaõ ficaua fendo fe for gerada 
por outro homem, & por aquelles meyos naturais que as 
almas dos animais faõ geradas : & como eftes também por 30 
fi naõ tenhaõ rezam, nem ley que ajude feu penfamento, & 
fabricada adeuinhaçam, nam ha paraque gaftar o tempo 
em referir fuas rezois, Sc desfazer feus fracos & caducos 
fundamentos. 



Sobre a Mortalidade da Alma 37 

Segueffe perguntar fe a alma do homem he mortal, ou 
polo contrario imortal. E refpondemos que do que precede 
fe fica colhendo a repofta, & fer a dita alma mortal, 
pois difíemos que ella confiftia no fangue, & efpirito vital, 
5 o qual primeiro morre & fe extingue no homem do que 
o mefmo homem morra; & nam morrera o homem fe o 
efpirito vital alma que o anima nam faltara nelle : provaffe 
efta verdade natural & palpada por muytos lugares da 
efcritura expreffos, aos quais nam ha tornar repofta: & 

10 primeiro fe prova porque nam confta da ley que a alma 
do homem feja immortal, ou para ella efteja guardada 
outra vida pena, ou gloria, & era totalmente impofíivel 
naõ. fazer a ley de tais coufas mençaõ, porque naõ coftuma 
Deus incubrir ao homem o caftigo antes lho poem muytas 

15 vezes diante para com o medo delle o desuiar do mal 
como pola ley parece. 

Segundo fe proua porque diífe Deus ao home: no dia 
que comeres delia morrer morreras , logo o homem foy 
criado mortal, & fogeito a morrer; doutra maniera fe 

20 fua condiçam fora immortal eífa immortalidade ouuera de 
ter no corpo animado efpirituado com o efpirito que Deus 
lhe infpirou, mas naõ deuia morrer: outro fi lhe diffe 
Deus pò tu & em po feras tornado, com que manifeftou 
ao homem feu fim, & lhe fez faber que pofto que criatura 

25 tam principal feus dias teriam numero & fin, & ao que 
dantes foy a iffo mefmo tornaria. 

Terceiro fe proua porque os padres naõ atentaram a 
outra vida, nem trataram, dos bes delia como fe nota de 
fuas palauras por que dizendo o fenor a Abraham que 

30 feu premio feria muyto, elle refpondeu : fenor Deus que 
darás a mi, & eu me vou fem filhos, & efie criado de 
minha cafa fera meu herdeiro como dizer: Seflor eu nam 
fei em que ei de auer eile premio grande, ou em que moeda 
me de pagar pois eu nam tenho filhos que fejam herdeiros 



38 Sobre a Mortalidade da Alma 



deffes meus bems, & fe Abraham atendera a outra vida 
deixara o premio grande para ella, & nam tratara dos 
bems prezentes; deftes bems tratou Yshak na bençam 
com que bemdiffe a Yahacob, & fobre elles fe funda a 
Ley pondohos por premio dos bons: também Selomoh 5 
confiderando os males que na vida acõ teciam, & nam 
vendo outra milhor, julgou por mais bemauenturado 
aquelle que nam naceo. 

Porque efta efcrito : por ventura aos mortos farás mara- 
vilha; fe os que carecem de vida fe alevantaraò , Louvarão 10 
a ti, por ventura contar feha na fepultura tua mifericordia, 
tua verdade na perdição: por ventura fera conhecida 
na efcuridade tua maravilha, & tua juftiça na terra do 
efquecimento? logo nega aos mortos poder louvar a Deus, 
& levantar fe para iíTo, porque naquella fua morada naõ 15 
ha vida, nem ha efpirito na cova terra de perdição terra 
de efcuridade & efquecimento, & fo os vivos podem louvar 
a Deus; & nam os mortos louvarão ao fenor nem todos os 
que decem ao filencio, & nos bendiziremos a yah de agora 
fafta fiempre . Por iíTo em eftes, & outros lugares femelhantes 20 
que a cada paffo fe achaõ fe argumenta da miferia & 
vaidade da vida humana para obrigar a Deus a miferi- 
cordia & compaxam de criatura tam caduca, & taõ pouco 
duradeira. Eis de palmos puzefle os meus dias, & o meu 
tempo como nada diante de ti: de verdade tudo vaidade & 25 
como fombra pafja todo homem: ouve minha oraçam fenór, 
ô 9 atenta minhas lagrimas, & meu clamor nam desuies agora 
porque peregrino eu contigo, jornaleiro como todos meus 
pajjados: desuia de mi & levanta de mi teu castigo, enforte- 
cereime antes que va & naõ eu & em outra parte : elle miferi- 30 
cordioso & fera propicio fobre a maldade, & nam deperdera 
& naõ multiplicara para desviar fua yra, & nam efpertara 
toda fua fanha: & lembrouffe que carne elle, efpirito que 
pajja & nam tornara: & Yob dizia c. 7. meus dias foram 



Sobre a Mortalidade da Alma 39 



ligeiros mais que a lanjadeira do tecedor & faltaram fem 
efperança de cobrar outros; lembrate que vento minhas vidas, 
naõ tornara meu olho a ver bem, naô me ver am olhos do que 
me via, teus olhos en mi nam eu: faltou a nuue & pajjou, 
5 affi o que dece á cova naô fubirà, naõ tornara mais a fua 
cafa, nem conhecerão mais o feu lugar; & logo diz mais : 
eßou enfaftiado de minha vida, nam ei de viver para fempre, 
çeffa de mi com açoite, porque vaidade meus dias: o mesmo 
fentido fegue no cap. 14. & outros muytos lugares que 

10 feria largo referir ; & quantos Pfalmos fe achaõ efpalhados 
que todos conferem & concluyem com dizer que a vida 
do homem he breve, & acabada ella naõ lhe fica nem taõ 
somente efperança de poder tornar a cobrar outra; por- 
que a arvore fe for cortada tem efperança de tornar ynda a 

15 fer renovada; &> fua brotadura naõ ceffarã, fe envelhecer na 
terra fua rais, & em po morrer feu tronco com o cheiro das 
aguas brotara, & fara ramo como planta, mas o homem 
morre & fera enfraquecido & morto o homem, & onde elle: 
andarão as aguas do mar, & o rio fera feco & fecarfea: mas 

20 o homem dormio & naô fe levantara ate naõ a ver ceos naõ 
efpartaraô, & naõ fe levantarão de feu fono: como dizer: 
tam impoffivel he o homem morto tornar a viver, que 
poderão primeiro faltar ao mar as aguas, & os rios cauda- 
lofos fecarfe, mas o homem nunca poder á tornar a viver 

25 em quanto ou ver ceos, que fera fempre, nam accordara 
do fono mortal que hüa vez dormir: E por que efte fono 
hè taõ pezado dizia David ao fenor: alumia meus olhos 
porq; a cafo naõ durma de morte, porque a cafo nam diga 
meu inimigo: prevaleci contra elle: tu Sefíor ves que o 

30 inimigo naõ deixa de me bufcar, fera fácil hüa hora poder 
vir a fuas maõs, & perecer nellas, alumia pois meus olhos 
paraque veja por onde ponho os pes, & poíTa guardarme 
delle porque a cafo naõ durma de morte, porq; naõ 
aconteça dormir aquelle fono de que nam fe acorda, & fe 



4o Sobre a Mortalidade da Alma 

glorie meu inimigo de auer prevalecido contra mi, afíi por 
tudo fe moftra que morto o homem nam fica coufa delle, 
nem tornara algum dia a viver, porque annos de numero 
viviram, & polo caminho donde nam tornareif yrei: acabar- 
jeam o fim delles } & eu farei aquella jornada comum a toda 5 
carne, & andarei aquelle caminho que nam tornarei a 
de J r andar. 

Os que defendem fer a alma do homem immortal coftu- 
mam refponder a algüs dos fundamentos que puzemos 
furtando o corpo, & dando certas diftinçois, as quais afíi 10 
como fam pouco verdadeiras affi fe caem de feu ? refpon- 
dem pois ao texto, pó tu & em pó feras tornado que alli 
falou Deus com o corpo & naõ com a alma. reposta graci- 
osa. Deus falou com o homem vivo & efpirituado, & a 
efte tal fez faber condiçam, & lhe declarou que fua vida 15 
teria termo & numero, & o po deixou no po fem mais lhe 
dar levantamento, o que era bem neceíTario para poder 
efperar por ifíb. Adam fe nam levantou mais avendo 
tanto que dorme, nem fe levantara em quanto o mundo 
durar, & ou ver ceos, que fera para fempre. Da mefma 20 
maneira refpondem aos textos com que fe prova nam 
poderem os mortos louvar a Deus a faber que o nam 
podem louvar corporalmente como que niffo foífe a dizer 
algüa cousa fe elles efpiritualmente o pudeífem fazer, pois 
milhor louvaria o efpirito limpo & livre do corpo, do que 21 
louvaria incorporado & metido nelle : & nam era verda- 
deiro dizer que os mortos nam louvavam a Deus louvan- 
doho o efpirito delles : antes fe os mortos louvavam tam- 
bém ao fnór, em vam fe fazia também o argumento para 
obrigar a Deus a ter compaixam do homem pondolhe 30 
diante a brevidade de feus dias, & vaidade delles fe morto 
elle ficava fua alma & feu efpirito, & comeíTava a ufar 
outra vida bem aventurada, eterna & defcanfada, mas 
porque ifto affi nam he dizia & dira qualquer aflito : lern- 



Sobre a Mortalidade da Alma 41 

brate que nam ha meu olho de tornar a ver bem. Mais 
respondem ao verso : & lembrouffe que carne elles, efpirito 
que pajja & nam tornara, & femelhantes que o efpirito 
nam tornará aquelle corpo mortal, mas tornará a corpo 
5 immortal: & nam vem que fe o efpirito tornaffe a corpo 
tal, tornara milhor, & nam fe chamaria eíTe tornar naõ 
tornar: enfim fam diftinçois defpropofitadas & defvios 
mal tomados para fugir a verdade, a qual como he forte 
& poderofa naõ deixa vencerfe. Ajuntamos que Abraham 

10 também diíTe: eis agora come ff ei a falar a meu fnór, & eu 
po & çinza: & f e o efpirito de Abraham era immortal, & 
avia de tornar a tomar corpo immortal, nam era Abraham 
pó nem çinza, nem tal fe podia na verdade chamar, antes 
era Abraham hum ente immortal, & do corpo parte menos 

15 principal nam fe devia fazer cafo para tomar o nome & 
chamar fe pó, porque as coufas fe denominam da parte que 
nellas mais domina, & mais vai no homem feu efpirito, & 
he a parte principal: fe efte efpirito he immortal, & ente 
por fi, tal fica fendo o homem & nam fe chamará po ynda 

20 que feu corpo o feja, & muyto mais fendo fó ate çerto 
tempo. Conheceu pois Abraham fua condição caduca & 
corruptivel, & como tal fe vio a vendo de falar com Deus, 
aparelhouífe de humildade confefíando & pondo diante 
quanto indino era desta fala. Defta mefma maneira fe 

25 entende o lugar, po tu & em po feras tornado, & nam fe 
podia tal dizer polo homem todo & vivo com que Deus 
falou fendo feu efpirito immortal, nem o homem fe tor- 
nava em pó: o qual Selomoh bem conheceo, & por iffo 
diíTe que o homem naõ tinha ventagem nhüa do animal ná 

30 duracaõ porque tudo vaidade, & o acontecimento do 
animal & o acontecimento delle hum a elles: affi como 
morre efte affi morre aquelle, & efpirito hum a todos, & 
ventagem do homem mais que do animal nhüa porque 
tudo vaidade : os fabulofos declaradores dando faida à efte 



42 Sobre a Mortalidade da Alma 

verfo dizem; tudo vaidade, afora a alma: & ata muyto 
bem eíla fua repofta com tudo o que aqui diz onde fe trata 
que o homem em fua duraçam nada he diferente do 
animal & o mefmo efpirito que tem hum tem outro, & 
por ifíb mefmo tudo vaidade, tudo vai a hum lugar, tudo 5 
foy do po & tudo torna ao pó; quem /abe fe o efpirito do 
homem fobe para fima, & o efpirito do jumento dece eile 
para baxo da terra: poloque feitas as contas vim a achar 
que nhãa coufa milhor ao homem que gozar o trabalho 
de fuas maós, & que e/ta he a fua parte, nem leva outro 10 
fruto de sua criaçam, & vi que nam ha milhor que alegrar fe 
o homem com fuas obras porque efta he fua parte: nam 
lhe refta ao homem outra vida para viver, defta que pre- 
zente tem ha de fazer conta, & cabedal, fe a quer guardada 
tema a Deus, & guarde feus preceitos, affi gozará o fruto 15 
de feu trabalho. 

Cap. XXIV. 

Em que Je poem os fundamentos que coflumam 
trazer por fi os que dizem Jer a alma do homem 
immortal } & aver refurreiçam dos mortos com as 20 
repoflas a elles. 

Os que apregoam immort alidade da alma, & resurrei- 
çam dos mortos fam como homés que querem fubir hüa 
parede, liza fem efcada que nam tendo em que fe apegar, 
todas as vezes que eilendem a maõ, & vaõ para por o pé 25 
efcorregaõ, & caem como pareçera de feus fundamentos 
que feguem. 

Primeiro : O homem foi criado a imagem de Deus, Deus 
he immortal, logo o homem he também immortal, ou 
naõ feria o homem feito a imagem de Deus. 30 

II. A criaçam dos homés nam foi femelhante a dos 



Sobre a Mortalidade do Alma 43 

outros animais & Deus infpirou nelle efpiraculo de vida, 
logo efte efpiraculo he immortal. 

III. Deus diffe ao homem, no dia que comeres da arvore, 
morreras, fe Adam nam comera nam morrera, logo im- 

5 mortal foi criado. 

IV. Mofeh diffe a Deus je nam perdoas a efte povo, 
ri/carne de teu livro que efcreveste, nefte livro eftam efcritos 
os que ham de viver vida eterna, & eítes fam os que vivem 
na terra dos viventes. 

10 V. Semuel veyo falar a Saul logo os mortos vivem & 
falam. 

VI. Elyhau foi tomado ao ceo, & vive, & Elyffah refu- 
citou morto. 

VII. Nos Pfalmos fe le que os maos feram deftruydos da 
15 terra & os bons floreçeram, logo outra vida he neceffario 

que aja, porque nefta os maos florecem & os bõs padecem, 
& affi os maos nam fam caftigados, nem os juftos premiados. 

VIII. Efta efcrito Pf. 16: por que naò deixaras minha 
alma na fepultura, nam deixaras o teu mifericordio/o ver a 

20 coua; item quam grande o teu bem que guardaste para teus 
tementes Pfal. 31 . 

IX. Eftá efcrito viviram teus mortos, & logo mais a 
terra defuntos lançara: item eu abro vojjas fepulluras, 
farei fubir a vos de vojjas fepulturas povo meu Yesah. 26. 

25 item eu conheço meu redimidor vivo, & verdadeiro, jobre 
o pó eftarei, & dejpois que minha pelle trilharem efta de 
minha carne verei a Deus, o qual ei de ver por mi & 
meus olhos veram & nam alheo & enfraqueceram meus 
rins, &c. Yob cap. 19. também Daniel prophetizou da 

30 refurreiçam dos mortos. 

Ao primeiro argumento 'que o homem nam feria feito 
a imagem de Deus fe nam foffe immortal refpondemos 



44 Sobre a Mortalidade da Alma 

que he doudice querer que o homem feja imagem de Deus 
em tudo & por tudo affi porque Deus he omnipotente nem 
por ifíb o homem fua imagem he omnipotente; doutra 
maneira fe ouveffemos de coníiderar o homem imagem de 
Deus em tal força que feja retrato feu feria neceífario que 5 
o homem folie Deus, & Deus naõ pode fazer outro femel- 
hante em tudo a íi mefmo, & a mayor grandeza fua he 
fer tal que elle mefmo com todo feu poder nam pode fazer 
outro feu igual, porque implica fer Deus, & poder fer 
feito criado ou gerado : he pois o homem imagem, &femel- 10 
hança de Deus em algüa coufa, he hüa fombra de fua 
fabeduria, nam he a mefma fabeduria: podeíla fobre as 
criaturas & he quaíi femelhante a Deus, mas nam podefta 
como Deus afíi naõ he imagem de Deus na immortalidade, 
que eíTa he própria de Deus & nam do homem ; por ven- 1 5 
tura como dias do homem os teus dias, teus annos como dias 
de varam: nam pudera Yob dizer ifto fe o efpirito do 
homem fora immortal. 

Ao fegundo. A criação do homem naõ foy femelhante 
à dos brutos animais : & Deus in/pirou nelle efpiraculo de 20 
vida, logo este efpiraculo he immortal. Refpondemos que 
nada ata o argumento, & fe tira mal a confequençia, porque 
nam fe fegue que o efpirito que deu vida ao corpo de 
Adam fem alma de Adam foífe efpirito immortal, antes 
polo lugar fe moftra que o mefmo efpirito de vida tem os 25 
animais que tem o homem, porque na criação delles diífe 
Deus; produza a terra alma vivente, & na criaçam do 
homem defpois de ja animado com o efpirito vital que 
lhe infpirou, foi o homem por alma vivente, affi que a 
mefma palaura ufa num lugar que no outro, & como diz 30 
Selomoh: efpirito hum a todos: Nam tirar Deus ao homem 
da terra na companhia dos brutos como pudera fazer foi 
afias conveniente, & que naõ faifíe na manada delles o 
homem podeftador fobre elles, racional & participante de 



Sobre a Mortalidade da Alma 45 



fabiduria divina, & affi do modo de fua criaçam pudeffe 
aprender a fer também differente em fua vida como avia 
fido nella; outras differenças fe acham também na 
mefma criaçam & todas para doutrina do homem, hum 
5 fo criou Deus & nam muytos & lhe deu hüa molher que 
tirou delle mefmo, todas eftas coufas o enfmam a viver, 
mas nada tem que fazer com fer mortal ou immortal, fe 
Adam eftivera vivo quando Deus lhe fes entrar o efpirito 
de vida pudéramos dizer que eíTe efpirito era coufa fepa- 

10 rada & apartada do efpirito animal, com que Adam ja 
vivia, porem Adam nam fe mouia antes de lhe entrar o 
efpirito vital, logo o efpirito vital que entrou em Adam 
foy a alma animal, & a mefma alma animal foy a alma 
racional, & toda he a mefma coufa, de tal maneira que 

15 entrando no homem a ajima animal, logo fica nelle a 
rezam & difcurfo, a que chamam alma raçional. Louvarei 
ao fnôr en minha vida cantarei a meu Deus em quanto eu y 
que despois que eu nam for, ja nam poderei cantar; Jaira 
feu espirito tornara a fua terra, tornara o homem a terra 

20 que he neffe dia pereçeram feus penfamentos, no dia de o 
homem morrer acabaram todos feus difcurfos, ja mais nam 
raciocinara: Ecclef. cap.9. tudo o que achar tua fortaleza 
faze, porque nam obra, nem raciocinio nem fciençia, nem 
fabiduria na fepultura para onde tu vas; no dia de morrer 

25 o homem tudo acaba com elle, mortal & finito foi o efpirito 
que Deus lhe deu, nam immortal & infinito, & por iífo 
morre que alias naõ morrera : Yob cap. 34. fe puzejfe fobre 
elle feu coração, feu efpirito & feu efpiraculo recolheria, 
affi morreria toda a carne juntamente, & o homem em pó 

30 feria tornado, o mefmo dos outros animais recolheras feu 
efpirito, ef pirarão, a feu pó fe tornarão. Pfal. 104. de 
maneira que recolhendo Deus, tirando Deus & fazendo 
cefíar no homem animal racional como em qualquer outro 
que racional naõ he, feu efpirito cadahú delles fe extingue 



46 Sobre a Mortalidade da Alma 

& acaba. Algus dizem por afear efta verdade, que tam 
bom fica fendo hum cachorro como hum homem, & mere- 
cem eftes fer privados com dor, do fer que Deus lhes deu, 
pois taõ mal o conhecem & eftimaõ, que de fnõres do 
cachorro fe fazem, feus yrmaõs fo porque lhes nam deu 5 
Deus vida para fempre, como que lhes foffe devedor de 
algüa coufa. & milhor dizia o outro no feu romançeiro: 
mortal me pavio mi madre , y pues pude morrir luego f lo que 
el cielo os dio de grado no lo pidais de derecho. 

Ao terceiro. No dia em que comeres da arvore morrer 10 
morreras: fe Adam naõ comera, naõ morrera, logo im- 
mortal foy criado. Dizemos que he falso argumento & 
que naõ fe fegue q fe Adam naõ comera naõ morrera, 
mas fegueffe que fe Adam nam comera nam morrera aquella 
morte com que Deus o ameaçou, sua morte natural, 15 
& a feu tempo morreria Adam, nam morreria morte 
anticipada por rezam de paffar o preceito, afíi diz a ley 
& o preceito o que cometter tal cafo morrer morrera, 
& por ventura nam ha de morrer fe aquelle cafo nam 
cometter, oh por çerto ha de morrer, mas nam ha de 20 
morrer aquella morte por aquelle cafo ameaçada. Yehez. 
fe fe converter o peccador de feu caminho vivo eu diz o 
fnor que nam morrera , nam morrera a morte ameaçada, 
nam no matarei antes de cumprir feus dias, nam no 
matarei com morte mà aos peccadores devida : afíi fe Adam 25 
nam peccara nam no julgara Deus como o julgou, que fe 
logo o nam castigou com o juyzo da morte & lhe prorogou 
a vida por mercê foy com feus encargos : E quando bem 
foffe que Adam foi criado immortal nam no mostra afíi 
a fraqueza de feu çimento que de comer & beber tinha 30 
necefíidade de baxo de condiçam fe guarda fíe o preceito 
que lhe foi pofto, na hora que o paífou perdeu a immortali- 
dade, & afíi morreu que fe immortal fora nam peccando 
immortal ouvera de viver corporalmente, peccou & mor- 



Sobre a Mortalidade da A l m a 47 



reu, & paffou a immortalidade, mas à verdade he que 
mortal & corruptível foi criado. 

Ao quarto. Mofeh diffe a Deus: rif carne agora de teu 
livro que efcrevefte, nefte livro faõ efcritos os, que haõ de 
5 viver vida eterna, & eftes faõ os que vivem na terra dos 
viventes. Dizemos que tudo fe refere à vida prezente, & 
naõ a outra que naõ ha, affi Mofeh diffe a Deus que o 
rifcaffe do feu livro em que efcreve os bõs para os premiar 
nefta vida fazendolhe cumprir feus dias em paz & felici- 

10 dade; naõ entendemos que tenha Deus algum livro de 
lembranças, mas que a linguagem he accomodada a noffo 
modo para moftrar que tem Deus conta com o mundo, 
para o premiar & caftigar, defte livro pois diffe Mofeh a 
Deus que o rifcaffe, & foi como dizer, matame talhame 

15 antes de eu ter cumprido o meu curfo, fe naõ vejo o perdaõ 
a efte povo naõ quero vida ; da mefma maneira que falou 
outra ves & affi tu faziente a mi matame logo matando fe 
achei graça em teus olhos, & naô veja o meu mal; hüa vez 
te pedi Senor que me mataífes Zelando o bem deite povo, 

20 porque nam queria eu vida para ver o feu mal, agora te 
peço fegunda vez Zelando o meu bem, porque fe com 
tanto trabalho eu ei de viver, naõ me he agradável ter 
vida : afíi falou também Ribkah a Yshak dizendo que lhe 
era à vida pezada, & naõ queria viver fe Yahacob ouveffe 

25 de tomar molher das filhas da terra; naõ pedia Mofeh a 
Deus que o rifcaffe do livro em que eftavam efcritos os 
que aviam de viver vida eterna, & perfeitamente ditofa, 
fe tal vida avia, para fer lançado no livro dos inimigos de 
Deus condenados a eterno mal, que efta petiçam fora loca 

30 & defaffidada: terra dos viventes fe chama efte mundo 
em que vivemos & andamos, terra das vidas a faber que 
fe chamaõ muytas vidas porque nella vivem muytos, & 
affi naõ he terra de hüa fó vida; terra dos mortos, terra 
de perdição fe chama a cova, poço de silencio, terra de 



48 Sobre a Mortalidade da Alma 

efcuridade & fombra de morte onde a lus nam entra como 
nola reprezenta Yob : deita terra das vidas fe faz muytas 
vezes mençaõ Yehez. cap. 32. & a cada pafíb en muytos 
pfalmos, andarei as fazes do Senor em terra das vidas, liurou 
o Senor minha alma da morte Sc das maõs daquelles que 5 
a bufcavam para tyrania, por iffo vi virei & andarei diante 
de Deus na terra das vidas, empos ifíb ferei agradecido 
polas mercês que conheço receber de fua maõ, & affi offere- 
cerei Sacrifício pola faude : va/o de falvaçoes levantarei , & 
em nome de A. chamarei, meus votos ao Jnõr pagarei; & 10 
preciofa em olhos do fnôr a morte de feus bós; nam eftima 
o fnõr tam pouco feus bós que lhe nam feja muy cara fua 
morte, per ifíb nam nos entrega facilmente nas maos de 
feus inimigos, & eu com efte motivo em final de fazimento 
de graças; meus votos ao fnôr pagarei diante agora de todo 15 
feu povo, Sc affi fica moftrado quais fejan os efcritos no 
livro do fnõr, Sc qual à terra das vidas. 

Ao quinto: Semuel veyo falar a Saul logo os mortos 
vivem & falam. Refpondemos que nam veyo Semuel 
falar a Saul, nem os mortos vivem ou falam, & o que fe 20 
efcreve açerca deita vinda ou fala no primeiro livro que 
fe intitula de Semuel he tudo contrario a doutrina que fe 
tira da ley, Sc lugares alegados poios quais fe moftra que 
os mortos nam vivem, nem fabem de algüa coufa como 
aquelles que ja naõ faõ, affi fendo a tal efcritura contraria 25 
á verdadeira doutrina da ley, he força que feja falfa & 
commentada como outras efcritas & recibidas poios phari- 
feos, Sc reprovadas poios faduceos: nos temos a ley por 
guia & fundamento principal Sc por ella a vemos de julgar 
Sc apartar o falso do verdadeiro, Sc affi nos manda a ley 30 
que naõ creamos ao propheta, ou fanhador que com falfos 
milagres, ou apparencias nos quizer levar a adoração de 
deuzes eftranhos que naõ conhecemos, nem a ley nos 
emíinou a conheçelos, & con o fundamento firme pofto 



1 



Sobre a Mortalidade da Alma 49 



nella, nos naõ manda defprezar feus finais: a mefma nos 
dà regra para conhecer o Propheta falso que em nome do 
fnõr falar fenaõ acontecer a couza que ella prophetizou, 
que tudo he avifarnos & fazemos acautelados contra a 
5 malicia dos homés, que nam çessam de inventar & efcu- 
drinhar, maldades, contra os quais eftam feguros os que 
fe acolhem a verdade da ley: pois como feja doutrina 
nova dizer que os mortos falam & fe levantam ao chamado 
de quem os chama, coufa que a ley nam conheceo, antes 

10 eu dou efte modo de chamar por elles como gentilico & 
vaõ; a efcritura ou conto de quem nos diz que Semuel 
vay falar a Saul he néceffario que feja de nos lançada, 
& regeitada firmes na doutrina, & verdade da ley; & por 
certo que quem olhar para o conto achara logo nelle fua 

15 vaidade; porque he de faber quem empreftou a Semuel 
aquella capa para fe cubrir, quem lhe deu o corpo & 
aquellas barbas brancas que de poucos dias eílauam meti- 
das debaxo da terra, fe elle quando fayo defte mundo foy 
nü com feu efpirito para o lugar em que eftaua : também 

20 Semuel lhe diffe que ao outro dia eftaria com elle, & affi 
tam bom lugar terá Saul de quem o Snõr fe apartou, & fe 
fez inimigo como alli fe diz, como tinha Semuel mimofo feu ; 
enfim fe ha Liçois & algüa arte para enganar & moftrar 
corpos fantásticos, eu de tal arte naõ fei, & algum engano 

25 poderia acontecer fizeffe a mulher malfeitora a Saul porem 
cudar que a alma de Semuel veftida em novo corpo & 
hábitos lhe veyo falar he mais que vaniffimo doutrina 
falfa, gentilica, vam Yefahiau. Poios vivos fe perguntara 
aos mortos? como dizer, mais fabe, mais vai, milhor he 

30 o vivo que o morto : que bem pode fazer o morto ao vivo, 
pois poios vivos fe ha de perguntar aos mortos ? Selomoh 
porque o caò vivo milhor que o Leaô morto, porque os que 
vivem fabem* que haõ de morrer, & os mortos naõ fabem 
algüa coufa, & naõ mais a elles premio, porque ao efqueci- 

Da Costa Opera. 4 



5o Sobre a Mortalidade da Alma 

mento foi entregue fua memoria , também o amor de lies tam- 
bém o odio delles, também a ynueja delles ja pereceo & parte 
nam a elles mais para fempre em tudo o que fe fas debaxo 
do foi, o morto acabou, nam tem mais conta com o que 
fe fas no mundo & tam pouca conta tem que como diz 5 
Yob cap. 14 nem de feus filhos fabe, farfeam poderofos feus 
filhos & nam fabera f envelhecerseaô & nam atentará a elles: 
pois fe o homem morto, he efte, fe dormindo efta feu fono 
de que naõ acordara, envergonhenfe os fabulofos que an- 
dam com os mortos as costas & nos querem perfuadir que 10 
aparecem de novo aos vivos, & lhes fervem de confelheiros. 

Ao fexto Elyhau foy tomado ao çeo, & vive: ElyíTah 
refuçitou morto. Seja embora que eftas coufas afíi acon- 
teffem nada fe tira delias para a immortalidade da alma ; 
antes fe moftra que fe Deus quis confervar Elyhau vivo 15 
para o mandar pregar aos homés, foy porque fe morreífe 
nam poderia tornar ao mundo falvo fe Deus o criaíTe de 
novo como criou ao primeiro homem, dilatoulhe pois Deus 
a vida fe affi he, mas nam no fez immortal, pois no cabo 
de fazer fua embaxada ha de morrer: Se ouvirmos os 20 
faduceos fobre efta efcritura, faberemos o que nos dizem 
delia, que na verdade parece pouco neceífaria efta guarda 
de Elyhau vivo, & nam fe limitou o poder de Deus para 
levantar bós efpiritos cadaves que eile quizer dos quais 
fe firva para feus embaxadores : também o morto que 25 
refuçitou Elysah com fe eftender fobre elle ajuntando a 
boca com a fua boca & as maõs com as fuas maõs, galante 
modo de fazer milagres, & refu citar mortos; nam obra 
Deus defta maneira : nada faz ao propofito efte morto a 
quem Deus fe affi foi tornou a dar por mercê novo efpirito, 30 
Sc tornou a morrer, nem refuçitou para vida de fempre, 
que nos importa logo fua refurreiçam para moftrar a 
immortalidade de que tratamos, Sc com tudo averà muyto 
que dizer fobre a verdade deftes milagres, que Deus nunca 



Sobre a Mortalidade da Alma 51 



fes em outro tempo, nem coftumou matar homés para 
defpois os refucitar: & no fegundo de Semuel fe lé que 
refpondeu David a feus fervos que fe maravilhavam de o 
ver comer quando foube da morte do filho porque dantes 
5 jejuou em quando ynda o moço vivia, jejuei & chorei, por- 
que dijje quem fabe Je fe apiadara o fnõr de mi, & 
vivira o moço, & agora eile morreu, paraque ja eu jeju- 
arei ou por ventura poderei tornalo à vida, eu vou para 
eile, & eile nam tornara para mi. Outro milagre fe conta 

10 de Ely sah que certo parece milagre compofto & defnecef- 
fario, & milagres taõ baftos & quaíi minineiros naõ co- 
ftuma Deus fazer: foy elle em companhia dos prophetas 
a cortar lenha ao yarden, & cahiu o ferro do machado a 
hum no rio, o qual fe lhe amargou dizendo, ah ah Senor 

15 meu que o pedi empre fiado, & Lançou Elyfah hum pao 
na agua & nadou o ferro & affi o recolheu outraves o 
que o perdeu & pegou nelle: milagre fobre o ferro de 
hum machado he efcufado & tam pouco neceífario, que 
mal fe poderá crer : haffe pois de faber que entre os livros 

20 que os Pharifeos nos vendem ou dam por verdadeiros ha 
muytos que os Saduceos reprovam, & dizem quais faõ 
os de verdade; eu nam fei por o dedo em todos quais 
fejam por nam aver communicado com os ditos Sadu- 
ceos, porem fem efta communiçam polo sogeito das coufas 

25 fe pode bem alcançar que livros ou que parte delles devam 
fer reprovados, ou recebidos, & o que me af firmo hè que 
fam eftes homés tam fospeitosos, ou por milhor dizer pouco 
verdadeiros em fuas coufas, que a efcritura que nam tiver 
em fua abonaçam outro teftemunho mais que o feu ficará 

30 muyto fofpeitofa, & duvidofa & fe tiver contra íi tefte- 
munho de outros Judeus que fua verdade neguem, nhüm 
credito merecera; affi os que amarem a verdade, & deze- 
jarem aífertar devem procurar com toda fua força in- 
teirarfe doque dizem os Saduceos fobre a verdade dos 



4* 



52 Sobre a Mortalidade da Alma 

livros que os Pharifeos quizeraõ meter na conta dos fagra- 
dos & divinos porque defta maneira nam vivam & fejam 
enganados com a falfidade que nelles fe acha, & pofíam 
vir ao verdadeiro conhecimento, que o credito que fe dà 
as efcrituras mentirofas, & vãs coftuma impedir & atalhar. 5 

Ao VII. en muytos Pfalmos fe lé que os maos feram 
deftruydos da terra & os bõs floreceram: logo outra vida 
he neceífario que aja porque nefta os maos florecem, & 
os bós padeçem, os maos nam fam caftigados, nem os 
juftos premiados. Refpondemos: que nos Pfalmos fe le 10 
da deftruyçam dos maos, & florecimento dos bós, & he 
doutrina verdadeira fundada na mefma ley : porem nega- 
mos o que fe fegue que os maos nefta vida nam fam 
caftigados, nem os juftos premiados, porque tal dito como 
effe he totalmente contrario à verdade & fundamento da 15 
ley. que nam publica outra coufa que dizer {aze bem para 
que feja bem a ti & a teus filhos de f pois de ti, porque eu 
Snõr Deus teu forte, çiofo que vifito a maldade dos pays 
/obre os filhos fobre os terceiros, & /obre os quartos aos que 
me aborrecem, & que faço mi/ericordia a milhares aos que 20 
me amam & guardam meos preceitos: de maneira que na 
vida prezente paga Deus ao mao em fua cabeça, & na 
de feus filhos & defcendentes : & também paga ao bom 
fazendo bem a fua femente quafi em infinito, como pagou 
a Abraham, cuja femente pofto que muytas vezes provo 25 
con a yra devina de tal maneira que mereceu fer con- 
fumida ou ao menos de todo repudiada toda via por fer 
femente fua, & guardar fua palaura nam tirou delia fua 
mifericordia como de outras gentes antes fe lembrara de 
reftituilo a milhor eftado, refpeitando aos mefmos Pays 30 
& concerto com elles celebrado: & faberas que o fenor 
Deus teu, eile Deus fiel que guarda o concerto & a miferi- 
cordia aos que o amam & guardam feus mandamentos ate 
mileffima geraçam, & que paga aos que o aborrecem em 



$ 

Sobre a Mortalidade da Alma 53 



fuas fazes para fazer perder a elles: em fuas fazes paga 
Deus ao perverfo nam lhe dilata o castigo por nhum 
tempo, he doutrina de ley & doutrina verdadeira debaxo 
da qual militamos. Agora fe muytas vezes vemos florecer 
5 os maos & que naõ levaõ feu castigo taõ prefto, ou da 
maneira que nos queríamos, devemos cudar que a noffa 
vifta he muyto curta para alcançar as ordés de Deus & 
o profundo de fua fabiduria com que governa o mundo: 
Deus olha os coraçoés, ve & fabe o que cadahum merece, 

10 & conforme ao que merece lhe paga; nos polo contrario 
vemos o de fora & julgamos como cegos. Deus foífre 
porque naõ dezeja deftruyr o homem, & antes quer que 
fe converta porque nam he perfeita a maldade do Hamor- 
reo ategora, porem fe fe nam converte he çerto que feu 

15 caftigo lhe ha de vir, fe fe nam converte fua espada agu- 
çara, feu arco armou & aparelhou a elle, & fes aparelhar 
a eile, vafos de morte fuas fetas : & nos entendemos que 
porque o caftigo a noffo parecer tardou, ja o mao ficou 
fem elle, pois deuemos faber que o eftado felice, dos 

20 homés naó he feguro, antes fe continuarem em fua mal- 
dade lhe podemos efperar fua çerta queda : vi o mao arrai- 
gado & lançava ramos como louro verde & paffou ô° eis 
naõ elle } & bufqueyo & naõ foi achado: ifto vemos cada 
pafíb acontecer, & atalha Deus & corta a muytos quando 

25 cudaõ que começaõ a viver, vifita cõ varias doenças & 
males da fome da pobreza, abaxa os altos & cazas ricas 
poê polo chaõ de tal maneira que ordinariamente nos 
efpantamos ver homes & filhos delles que em outro tempo 
ja conhecemos : pois ifto he paffar a mao, & ifto he bufcalo 

30 & nam achar delle final como também faõ paffadas Mo- 
narchias grandes de que Deus hum tempo fe ferviu para 
caftigo doutras gentes. & todos por fim receberão fua 
paga, & ynda receberam que Deus vive & vé & julga o 
mundo cadadia & nhüa outra coufa vemos fenam juyzos 



54 Sobre a Mortalidade da Alma 

feus na terra dos homes mal conhecidos. Do bom & jufto 
polo contrario fe dis moço fui & também envelheci, & naò 
vi jufto defemparado, nem fua /emente bufcar paõ, affi que 
nefta vida paga Deus ao bom & ao mao, nenhum feja tam 
necio & loco que outra coufa cude & faça hüa conclufaõ 5 
taõ defafíizada contra a verdade & fundamento da ley, 
porque fe quizer experimentar em fua cabeça acharia a 
inteireza defta verdade, como foi obrigado a confeffar cer- 
to poeta principal entre os de fua naçam que parece teve 
ynveja ao caminho dos maos entendendo que para elles 10 
naõ avia caftigo & dis afíi. Os bôs vi fempre paffar, no 
mundo graves tormentos, & para mais me efpantar os 
maos vi fempre nadar em mar de contentamentos: cudando 
alcançar affi o bem tam mal ordenado fui mao, mas fui 
caftigado affi que fo para mi anda o mundo concertado; 15 
loco homem affas & todos os que cudarem que aos maos 
acontece fempre bem hum dia lhes poderá acontecer, mas 
o fim delles para deftruyçam; polo contrario aos bõs 
poderá algum dia vir mal, & ou porque Deus os quer 
provar, ou porque naõ ha homem taõ jufto que não mereça 20 
algü caftigo, porem o fim delles para pas : abaxeífe logo o 
temerário juyzo dos homes em cujos olhos muytas vezes 
he bom aquelle que nos de Deus he mao; abaxe hü 
pouco as azas de fua imprudente prefuriçam com que 
quer tomar o lugar de Deus & fazerfe com elle juyz na 25 
terra, & affi quando algüas coufas vir acontecer cujo 
fegredo naõ alcança deixeas a Deus jufto juyz que o 
mundo governa com alta fabiduria levantada muyto da 
humana, porque aynda que muyto fe canfe naõ poderá 
alcançar, Salomon: & vi toda a obra de Deus que naò 30 
poderá o homem achar a obra que fe faz debaxo do foi, por 
amor da qual trabalhará o homem por bufear & naò achara; 
fo faiba o homem & conheça que Deus he juyz na terra, 
& nella com jufta balança premia os bõs & caftiga os 



Sobre a Mortalidade da Alma 55 



maos, & quando vir Hevel jufto perecer nas maõs do 
pérfido Kain, cude fe effa morte granjeou o peccado de 
5 feu pay, & aprenda a temer a Deus q; o caftigo do pec- 
cador eftende ate feus filhos; & fe bem efta matéria he 
tal q; convidava a hum longo difcurfo he neceffario 
atalhar por chegar ao fim, & bafta fobejamente o que 
moftramos para annulaçaõ do argumento em contrario 

10 fundado em falfa apparencia contra fiel doutrina da ley. 
Ao VIII. efta efcrito: porque nam deixaras minha alma 
na fepultura, nam deixaras o teu bom ver a cova; item 
quam grande teu bem que ef condes te para os que te temem: 

15 Refpondemos que nada vem ao propofito: & o fentido 
do primeiro verfo he efte : nam deixaras minha alma vir 
a poder de meus inimigos & que eu por fua maõ deça à 
cova: alegra vaífe David de ter o fnõr em fua guarda & 
dizia que debaxo de feu abrigo dormia feguro, nem 

20 temia que o mataffem naõ querendo dizer que defpois de 
morto tiraria fua alma da fepultura, que iífo encontra ao 
que fegue, nam darás a teu bom ver à cova, nem quer 
dizer que nunca avia de ver a cova, que a cova todos 
a haõ de ver, & nhum vivo efcapara de fuas maõs: que 

25 homem vi vira & naõ vera a morte, & livrara fua alma 
da maõ da morte? mas quer dizer que o Senor naõ dei- 
xaria fua alma em perigo da morte, nem confentiria como 
diziamos por maõs dos maos que o bufcavam ver eile 
a cova como em outros Pfalmos fe confolava. O fegundo 

30 verfo, quaô grande teu bem que ef conde/te para teus tementes 
por fi efta declarado com o que fegue obra/te aos que 
efperaõ em ti, diante dos filhos dos homes, de maneira que 
diante os filhos dos homês na vida prezente obra Deus 
efte bem : & que bem he ? ef conde loas no ef condido de 
tuas fazes dos alevantamentos dos homès; efcondelosàs em 
tua tenda das contendas das linguas: tu lhe feras amparo 
& abrigo contra toda a perfeguiçao dos homês, trayçois 



56 Sobre a Mortalidade da Alma 

& maldades de que daua ao Senor graças avelo livrado, 
bes acontecidos nas faces dos filhos dos homes de prezente, 
outros bês nam fonharemos & fe fonharmos, fonhos feraõ. 

Ao IX. O lugar de Yefah. Viviram teus mortos: refpon- 
demos que nam fala o Propheta dos verdadeiros mortos 5 
& dos que acabaram o curfo natural da vida, nem dis 
que eftes fe levantaram, mas os mortos de que fala faõ o 
povo deYsrael efpalhado polas terras, & nellas contado 
por morto que ninguém cuda d 'eile que tornara mais a 
fer gente, mas que fempre jazera no chaõ abatido vil, 10 
mirrado & feco; da mefma maneira que delle fala por 
femelhança o Propheta Yehez. cap. 37. onde declara que 
os ofíbs fecos eram a cafa de Yfrael refpeito que elles 
diziam fecaraò fe nojjos offos, & pereceo nojja ejperança 
fomos atalhados a nos: conforme este fentido dis: eu 15 
abrirei vojjas fepulturas, nam dis que tiraria os verdadeiros 
mortos das covas, mas os vivos affemelhados a mortos 
ajuntaria das terras & lugares a donde eftavam lançados, 
& eram como fuas fepulturas refpeito de feu eftado, & os 
tornaria a terra de Yfrael, affi que hum lugar he femel- 20 
hante ao outro, & ãbos falaõ parabólica & nam propria- 
mente, & ynda para mayor declaraçam repi tiremos atras 
hu pouco : do principio ate o fim trata aquelle capitulo do 
ajuntamento, de Yfrael, & moftra como o Senor caftiga 
differentemente as outras gentes do que caftigará a elle, 25 
por ellas, dis mortos nam viviram, defuntos nam fe alevan- 
taram, por tanto vifitafie & deftruyfle a elles, & perdefle 
toda a memoria delies querendo dizer que as gentes caftiga 
o Senor & muda feu eftado de maneira que mais nam 
tornam ao que dantes foram, porem Yfrael caftiga diífe- 30 
rentemente; ajuntaße a gente Senor, ajunta/te a gente 
glorificafiete , alonga/te aos fins da terra, quer dizer: ajun- 
tafte Senor, multiplicafte Senor fazer maravilhas com 
aquella gente, & affi te glorificafte com gente que avias 



/ 



Sobre a Mortalidade da Alma 57 



lançado aos fins da terra, & por concluíam defpois de 
todos os males paffados, defpois de longas efperanças, 
viviram teus mortos, os teus feridos, os teus mortificados, 
eftilados & contados quaíi por mortos na terra, viviram, 
5 lançolosha a terra de fi, & brotaram delia como erva, & 
he conforme ao que fe lé no cap. feguinte: nos vindouros 
lançará Yahacob rayzes, florecerà & brotará Y/rael, tudo 
fam femelhanças & modos de falar com figuras que he 
neceffario entender com juyzo de homes, & nam tomar as 

10 palauras como foam indifcretamente : fegue o lugar de 
Yob: & confejjo meu redimidor vivo, & por derradeiro 
fobre meu pó e/tarei: refpondemos que muy defviado he o 
fentido de Yob daquelle com que muytos o entendem, ou 
querem entender, & o que em fuftancia dis he que eile 

15 tinha confiança em Deus que ynda o avia de alevantar 
daquelle lugar, onde jazia chagado, ferido & debilitado, 
& levantado em feus pés lhe avia de fazer os facrificios 
que dantes coftumaua, & louvalo : eu confefíb meu redi- 
midor vivo, eu fei que aquelle em quem tenho confiança 

20 he Deus vivo poderofo para me remir, livrar, levantar, 
tirar defta anguftia, tribulaçam & miferia em que me vejo ; 
& todas as vezes que Deus livra os homes de males & 
tribulaçõis & perigos fe chama Deus redimidor, affi quando 
redimio o povo de JEgypto, & he matéria fora de queftam : 

25 & por derradeiro fobre o pò e fiarei, andarei & me moverei, 
yndaque agora amigos vos pareça tam pouco aparelhado 
para andar: & defpois que minha pelle trilharem efta, 
defpois que a infirmidade doença & chagas de que eftou 
ferido : & fahio o fatan de diante do Senor & feriu a Yob 

30 com chaga má, defde a planta do pê ate o alto de fua cabeça; 
defpois que os bichos criados nellas, ou levantados do 
pó em que eftou affentado, vifiiujfe minha carne de bicho 
& immundicia do pó, minha pelle fe cortou, & defatoujje, 
deixarem de tratar mal efta pelle 8c carne, entornes de 



58 Sobre a Mortalidade da Alma 

minha carne verei a Deus; entonces reformado & con- 
valecido, reftituydo a meu antigo eftado, forças & per- 
feiçam verei a Deus : madrugarei aquelle lugar onde eu 
coflumava fazer lhe facrificios, & madrugava & fazia fubir 
alçaçôis & affi verei a Deus o qual eu ei de ver a mi dativo 5 
ufado no hebraico, o qual eu mefmo ei de ver & nam 
eílranho, nam ha de fer outro por mi, eu mefmo farei efte 
officio: defenganaivos amigos que tarn fem caufa me 
perfeguis calumniais, affrontais, dizendo que por minha 
maldade eftou no eftado em que me vedes; ja dez vezes 10 
me emvergonhaftes nam vos correis de vos endurecerdes 
contra mi, defenganaivos & fabei que he verdade o que 
vos tenho dito, & vos o vedes na minha pelle, & na minha 
carne que fe pegou no meu 0JJ0, & fiquei com a pelle de 
meus dentes, com a pelle pegada nos dentes, com tudo iífo 15 
tenho efperanças certas antes fei que me ei de ver levan- 
tado defte eftado, & tornado ao meu primeiro eftarei fobre 
meus pes, verei minha carne reftituida, & yrei dar graças 
a Deus, & oíferecerlhe novos facrificios; tudo ifto vio 
Yob cumprido em fi defpois que o Sefíor levantado d'elle 20 
feu açoite, como fe lé no fim do livro, eile mefmo foi ver 
a Deus, & poios mefmos feus amigos oífereceu alçaçam, 
& de verdade baftara ifto para defenganar os que mefmo 
a fi fe enganam entendendo efte lugar diferentemente da- 
quella muyta clareza comque em outros muytos fala nefta 25 
matéria o mefmo livro de Yob negando levantamento de 
defuntos, como ja atras moftramos. Algüs querendo mal 
entender a palaura por derradeiro interpretam no fim do 
mundo & juyzo final que vammente imaginaõ como fenaõ 
pudeffe fer derradeiro, e derradeiro muy breve & limitado 30 
em poucos dias conforme o fogeito em que fe trataífe: 
que deu a comer man no deferto que naô conhecerão teus 
pays por caufa de te affligir, & por caufa de te tentar por 
fazer bem a ti em o teu derradeiro, efte derradeiro fe limitou 



Sobre a Mortalidade da Alma 59 



no fim de 40. annos que o povo andou no deferto antes 
de entrar na terra prometida, falava pois Yob do fim & 
derradeiro de fua infirmidade, & nam falava do derra- 
deiro dia do mundo, que nunca acabara, moftraffe claro 
5 polo fim de livro & bem diffe Deus ao derradeiro de Yob 
mais que ao feu principio & foram a eile quatorze mil 
ovelhas, & efte era o derradeiro de que Yob falava, & efte 
o que efperava. Também fonhar porque alli fe lè, & de 
minha carne verei a Deus, que o homem real & vifivel- 

10 mente ha de ver a Deus nos ceos : ver a Deus he adoralo 
no templo & lugar dedicado no templo divino; nam 
/eram vi/tas minhas fazes en vazio, naô vireis diante de 
mi ao lugar de minha morada fem trazer que me offre- 
çais, & entam vio Yob a Deus quando convalecido foi 

15 oífrecerlhe alçaçois, falar em outra vida he defuario. 

Faltanos que refponder ao que diz o livro de Daniel : 
& muytos dos que dormem na terra do pó def per taram, 
efles para vida de fempre, & efies para deshonra, para 
def prezo de fempre, & outra ves, & tu vai ao fim & defcan- 

20 çaras & e/taras em fim dos dias em tua forte: & dizemos que 
efte livro de Daniel nam he recibido dos Judeos chamados 
Saduceos, o que fo baftara para lhe tirar o credito & fé 
por fe dever ao teftemunho fimple dos Pharifeos muy 
pouco conforme ao que ja diffemos, vifto ferem eftes 

25 homês tais que tomaram por officio ou por locura trocar 
palauras, mudar, torçer, interpretar aveffadamente as 
efcrituras para confirmaçam & firmeza de feus confufos 
fonhos, querendo por eftes falfos meyos ajudalos: quando 
por íi mefmo naõ fe moftrara a pouca verdade dos lugares 

30 referidos, doutrina toda Pharisea contraria à doutrina da 
ley efcrita na quelle livro debaxo do nome de Prophecia 
para engano do povo & confirmaçam da falfa pregaçam : 
moftraffe pois a pouca verdade dos ditos lugares porque 
dis o primeiro que muytos refucitaram, & nam dis que 



6o Sobre a Mortalidade da Alma 

todos refu citaram, & fe tal refurreiçam ouveffe de aver 
era necefíario que fofíe geral para todos os homês ou foííe 
que refucitaíTem para poffuir bem ou para pofíuir mal 
conforme ao que cadahum vivendo mereceo, & como os 
Pharifeos preguem & digaõ que a refurreiçam nam he 5 
para todos fenam fomente para algüs como também as 
almas nam fam todas immortais, fenam hüas íi & outras 
nam, ja fica claro que a efcritura foi feita & accomodada 
para provar & authorifar fua tam falfa & errada pregaçam : 
o mefmo fe ve polo verfo ultimo em quanto dis go faria 10 
Daniel & Estaria em fua forte no fim dos dias, que os 
Phariseos ensinaõ que no tempo que vier o Mafíiah fe 
levantaram os mortos cadahum para poffuir fua herança 
na terra de Yfrael, doudice & locura defatinada para 
cuja prova fe aproveitaram da falfa efcritura. Outras 15 
caufas fe acham no livro de Daniel que bem moftraõ & 
publicaõ fua artificiofa invençam, alli he a primeira ves 
que achamos nomes de anjos nomeados por feus nomes 
que ateli nam aviamos fabido nem por ley nem por outros 
livros, & todo feu eftilo & modo he hüa fabricada com- 20 
poíiçam ; & nam pareça a alguém dificulto fo aver efcritos 
& efcritores falfos por que fe quizer abrir os olhos nenhüa 
coufa verá que mais ordinária feja nos homês. quem fez o 
livro de Yudith & o teceo & aquella hiftoria, quem o 
terceiro & quarto de Efdras, quem o da fabiduria & outros 25 
muytos que naõ he neceffario referir, pois também a 
hiftoria defte he neceffario que entre nefte numero, naõ 
faltaõ efcritores falfos, prophetas fonhadores mentirofos 
que a tudo fe eftende a malicia humana, amoeftaçoês 
temos da ley que nos avizou & quis fazer acautelados, 30 
quem ha fua verdade fe apegar de todos os erros efcapara. 
He finalmente aquella doutrina efcrita no livro de Daniel 
doutrina nova contraria à doutrina da ley, & outros 
livros que fuas pizadas feguem, & affi por tudo nada 



Sobre a Mortalidade da Alma 6i 

delia curaremos ou devemos curar ; & moítrado que temos 
fer o homem todo mortal, pouca neceffidade tinha de fe 
moftrar o que fera, & nam lhe reftar outra vida para 
viver, vejamos os inconvenientes ou males que fe feguem 
5 do erro contrario. 

Cap. XXV. 

Em que Je poem os erros, & males que procedem 
de Je ter a alma do homem por immortaL 

Como de hum abfurdo coftumam nacer muytos abfur- 

io dos, & de hum erro muytos erros, fam tantos os nacidos 
deita errada opiniam ou locura fobre a immortalidade da 
alma, que nam fera fácil manifestalos : os Pharifeos que 
fomente a çertas almas deram immortalidade, bem aven- 
turança eterna & também males eternos para nam con- 

15 denarem effas almas facilmente aos tormentos differam & 
dizem que quando acontecia fazer hüa alma num corpo 
obras por onde merecia fer condenada, ou faltandolhe para 
cumprir algü mandamento, a tornava Deus a mandar em 
fegundo & terceiro corpo ateque ganhe como elles dizem 

20 o pam que no ceo ha de comer : introduziram também 
hum lugar de purgatório no qual pudeffem purgar feus 
defeitos as almas dos que foram medianamente bós, en 
tanto que para efte fim as degrada Deus muytas vezes & 
mete dentro dos animais (animais bacharéis devem ficar) 

25 paraque alli fe purguem, & affi porque pode acontecer 
andar a alma de hum homem dentro de hüa vaca, quando 
fe degolar aquella vaca feja de maneira que finta pouca 
pena; que os animais fe degolem com piedade bom & 
dereito he, mas nam por efta caufa, & quando nenhum 

30 deftes remédios baíta & a alma foy tam mà que merece 
fer condenada a manda Deus aos tormentos eternos onde 
para fempre viva penando, & nifto veyo a, parar, & fe 
lhe converteu a gloria que efta alma pofíuhia antes no 



62 Sobre a Mortalidade da Alma 

ceo morando como elles dizem debaxo da cadeira da 
devindade ; alma tola que fe nam foube bem pegar, & fe 
deixou lançar qua neíle mundo: pergunte agora alguém 
a eftes quem foy o que tanto lhes diffe, pois a ley lho 
nam difíe, ou em que fundam feus ditos : pintores falfos, 5 
novos cenfores da juftiça divina, maravilhofos na vifta 
do povo que com admiraçam os ouve. 

Empos os erros afíima feguem logo outros como fam 
fazerem orações & rogativas poios mortos, offerecer por 
elles oífertas para os ajudar a tirar mais cedo das penas 10 
do fingido purgatório, mil abufos & fuperftiçoês que fe 
ufam em feus enterros coufas todas que muyto offendem 
a verdadeira ley & culto divino que de tais nugas fenam 
ferve nem paga, antes as regeita & abomina. 

Aos erros acompanham como adjuntos neceífarios muy- 15 
tos males, que nam ha erro que pofía parir algum bem, 
& affi efta locura tem obrado no mundo muytas com 
dano & perda dos dinos delia, daqui naçeo que des- 
prezando muytos os bês ou males prezentes com efperança 
de mayores males inftituiram novas ordês & regras de 20 
viver condenando & fogeitando feus corpos a rigores & 
durezas da ley nam pedidas, & dos bõs nam feguidas, 
morar nos montes comer mal & veftir pior, & o que mais 
he que chegaram a tanta Locura que julgaram por coufa 
mais fanta & religiofa o eftado dos folteiros que o do 25 
legitimo matrimonio divina & naturalmente inftituido, 
outros ofTereceram fuas almas aos martirios, & cutelo 
neciamente, & as vidas que os antigos padres tanto efti- 
maram como pródigos & defafíizados vãmente, & fem 
caufa largaram & deixaram affi que andando enloque- 30 
eidos debaxo de falfas efperanças, & promeíTas que a íi 
mefmos fem perguntar a Deus fe fazem, nam fabem o que 
bufeam, & porque faõ indinos de bês prezentes naõ mere- 
cem que o Seflor lhos de, nem licença para ufar d 'elles. 



Sobre a Mortalidade da Alma 63 

Bem algum que poffa nacer defta falfa opiniam nam 
no ha porque fe eftes diíferem, que fenam ouvera mayores 
bês, ou mayores males, os homes nam temeram a Deus, 
& cadahum fara fua vontade, nenhüa coufa dizem, muyto 
5 mais fe teme o ladram da força que vé prezente, do que 
teme do inferno que nam vé, & quando o caftigo he duvi- 
dofo, ou ameaffado para longe, refpondem que também 
os ameaffados paõ comem: nam he afíi nos caftigos pre- 
zentes & que de breve fe pagaõ, antes fe hum vai para 

10 matar & lhe lembraõ que fe matar lhe cortaram a cabeça, 
refreaffe & naõ mata, & fe fe nam refrear com o medo 
dos males prezentes, muyto menos o fara com o medo 
fictício de que lhe ficam efperanças de efcapar, affi os 
juyzos & caftigos de Deus comos homês podem muyto 

15 mais para os dobrar que ameaffos futuros que haõ de ter 
cumprimento em vida naõ conhecida ; ferve o foldado na 
guerra, onde tem mais çerta a perda que o ganho por 
eftipendio taõ limitado que efcaffamente pode viver, mi- 
lhor fervira o homem a feu mefmo Deus a quem tem 

20 obrigaçam de fervir, & que effe mefmo ferviço paga dif- 
ferentemente ; ferviço taõ leve que pareçe naõ he nada: 
& agora Ysrael que pede o Senor Deus de ti, fenaô que 
temas ao Senor Deus teu, & que andes em todos feus cami- 
nhos; caminhos de dereito, caminhos de juftiça, caminhos 

25 fuaves & leves, que os que nam eftam pegados na tortura 
amam & dezejam, & eftrompeçam nelles os perverfos & 
maos; quanto Je adoçaram a meu padar tuas palauras 
mais que mel a minha boca. 

Algum tempo morei eu na efcuridade em que vejo em- 

30 baraffados a muytos, & duvidofos com os enleos de falfas 
efcrituras & doutrina de fabulofos homês nam podendo 
tomar firmeza & acabar de atinar com eíla vida eterna 
tam apregoada de tantos & lugar donde fe avia de pof- 
fuir vendo a ley de todo calada em coufas tam grandes, 



64 Sobre a Mortalidade da Alma 

& de tanta impor tançia, mas despois que por amor da 
verdade obrigado do temor de Deus me difpus a defpre- 
zar & vencer o temor dos homês pofta fomente nella minha 
confiança, en tudo fe trocou & mudou minha forte, por- 
que alumiou Deus meu entendimento tirandome de duvi- 5 
dar das coufas que me affligiam & pondome no caminho 
da verdade confirmeza, & todos meus bês pullaram e 
creçeram a vifta dos homês, & minha faude foy guardada 
com tam particular & notória affiftencia divina, que os 
que menos queiram feram conftrangidos & obrigados afíi 10 
o confeffar; vivo pois contento de conhecer meu fim & 
faber as condições da ley que Deus me deu para guardar, 
nam fabrico torres no vento alegrandome ou enganan- 
dome vámente com efperanças f alfas de fonhados bês, 
também me nam entrifteço, nem perturbo com pavor de 15 
mayores males: polo fer de homem que Deus me deu, 
& vida que me empreitou lhe dou muytas graças, porque 
fendo que antes de eu fer me nam devia nada, me quis 
antes fazer homem que nam bicho; & de verdade que 
a coufa que mais me affligiu & canfou nefta vida foi enten- 20 
der & imaginar hum tempo que avia bem & mal eterno 
para o homem, & que conforme ao que obraíTe gonharia 
o bem ou o mal, o que fe entam me fora dado efcolher, 
eu fem nhüa demora refpondera que nam queria ganho 
taõ arrifcado, & me contentava antes com ganhar menos : 25 
en fim permite Deus eftas opiniõis para atormentar as 
confciencias daquelles que delle & de fua fiel verdade fe 
apartam; & aqui fazemos fim de referir mais cafos, em 
que a falfa tradiçam mal fe apartou da verdade & dereito 
caminho da ley por efcuzar fazer mayor proceffo contra 30 
os inimigos culpados, dando por bem provado com os 
referidos o primeiro & principal fundamento de noífa 
propoíiçam atras no cap. 7. lançado. E agora nos vamos 
a contar algüas hiftorias. 



Über die Sterblichkeit der Seele 



65 



Capitel 23. 

In dem gehandelt wird, was die men/chliche Seele 
ift, wer fie erzeugt, ob fie Jierblich oder vielmehr 
unft erblich ifi. 

5 Da wir über die Sterblichkeit oder Unfterblichkeit der 
menfchlichen Seele zu handeln haben, ift es angemeffen, 
daß wir zuerft fragen, was eben diefe Seele eigentlich ift, 
zumal da manche Unwiffende, wenn sie von ihr fp rechen, 
fie fich als eine verkörperte Jungfrau vorzugehen schei- 

10 nen, wie andere fie als aus dem Fegefeuer hervorgehend 
fchildern. Die menfchliche Seele alfo, fagen wir, ift und 
heißt der Lebensgeift, mit dem der Menfch lebt, welcher 
Lebensgeift im Blute ift, und mit diefem Geifte lebt 
der Menfch, verrichtet feine Werke und bewegt fich, fo 

15 lange er ihm bleibt, und erlifcht nur, wenn er natürlicher- 
weise aufhört oder durch irgend einen gewaltfamen Fall. 
Zwifchen der Tierfeele und der menfchlichen Seele befteht 
kein anderer Unter fchied, als daß die menfchliche Seele 
vernunftbegabt ift, während die Tierfeele der Vernunft 

20 entbehrt. Im übrigen ift Geborenwerden, Leben und 
Sterben in allem gleich, wie Salomo fagt : und der Menfch 
hat keinen Vorzug vor dem Vieh in der Dauer, denn alles 
ifl eitel. Demgemäß ift die Seele des Viehs fein geiil- 
erfülltes Blut, wie das Gefetz befagt, und darin befteht 

25 und wohnt eben die Seele. In gleicher Weife befteht die 
Seele des Menfchen im Blut und Lebensgeift. 

Nachdem wir wiffen, daß wir etwas haben, was Seele 
heißt, fragen wir jetzt, wer diefe Seele im menfchlichen 
Körper erzeugt. Wir erwidern, daß es bei der Frage kaum 

30 Zweifel gibt. Es ift fonnenklar, daß der Menfch durch 
natürliche Zeugung die Seele eines anderen Menfchen er- 
zeugt, auf die gleiche Weife, wie ein Tier die Seele eines 
anderen ihm ähnlichen Tieres erzeugt, fo wie ein Elephant 

Da Costa Opera. 5 



66 Über die Sterblichkeit der Seele 

einen anderen ebenfo verftändigen Elephanten erzeugt, 
der Fuchs einen anderen ebenfo liftigen Fuchs, das Pferd 
ein anderes ebenfo ftarkes, gehör fames und mutiges Pferd. 
Der Menfch zeugt folglich einen anderen Menfchen, ver- 
nunftbegabt wie er und bewußten Sinnes, worin der Unter- 5 
fchied zwifchen ihm und den Tieren befteht. Dabei gibt es 
nichts, worüber zu zweifeln wäre. Auf andere Weife wäre 
die Zeugung des Menfchen fehlerhaft und unvollkommen, 
gegen die göttliche Ordnung und Einrichtung, die kraft 
göttlichen Wortes mittels des Samens in jedes einzelne der 10 
Gefchöpfe alle fetzt: fie zeugen ihresgleichen und fo er- 
halten fich ihre Arten und vermehren fich. Dem Menfchen 
insbefondere ward gefagt : und Gott fegnete fie und fprach zu 
ihnen: zeuget, feid fruchtbar und erfüllet die Erde und machet 
fie euch Untertan und herrfcht über die Fifche des Meeres. 15 
Weil der Menfch in allem f einesgleichen zeugt, deshalb 
fagt diefelbe Schrift : da Adam 130 Jahre alt war, zeugte 
er fein Abbild, d. h. Adam, vernunftbegabt und Herr- 
fcher über die Gefchöpfe auf der Erde, zeugte fein 
Ebenbild und Abbild in allem vollkommen, ohne daß 20 
jemand anderes fich bei der Zeugung eingemengt hätte. 
Das gleiche fagt Salomo, wenn er fagt, das Geboren- 
werden des Menfchen fei gleich dem des Tieres. Kurz, 
die Sache ift völlig frei von Zweifel und Wider fpruch, 
beftätigt wie fie ift durch Vernunft und durch Gefetz. 25 

Diejenigen, die behaupten, dieSeelen feien vomKörper ge- 
fchiedene Wefen, die Gott zugleich gefchafTen und die er wie 
in einen Getreidefpeicher gelegt habe, von wo er fie in die 
Leiber der Schwangeren eingehen laffe, verdienen kein 
Gehör. Das find die unfinnigen Träumereien des nichtigen 30 
alten Heidentums, unwürdig jeder Widerlegung, denen 
noch jetzt die Pharifäer folgen. Andere behaupten, Gott 
fchaffe diefe Wefen in den Leibern der Schwangeren durch 
neue Schöpfung, etwas ebenfo Wunderbares, von dem 



Über die Sterblichkeit der Seele 67 



weder Vernunft noch Gefetz weiß. Diejenigen, die diefe 
Meinung annehmen, tun dies, weil fie nicht zugeben, daß 
die menfchliche Seele fterblich ift, wie he glauben, daß üe 
es würden, wenn fie durch einen anderen Menfchen gezeugt 
5 wäre und zwar durch jene natürlichen Mittel, durch die die 
Seelen der Tiere gezeugt werden. Wie jene weder Ver- 
nunft noch Gefetz für fich haben, um ihren Gedanken und 
ihre künftliche Wahrfagerei zu ftützen, fo braucht man 
nicht die Zeit zu vergeuden, um ihre Gründe darzulegen 

10 und ihre fch wachen und hinfälligen Grundlagen einzureißen. 
Es fragt fich weiter, ob die menfchliche Seele fterblich 
oder vielmehr unfterblich ift. Wir erwidern, daß aus dem 
Vorhergehenden die Antwort zu entnehmen ift, und zwar, 
daß eben die Seele fterblich ift, da wir gefagt, daß fie im 

15 Blut und im Lebensgeift befteht, welcher als erfter im Men- 
fchen ftirbt und erlifcht, woran derfelbe Menfch ftirbt. 
Der Menfch wird nicht fterben, wenn der Lebensgeift, die 
Seele, die ihn befeelt, nicht in ihm verfagte. Diefe natür- 
liche und erprobte Wahrheit wird durch viele ausdrück- 

20 liehe Schriftftellen bewiefen, denen gegenüber keine Wider- 
legung möglich ift. Zuerft wird fie daraus bewiefen, daß fich 
aus dem Gefetz nicht ergibt, daß die menfchliche Seele 
unfterblich oder daß für fie ein anderes Leben, Pein oder 
Herrlichkeit, vorbehalten ift. Es wäre vollkommen un- 

25 möglich, daß das Gefetz derartiges nicht erwähnte; denn 
Gott pflegt dem Menfchen die Strafe nicht zu verbergen, 
vielmehr ftellt er fie ihm oft vor, um ihn vermittels ihrer 
vom Böfen abzubringen, wie aus dem Gefetz hervorgeht. 
Zweitens wird es daraus bewiefen, daß Gott zum Men- 

30 fchen fagte : an dem Tage, da du davon iffefi, wirft du des 
Todes fterben. Folglich war der Menfch fterblich gefchaffen 
und dem Tode unterworfen. Anderenfalls, wenn er feinem 
Wefen nach unfterblich wäre, müßte er diefe Unfterblich- 
keit im beseelten, geifterfüllten Körper mit dem Geifte 



5* 



68 Über die Sterblichkeit der Seele 

haben, den Gott ihm einflößte, brauchte aber nicht zu 
fterben. Anders wenn Gott ihm fagte: Staub biß du und 
zu Staub wirft du zurückkehren, womit er dem Menfchen 
fein Ende offenbarte und ihn wiffen ließ, daß feine Tage, 
obgleich er ein fo vorzügliches Gefchöpf fei, Zahl und 5 
Ende hätten, und er zu eben dem, was er zuvor gewefen, 
zurückkehren werde. 

Drittens wird es daraus bewiefen, daß die Erzväter das 
andere Leben nicht in Betracht zogen und feine Güter 
nicht berührten, wie aus ihren Worten erfichtlich ift. Denn 10 
als der Herr zu Abraham fagte, es erwarte ihn reicher 
Lohn, da entgegnete diefer : Herr Gott, was willft du mir 
geben, da ich doch ohne Kinder dahingehe und die j er Knecht 
meines Haufes wird mein Erbe fein, als ob er fagte : Herr, 
ich weiß nicht, worin ich diefe große Belohnung haben 15 
oder in welcher Münze ich gezahlt werden foll, da ich keine 
Kinder habe, die die Erben diefer meiner Güter wären. 
Wenn Abraham an ein anderes Leben gedacht hätte, hätte 
er die große Belohnung diefem überlaifen, und nicht von den 
gegenwärtigen Gütern geredet. Diefe Güter meinte auch 20 
Ifaak in dem Segen, mit dem er Jakob fegnete, und auf fie 
ftützt fich das Gefetz, wenn es üe als Belohnung den Guten 
in Auslieht ftellt. Ebenfo hat auch Salomo, indem er die 
Übel betrachtete, die im Leben vorkommen und kein 
anderes befferes Leben fah, den für den glücklichften 25 
erklärt, der nicht geboren wurde. 

. . . Denn es fteht gefchrieben : wirft du etwa Wunder tun 
an den Toten? Wenn die, die des Lebens entbehren, auf- 
erftehen, werden fie dich preifen ? Wird etwa deine Barm- 
herzigkeit im Grabe verkündet, deine Wahrhaftigkeit in der 30 
Verderbnis? Wird etwa deine Wundertat in der Finsternis 
kund und deine Gerechtigkeit im Lande des Vergeffens? 
Damit wird beftritten, daß die Toten Gott preifen und 
dazu auferftehen können, denn dort an ihrem Aufent- 



Über die Sterblichkeit der Seele 69 



haltsort gibt es kein Leben, noch gibt es Geift in der 
Gruft, dem Lande der Verderbnis, dem Lande der Finster- 
nis und des Vergeffens, und bloß die Lebenden können 
Gott preifen, aber die Toten preijen den Herrn nicht und 
5 nicht alle die, die in die Stille hinabgeftiegen find, aber wir 
werden J ah fegnen von nun an bis in Ewigkeit. Damit wird 
an diefen und anderen ähnlichen Stellen, die fich auf 
Schritt und Tritt finden, mit dem Elend und der Nichtig- 
keit des menfchlichen Lebens argumentiert, um Gott zur 

10 Barmherzigkeit und zum Mitleid mit einem fo vergäng- 
lichen und fo wenig dauerhaften Gefchöpf zu verbinden. 
Siehe , etliche Handbreiten lang haß du meine Tage gemacht, 
und meine Zeit iß wie nichts vor dir. In Wahrheit iß alles 
eitel und wie ein Schatten geht jeder Menfch vorüber. Höre 

15 auf mein Gebet, Herr, und habe acht auf meine Tränen und 
von meinem Flehen kehre dich jetzt nicht ab, denn ein Wan- 
derer bin ich vor dir, ein Tagelöhner wie alle meine Vor- 
fahren. Kehre dich ab von mir und nimm von mir deine 
Strafe, daß ich mich ßärke, bevor ich hingehe und nicht mehr 

20 bin, und anderwärts :Er ift barmherzig und wird gnädig fein 
über die Miffetat; nicht wird er verderben noch vervielfachen 
feinen Zorn, um ihn auszulaffen, und nicht erwecken all 
feinen Grimm, und er gedachte, daß er nur Fleifch ift, Geift, 
der dahingeht und nicht zurückkehrt. Und Hiob fagte Cap . 7 : 

25 Meine Tage waren gefchwinder als das Weberfc hi ff lein und 
fchwanden dahin , ohne Hoffnung, daß ich andere wieder- 
erlange; bedenket, daß mein Leben ein Windhauch iß. Mein 
Auge wird nicht wiederkehren, Gutes zu fchauen; nicht wird 
mich schauen das Auge deffen, der mich fah. Deine Augen 

30 find auf mir, aber ich bin nicht. Es fchwand die Wolke 
und ging dahin; fo wird, wer in die Gruft ßeigt, nicht 
hervor ßeigen, nicht wiederkehren zu feinem Haufe und 
feinen Ort nicht mehr kennen. Darauf fagt er weiter : 
Ich bin meines Lebens fatt; ich kann nicht ewig leben. 



yo Über die Sterblichkeit der Seele 

Laß ab von mir mit der Geißel, denn eitel find meine 
Tage. Derfelbe Sinn folgt in Cap. 14 und an vielen an- 
deren Stellen, die aufzuführen zu weitläufig wäre. Wie- 
viele Pfalmen finden fich allenthalben, die alle überein- 
ftimmend zum Schluß kommen, daß fie erklären, das 
Menfchenleben fei kurz und wenn es zu Ende fei, dann 
bliebe ihm nichts, nicht einmal Hoffnung, wieder- 
kehren zu können, um ein anderes zu erlangen; denn 
der Baum, wenn er abgehauen wird, hat Hoffnung, fich 
wieder zu erneuen, und feine Triebe hören nicht auf. 
Wenn auch feine Wurzeln in der Erde altern und im Staube 
fein Stamm abftirbt, mit dem Dufte der Waffer wird er 
wieder ausfchlagen und Zweige anfetzen wie ein frifches 
Reis. Aber der Menfch fiirbt und wird kraftlos und er iß 
tot, wo ifi er dann ? Es werden dahingehen die Waffer des 
Meeres und der Fluß wird trocken fein und verfiechen, aber 
der Menfch entfchlief und wird nicht auf erflehen. Bis daß 
die Himmel nicht mehr find, werden fixe nicht erwachen und 
nicht auferftehen von ihrem Schlafe; als ob es hieße : fo 
unmöglich ift es, daß der Menfch, wenn er geftorben ift, 
zum Leben zurückkehre, daß dem Meer eher die Waffer 
werden mangeln können, und die waiTerreichen Ströme 
verfiechen, aber der Menfch kann nie zurückkehren zum 
Leben, folange es Himmel gibt, was ewig der Fall fein 
wird; er wird nicht erwachen vomTodesfchlaf, fobald er 
einmal fchläft. Weil diefer Schlaf fo tief ift, fagte 
David zum Herrn: Erleuchte meine Augen, denn fonft ent- 
fchlafe ich des Todes, denn fonft fagt mein Feind: ich habe 
obgefiegt gegen ihn: Du fiehft Herr, daß der Feind nicht 
abläßt mich zu fuchen; es wird leicht eine Stunde kom- 
men, in der ich in feine Hände fallen und darin umkommen 
kann; erleuchte drum meine Augen, damit ich fehe, wohin 
ich meine Füße fetze und mich vor ihm hüten könne; 
denn fonft entfchlief e ich des Todes, denn fonft gefchähe 



Über die Sterblichkeit der Seele 71 

es, daß ich jenen Schlaf fchliefe, von dem man nicht 
erwacht, und mein Feind iich rühmte, gegen mich ob- 
geiiegt zu haben. So wird durch alles bewiefen, daß, wenn 
der Menfch einmal tot ift, nichts von ihm bleibt, und er 
5 auch nicht eines Tages zum Leben zurückkehren wird. 
Denn eine Zahl von Jahren verging, und auf dem Wege, 
von dem ich nicht zurückhehre, werde ich gehen. Vollenden 
wird fich ihr Ende, und ich werde jene Reife machen, die 
gemeinfam ift allem Fleifch, und werde jenen Weg gehen, den 

10 ich nicht wieder zurückgehen werde. 

Diejenigen, die dafür eintreten, daß die menfchliche 
Seele unfterblich ift, entgegnen gewöhnlich auf einige der 
Hauptgründe, die wir beigebracht, indem fie den Körper 
eliminieren und gewiJTe Unterfcheidungen machen, die 

15 aber, weil fie wenig wahrscheinlich find, von felbft 
fallen. Sie entgegnen alfo auf den Text: Staub biß du 
und zu Staub wirft du zurückkehren, dort habe Gott mit 
dem Körper und nicht mit der Seele gefprochen. Eine 
witzige Entgegnung! Gott fprach mit dem lebenden und 

20 geifterfüllten Menfchen und gab ihm als folchen feine 
Lebensbedingung kund und erklärte ihm, fein Leben hätte 
Grenze und Zahl und den Staub ließ er im Staube, ohne 
ihn jemals wieder zu erheben, was durchaus notwendig 
gewefen wäre, um darauf hoffen zu können. Adam ift nicht 

25 mehr aufgeftanden, trotzdem es fchon fo lange her ift, daß 
er fchläft, und wird nicht auferftehen, folange die Welt 
dauert und es Himmel gibt, was für immerdar fein wird. 
In derfelben Weife entgegnen fie auf die Textftellen, durch 
die bewiefen wird, daß die Toten Gott nicht preifen kön- 

30 nen, nämlich : fie könnten ihn nicht körperlich preifen, als 
ob das etwas zu befagen hätte, wenn fie es geiftig tun 
könnten. Denn beffer würde der reine und vom Körper 
freie Geift preifen, als der verkörperte und in ihn hinein 
verfetzte ihn priefe, und es wäre nicht wahr, wenn 



72 Über die Sterblichkeit der Seele 

man Tagte, die Toten priefen Gott nicht, da doch ihr 
Geift ihn preift. Wenn vielmehr die Toten gleichfalls den 
Herrn priefen, dann würde auch das Argument hinfällig, 
mit dem man Gott verbinden wollte, Mitleid mit dem 
Menfchen zu haben, indem man ihm die Kürze feiner 5 
Tage und ihre Nichtigkeit vorftellte, falls nach dem Tode 
Seele und Geift bliebe und anfinge, eines anderen, durch- 
aus glücklichen, ewigen und mühelofen Lebens fich zu 
erfreuen. Aber da dem nicht fo ift, deshalb fagte jeder 
in feinem Kummer und wird fagen: Gedenke, daß mein 10 
Auge nicht zurückkehren kann, Gutes zu fchauen. Sie ent- 
gegnen ferner auf den Vers: und er gedachte, daß fie 
Fleifch find, Geift, der vorübergeht und nicht zurückkehren 
wirdu. dergl.: der Geift werde nicht zu jenem fterblichen 
Körper , fondern zu dem unfterblichenKörper zurückkehren . 1 5 
Sie fehen nicht, daß der Geift, wenn er zu einem derartigen 
Körper zurückkehren würde, zu einem belferen zurück- 
kehrte und man nicht von diefem Zurückkehren fagen 
würde, es fei kein Zurückkehren. Kurz es find abge- 
fchmackte Unterfcheidungen und Irrwege, zu Unrecht ein- 20 
gefchlagen, um der Wahrheit zu entgehen, die doch, ftark 
und mächtig wie fie ift, fich nicht überwinden läßt. Wir 
fügen noch hinzu, daß Abraham ebenfalls fagte: fieh da, 
jetzt habe ich begonnen zu reden mit meinem Herrn, ich Staub 
und Afche. Wenn aber der Geift Abrahams unfterblich 25 
wäre und zurückkehren würde, um einen unfterblichen 
Körper zu erhalten, dann wäre Abraham nicht Staub noch 
Afche, und er könnte fich in Wahrheit nicht fo nennen ; 
vielmehr wäre Abraham ein unfterbliches Wefen und er 
dürfte nicht dem Körper als dem minder wefentlichen Teil 30 
foviel Beachtung fchenken, um fich danach zu benennen 
und Staub zu heißen, denn die Dinge werden nach dem 
Teil benannt, der bei ihnen dominiert, und beim Menfchen 
herrfcht fein Geift vor und bildet den wefentlichen Teil. 



s 



Über die Sterblichkeit der Seele 73 

Wenn diefer Geift unfterblich ift und ein Wefen für fich, 
dann ift auch der Menfch unfterblich, und wird nicht Staub 
heißen, wenn auch fein Körper es ift und um fo mehr, 
wenn er es nur für eine beftimmte Zeit ift. Abraham be- 
5 griff alfo fein Wefen als vergänglich und zerftörbar und da 
er fo fich fah, als er mit Gott fprechen follte, wappnete er 
fich mit Demut, indem er bekannte und vorftellte, wie 
unwürdig er diefes Gefpräches wäre. Auf die gleiche Weife 
ift die Stelle zu verftehen : Staub biß du und zu Staub wirft 

10 du zurückkehren. Das könnte man nicht fagen vom ganzen 
und lebendigen Menfchen, mit dem Gott fprach, wenn 
fein Geift unfterblich wäre und der Menfch nicht zu Staub 
würde. Das begriff Salomo wohl, und deshalb fagte er, 
der Menfch habe keinen Vorzug vor dem Vieh in der 

15 Dauer, denn alles ift eitel und das Schickfal des Viehs und 
fein Schicksal ift ein und das/elbe: fo wie diefes ftirbt, fo 
ftirbt jener, und ein und derfelbe Geift ift für alle und es gibt 
keinen Vorzug des Menfchen vor dem Vieh, denn alles ift 
eitel. Die fabulierenden Ausleger, um einen Ausweg für 

20 diefen Vers zu geben, fagen: alles ift eitel, ausgenommen 
die Seele. Diefe ihre Entgegnung kommt fehr gut überein 
mit allem, was fie da fagen, wo es fich darum handelt, 
daß der Menfch in feiner Dauer nichts Verfchiedenes ift 
gegenüber dem Vieh und daß eines denfelben Geift hat 

25 wie das andere, und daß eben deshalb alles eitel ift, daß 
alles an feinen Ort geht, alles von Staub war und alles zum 
Staub zurückkehrt. Wer weiß, ob der Geift des Menfchen 
herauf fteigt zur Höhe, der Geiß des Laßtiers aber hinunter- 
ßeigt unter die Erde? Darum fand ich nach eingehender Er- 

30 wägung, daß es nichts Befferes für den Menfchen gibt, als 
feiner Hände Arbeit zu genießen, und daß dies fein Teil iß, 
und er keinen anderen Ertrag von feiner Schöpfung davon- 
trägt, und ich fah, daß es nichts befferes gibt, als daß der 
Menfch fich freue an feinen Werken, weil das fein Teil ift. 



74 Über die Sterblichkeit der Seele 



Es verbleibt dem Menfchen kein anderes Leben um zu 
leben; aus dem, das er gegenwärtig hat, muß er Nutzen 
und Capital ziehen. Wenn er es bewahrt haben will, dann 
fürchte er Gott und halte feine Gebote, fo wird er die 
Frucht feiner Arbeit genießen. 5 

Cap. 24. 

In dem die Hauptgründe dargetan werden, die 
diejenigen für fich anzuführen pflegen, die be- 
haupten, die menfchliche Seele fei unflerblich und 
es gebe eine Auf erflehung der Toten nebfi den 10 
Entgegnungen darauf. 

Diejenigen, die die Unfterblichkeit der Seele und die 
Auferftehung der Toten verkünden, find wie Menfchen, die 
eine, glatte Mauer ohne Leiter hinauf fteigen möchten, die, 
da Tie nichts haben, um fich darauf zu stützen, jedesmal, 15 
wenn fie die Hand ausftrecken, um weiterzukommen, mit 
dem Fuße ausgleiten und zu Fall kommen, wie es aus 
ihren Hauptgründen, die folgen, erüchtlich werden wird. 

I . Der Menfch ward nach dem Bilde Gottes gefchaffen ; 
Gott ift unfterblich; folglich ift der Menfch gleichfalls 20 
unfterblich, fonft wäre der Menfch nicht nach dem Bilde 
Gottes gemacht. 

II. Die Erfchaffung der Menfchen war nicht gleich der 
der anderen Tiere, und Gott blies ihm Lebensodem ein ; 
folglich ift diefer Lebensodem unfterblich. 25 

III. Gott fagte zum Menfchen: am Tage, da du vom 
Baume iffeft, wirft du fterben; hätte Adam nicht gegeifen, 
dann wäre er nicht geftorben; folglich ward er unfterb- 
lich gefchaffen. 

IV. Mofes fagte zu Gott : wenn du nicht diefem Volke 30 
vergibft, dann ßr eiche mich aus deinem Buche, das du ge- 



Über die Sterblichkeit der Seele 75 

fchrieben haßt. In diefem Buche find diejenigen gefchrie- 
ben, die ein ewiges Leben zu leben haben, und diefe find 
es, die in dem Lande der Lebendigen leben. 

V. Samuel kam, mit Saul zu reden ; folglich leben und 
5 reden die Toten. 

VI. Elias wurde in den Himmel aufgenommen und lebt, 
und Elifa erweckte einen Toten. 

VII. In den Pfalmen fteht zu lefen, die Böfen würden 
von der Erde vertilgt und die Guten gediehen; folglich 

10 muß es notwendig ein anderes Leben geben, weil in 
diefem Leben die Böfen gedeihen und die Guten leiden, 
und fo weder die Böfen beftraft noch die Gerechten be- 
lohnt wären. 

VIII. Es fteht gefchrieben Pfalm 16: Denn du läffeft 
15 meine Seele nicht im Grabe, du läffeft nicht zu y daß dein 

Barmherziger die Gruft fchaue, ferner Pfalm 3 1 : wie groß 
iß deine Güte, die du aufgefpart haß denen, die dich fürchten. 

IX. Es fteht gefchrieben Jefajas 26: Leben werden deine 
Toten, und gleich danach : Die Erde wird die Abgefchiedenen 

20 von ßch geben, ferner : Ich öffne eure Gräber, ich werde euch 
hinausßeigen laßen, aus euren Gräbern, mein Volk. Ferner 
Hiob Cap. 19: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und wahr- 
haftig werde ich über dem Staube fein, und nachdem meine 
Haut alfo zerfchlagen ift, ledig meines Fleifches werde ich 

25 Gott fc hauen; ich darf ihn fchauen für mich, und meine 
Augen werden ihn fehen und nicht als Fremden, und meine 
Nieren ermatten ufw. Ebenfo prophezeite Daniel von der 
Auferftehung der Toten. 

Auf das erfte Argument, daß der Menfch nicht nach dem 

30 Ebenbilde Gottes gemacht wäre, wenn er unfterblich 
wäre, entgegnen wir, daß es Narrheit wäre, wollte man, 
daß der Menfch das Ebenbild Gottes in allem und für 
alles wäre; weil Gott allmächtig ift, fo ift deshalb der 
Menfch, fein Ebenbild, noch nicht allmächtig. Andern- 



j6 Über die Sterblichkeit der Seele 

falls, wenn wir den Menfchen in dem Grade als Ebenbild 
Gottes anzufehen hätten, daß er fein Abbild wäre, dann 
müßte notwendig der Menfch Gott fein, aber Gott kann 
nichts anderes in allem ihm felbft gleich machen, und 
feine höchfte Hoheit befteht eben darin, daß er felbft in 5 
all feiner Macht nichts anderes ihm gleich machen kann, 
denn es ift ein Wider fpruch, Gott zu fein und gemacht, 
gefchaffen oder gezeugt fein zu können. Der Menfch ift 
alfo Ebenbild und in gewiffem Sinne Abbild Gottes, er ift 
ein Schatten feiner Weisheit, ift nicht die Weisheit felbft. i 
Er herrfcht über die Gefchöpfe und ift beinahe Gott 
gleich, aber er herrfcht nicht wie Gott. Ebenfo wenig ift 
er ein Ebenbild Gottes in der Unfterblichkeit, denn diefe 
ift eine Eigenfchaft Gottes, aber nicht des Menfchen. Sind 
etwa deine Tage wie Tage des Menfchen? Deine Jahre find 15 
wie Tage eines Mannes: das hätte Hiob nicht fagen können, 
wenn der Geift des Menfchen unfterblich wäre. 

Zum Zweiten. Die Schöpfung des Menfchen war nicht 
gleich der Schöpfung der vernunftlofen Tiere. Gott blies ihm 
Lebensodem ein; folglich ift diefer Lebensodem unfterblich. 20 
Wir entgegnen, daß das Argument keine Beweiskraft hat, 
und daß die Folgerung zu Unrecht daraus gezogen wird, 
denn es folgt nicht, daß der Geift, der dem Körper Adams 
Leben gab, ohne die Seele Adams ein unfter blicher Geift 
wäre, vielmehr beweift die Stelle gerade, daß die Tiere 25 
denfelben Lebensgeift haben wie der Menfch, denn bei 
ihrer Schöpfung fagte Gott : die Erde bringe hervor leben- 
dige Wefen, und nachher bei der Schöpfung des Menfchen, 
der fchon mit dem Lebensgeift befeelt war, den er ihnen 
einblies : es wurde der Menfch ein lebendiges Wefen, fo daß 30 
er dasfelbe Wort an der einen Stelle wie an der anderen 
gebraucht, wie auch Salomo fagt: einen felben Geift haben 
fie alle. Denn daß Gott den Menfchen nicht in Gemein- 
fchaft mit den Tieren der Erde entnahm, wie er es hätte 



Über die Sterblichkeit der Seele 77 



tun können, war durchaus angemeflen, und daß der Menfch 
nicht in einer Herde mit ihnen entftand, er, der Herrfcher 
über fie, vernunftbegabt und teilhaft göttlicher Weisheit. 
So könnte man aus der Art feiner Schöpfung entnehmen, 
5 daß er in feinem Leben gerade fo verfchieden ift, wie er 
es in der Schöpfung gewefen war. Andere Unter fchiede 
finden fich gleichfalls in der Schöpfung felbft und zwar alle 
zur Lehre für den Menfchen: einen allein fchuf Gott 
und nicht viele und gab ihm ein Weib, das er aus ihm 

10 felbft zog. All das lehrt ihn zu leben, aber hat nichts 
damit zu tun, ob er fterblich oder unfterblich ift. 
Wenn Adam lebendig gewefen wäre, als Gott ihm den 
Lebensgeift eingab, dann könnten wir fagen, diefer Geift 
wäre etwas vom tierifchen Geift Gefchiedenes und Ge- 

15 trenntes, da ja Adam fchon lebte. Adam aber bewegte 
fich nicht, bevor der Lebensgeift in ihn einging; folglich 
war der Lebensgeift, der in Adam einging, die tierifche 
Seele, und eben diefe tierifcheSeele war die vernunftbegabte 
Seele und alles ist das gleiche, derart daß in dem Augenblick, 

20 da in den Menfchen die tierifche Seele einging, in ihm auch 
Vernunft und Überlegung ift, was man eben vernunft- 
begabte Seele nennt. Ich werde den Herrn preifen in 
meinem Leben, ich werde meinem Gott fingen, folange ich 
bin; denn dann, wenn ich nicht mehr bin, werde ich ihm 

25 nicht mehr fingen können. Ausgehen wird fein Geift, zurück- 
kehren zu feiner Erde; zurückkehren wird der Menfch zur 
Erde, daß an diefem Tage feine Gedanken vergehen werden; 
an dem Tage, da der Menfch ftirbt, werden alle feine Über- 
legungen ein Ende haben, für der wird er nicht mehr fchließen. 

30 Prediger Cap. 9: Alles, was deine Kraft zu finden vermag, 
das tue, denn weder Werk, noch Urteilskraft, noch Wiffen, 
noch Weisheit gibt es im Grab, wohin du gehft. An dem 
Tage, da der Menfch ftirbt, endet alles mit ihm; fterblich 
und endlich war der Geift, den Gott ihm gab, nicht un- 



78 Über die Sterblichkeit der Seele 

fterblich und unendlich, und deshalb ftirbt er, denn fonft 
würde er nicht fterben. Hiob Cap. 34: Wenn er fein Herz 
fetzte über fich, feinen Geiß und feinen Odem zurückzöge, fo 
würde alles Fleifch miteinander fterben und der Menfch 
würde zu Staub zurückkehren. Würdeft du ebenfo von den 5 
Tieren ihren Geiß einziehen, fo würden ße verhauchen, zu 
ihrem Staube wieder werden, Pfalm 104, f o daß, wenn Gott 
feinen Geift zurückzieht, an fich zieht und aufhören läßt 
im Menfchen, dem vernunftbegabten Tier, wie in irgend 
einem anderen nicht vernunftbegabten, dann verlöfcht i° 
jedes und ift zu Ende. Manche lagen, um diefe Wahrheit 
zu entftellen, dann wäre ein Hund fo gut wie ein Menfch, 
und diefe verdienten es, daß fie mit Schmerzen des Dafeins 
verluftig gingen, das ihnen Gott gab, denn fie kennen und 
fchätzen es fo fehl echt, daß fie fich aus den Herren des 1 S 
Hundes zu feinen Brüdern machen, bloß weil ihnen Gott 
kein ewiges Leben gab, als ob er ihnen irgend etwas fchul- 
dig gewefen wäre. Beffer fagte der andere in feinem Roman- 
ceiro : Sterblich gebar mich meine Mutter, und ich hätte 
alfo gleich fterben können, fo mögt ihr, was der Himmel uns 20 
freiwillig gab, nicht als ein Recht von ihm verlangen. 

Zum Dritten. Am Tage, da du vom Baume iffeß, wirft 
du des Todes fterben. Wenn Adam nicht gegeffen hätte, 
wäre er nicht geftorben; folglich ward er unfterblich ge- 
fchaffen. Wir erklären das Argument für falfch: es folgt 2 5 
nicht daraus, daß Adam, hätte er nicht gegeffen, nicht 
geftorben wäre, fondern es folgt, daß Adam, wenn er nicht 
gegeffen hätte, nicht jenes Todes geftorben wäre, mit dem 
Gott ihm drohte. Adam wäre feines natürlichen Todes 
und zu feiner Zeit geftorben, aber er wäre nicht eines vor- 3° 
zeitigen Todes geftorben dafür, daß er das Gebot übertrat. 
Alfo fagt das Gefetz und das Gebot: derjenige, der eine 
folche Tat begeht, muß des Todes fterben, und nicht etwa 
daß der Betreffende nicht fterben müffe, wenn er jene Tat 



Über die Sterblichkeit der Seele 79 



nicht beginge? Ganz gewiß muß er fterben, aber er muß 
nicht jenes Todes fterben, der für jene Tat angedroht ift. 
Hefekiel : Wenn fich der Sünder bekehrt von feinem Wege, 
fo bürge ich, fpricht der Herr, daß er nicht fterben wird. Er 
5 wird den angedrohten Tod nicht fterben, ich werde ihn 
nicht töten, bevor er feine Tage erfüllt hat, ich werde ihn 
nicht töten mit fchlimmem Tode, wie er den Sündern ge- 
bührt. Darum, wenn Adam nicht gefündigt hätte, hätte 
ihn Gott nicht gerichtet, wie er ihn gerichtet hat, denn 

10 wenn er ihn nicht gleich mit dem Todesurteil beftrafte, 
fondern ihm das Leben verlängerte, fo gefchah es aus 
Gnade und auf Grund feiner Bürgfchaft. Und felbft an- 
genommen, daß Adam unfter blich gefchaffen worden wäre, 
fo fpricht für das Gegenteil die Hinfälligkeit feines Kör- 

15 pers, der der Speife und des Trankes benötigte, unter der 
Bedingung, das Gebot zu halten, das ihm aufgegeben war ? 
In der Stunde, da er es übertrat, verlor er die Unfterblich- 
keit, und fo ftarb er, denn wenn er unfterblich gewefen 
wäre, indem er nicht fündigte, hätte er unfterblich körper- 

20 lieh leben müffen. Er fündigte und ftarb und die Unfterb- 
lichkeit verfiel. Aber in Wahrheit ward er fterblich und 
vergänglich gefchaffen. 

Zum Vierten. Mofe fagte zu Gott: Streiche mich jetzt 
aus deinem Buche, das du gefchrieben haß. In diefem Buche 

25 find diejenigen gefchrieben, die ewiges Leben zu leben 
haben, und diefe find es, die im Lande der Lebendigen 
leben. Wir behaupten, daß fich alles auf das gegenwärtige 
Leben bezieht und nicht auf ein anderes, denn es gibt kein 
anderes. So fagte Mofe zu Gott, er möge ihn aus feinem 

30 Buche ftreichen, in das er die Guten fchreibt, um fie in 
diefem Leben zu belohnen, indem er fie ihre Tage in Frie- 
den und Glück erfüllen läßt. Wir meinen nicht, daß Gott 
irgend ein Erinnerungsbuch hätte, fondern daß die Sprache 
unferer Art angepaßt ift, um zu zeigen, daß Gott der Welt 



8o Über die Sterblichkeit der Seele 

in Lohn und Strafe Rechnung trägt. Von diefem Buche 
alfo fagte Mofe zu Gott, er möge ihn ausftreichen, als 
wollte er fagen : töte mich, fchneide mich ab, ehe ich meinen 
Lauf erfüllt habe ; wenn ich nicht die Vergebung für diefes 
Volk fehe, will ich kein Leben, gerade fo wie er ein anderes- 5 
mal fprach : wenn du mir das antun willß, fo töte mich lieber 
gleich ganZy wenn ichGnade gefunden habe in deinen Augen, 
damit ich mein Elend nicht mehr fchaue. Einmal habe ich 
dich gebeten, Herr, daß du mich töteft, eifernd für dasWohl 
diefes Volkes, denn ich möchte kein Leben, um fein Elend 10 
zu fchauen; jetzt bitte ich dich zum zweitenmal, eifernd 
für mein Wohl, denn wenn ich mit folcher Laft leben foll, 
ift mir das Leben unerträglich. So fprach auch Rebekka 
zu Ifaak, das Leben fei ihr verleidet und fie möchte nicht 
leben, wenn Jakob ein Weib nehmen müßte von den 15 
Töchtern des Landes. Mofe bat Gott nicht, daß er 
ihn aus dem Buche ftriche, in dem diejenigen gefchrjeben 
wären, die ein ewiges und vollkommen glückliches Leben 
leben follten, wenn es ein folches Leben gäbe, um in das 
Buch der Feinde Gottes eingetragen zu werden, die Gott zu 20 
ewigem Elend verdammt hat, denn eine folche Bitte wäre 
Wahnfmn und Aberwitz gewefen. Land der Lebenden heißt 
diefe Welt, auf der wir leben und wandeln, Land der Leben, 
d.h. man fpricht von vielen Leben, weil viele in ihm leben 
und fo ift fie nicht das Land bloß eines Lebens. Land der 25 
Toten, Land der Verderbnis heißt die Gruft, Schacht des 
Schweigens, Land der Dunkelheit und des Todesschattens, 
wohin das Licht nicht dringt, fo wie Hiob es fchildert. 
Diefes Land der Leben erwähnt Hefekiel oft Cap. 32, und 
in vielen Pfalmen heißt es auf Schritt und Tritt : Ich werde 30 
vor dem Angefleht des Herrn wandeln im Lande der Leben; 
befreit hat der Herr meine Seele vom Tode, aus den Händen 
derer, die fie juchten zu ihrer Tyrannei, darum werde 
ich leben und wandeln vor Gott im Lande der Leben. 



Über die Sterblichkeit der Seele 8i 



Deshalb werde ich dankbar fein für die Gnaden, von denen 
ich erkenne, daß ich fie aus feiner Hand empfange und 
fo werde ich Opfer darbringen für meine Wohlfahrt : den 
Rettungsbecher werde ich erheben und den Namen Adonais 
5 werde ich anrufen. Meine Gelübde werde ich dem Herrn 
bezahlen. Koßbar iß in den Augen des Herrn der Tod feiner 
Guten. Der Herr achtet feine Guten nicht fo gering, daß 
ihm der Tod nicht viel koftete, darum überliefert er uns 
nicht leicht den Händen feiner Feinde, und aus diefem 
io Grunde, werde ich zum Zeichen der Dankbezeugung meine 
Gelübde dem Herrn bezahlen jetzt vor feinem ganzen Volke. 
So ift der Beweis erbracht, wer die find, die im Buche 
des Herrn gefchrieben ftehen, und was das Land der 
Leben ift. 

15 Zum Fünften. Samuel kam, mit Saul zu reden, folglich 
leben die Toten und reden. Wir entgegnen, daß Samuel 
nicht kam, mit Saul zu reden, und daß auch die Toten 
nicht leben oder reden. Was über diefe Erfcheinung oder 
Rede in dem erften Buch, das fich nach Samuel betitelt, 

20 gefchrieben fteht, ift vollkommen entgegengefetzt der 
Lehre, die fich aus dem Gefetz ergibt, und entgegengefetzt 
den angeführten Stellen, durch die der Beweis erbracht 
wird, daß die Toten nicht leben und auch von nichts etwas 
wiffen, fo wenig wie folche, die nicht mehr find. Da diefe 

25 Schrift fo der wahren Lehre des Gefetzes entgegengefetzt 
ift, muß fie notwendigerweife falfch und, ebenfo wie andere, 
die von den Pharifäern gefchrieben und angenommen, von 
den Sadducäern aber verworfen find, ausgelegt fein. Wir 
haben das Gefetz als Führer und als Hauptgrundlage und 

30 mittels des Gefetzes müffen wir urteilen und das Falfche 
vom Wahren fcheiden. So gebietet uns das Gefetz, einem 
Propheten oder Wundertäter keinen Glauben zu fchenken, 
der uns mit falfchen Wundern oder Erfcheinungen zur 
Anbetung fremder Götter verleiten will, die wir nicht 



Da Costa Opera. 



6 



82 Über die Sterblichkeit der Seele 

kennen und die das Gefetz uns auch nicht kennen lehrte. 
Befiehlt es uns nicht, von der feiten, auf das Gefetz basier- 
ten Grundlage aus feine Zeichen zu mißachten? Das- 
felbe Gefetz gibt uns die Regel an die Hand, den f alfchen 
Propheten zu erkennen, der im Namen des Herrn redet, 5 
wenn nämlich das von ihm Prophezeite nicht eintrifft; 
denn alles gefchieht, um uns zu warnen und vorfichtig zu 
machen gegenüber der Arglift der Menfchen, die nicht 
aufhören, Schlechtigkeiten zu erdenken und ausfindig zu 
machen, gegen die diejenigen gefeit find, die zur Wahr- 10 
heit des Gefetzes ihre Zuflucht nehmen, wie es denn auch 
eine neue Lehre wäre, wollte man behaupten, die Toten 
redeten und ftünden auf auf den Ruf deflen, der fie ruft, 
etwas, von dem das Gefetz nichts gewußt hat; vielmehr 
fehe ich diefe Art, nach ihnen zu rufen, als heidnifch und 15 
nichtig an. Darum muß die Schrift oder die Erzählung 
deffen, der uns fagt, Samuel komme, mit Saul zu reden, 
notwendig von uns, die wir auf der Lehre und Wahrheit 
des Gefetzes beftehen, zurückgewiefen und verworfen wer- 
den. Sicherlich wird jeder, der die Erzählung betrachtet, 20 
fie in ihrer Nichtigkeit durchfchauen. Denn man müßte 
doch fragen, wer dem Samuel jenen Mantel lieh, um fich 
damit zu bedecken, wer ihm den Körper gab und wer 
jenen weißen Bart, der doch feit wenigen Tagen unter der 
Erde lag, wenn Samuel, als er von diefer Welt fchied, ent- 25 
blößt mit feinem Geifte zu dem Orte kam, an dem er fich 
befand. Gleichwohl fagte ihm Samuel, daß er am nächften 
Tage bei ihm fein werde und dergeftalt wird Saul, von 
dem, wie es dort heißt, der Herr fich fchied und dem er 
feind ward, einen ebenfo guten Platz haben wie Samuel, 3° 
fein Bevorzugter, ihn hatte. Kurz, wenn es Lehren und 
irgend welche Kunft gibt, um zu täufchen und Phantafie- 
körper erfcheinen zu laffen, ich weiß von folchen Künften 
nichts, aber irgend eine Täufchung konnte erfolgen. Wenn 



Über die Sterblichkeit der Seele 83 



die Hexe den Saul gleichwohl denken ließ, die Seele 
Samuels, mit neuem Körper und Gewändern bekleidet, 
fei gekommen, um zu ihm zu reden, fo ift es mehr als 
nichtig, eine falfche, heidnifche, nichtige Lehre. Jefajas: 
5 Wird man durch die Lebenden die Toten befragen? d.h. 
mehr weiß, mehr gilt, beffer ift der Lebende als der Tote. 
Was könnte der Tote dem Lebenden Gutes tun ? Folg- 
lich : kann man durch die Lebenden die Toten befragen ? 
Salomo: denn der lebendige Hund ift beffer als der tote 

10 Löwe; denn die leben, wiffen, daß fie fierben muffen, aber 
die Toten wiffen gar nichts, und haben weiter keinen 
Lohn, denn dem Vergeffen ift ihr Gedächtnis überliefert; fo- 
wohl ihr Lieben, als ihr Haffen, als ihr Eifern ift längft dahin 
und fie haben nie mehr Teil an allem, was unter der Sonne 

15 gefchieht. Wer geftorben ift, hat geendigt, er hat nichts 
mehr zu fchaffen mit dem, was in der Welt gefchieht; fo 
wenig hat er damit zu fchaffen, wie es Hiob fagt Cap. 14 : 
Er weiß nichts von feinen Kindern, kommen feine Kinder 
zu Macht — er wird es nicht wiffen, altern fie — er wird 

20 nicht acht haben auf fie. Ift es alfo um den Toten beftellt, 
fchläft er feinen Schlaf, von dem er nicht erwachen wird, fo 
mögen fich die Fabelerzähler fchämen, die immer die Toten 
im Munde führen und uns überreden wollen, fie erfchienen 
von neuem den Lebenden und dienten ihnen als Ratgeber. 

25 Zum Sechften. Elias ward in den Himmel erhoben und 
lebt ; Elifa weckte einen Toten auf. Auch wenn alles das 
fich fo zugetragen hat, läßt fich daraus doch nichts für 
die Unfterblichkeit der Seele erfchließen; vielmehr liegt 
darin der Beweis, daß, wenn Gott Elias am Leben erhalten 

30 wollte, um ihn den Menfchen predigen zu laffen, es darum 
gefchah, weil er im Falle feines Todes nicht auf die Welt 
hätte zurückkehren können, es fei denn, daß Gott ihn 
von neuem gefchaffen hätte, fo wie er den erften Menfchen 
fchuf. Darum verlängerte ihm Gott das Leben, wenn dem 



6« 



84 Über die Sterblichkeit der Seele 

wirklich fo ift, aber machte ihn nicht unfterblich; denn 
nachdem er feine Botfchaft erfüllt, muß er fterben. Wenn 
wir die Sadducäer über diefe Schrift hören, werden 
wir erfahren, was fie uns davon zu fagen haben, 
denn tat fächlich erfcheint es nicht fehr notwendig, 5 
Elias fo am Leben zu erhalten, und die Macht Gottes 
befchränkte fich auch nicht darauf, gute Geifter als 
Leichen zu erheben, fo oft es ihm beliebt, um fich 
ihrer als feiner Botfehafter zu bedienen. Das gleiche gilt 
von dem Toten, den Elifa erweckte, indem er fich über 10 
ihn hinftreckte, den Mund mit feinem Munde vereinigte 
und die Hände mit feinen Händen, eine artige Weife, 
Wunder zu tun und Tote aufzuwecken. Auf diefe Weife 
wirkt Gott nicht. Diefer Tote, dem Gott, wenn es fo 
war, aus Gnade wieder einen neuen Geift gab, tut doch 15 
füglich nichts, und er ftarb wieder, denn Gott erweckte 
ihn nicht zu ewigem Leben. Welche Bedeutung hat alfo 
feine Wiedererweckung für uns, um die Unfterblichkeit, 
von der wir handeln, zu beweifen? Bei alledem wäre fehr 
viel über die Wahrheit diefer Wunder zu fagen, die Gott 20 
niemals zu anderer Zeit tat, wie er auch nicht Menfchen 
zu töten pflegte, um fie nachher wieder aufzuwecken. 
Im 2. Buch Samuelis fteht zu lefen, David habe feinen 
Knechten erwidert, als diefe fich wunderten, ihn effen zu 
fehen, als er vom Tode feines Kindes erfuhr; denn vor- 25 
her faftete er, folange der Knabe noch lebte : ich habe ge- 
faftet und geweint, denn ich Jagte: wer weiß, ob fich der Herr 
meiner erbarmen wird, daß der Knabe am Leben bleibt. Nun 
er aber tot ifi, wozu follte ich da noch faften? Kann ich ihn 
etwa wieder zumLeben zurückbringen? Ich gehe zu ihm, aber 3° 
er kommt nicht wieder zu mir. Ein anderes Wunder wird 
von Elifa erzählt, offenbar ein erdichtetes und unnötiges 
Wunder — derartig häufige und fozufagen kindifche 
Wunder pflegt Gott nicht zu tun. Elifa ging in Beglei- 



Über die Sterblichkeit der Seele 85 



tung der Propheten in den Garten/ Holz zu fällen, und es 
fiel einem das Eifen des Beils ins Waffer. Da ward der 
bekümmert darüber und fagte : ach, mein Herr, es ift 
noch dazu entlehnt. Da warf Elifa einen Stock ins Waffer 
5 und das Eifen fchwamm, und der, der es verloren hatte, 
holte es wieder heraus, und bef eftigte es wieder am Beih 
Ein Wunder über das Eifen eines Beiles kann wohl unter- 
bleiben und ift fo wenig notwendig, daß man fchwer 
daran glauben kann. Man muß nun wiffen, daß unter 

10 den Büchern, die uns die Pharifäer als acht verkaufen 
oder darbieten, viele find, die die Sadducäer verwerfen, 
indem fie erklären, welchen die Ächtheit zukommt. Ich 
kann es nicht bei allen an den Fingern herfagen, welche es 
find, weil ich mit diefen Sadducäern nicht in Verbindung 

15 geftanden bin ; gleichwohl kann man aber auch ohne diefe 
Verbindung durch die Materie felbft wohl verftehen, welche 
Bücher oder welche Teile der Bücher verworfen oder 
angenommen werden müffen. Dabei beftärke ich mich 
in der Überzeugung, daß diefe Menfchen fo verdächtig 

20 oder beffer gefagt in allen Dingen fo wenig wahrheits- 
liebend find, daß die Schrift, die zu ihrer Beglaubigung 
kein anderes Zeugnis weiter hat als das ihre, äußerst ver- 
dächtig und zweifelhaft ift, und daß fie, falls fie gegen fich 
ein Zeugnis von anderen Juden hat, die ihre Ächtheit 

25 leugnen, keinen Glauben verdienen wird. Darum müffen 
alle, die die Wahrheit lieben und fie vertreten wollen, mit 
aller Macht danach ftreben, daß fie fich mit dem vertraut 
machen, was die Sadducäer über die Ächtheit der Bücher 
fagen, die die Pharifäer unter die Zahl der heiligen und 

30 göttlichen aufnehmen wollten, damit fie nicht fo leben und 
durch die ihnen innewohnende Fälfchung irregeführt wer- 
den, vielmehr zur wahren Erkenntnis gelangen können, 
welche der den lügnerifchen und nichtigen Schriften ge- 
zollte Glaube zu hindern und aufzuhalten pflegt. 



86 Über die Sterblichkeit der Seele 

Zum Siebenten. In vielen Pfalmen fteht zu lefen, daß die 
Böfen von der Erde vertilgt werden und die Guten gedei- 
hen sollen : folglich muß es notwendig ein anderes Leben 
geben, denn in diefem Leben gedeihen die Böfen, während 
die Guten zugrunde gehen, und es werden die Böfen 5 
nicht beftraft noch die Gerechten belohnt. Wir erwidern: 
Allerdings ift in- den Pfalmen von der Vertilgung der 
Böfen und dem Gedeihen der Guten die Rede, und zwar 
ift das eine wahre Lehre, im Gefetz felbft begründet. 
Gleichwohl beftreiten wir die Folgerung, daß die Böfen in 10 
diefem Leben nicht beftraft und die Gerechten nicht 
belohnt werden ; denn ein Ausfpruch wie diefer wäre voll- 
kommen im Widerfpruch mit Wahrheit und Grundlage 
des Gefetzes, das nichts anderes kundtut, als daß es fagt : 
handle gut, damit es dir und deinen Kindern nach dir gut 15 
geht, denn ich der Herr, dein Gott, bin ein flarker und 
eifriger Gott, der ich die Sünde der Väter heimfuche an den 
Kindern bis ins dritte und vierte Glied bei denen, die mich 
hajjen, und übe Barmherzigkeit bis ins taufendfte Glied bei 
denen, die mich lieben und meine Gebote halten. Dergeftalt 20 
zahlt Gott im gegenwärtigen Leben dem Böfen in eigener 
Perfon heim und in feinen Kindern und Nachkommen, 
und ebenfo vergilt er dem, der Gutes tut, Gutes an feinem 
Samen beinahe ins Unendliche. So vergalt er dem Abra- 
ham, deffen Samen er zwar oft mit dem göttlichen Zorn 25 
derart verfuchte, daß er verdient hätte, ausgetilgt oder 
wenigftens ganz und gar verworfen zu werden, dem er 
aber doch, weil es fein Same war und um fein Wort zu 
halten, feine Barmherzigkeit nicht entzog, wie vordem 
anderen Völkern, fondern gedachte, ihn wieder in 30 
eine beffere Lage zu verfetzen, aus Rücklicht eben auf 
die Väter und auf das mit ihnen getroffene Übereinkom- 
men: du follft wiffen, daß der Herr, dein Gott, ein treuer 
Gott ift, der das Übereinkommen wahrt und die Barm- 



Über die Sterblichkeit der Seele 87 



herzigkeit denen, die ihn lieben und feine Gebote halten, 
bis zur taufendften Generation, und der heimzahlt denen, die 
ihn haffen, vor feinem Angefleht, um fie zu vertilgen. Vor 
feinem Angefleht zahlt Gott dem Sünder heim ; die Strafe 
5 fchiebt er ihm keine Zeit auf. Das ift die Lehre der Schrift 
und die wahre Lehre, unter der wir ftreiten. Wenn wir 
trotzdem häufig die Böfen gedeihen fehen, ohne daß ihre 
Strafe fie fo rafch trifft oder auf die Art, wie wir es wünfeh- 
ten, dann müffen wir annehmen, daß unfer Sehbereich viel 

10 zu kurz ift, um die Ordnungen Gottes zu überblicken und 
die Tiefe feiner Weisheit, mit der er die Welt regiert. Gott 
blickt auf die Herzen, fieht und weiß, was jeder verdient 
und je nachdem, wie jeder verdient, vergilt er ihm. Wir 
hingegen fehen nur das Äußere und urteilen wie Blinde. 

15 Gott hilft, weil er den Menfchen nicht zu vertilgen wünfeht, 
fondern will, daß er iich bekehre, denn die Sünde des Amo- 
räers ift noch nicht vollendet, aber wenn er fich nicht be- 
kehrt, muß ihn ficherlich feine Strafe treffen; für den 
Fall, daß er fich nicht bekehrt, hält er feinen Degen ge- 

20 fchärft, feinen Bogen gefpannt, und feine Pfeile, Gefäße 
des Todes, auf ihn gerichtet. Wir begreifen: weil die 
Strafe nach unferem Dafürhalten verzögert wurde, der 
Böfe ftraflos blieb, darum müffen wir wiffen, daß der 
glückliche Zuftand der Menfchen nicht iicher ift, daß wir 

25 vielmehr, wenn fie in ihrer Sünde beharren, ihren iicher en 
Fall erwarten dürfen. Ich fah den Böfen wurzeln und er 
hatte Zweige getrieben wie grünender Lorbeer und fchwand 
dahin und fiehe da, er war nicht; man Juchte ihn und er 
ward nicht mehr gefunden. Das fehen wir auf Schritt und 

30 Tritt gefchehen. Gott kürzt und fchneidet vielen das Le- 
ben ab, wenn fie vermeinen, fie begönnen erft zu leben. Er 
fucht heim mit mannigfachen Leiden und Übeln des Hun- 
gers, der Armut, erniedrigt die Hohen und reiche Häufer 
macht er derart dem Boden gleich, daß wir gemeinhin er- 



88 Über die Sterblichkeit der Seele 

ichrecken, wenn wir Menfchen oder Söhne von folchen 
fehen, die wir zu anderer Zeit einmal gekannt haben ; denn 
das bedeutet übergehen zum Schlechten und das bedeutet 
Jüchen und keine Spur mehr davon finden, wie auch große 
Königreiche dahingefch wunden find, deren fich Gott eine 5 
Zeit lang zur Strafe anderer Völker bedient hatte. Alle 
empfingen fie fchließlich ihren Lohn, und werden folchen 
empfangen, denn Gott lebt und fieht und richtet die Welt 
Tag für Tag und nichts anderes fehen wir als feine Urteils- 
fprüche auf Erden, von den Menfchen fchlecht erkannt. 10 
Vom Guten und Gerechten hingegen heißt es : da ich 
Knabe war und eben/o wie ich alterte, /ah ich keinen Gerech- 
ten Mangel leiden noch feinen Samen nach Brot fuchen, fo 
daß Gott in diefem Leben dem Guten wie dem Böfen ver- 
gilt. Keiner foll ein folcher Tor und Narr fein, etwas an- 15 
deres zu meinen und einen fo unklugen Schluß gegen die 
Wahrheit und Grundlage des Gefetzes zu ziehen, denn 
wenn er es mit Verftand prüfen würde, würde er die Un- 
anfechtbarkeit diefer Wahrheit finden, f o wie ein gewifier 
Dichter, der unter den Dichtern feiner Nation hervorragte, 20 
fich gezwungen fah zu bekennen, indem er anfcheinend 
Neid empfand wegen des Wandels der Böfen, wobei er 
meinte, daß es für fie keine Strafe gebe. Er fagt : die Guten 
fah ich in der Welt ftets fchwere Pein erdulden, und, was 
mich mehr in Staunen fetzt, die Böfen fah ich fchwimmen 25 
ftets im Meere der Zufriedenheit. Da ich vermeinte, fo das 
Gut, das fchlecht verteilte, zu erjagen, ward ich zum Schlech- 
ten, doch ich ward ge [traft, fo daß für mich allein die Welt 
in voller Ordnung läuft. Ein Tor ift der Menfch ganz und 
gar und alle, die vermeinen, den Böfen widerfahre immer 30 
Gutes. Einen Tag wird es ihnen zwar widerfahren können, 
aber ihr Ende führt zur Vertilgung. Den Guten hingegen 
wird es wohl einen Tag fchlecht gehen können, entweder 
weil Gott fie prüfen will, oder weil es keinen Menfchen 



Über die Sterblichkeit der Seele 89 



gibt, der fo gerecht wäre, daß er nicht irgendwelche Strafe 
verdiente, aber ihr Ende führt zum Frieden. Demütigen 
möge iich alfo das vorfchnelle Urteil der Menfchen, in 
deren Augen oft der gut ift, der in den Augen Gottes böfe 
5 ift. Senken möge der Menfch ein wenig die Schwingen 
feiner törichten Vermeffenheit, mit der er den Platz Gottes 
einnehmen und iich felbft mit ihm zum Richter auf Erden 
machen will, und wenn er etwas gefchehen fieht, deffen 
Geheimnis er nicht begreift, fo möge er es Gott dem ge- 

10 rechten Richter überlaffen, der die Welt mit hoher, über 
die menfchliche weit erhabener Weisheit regiert, und den 
er, fo fehr er fich auch abmühen möge, doch nicht imftande 
fein wird, zu erreichen. Salomo: und ich fah das ganze 
Werk Gottes, denn der Menfch wird kein Werk unter der 

15 Sonne finden können, das fich f elber macht; aus Liebe dazu 
wird der Menfch fich mühen es zu fuchen und wird es nicht 
finden. Allein das möge der Menfch wiffen und begreifen, 
daß Gott Richter auf Erden ift und auf ihr mit gerechter 
Wage die Guten belohnt und die Böfen beftraft. Und 

20 wenn er den gerechten Abel unter den Händen des hinter- 
liftigen Kain den Untergang finden fieht, dann möge er 
annehmen, daß diefen Tod die Sünde feines Vaters ein- 
trug, und er möge Gott zu fürchten lernen, der die Strafe 
für den Sünder ausdehnt bis auf feine Kinder. Obfchon 

25 der Gegenftand zu längerer Erörterung einlüde, müffen 
wir abbrechen, um zum Ende zu kommen. Was wir dar- 
getan haben, ift aber übergenug, um das Gegenargument 
zunichte zu machen, das fich auf falfchen Schein entgegen 
der ächten Lehre des Gefetzes gründet. 

30 Zum Achten. Es fteht gefchrieben : denn du läjjeft meine 
Seele nicht im Grab, du läjjeft deinen Guten nicht die Gruft 
fc hauen; ferner: wie groß ift deine Güte, die du verborgen 
hältft für die, die dich fürchten. Wir entgegnen, daß dies 
durchaus nicht zur Sache gehört. Der Sinn des erften 



90 Über die Sterblichkeit der Seele 

Verfes ift diefer : du wirft es nicht zulaffen, daß meine Seele 
in die Gewalt meiner Feinde kommt und daß ich durch 
ihre Hand in die Gruft hinabfteige. David freute fich, den 
Herrn zu feinem Schutze zu haben, und fagte, unter 
feinem Schirm fchlafe er ficher und fürchte nicht, daß fie 5 
ihn töteten. Er wollte nicht fagen, daß Gott nach feinem 
Tode feine Seele aus dem Grabe zöge, denn das wider- 
fpricht dem folgenden: du wirft deinen Guten nicht die 
Gruft fchauen laßen, womit er nicht fagen will, er brauche 
nie die Gruft zu fehen, denn die Gruft muffen alle fehen 10 
und kein Lebendiger wird ihren Händen entgehen. Welcher 
Menfch wird je leben und den Tod nicht fehen und feine 
Seele aus der Hand des Todes befreien ? Vielmehr will er 
fagen, der Herr werde feine Seele nicht inTodesgefahr laffen 
und wie gefagt nicht zulaffen, daß er durch die Hände der 15 
Böfen, die ihn fuchten, die Gruft fähe, wie er fich deffen 
in anderen Pfalmen getröftete . Der zweite Vers : wie groß 
ift deine Güte, die du verborgen haß für die, die dich fürch- 
ten, wird durch das folgende erklärt: du haß fie beftätigt 
denen, die an dich glauben, angefichts der Menfchenföhne, 20 
fodaß angefichts der Menfchenföhne, im gegenwärtigen 
Leben Gott diefe Güte betätigt. Und welcher Art ift 
diefe Güte? Du verbirgft fie in der Verborgenheit deines 
Angefichts vor den Zufammenrottungen der Men fehen; du 
verbirgft fie in deinem Zelte vor dem Hader der Zungen. 25 
Du wirft ihm Schutz und Schirm fein gegen jede Verfol- 
gung der Menfchen, gegen Verräterei und Schurkerei, 
wofür er dem Herrn Dank fagte, daß er ihn befreit, 
Gutes, das gefchehen angefichts der Menfchenföhne in der 
Gegenwart. Von anderen Guten werden wir nicht träu- 30 
men, und wenn wir träumen, dann werden es Träume 
fein. 

Zum Neunten. Die Stelle bei Jefajas: Mögen deine 
Toten wieder lebendig werden. Wir entgegnen, daß der 



Über die Sterblichkeit der Seele 91 



Prophet nicht von den wirklichen Toten, von denen, die 
den natürlichen Lebenslauf beendigt haben, fpricht. Er 
fagt auch nicht, diefe würden auferftehen. Die Toten, von 
denen er fpricht, find vielmehr das Volk Ifrael, das durch 
5 die Länder zerftreut ift und in ihnen als tot betrachtet 
wird; denn niemand glaubt von ihm, daß es je wieder 
zum Volke werde, vielmehr, daß es immer zu Boden 
liegen werde, erniedrigt, gemein, ausgezehrt und ver- 
trocknet, ebenfo wie im Gleichnis der Prophet Hefekiel 

10 Cap. 37 von ihm fpricht, wo er erklärt, die Gebeine feien 
dem Haufe Ifrael vertrocknet, im Hinblick darauf, daß 
fie fagten : vertrocknet waren unjere Gebeine und gejchwun- 
den ift unjere Hoffnung; es ift aus mit uns. Diefem Sinn 
entfprechend fagt Jefajas: ich werde eure Gräber öffnen. 

15 Er fagt nicht, er werde die wirklichen Toten aus den 
Grüften ziehen, fondern die Lebenden, die den Toten 
gleichen, werde er aus den Ländern und Orten fammeln, 
wohin fie geworfen waren — das waren ihre Gräber im 
Hinblick auf ihren Zuftand — und er werde fie ins Land 

20 Ifraels zurückführen. So ift eine Stelle der anderen ähn- 
lich, indem beide bildlich fprechen, aber nicht eigentlich. 
Zur weiteren Erklärung wollen wir ein wenig zurück 
wiederholen : vom Anfang bis zum Schluß handelt jenes 
Capitel von der Sammlung Ifraels und zeigt, wie der 

25 Herr die anderen Völker verfchieden ftraft gegenüber dem, 
womit er Ifrael ftrafen wird. Jenen fagt er: die Toten 
werden nicht lebendig, die Dahingefchiedenen werden nicht 
auferftehen; denn fo haß du fie heimgefucht und vertilgt 
und jedes Gedächtnis an fie ganz und gar zu nichte gemacht, 

30 womit er fagen will, der Herr ftrafe die Völker und ver- 
ändere ihren Zuftand derart, daß fie niemals wieder zu dem 
werden, was fie früher waren, Ifrael hingegen ilraft er 
anders. Du hafi das Volk gejammelt, Herr, du haft das 
Volk gejammelt, haft dich verherrlicht und dehnft dich aus 



92 Über die Sterblichkeit der Seele 

bis ans Ende der Welt. Er will fagen : du haft es gefammelt, 
Herr, du haft es vervielfacht, Herr, um Wunder zu tun 
durch jenes Volk, und fo haft du dich verherrlicht durch 
das Volk, das du bis ans Ende der Welt geworfen hatteft, 
und fchließlich werden nach all dem Unglück, das ge- 5 
fchehen, nach langem Hoffen deine Toten leben, die von 
dir Gefchlagenen, von dir Ertöteten, die gleichfam als 
Tote in der Erde bezeichnet und gerechnet werden ; die 
Erde wird fie von fich gegeben und fie werden ihr ent- 
fprießen wie frifches Gras. Das entfpricht dem, was im 10 
folgenden Capitel zu lefen fteht: in Zukunft wird Jakob 
Wurzel fchlagen, blühen und treiben wird Ifrael. All das 
find Gleichniffe und bildliche Redeweifen, die man mit 
gefundem Menfchenverftand auffaffen muß und bei denen 
man die Worte nicht nehmen darf, wie fie ohne Unter- 15 
fcheidung lauten. 

Es folgt die Stelle bei Hiob : Ich bekenne, daß mein 
Erlöfer lebt und zuletzt werde ich über meinem Staube fein. 
Wir entgegnen, daß die Meinung Hiobs nach einer ganz 
anderen Richtung geht , als viele ihn verftehen oder verftehen 20 
wollen . ImWefentlichen fagt er, er habe Vertrauen zu Gott, 
daß er ihn von jenem Orte erheben müife, wo er lag, verwun- 
det, gefchlagen und entkräftet, und wieder auf feine Füße 
geftellt, werde er ihm die Opfer darbringen, die er früher 
darzubringen pflegte, und ihn preifen: ich bekenne, daß 25 
mein Erlöfer lebt, ich weiß, daß jener, in den ich Vertrauen 
habe, Gott ift, lebendig, mächtig, mich zu erlöfen, zu 
befreien, zu erheben, aus diefer Not, diefer Trübfal und 
diefem Elend mich zu ziehen, in dem ich mich fehe. Alle- / 
mal wenn Gott die Menfchen aus Übel und Trübfal und 30 
Gefahr befreit, heißt er Gott der Erlöfer, fo als er das 
Volk aus Ägypten erlöfte : das ift eine Sache, die außer 
Frage fteht. Und zuletzt werde ich über dem Staube fein, 
gehen und mich bewegen, obgleich ich jetzt, ihr Freunde, 



Über die Sterblichkeit der Seele 93 



fo wenig vorbereitet fcheine zu gehen, und nachdem meine 
Haut alfo zerfchlagen ißt, nach der Krankheit, dem Leiden 
und den Gefchwüren, womit ich gefchlagen bin. Und es 
ging der Satan weg von dem Herrn und Jchlug Hiob mit 
5 bösartigem Gefchwür von der Fußfohle bis zum Scheitel. Da- 
nach, da die Würmer darin hervorgebracht oder dem 
Staube entnommen waren, in dem ich fitze: mein Fleifch 
umkleidete fich mit Gewürm und Staubkrußte, meine Haut 
hob ßich ab und lößte ßich. Sobald fie aufhören, diefe Haut 

10 und diefes Fleifch übel zu behandeln, fo werde ich dann 
aus meinem Fleifche Gott J chatten, fo werde ich dann um- 
gebildet und genefen, wiederhergeftellt zu meinem frühe- 
ren Zuftand, zu meiner Kraft und Vollkommenheit Gott 
fchauen. Früh aufßtehen werde ich an jenem Ort, wo ich 

15 ihm Opfer darzubringen pflegte, und ich ßtand frühe auf, 
ließ Brandopfer aufßteigen, und fo werde ich Gott fchauen, 
den ich mir fchauen muß — im Hebräifchen gebräuchlicher 
Dativ : den ich felbft fchauen muß und kein Fremder : es 
kann kein anderer für mich fein, ich felbft werde diefen 

20 Dienft tun. Irret euch nicht, Freunde, die ihr mich 
ohne Urfache fo verfolgt, verleumdet, kränkt, indem 
ihr fagt, um meiner Schlechtigkeit willen fei ich in 
dem Zuftand, in dem ihr mich feht. Schon zehnmal be- 
fchämtet ihr mich und errötet nicht über eure Gefühlloßig- 

25 keiten gegen mich. Irret euch nicht und wiffet, daß es 
Wahrheit ift, was ich euch gefagt habe, und ihr feht 
es an meiner Haut und an meinem Fleifche, die ßich an- 
klebten an mein Gebein, und ich blieb mit der Haut 
meiner Zähne, mit der Haut, die anklebt an die Zähne. 

30 Bei alledem habe ich beftimmte Hoffnungen, ich weiß 
vielmehr, daß ich mich aus diefem Zuftand erhoben und 
in meinen erften Zuftand zurückverfetzt fehen werde: 
ich werde auf meinen Füßen ftehen, werde mein Fleifch 
wiederhergeftellt fehen und Gott Dank abftatten und ihm 



94 Über die Sterblichkeit der Seele 

neue Opfer darbringen. All das fah Hiob danach an fich 
erfüllt, denn der Herr nahm von ihm feine Geißel, wie am 
SchluiTe des Buches zu lefen ift. Er felbft bekam Gott zu 
fchauen und eben durch feine Freunde brachte er Brand- 
opfer dar, und in der Tat wird das genügen, um die eines 5 
Befferen zu belehren, die fich felbft täufchen, indem fie 
diefe Stelle verfchieden von jener vollkommenen Klar- 
heit verftehen, mit der dasfelbe Buch Hiob an vielen 
anderen Stellen über diefes Thema fpricht, wobei es die 
Auferftehung der Abgefchiedenen in Abrede Hellt, wie wir 10 
fchon früher dargetan haben. Manche, die das Wort 
zuletzt miß verftehen wollen, interpretieren am Ende der 
Welt und beim jüngfien Gericht, das fie in leerer Einbildung 
fich vorftellen, als ob es fonft kein Letztes geben könnte, 
und zwar ein fehr nahes und auf wenig Tage befchränktes 15 
Letztes je nach dem Gegenftand, um den es fich handelt. 
Denn er gab Man zu ejfen in der Wüfle, was deine Väter 
nicht kannten, weil er dich betrüben und verfuchen 
wollte, um dir wohl zu tun in deinem Letzten: diefes Letzte 
erfüllte fich am Ende der vierzig Jahre, die das Volk in 20 
der Wüfte wanderte, ehe es in das verheißene Land 
einzog. Hiob fprach alfo vom Ende und Letzten feiner 
Krankheit, aber er fprach nicht vom letzten Tage der 
Welt, die niemals aufhören wird. Das geht klar aus dem 
Ende des Buches hervor : und Gott fegnete das Letzte Hiobs 25 
mehr als feinen Anfang und es gehörten ihm 1 4000 Schafe. 
Das war das Letzte, wovon Hiob fprach, und das war es, 
was er erhoffte. Ebenfo wäre es Phantafie, weil es anders- 
wo heißt :und aus meinem Fleifche werde ich Gott fchauen, 
daß nun der Menfch wirklich und fichtbarlich Gott im 30 
Himmel fchauen müßte. Gott fchauen heißt ihn im 
Tempel, dem geweihten Ort im göttlichen Tempel an- 
beten. Nicht wird mein Angefleht um nichts zu fchauen [ein, 
nicht werdet ihr kommen vor mich amOrte meines V erweitern, 



Über die Sterblichkeit der Seele 9$ 

ohne zu bringen, was ihr mir opfert. Dann fah Hiob Gott, 
als er genefen war, um ihm Brandopfer darzubringen. 
Von einem anderen Leben zu reden, wäre Wahnfinn. 
Wir haben noch dem zu entgegnen, was das Buch 

5 Daniel fagt : und viele, die im Erden/taube fchlafen, werden 
erwachen, die/e zu ewigem Leben und diefe zur Schmach, zu 
ewigem Abjcheu, und ein andermal: und du gehe dem 
Ende zu und du wirft ausruhen und wirft am Ende der Tage 
in deinem Lo/e fein. Wir fagen, daß diefes Buch Daniel 

o nicht von den Juden angenommen worden ift, die man 
Sadducäer nennt, was allein ausreichend wäre, ihm An- 
fehen und Glauben zu verleihen, weil es üch bloß auf 
das Zeugnis der Pharifäer ftützt, das fehr wenig mit 
dem übereinftimmt, was wir fchon fagten; denn diefe 

5 Menfchen find von der Art, daß fie es aus Beruf oder aus 
Narrheit unternehmen, Worte zu vertaufchen, abzu- 
ändern, zu verdrehen, zur Beftätigung und Bekräftigung 
ihrer verworrenen Träume die Schriften verkehrt auszu- 
legen, um durch diefe falfchen Mittel fich Unterftützung zu 

verfchaffen. Wenn fich die Unwahrheit der angeführten 
Stellen nicht von felbft zeigte — erfcheint doch die ganze 
pharifäifche Lehre im Gegenfatz zur Lehre des gefchrie- 
benen Gefetzes in jenem Buche unter dem Namen der 
Prophetie zur Täufchung des Volkes und zur Beftätigung 

5 der falfchen Predigt, — dann ergäbe fich die Unwahrheit 
der genannten Stellen daraus, daß die erfte fagt, viele 
würden auferftehen, aber nicht fagt, alle würden auf- 
erftehen. Wenn eine folche Auferftehung ftattzufinden 
hätte, dann müßte fie allgemein für alle Menfchen fein 

o oder alle müßten auferftehen, um des Guten oder des 
Schlechten teilhaft zu werden, je nach dem einer im Leben 
es verdient hat. Da aber die Pharifäer predigen und 
fagen, die Auferftehung fei nicht für alle, fondern bloß für 
einige, ebenfowohl wie die Seelen nicht alle unfterblich 



q6 Über die Sterblichkeit der Seele 

feien, fondern einige wohl und andere nicht, fo wird ohne 
weiteres klar, daß die Schrift gemacht und angepaßt 
wurde, um ihre völlig falfche und irrige Predigt zu erweifen 
und ihr Autorität zu geben. Das gleiche erfieht man aus 
dem letzten Vers, fofern er fagt, Daniel werde fein Los 5 
genießen und in feinem Lofe fein am Ende der Tage; 
denn die Pharifäer lehren, daß zur Zeit, da der Mefßas 
kommen wird, die Toten iich erheben werden, jeder um 
feines Erbes im Lande Ifrael teilhaft zu werden, eine Tor- 
heit und ausgemachte Narrheit, zu deren Erweis fie die 10 
falfche Schrift benützten. Noch andere Gründe finden 
iich im Buche Daniel, die feine künftliche Erfindung über- 
zeugend beweifen und kundtun. Dort ift das erftemal, 
daß wir Namen von Engeln finden, die mit ihren Namen 
genannt find, die wir bis dahin weder aus dem Gefetze 15 
noch aus anderen Büchern gewußt hatten. Sein ganzer 
Stil und feine Art und Weife deutet auf eine künftliche 
Compofition. Es möge niemandem fchwer fcheinen, daß 
es falfche Schriften und falfche Schriftfteller geben follte, 
denn man braucht bloß die Augen aufzumachen, um zu 20 
fehen, daß es bei den Menfchen nichts Gewöhnlicheres 
gibt. Wer hat das Buch Judith verfertigt und erfonnen 
und jene Gefchichte, wer das dritte und vierte Buch Efra, 
wer das Buch der Weisheit und viele andere, die man 
nicht aufzuzählen braucht? Denn auch die Gefchichte 25 
jenes Buches muß ich darunter rechnen. Es fehlt nicht 
an falfchen Schreibern und fafelnden Lügenpropheten; 
denn auf alles erftreckt fich die menfchliche Schlechtig- 
keit. Wir haben Warnungen vom Gefetz, das uns ver- 
mahnte und vorfichtig machen wollte. Wer fich an feine 30 
Wahrheit hält, wird allen Irrtümern entgehen. Endlich ift 
jene Lehre, die im Buche Daniel gefchrieben fteht, eine 
neue Lehre, entgegengefetzt der des Gefetzes und der an 
deren Bücher, die feinen Spuren folgen. Darum werden 



Über die Sterblichkeit der Seele 97 



wir uns überhaupt nicht um fie kümmern oder dürfen 
uns nicht um iie kümmern. 

Nachdem wir dargetan, daß der Menfch vollkommen 
fterblich ift, ift es unnötig darzutun, was er fein wird und 
5 daß ihm kein anderes Leben zu leben bleibt. Wir wollen 
nun fehen, welche Übel und Übelftände aus dem eht- 
gegengefetzten Irrtum fich ergeben. 

Cap. 25. 

In dem die Irrtümer und Übel dargeflellt werden, 
10 die daraus hervorgehen, daß man die Seele des 
Menjchen für unßerblich hält. 

Wie aus einer Ungereimtheit viele Ungereimtheiten zu 
entftehen pflegen und aus einem Irrtum viele Irrtümer, 
fo find aus diefer irrigen Meinung oder diefer Narrheit 

15 über die Unfterblichkeit der Seele fo viele Irrtümer 
entftanden, daß es nicht leicht wäre, fie anzugeben. 
Die Pharifäer, die bloß beftimmten Seelen Unfterblichkeit 
gaben, fowohl ewige Seligkeit als ewige Übel, haben, um 
diefe Seelen nicht leicht zu den Qualen zu verdammen, 

20 gefagt und fagen, wenn es gefchehe, daß eine Seele in 
einem Körper Taten verrichte, wegen deren fie die Ver- 
dammnis verdiente, oder wenn ihr an der Erfüllung eines 
Gebotes etwas fehlte, dann fchicke Gott fie wieder in 
einen zweiten und dritten Körper, bis fie, wie fie fagen, 

25 das Brot verdiene, das fie im Himmel eilen folle. Sie haben 
gleichfalls einen Fegefeuerort eingeführt, an dem die Seelen 
derer, die mittelgut waren, fich von ihren Mängeln reini- 
gen können, und zwar indem Gott fie zu diefem Zweck 
oft degradiert und in Tiere hineinverfetzt (lallende Tiere 

30 müffen fie werden), damit fie dort fich reinigen. Da es 
auf diefe Weife der Fall fein kann, daß die Seele eines 
Menfchen in eine Kuh eingeht, fo möge, wenn jener Kuh 

Da Costa Opera. 7 



98 Über die Sterblichkeit der Seele 

die Kehle abgefchnitten wird, es fo gefchehen, daß fie 
wenig Schmerz fühlt. Die Tiere auf barmherzige Weife 
abzukehlen, ift gut und recht, aber nicht aus diefem 
Grunde. Wenn keines von diefen Heilmitteln genügt, 
und die Seele fo fchlecht war, daß fie die Verdammnis 5 
verdient, dann überantwortet Gott fie den ewigen Qualen, 
wo fie für immer in Höllenpein lebt und darin bleiben 
muß, und ihr hat fich die Herrlichkeit umgewandelt, 
die diefe Seele früher befaß, als fie im Himmel weilte, 
wie fie fagen, unter dem Sitze der Gottheit, einfältige 10 
Seele, die fich nicht gut anzuhalten verftand und die fich 
in diefe Welt werfen ließ. Jetzt möge jemand fie fragen, 
wer es war, der ihnen all das gefagt hat, da das Gefetz 
es ihnen nicht fagte, oder worauf fie ihre Ausfprüche 
gründen. Lügendichter, neue Kritiker der göttlichen Ge- 15 
rechtigkeit, Wundermänner in den Augen des Volks, das 
voller Bewunderung auf fie hört. 

Den Irrtümern folgen auf diefe Weife weiter gleich 
noch andere, als da find, Gebete und Fürbitten für die 
Toten tun, Opfer für fie darbringen, um ihnen zu helfen, 20 
fie früher der Pein des erdichteten Fegefeuers zu ent- 
ziehen, taufend Mißbräuche und taufendfacher Aber- 
glauben, wie man fie bei ihren Begattungen anwendet, 
alles Dinge, die das ächte Gefetz und den göttlichen 
Cultus vielfach verletzen, der fich derartiger Kindereien 25 
nicht bedient noch daran Genüge hat, die er vielmehr 
verwirft und verabfcheut. 

Die Irrtümer begleiten wie ein notwendiges Zubehör 
viele Übel, denn es gibt keinen Irrtum, der irgend etwas 
Gutes gebären könnte, und fo hat diefe Narrheit in der 30 
Welt viele Narrheit bewirkt, zum Schaden und Ver- 
derben derer, die ihrer würdig waren. Daher kam es, daß 
viele, die gegenwärtigen Güter oder Übel nicht achtend, 
durch die Ausficht auf größere Übel neue Ordnungen 



Über die Sterblichkeit der Seele 



99 



und Lebensregeln einfetzten, indem iie ihren Körper ver- 
urteilten und unterwarfen unter die nicht geforderten und 
von den Guten nicht befolgten Strengen und Härten des 
Gefetzes, wie auf den Bergen zu wohnen, fchlecht zu effen 
5 und noch fchlechter fich zu kleiden, und als den Höhe- 
punkt einer folchen Narrheit, daß üe den Stand der Ehe- 
loiigkeit für etwas Heiligeres und Religiöseres erachteten 
als die rechtmäßige, von Gottes- und der Natur wegen 
eingefetzte Ehe. Andere boten ihre Seele den Mar- 
io tyrien und dem Beile törichterweife dar, und das Leben, 
das vor alters die Väter fo hoch geachtet, vergeudeten fie 
und ließen üe wie Verfchwender und Narren aufs Gerade- 
wohl und ohne Grund, fo daß fie als Verrückte unter 
falfchen Hoffnungen und Verfprechungen, die fie fich, 
15 ohne Gott zu fragen, felber machen, nicht wiffen, was fie 
fuchen, und weil üe der gegenwärtigen Güter unwürdig 
find, nicht verdienen, daß der Herr iie ihnen gibt, noch 
daß er ihnen die Erlaubnis gibt, fich ihrer zu bedienen. 
Irgend etwas Gutes, das aus diefer falfchen Meinung her- 
20 vorgehen könnte, gibt es dabei nicht ; denn wenn jene fagen, 
im Falle, daß es keine größeren Güter oder größere Übel 
gäbe, fürchteten die Menfchen Gott nicht, und jeder täte 
nach feinem Willen, fagen he nichts. Viel mehr fürchtet 
fich der Räuber vor dem Galgen, den er vor fich fieht, 
25 als er fich vor der Hölle fürchtet, die er nicht fieht, und 
wenn die Strafe zweifelhaft oder für lange Frift angedroht 
ift. Sie entgegnen, daß auch die Bedrohten Brot eilen. 
So ift es nicht bei den gegenwärtigen Strafen, die in 
kurzer Frift heimgezahlt werden. Wenn vielmehr einer 
30 hingeht zu töten und man erinnert ihn, daß man ihm 
dafür den Kopf abfchlagen wird, dann wird er fich zügeln 
und nicht töten ; wenn er fich aber nicht zügelt aus Furcht 
vor den gegenwärtigen Übeln, dann wird er es noch 
weniger aus eingebildeter Furcht tun, bei der ihm 

7* 



ioo Über die Sterblichkeit der Seele 

immer Hoffnung zu entfchlüpfen bleibt. So vermögen 
die Urteile und Strafen Gottes über die Menfchen viel 
mehr, fie willfährig zu machen, als in der Zukunft liegende 
Drohungen, die ihre Erfüllung in einem ungekannten 
Leben finden follen. Es dient der Soldat im Krieg, wo 5 
er ficherer Schaden hat als den Gewinn in einem Lohn, 
der fo befçhrânkt ift, daß er nur dürftig davon leben kann. 
Beffer wird der Menfch feinem Gott felbft dienen, dem er 
die Verpflichtung hat zu dienen und der eben denfelben 
Dienft unterfchiedlich bezahlt. Ein Dienft, fo leicht daß 10 
er wie nichts erfcheint, ift nichts. Und jetzt Ifrael, 
das den Herrn, feinen Gott bittet: Daß du nur den 
Herrn, deinen Gott fürchteß und wandelß auf allen feinen 
Pfaden — Pfaden des Rechtes, Pfaden der Gerechtigkeit, 
angenehme und leichte Pfade, die alle, die nicht auf 15 
Martern erpicht find, lieben und begehren, während dieVer- 
derbten und Böfen darauf ftraucheln. Wie machen deine 
Worte meinen Gaumen füß mehr als Honig meinen Mund. 

Eine Zeitlang weilte ich in der Finßernis. Hierbei fehe 
ich viele in Verlegenheit und Zweifel durch die Schlingen 20 
falfcher Schriften und Lehren fabeleriinnender Menfchen, 
da fie nicht fähig find, feften Stand zu gewinnen und ein 
Ende zu machen mit jenem ewigen Leben, das von fo 
vielen fo hoch gepriefen wird als ein Ort, den man in 
Befitz nehmen müßte, obwohl fie fehen, daß das Gefetz 25 
über fo große und wichtige Dinge vollkommenes Still- 
fchweigen bewahrt. Aber feitdem ich aus Liebe zur 
Wahrheit, getrieben durch die Furcht Gottes, mich 
entfchloß, die Menfchenfurcht zu verachten und zu 
überwinden, geftützt allein auf meine Zu verficht, wurde 30 
mein Schickfal verändert und gewandelt. Denn Gott 
erleuchtete meinen Verftand, indem er mich aus allem 
Zweifel zog über die Dinge, die mich befchwerten, und 
mich auf den Weg der Wahrheit und der Feftigkeit ver- 



Über die Sterblichkeit der Seele ioi 



fetzte, und alle meine Güter gediehen und wuchfen in 
den Augen der Menfchen und mein Wohl wurde mit fo 
befonderem und ofTenfichtlichem göttlichen Beiftand ge- 
wahrt, daß die, die es am wenigften wollten, genötigt und 
5 gezwungen waren, es fo zu bekennen. Ich lebe alfo zu- 
frieden, mein Ziel zu wiffen und die Bedingungen des 
Gefetzes zu kennen, das Gott mir zu halten gab. Ich 
richte keine Türme im Wind, indem ich mich ins Blaue 
hinein mit den f alfchen Hoffnungen erträumter Güter 

io ergötze oder täufche. Ebenfo wenig verftricke ich mich in 
Betrübnis oder Verwirrung durch die Furcht vor größeren 
Übeln. Dafür, daß ich ein Menfch bin, was Gott mir 
gab, und für das Leben, das er mir verlieh, danke ich 
ihm von Herzen, denn da er mir, ehe ich ward, nichts 

15 fchuldig war, wollte er mich lieber zum Menfchen 
machen und nicht zum Wurm. Was mich in Wa'hrheit 
am meiften in diefem Leben befchwerte und quälte, war, 
daß ich mir eine Zeitlang vorftellte und einbildete, es gebe 
für den Menfchen ein ewiges Gut und ein ewiges Übel, 

20 und je nachdem, wie er gehandelt, werde er das Gut oder 
das Übel genießen. Wenn mir damals aufgegeben worden 
wäre zu wählen, hätte ich ohne Zögern erwidert, daß ich 
einen fo gewagten Gewinn nicht möchte, und daß ich 
mich lieber damit begnügte, weniger zu gewinnen. Gott 

25 ließ eben diefe Meinungen zu, um die Ge wiffen derer zu 
peinigen, die von ihm und feiner ächten Wahrheit fich 
fchieden. Damit machen wir ein Ende in der weiteren 
Darlegung von Fällen, in denen die falfche Überlieferung 
in fchlimmer Weife von der Wahrheit und dem rechten 

30 Weg des Gefetzes iich fchied, um es zu entfchuldigen, 
wenn ich den angeklagten Feinden einen größeren Prozeß 
machte, indem ich durch die Darlegungen die erfte und 
Hauptgrundlage unferer Thefe, wie fie fchon vorher im 
7. Capitel aufgeftellt wurde, für wohlbewiefen halte. Und 
nun gehen wir dazu über, einige Gefchichten zu erzählen. 



EXEMPLAR HUMAN AE VITAE / EIN 
BEISPIEL MENSCHLICHEN LEBENS 



J 



Atus fum ego in Portugalliâ, in civitate ejuf- 
dem nominis, vulgò Porto. Parentes habui ex 
ordine nobilium, qui à Judseis originem tra- 
hebant, ad Chriftianam relligionem, in illo 
regno, quondam per vim coactis. Pater meus 
verè erat Chriftianus, vir honoris obfervantifiimus, & qui 
honeftatem plurimi faciebat. In domo ejus fui ego honeftè 
educatus. Servi non deerant, nec in equili equus nobilis 
Hifpanus ad equeftrum exercitationem, cujus pater meus 
io erat peritiffimus ; & ego ejus veftigia à longè imitabar. 
Aliquibus artibus tandem inftructus, quibus folent 
honefti pueri, juris-prudentiae operam dedi. Quod ad 
ingenium & naturales affectüs attinet, eram ego natu- 
raliter valdè pius & ad mifericordiam ità propenfus, ut, 
15 fi quando alienae calamitatis narrabatur eventus, nullo 
modo pofíem lachrymas continere. Pudor mihi adeò 
erat innatus, ut nihil magis timerem, quam ignominiam. 
Animus nullo modo ignobilis, nec ab irâ deftitutus, íi 
occafio jufta poftulabat. Itaque fuperbis & infolentibus, 
20 qui per contemptum, Sc vim folent aliis injuriam inferre, 
verè eram contrarius, iníirmorum partes adjuvare cupiens, 
& illis potius me focium adjungens. Circa religionem 
paffus fum in vitâ incredibilia. Inftitutus fui, quem- 
admodum mos eft illius regni, in religione Chriftianâ 
25 Pontifícia; & cum jam effem adolefcens ac valdè time- 
rem damnationem aeternam, cupiebam exactè omnia 
obfervare. Vacabam lectioni Evangelii, & aliorum libro- 
rum fpiritualium, fummas confeífariorum percurrebam, 




io6 Exemplar Humane Vitíe 

& quo magis iftis incumbebam, eo major difficultas 
mihi oriebatur. Tandem incidi in inextricabiles perplexi- 
tates, anxietates & anguftias. Mcerore & dolore confu- 
mebar. Impoffibile mihi vifum eft peccata confiteri 
more Romano, ut dignam pofíem abfolutionem impe- 5 
trare, & omnia implere, quae poftulabantur ; & per con- 
fequens de falute defperavi, Fi illa talibus canonibus 
paranda erat. Quia verò difficile religio poterat deferi, cui 
à primis incunabilis afíuetus fueram, & quae per fidem 
altas jam radices egerat, in dubium vocavi (accidit hoc 10 
mihi circa vigeíimum fecundum aetatis annum), pofíetne fie- 
ri, ut ea, quae de altera vitâ dicebantur, minus vera effent, 
& utrum fides talibus data benè cum ratione conveniret ; 
liquidem ipfa ratio multa dictabat, & perpetuo infmuabat 
in aurem, quae valdè erant contraria. Hoc in dubium 15 
vocato animo, quievi, & quicquid efíet, tandem ftatuebam 
me non pofíe tali viâ incedendo falutem animae aflequi. 
Per hoc tempus Juris, ut dixi, ftudio vacabam, & cum 
annum agerem vigefimum quintum, oblata occaíione, im- 
petra vi beneficium Ecclefiafticum, nempe dignitatem the- 20 
faurarii in collegiatâ Ecclefiâ. 

Cum verò in Chriftianâ Religione Pontificiâ quietem non 
inveniffem, & cuperem alicui inhaerere, fciens magnam 
efíe inter Chriftianos & Judaeos contentionem, percurri 
libros Mofis, & Prophetarum, ubi aliqua inveni, quae novo 25 
foederi non parum contradicebant, & minus habebant 
difficultatis ea, quae à Deo dicebantur. Praeterea veteri 
foederi fidem dabant tarn Judaei, quam Chriiliani, novo 
autem Foederi foli Chriftiani. Tandem Moii credens judi- 
cavi me debere legi parere, quandoquidem ille omnia fe 30 
accepiíTe à Deo afferebat, fimplicem fe internuncium decla- 
rans, ab ipfo Deo ad id munus vocatum, aut potius coac- 
tum (ita decipiuntur parvuli). Poíitâ hac deliberatione, 
quia non erat liberum praedictam religionem in illo regno 



Exemplar Humane Vit^e 107 

aliquo modo profiteri, cogitavi de mutando domicilio, 
próprios & nativos relinquendo lares. Ad eum finem non 
dubitavi beneficium iftud Eccleíiafticum in favorem alte- 
rius reíignare, nihil curans utilitatem vel honorem ex eâ 
5 provenientem fecundum morem gentis illius. Pulchram 
et iam domum reliqui in óptimo civitatis loco pofitam, 
quam pater meus aedificaverat . Itaque na vem adfcen- 
dimus non fine magno periculo (non licet Ulis, qui ab 
Hebraeis originem ducunt à regno difcedere fine fpeciali 

10 Régis facultate), mater mea & ego cum fratribus meis, 
quibus ego fraterno amore motus ea communicaveram, 
quae mihi fuper religione vifa fuerant magis confentanea, 
licet fuper aliquibus dubitarem : quod quidem in magnum 
malum meum poterat recidere, tantum eft in eo regno. 

15 periculum de talibus loqui. Tandem peractâ navigatione 
Amftelodamum appulimus, ubi invenimus Judaeos liberè 
agentes ; & ad implendum legem praeceptum de circum- 
cifione ftatim implevimus. 
Tranfactis paucis diebus expertus fum mores & ordina- 

20 tiones Judaeorum minimè convenire cum iis, quae à Mofe 
praecepta funt. Si verò lex obfervanda erat puré, quod 
& ipfa petit, malè qui dicuntur Judaeorum Sapientes tot 
invenerant à lege omninò abhorrentia. Itaque non potui 
me continere, imò gratam rem Deo me facturum puta vi, 

25 íi liberè legem defenderem. Sapientes ifti Judaeorum, qui 
nunc funt, & mores fuos, ac ingenium malignum adhuc 
retinent, pro fectâ & inftitutionibus deteftandorum Phari- 
zeorum ftrenuè certantes, non fme fpe proprii lucri, & 
quemadmodum illis aliás benè fuit imputatum, ut primas 

30 cathedras in templo, primas falutationes in foro habeant, 
nullo modo paffi funt, ut nec in minimis rebus ab illis 
difcederem, fed per omnia veftigia eorum inviolabiliter 
fequerer; fin minus, minati funt feparationem à con- 
gregatione & communicatione omnium, tarn in divinis, 



io8 Exemplar Humane Vi t ü 

quam in humanis. Quia vero minimè decebat, ut propter 
talem metum terga verteret ille, qui pro libertate natale 
folum, & utilitates alias contempferat, & fuccumbere 
hominibus, prsefertim juris-dictionem non habentibus, in 
tali caufâ nec pium, nec virile erat, decrevi potius omnia 5 
perferre & in fententiâ perdurare. Itaque excommuni- 
catus fui per illos ab omnium communicatione, & ipii 
Fratres mei, quibus ego antea praeceptor fueram, me tran- 
fibant, nec in plateâ falutabant propter metum illorum. 

His ita fe habentibus, deliberavi librum fcribere, in quo 10 
juftitiam caufae meae oftenderem, & apertè probarem ex 
ipfâ lege vanitatem eorum, quae Pharifaei tradunt & obfer- 
vant, & repugnantiam, quam cum lege Mofis traditiones 
& inftitutiones eorum habent. Poft caeptum opus accidit 
etiam (oportet omnia planè & verè, quemadmodum evene- 15 
runt, enarrare) ut cum refolutione & conftanti delibera- 
tione accederem fententiae illorum, qui legis veteris prae- 
mium & pcenam definiunt temporalem, & de alterâ vitâ 
& immortalitate animorum minimè cogitant, eo praeter 
alia nixus fundamento, quod praedicta Lex Mofis omninò 20 
taceat fuper his, & nihil aliud proponat obfervantibus & 
transgrefforibus, quam praemium, aut pcenam tempora- 
lem. Valdè laetati funt hoftes mei, fimulatque intellexerunt 
me in talem opinionem devenifle, exiftimantes, fe fatis 
amplam defenfionem apud Chriftianos per hoc folum 2 5 
adeptos fuiffe, qui ex fpeciali fide in lege Euangelii fun- 
datâ, ubi expreífè mentio fit de aeterno bono & fupplicio, 
animas immortalitatem & credunt, & agnofcunt. Hac 
intentione ducti, & ut mihi os in caeteris obturarent, ac 
odiofum redderent inter ipfos Chriftianos, antequam Über 3° 
ifte meus, quem fcripferam, typis mandaretur, libellum in 
lucem ediderunt opera cujufdam Medici, cui infcriptio 
erat : De Immortalitate Animarum. In hoc libello Medicus 
ifte copiosè me lacerabat, quafi Epicuri partes tuentem 



Exemplar Humane Vi t i 109 

(per hoc tempus malè ego de Epicuro fentiebam, & contra 
abfentem & inauditum ex aliorum iniquâ relatione fenten- 
tiam temerè proferebam ; poftquam vero aliquorum veri- 
tatis amantium de illo judicium, & doctrinam ejus ut 
5 erat, intellexi, doleo, quod aliquando talem virum amentem 
& infanum pronunciavi, de quo etiam nunc non poffum 
plenè judicare, cum ejus fcripta mihi fint incógnita) : qui 
enim immortalitatem animarum negabat, parum aberat, 
quin Deum abnegaret. Pueri iftorum, à Rabbinis & paren- 

10 tibus edocti, turmatim per plateas conveniebant, & elatis 
vocibus mihi maledicebant, & omnigenis contumeliis irri- 
tabant, haereticum & defectorem inclamantes. Aliquando 
etiam ante fores meas congregabantur, lapides jaciebant, 
& nihil intenta tum relinquebant, ut me turbarent, ne 

15 tranquillus etiam in domo propriâ agere poffem. Poft- 
quam libellus ille contra me fuerat editus, para vi me ego 
ftatim ad defeniionem, & alium libellurn huic contrarium 
fcripfi, immortalitatem impugnans omnibus viribus, aliqua 
obiter eorum percurrens, in quibus Pharifei à Mofe rece- 

20 dunt. Simulatque libellus ifte in lucem prodiit, convenere 
Senatores & Magiftratus Judaicus, & de me accufationem 
propofuerunt apud Magiftratum publicum: dicentes me 
talem librum fcripfiffe, in quo immortalitatem animorum 
negabam, nec folum illos laedebam, fed etiam Chriftianam 

25 religionem convellebam. Ex hac eorum delatione fui 
ego ad carcerem vocatus, & cum ibi fuiffem per dies octo 
aut decem, folutus fui fub cautione : Mulctam enim Praetor 
à me poftulabat, & tandem condemnatus fum, ut Uli fol- 
verem florenos trecentos cum amifiione librorum. 

30 Poft haec temporis decurfu, cum experientia & anni 
multa patefaciant, ac per confequens mutent hominis 
judicium (liceat, ut dixi, liberè loqui, quare enim non 
liceret ei, qui quafi teftamentum conficit, ut hominibus 
relinquat vitae rationem, & humanarum calamitatum 



no Exemplar Humane Vitíe 

Exemplum verum, faltem in morte vera enarrare?) in 
dubium vocavi, utrum Lex Mofis deberet pro Dei lege 
haberi; multa enim erant, quae contrarium fuadebant, 
aut potius cogebant dicere. Tandem ftatui legem Mofis 
non effe, fed tantum inventum humanuni, quemadmodum 5 
alia innumera in mundo fuerunt : Multa enim pugnabant 
cum lege naturae, & non poterat Deus autor naturse con- 
trarius effe fibi ipii, & effet fibi contrarius, fi contraria 
naturae hominibus facienda proponeret, cujus autor dice- 
batur. Hoc ita apud me definito, dixi mecum: quse 10 
utilitas (utinam nunquam talis cogitatio fubiiffet in ani- 
mum meum), fi ufque ad mortem in hoc ftatu durem, 
feparatus à communione patrum iftorum, & populi iftius, 
maxime cum advena fim in his regionibus, nec familiari- 
tatem cum civibus habeam, quorum etiam ignoro fermo- 15 
nem? Satius erit in communionem eorum venire, & 
eorum fequi veftigia, quemadmodum volunt, fimiam, ut 
ajunt, inter fimias agendo. Hâc motus confideratione redii 
in communionem iftorum, dicta mea retractans, & illorum 
placitis fubfcribens, annis quindecim jam tranfactis, qui- 20 
bus ab illis feparatus egeram. Fuit autem velut inter- 
nuntius hujus concordiae quidam amitinus meus. 

Tranfactis diebus aliquot delatus fui per quendam 
puerum, filium Sororis meae, quem domi habebam, fuper 
cibis, modo parandi, & aliis, ex quibus apparebat me 25 
Judaeum non effe. Propter hanc delationem nova & acerba 
bella exorfa funt: Nam amitinus ille meus, quem inter- 
nuntium dixi concordiae fuiífe, exiftimans in opprobrium 
illius recidere factum meum, cum fuperbus valdè eíTet & 
arrogans, imprudens admodum, & admodum etiam impu- 30 
dens, bellum contra me aper tum exorfus eft, & poft fe 
ducens omnes fratres meos, nihil reliquit intentatum, quod 
ad deilructionem & diffipationem honoris mei, facultatum, 
& per confequens vitae, poffit aliquid opis conferre. Ifte 



Exemplar Human^e Vi t íe iii 

impedivit nuptias, quas jam jam eram contracturus ; hoc 
enim tempus orbatus eram uxore. Is fecit, ut frater qui- 
dam meus retineret bona mea, quae in manibus habebat, 
& commercium, quod inter nos erat, pervertit ; quod mihi 
5 adeò nocuit propter ftatum, in quo tunc res meae erant, 
ut vix dici pofiit. Nunc fatis fit dicere, hunc mihi fuiffe 
infeftifiimum hoftem contra honorem, contra vitam, contra 
bona. Praeter hoc bellum domefticum, ut ita dicam, aliud 
erat publicum bellum, nempe Rabbinorum & populi, qui 

10 novo odio me odifle caeperunt, & multa impudenter in 
me commiferunt, quos ideò mérito faftidiebam. Inter 
haec accidit adhuc aliud novum: Nam fortè fortunâ fer- 
monem habui cum duobus hominibus, qui ex Londino 
in hanc civitatem venerant, Italo uno, altero vero Hifpano, 

15 qui Chriftiani cum effent, nec ex Judseis originem ducerent, 
inopiam indicantes, confilium à me poftularunt fuper 
ineundâ eum Judaeis focietate, & tranfeundo in religionem 
illorum. His ego confului, ne tale quid facerent, fed potius 
ita manerent : nefciebant enim, quäle jugum fuis cervicibus 

20 imponebant. Interim monebam eos, ne Judaeis aliquid 
meo nomine indicarent; quod & illi promiferunt. Maligni 
homines ifti, intenti ad turpe lucrum, quod indè fe per- 
cepturos fperabant, gratiarum loco, omnia aperuerunt 
Pharifeis chariffimis amicis meis. Tunc congrega ti funt 

25 príncipes Synagogae, exarferunt Rabbini, & petulans turba 
clama vit voce magnâ, crucifige, crucifige eum. Vocatus 
fum ad confilium magnum, propofuerunt ea, quae contra 
me habebant, fubmiffâ & trifti voce, quafi de vitâ ageretur ; 
& tandem pronuntiarunt, debere me, fi Judaeus eram, 

30 illorum exfpectare & implere Judicium: quod fi non, ex- 
communicandus iterum eram. O egregii judices, qui qui- 
dem judices eftis, ut mihi noceatis, fi verò ego indigeam 
judicio veftro, ut me liberetis ab alicujus violentiâ & illae- 
fum fervetis, tunc judices non eftis, fed fervi viliffimi, alieno 



ii2 Exemplar Humaníe Vi t ä 

fubjecti império; quod eft veftrum judicium, cui vultis, ut 
ego paream? Tunc praelectus eft libellus, in quo contine- 
batur, debere me vefte lugubri indutum Synagogam intra- 
re, cereum nigrum in manu tenentem, & certa qusedam 
verba, per illos fcripta, foeda fatis, palam coram concione 5 
evomere, quibus iniquitates iftas, quas commiferam, ufque 
in ccelum efferebant. Poft hsec debebam pati publicè in 
Synagogâ flagellari coreaceo flagello, ceu ligaculo; deinde 
in ipfius Synagogae limine me profternere, ut omnes fuper 
me tranfirent, & certis infuper diebus jejunare. Perlecto 10 
libello exarferunt vif cera mea, & interius irâ flagrabam 
inextinguibili ; continens tarnen me, fimpliciter refpondi, 
non pofíe talia implere. Audito refponfo, deliberarunt me 
iterum à communione feparare, nec eo contenti, multi 
eorum tranfeunte me in plateâ fpuebant, quod etiam & 15 
pueri illorum faciebant, ab illis edocti: tantum non lapi- 
dabar, quia facultas deerat. Duravit item pugna ifta per 
annos feptem, intra quod tempus incredibilia paffus fum: 
Duo enim agmina, ut dixi, pugnabant contra me, agmen 
unum populi, & alterum propinquorum, qui ignominiam 20 
meam quaerebant, ut vindictam de me fumerent. Ifti non 
quieverunt, donec me à ftatu priori dejicerent : Dixerunt 
enim inter fe, non faciet quicquam nifi coactus, & debet 
cogi. Si aegrotabam, folus segrotabam. Si aliquod aliud 
onus incumbebat, hoc inter fibi valdè optata expetebant. 2 5 
Si dicebam, ut efíet aliquis judex ex medio ipforum, qui 
inter nos judicaret, nihil minus. Agere coram Magiftratu 
de talibus rebus, quod etiam caepi tentare, res erat valdè 
molefta. Longa enim erat via lites perfequi in judicio, cui, 
praeter multa alia onera, tot dilationes & procraftinationes 3° 
inhaerent. Dixerunt ifti faepius, fubjice te nobis, omnes 
enim patres fumus, nec putes aut timeas nos tecum fcedè 
acturos. Die jam femel paratum te efíe, omnia implere, 
quae nos tibi impofuerimus, & tunc relinque nobis exitum 



Exemplar Humane V i r m 113 

rei, nos enim omnia faciemus, quemadmodum decet. Ego, 
licet fuper hoc ipfo quaeftio vertebatur, & talis fubjectio & 
acceptio, per vim extorta, mihi erat valdè ignominiofa, 
tarnen, ut rem ufque ad finem perducerem, & exitum ejus 
5 oculis comprobarem, meipfum devici, conftanter deli- 
berans, omnia, quae vellent, acceptare & experiri. Si enim 
fceda mihi imponerentur & inhonefta, caufam meam contra 
ipfos magis juftificabant, & palam faciebant, quinam illo- 
rum erga me erat animus, quae fides in ipfis. Et tandem 

10 palam fiebat, quam fcedi & execrandi fmt hujus gentis 
mores, qui honeftifíimis hominibus, quafi vilifiimis manci- 
piis, ita fcedè abutuntur. Ergo, dixi, omnia implebo, quae- 
cunque mihi impofueritis. Nunc animum .mihi praebete, 
quicunque honefti, prudentes & humani eftis, & defixis 

15 mentis oculis iterum atque iterum expendite, quäle judi- 
cium ifti in me exercuerunt, particulares homines alienae 
poteftati fubjecti, iine ullo peccato meo. 

Intra vi Synagogam, quae hominibus & mulieribus plena 
erat, convenerant enim ad fpectaculum, & quando tempus 

20 fuit adfcendi fuggeftum ligneum, quod eft in medio Syna- 
gogae ad concionandum, & alia officia, & clarâ voce per- 
legi fcripturam ab illis exara tarn, in quâ continebatur 
confeffio, me fcilicet dignum eile, millies mori propter ea, 
quae commiferam, nempe violationem Sabbathi, fidem non 

25 fervatam, quam in tantum viola vi, ut etiam aliis fuaíifíem, 
ne Judaifmum intrarent, & pro quorum fatisf actione 
illorum ordinationi parere volebam, & ea implere, quae 
mihi effent impoiita, promittens de reliquo in iimiles ini- 
quitates & fcelera non reincidere. Peractâ lectione defcendi 

30 à fuggeftu, & acceffit ad me Sacra tifiimus praefes, fufur- 
rans mihi in aurem, ut diverterem ad angulum quendam 
Synagogae. Contuli me ad angulum, & dixit mihi janitor, 
ut me' nudarem. Nudavi corpus ad cincturam ufque, 
linteum capiti fubligavi, calceos depofui, & brachia erexi, 



Da Costa Opera. 



3 



ii4 Exemplar Humane VitjE 

manibus tenens quandam quafi columnam. Acceffit janitor 
ille, & manüs meas ad columnam illam quâdam fafciâ 
colligavit. His ita peractis acceffit praecentor, & accepto 
corio percufíit latera mea triginta & novem percufíionibus 
fecundum traditionem : nam judicium Legis eft, ut nume- 5 
rus quadragenarium non excedat, & cum viri ifti adeo 
religiofi, & obfervantes fint, cavent Tibi, ne contingat, ut 
peccent excedendo. Inter percutiendum pfalmus decan- 
tabatur. Hoc impletur, humi fedi, & acceffit concionator, 
ceu fapiens (quam ridiculae funt res mortalium), qui me ab 10 
excommunicatione abfolvit, & ita jam porta Cceli mihi erat 
aperta, quae antea fortiffimis feris claufa me à limine & 
ingreffu excludebat. Poft haec indui veftes, & abii ad 
limen Synagogae, proftravi me, & cuftos ipfius fuftentabat 
caput meum. Tunc omnes, qui defcendebant, tranfibant 15 
fuper me, fcilicet elevabant pedem unum, & tranfibant 
ad inferiorem partem crurum meorum; quod omnes tarn 
pueri, quam fenes fecerunt (nullae funt fimiae, quae actiones 
magis abfonas, aut geftüs magis ridendos hominum oculis 
poffint exhibere): & peracto opere, quando jam nullus 20 
reftabat, furrexi è loco, & mundatus à pulvere per illum, 
qui mihi affiftebat (nemo jam dicat iftos me non honoraffe, 
fi enim me flagro percufferunt, lugebant tarnen, & demul- 
cebant caput meum) domum me contuli. O! impudentif- 
fimi omnium hominum. O! patres execrandi, à quibus 2 5 
non erat timendum fcedum quidquam! Hoc te percu- 
tiemus? dicebant, abfit hoc cogitare. Judicet nunc qui 
haec audierit, quäle eilet fpectaculum, videre hominem 
fenem, for tis non abjectae, naturaliter verecundum fuper 
omnem modum, in concione publicâ coram omnibus tarn 30 
viris quam mulieribus & pueris nudatum, & flagro caefum 
ex mandato judicum, & talium judicum, qui fervi potius 
abjecti, quam judices funt. Confideret, qualis dolor 
cadere ad pedes infeftiffimorum hoftium, à quibus tot 



Exemplar Humane V i t m 115 

mala, tot injuria? acceptae fmt, & fe conculcandum pro- 
fternere. Cogitet (quod majus eft, & miraculum porten- 
tofum, ac monftrum horrendum, cujus intuitum & fcedi- 
tatem exhorrefcas & fugias dici merito poteft) fratres 
5 naturales & uterinos, ex eodem patre & matre genitos, 
in eâdem domo fimul educatos, in hunc finem omnem 
operam impendiffe, oblitos dilectionis, quâ à me fuerunt 
perpetuo dilecti, mihi enim erat hoc proprium & nativum, 
Sc oblitos multorum beneficiorum, quae per me in vitâ 
10 acceperant, quorum loco pro retributione habui igno- 
miniam, damnum, mala, tot foeda & nefanda, ut referre 
pudeat. 

Dicunt nunquam fatis deteftandi ofores mei, fe ad 
aliorum exemplum juftè de me pcenas fumpfiffe, ne dein- 

15 ceps aliquis audeat fe opponere ipforum placitis, & contra 
fapientes fcribat. O fceleratiffimi mortalium & totius 
mendacii parentes! quanto juftius poffem ego de iftis 
pcenas fumere ad exemplum, ne deinceps talia auderetis 
impudenter contra viros veritatis amantes, ofores frau- 

20 dum, totius humani generis indiff erenter amicos, cujus vos 
communes hoftes eftis, cum omnes gentes pro nihilo 
aeftimetis, & inter beftias numeretis, vos autem folos in 
caelum ufque efferatis protervè, vobis ipiis mendaciis blan- 
dientes, cum nihil habeatis, de quo verè gloriari pofiitis; 

25 niíi fortè gloria vobis eft exulare, ab omnibus contemni & 
odio haberi, propter ridiculos & exquifitos veftros mores, 
quibus à caeteris hominibus feparari vultis. Si enim de 
fimplicitate vitae Sc juftitiâ gloriari velitis, vae vobis, qui 
non obfcurè multis inferiores in his apparebitis. Dico 

30 igitur, potuiífe me juftè, íi vires adeífent, de iftis fumere 
vindictam pro gravi ffimis malis, & atrociffimis injuriis, qui- 
bus me repleverunt, Sc propter quae vitam meam exofus 
fum. Quis enim honefti amans libenter fuftineat vitam 
vivere ignominiofam ? Et ut aliquis bene dixit, aut bene 



nó Exemplar Hüman/e Vitje 

vivere, aut honeftè mori, ingenuum decet. Tanto autem 
juftior eft caufa mea caufâ iftorum, quantum veritas prae- 
cellit mendacio. Ifti pro mendacio contendunt, ut homines 
capiant & fervos faciant : ego verò pro veritate & naturali 
hominum libertate, quos magis decet, à falfis fuperftitio- 5 
nibus & ritibus vanifiimis liberos, vi tarn agere hominibus 
non indignam. Fateor magis ex re meâ fuiíTe, fi à prin- 
cipio tacuiffem, & agnofcens ea, quse in mundo fiunt, potius 
filerem ; ita enim expedit iis, qui inter homines acturi funt, 
ne à multitudine ignarâ vel à tyrannis injuftis opprimantur, 10 
ut fieri folent : unusquifque enim commodis fuis confulens 
veritatem ftudet opprimere, & laqueos parvulis tendens, 
juftitiam fub pedibus terit; tarnen poftquam incautus à 
vanâ religione deceptus in arenam cum iftis prodii, fatius 
eft cum laude occumbere, vel faltem fine dolore mori, qui 15 
turpis fugae, aut ineptse patientiae in honeftis hominibus 
comes eft. Solent ifti pro fe allegare multitudinem. Tu 
unus nobis, qui multi fumus, debes cedere. Amici, utile 
quidem eft, ut unus multis cedat, ne ab illis lanietur; fed 
non omne, quod utile eft, pulchrum ftatim eft. Pulchrum 20 
profectò non eft, cum ignominiâ dif cedere, ac violentis & 
injuftis trophaeum relinquere. Debetis igitur fateri, vir- 
tutem effe laude dignam, fuperbis refiftere, quantum fieri 
poffit, ne malè facientes & utilitatem ex malitiâ capientes 
indies magis fuperbiant. Pulchrum quidem eft, & viro pio 25 
ac generofo dignum, cum parvulis parvulum eíTe, cum 
ovibus ovem; ftultum autem, ignominiai & reprehenfioni 
obnoxium, cum leonibus in conflictu manfuetudinem o vis 
induere. Quod fi inter res pulcherrimas habetur pro 
patriâ pugnare ufque ad necem, quia pátria eft aliquid 30 
noftrum, quare pulchrum non eilet pro propriâ hone- 
ftate, quae propriè noftra eft, & fine quâ bene vivere non 
poíTumus, niíi fortè tanquam porei fcediffimi volutemur in 
fcediffimo luto lucri. Sed dicunt nefarii illufores mei, 



Exemplar Humane Vi t íe 117 

totum jus fuum in multitudine conftituentes, quid tu 
unus contra tarn muitos poffes? Fateor, & lugeo me à 
multitudine veftrâ oppreffum eile; tarnen propter cogi- 
tationes iftas, & fermones veftros, aeftuat magis ira in prae- 
5 cordiis meis, & clamat, impium effe erga impios, fuperbos, 
contumaces, & perfeverantes, pietate uti. Unum dixi, 
defunt vires. 

Scio adver farios iftos, ut nomen meum coram indoctâ 
plebe dilanient, folitos effe dicere, ifte nullam habet reli- 

io gionem, Judaeus non eil, non Chriftianus, non Mahome- 
tanus. Vide prius Pharifee quid dicas; caecus enim es, 
& licet malitiâ abundes, tarnen ficut caecus impingis. 
Quaefo, die mihi, fi ego Chriftianus effem, quid fuiffes 
dicturus? Planum eft, dicturum te, feediffimum me effe 

15 idololatram, & cum Jefu Nazareno Chriftianorum doctore 
peenas vero Deo foluturum, à quo defeceram. Si Maho- 
metanus effem, norunt etiam omnes, quibus me honoribus 
fuiffes cumulaturus : & ita nunquam linguam tuam poifem 
evadere, unicum hoc effugium habens, nempe ad genua 

20 tua procumbere, Sc feediffimos pedes tuos, tuas inquam 
nefarias & pudendas inftitutiones, ofeulari. Nunc, precor, 
doceas me, aliamne noveris religionem praeter illas, quarum 
meminifti, & quarum duas ultimas tu pro adulterinis habens, 
non tarn religiones vocas, quam à religione receffum. Jam 

25 audio te f atentem, unam te adhuc nofeere religionem, 
quae verè religio eft, & cujus medio homines poffunt Deo 
placere. Si enim gentes omnes, excep tis Judaeis (oportet, 
ut vos femper ab aliis feparemini, nec cum plebeis Sc 
ignobilibus conjungamini) fervent praeeepta feptem, quse 

30 vos dicitis Noam fervaffe, & alios, qui ante Abrahamum 
fuerunt, hoc illis fatis eft ad falutem. Iam ergo eft aliqua 
religio per vos ipfos, cui ego poffum inniti, etiamfi à Judaeis 
originem ducam: preeibus enim à vobis impetrabo, ut 
patiamini me cum aliâ turbâ mifeeri, vel fi non obtineam 



1 1 8 Exemplar Humane Vitü 

apud vos, per me licentiam fumam. O! caece Pharizsee, 
qui oblitus illius legis, quse primaria eft, & à principio fuit, 
& erit femper, tantummodo mentionem facis aliarum 
legum, quse poftea efle cseperunt, & quas tu ipfe damnas, 
tuâ exceptâ, de quâ etiam, velis nolis, alii judicant fecun- 5 
dum rectam rationem, quse vera norma eft illius naturalis 
legis, quam tu oblitus fuifti, & quam libenter vis fepelire, 
ut graviffimum, &deteftandum jugum tuum fuper cervices 
hominum imponas, & eos à fanâ mente deturbes, ac 
infanientibus fimiles reddas. Sed quando in ifta venimus, 10 
libet hic aliquantulum immorari, & laudes hu jus primaria? 
legis non omninò tacere. Dico igitur hanc legem Omni- 
bus hominibus effe communem & innatam, eo ipfo quod 
homines funt. Haec omnes inter fe mutuo amore colligat, 
infcia divifionis, quae totius odii, & maximorum malorum 15 
caufa & origo eft. Haec magiílra eft bene vivendi, difcernit 
inter juftum & injuftum, inter foedum & pulchrum. Quic- 
quid optimum eft in lege Mofis, vel quâcumque aliâ, hoc 
totum perfectè in fe continet lex naturae; & Ii tantifper 
ab hâc naturali normâ declinatur, ftatim oritur contentio, 20 
ftatim fit animorum diviíio ; nec quies inveniri poteft. Si 
verò mui tum declinatur, quis fatis erit ad recenfenda 
mala & monftra horrenda, quae ab hoc adultério originem 
fuam trahunt, & incrementa? Quid habet optimum lex 
Mofis, vel quaecumque alia, quod refpiciat focietatem 25 
humanam, ut homines inter fe bene vivant & bene con- 
veniant? Profectò primum eft, parentes honorare, dein- 
ceps aliena bona non invadere, five hoc bonum pofitum 
fit in vitâ, five in honore, five in bonis aliis ad vi tarn 
conducibilibus. Quid, quaefo, horum in fe non continet 30 
lex naturae & norma recta mentibus inhaerens? Natura- 
liter filios diligimus, & parentes filii, frater fratrem, 
amicus amicum. Naturaliter volumus omnia noftra falva 
effe, & odio habemus illos, qui pacem noftram turbant, 



Exemplar Humane Vitje 119 

qui ea, quae noftra funt, à nobis aut vi aut fraudibus 
auferre volunt. Ex hâc voluntate noftra naturali fequitur 
apertum Judicium, fcilicet non debere nos ea committere, 
quae in aliis damnamus. Si enim alios damnamus, qui 
5 noftra invadunt, jam nos ipfos damnamus, fi aliena 
invaferimus. Et ecce, jam facile habemus, quidquid pra> 
cipuum eft in quâcumque lege. Quod adtinet ad cibos, 
hoc Medicis relinquamus; illi enim nos fatis appofitè 
docebunt, quis cibus fit falutaris, quis per contrarium 

10 noceat. Quod verò ad alia ceremonialia, ritus, ftatuta, 
facrificia, decimas (infignis fraus, ut quis alieno labore 
fruatur otiofus) heu, heu, ideo ploramus, quia in tot 
labyrinthos conjecti fumus ex malitiâ hominum. Agnof- 
centes hoc veri Chriftiani, magnâ laude digni funt, qui 

15 ifta omnia in exilium migrare fecerunt, retinentes folum 
ea, quse ad bene vivendum moraliter fpectant. Non bene 
vivimus, quando multas vanitates obfervamus, fed vivi- 
mus bene, quando rationabiliter vivimus. Dicet aliquis, 
legem Mofis vel Evangelicam aliquid altius & perfectius 

20 continere, nempe ut inimicos diligamus, quod lex natu- 
ralis non agnofcit. Huic refpondeo, quemadmodum 
fuperius dixi: Si à naturâ declinamus, & aliquid majus 
volumus invenire, ftatim oritur contentio, turbatur quies. 
Quid prodeft, fi mihi imperentur impoffibilia, quae ego 

25 implere non poffim ! Nullum aliud bonum inde fequetur, 
quam animi triftitia, fi ponimus impoffibile effe natura- 
liter inimicum diligere. Quod fi non orimino impoffibile 
fit naturaliter inimicis benefacere (hoc citra dilectionem 
accidere poteft), quia homo ad pietatem & mifericordiam, 

30 generaliter loquendo, naturalem habet propenfionem ; jam 
non debemus negare abfolutè talem perfectionem in lege 
naturae comprehendi. 

Illud nunc videamus, nempe quae mala oriantur, quando 
à naturali lege plurimum declinatur. Diximus inter 



i2o Exemplar Humane Vi t íe 

parentes & filios, fratres & amicos, naturale effe amoris 
vinculum. Tale vinculum difíòlvit & diíTipat lex pofitiva, 
five illa fit Mofis, five cujuscumque alterius, quando prae- 
cipit, ut pater, frater, conjux, amicus, filium, fratrem, 
conjugem, amicum, occidat vel prodat Religionis ergo, & 5 
aliquid vult talis lex majus & fuperius, quam ut poffibile 
fit per homines impleri; & fi impleretur, fummum elTet 
contra naturam fcelus: illa enim talia horret. Sed quid 
jam ifta memorem, quando in tantum vefaniae homines 
devenerunt, ut próprios filios idolis, quae vanifíimè cole- 10 
bant, pro holocaufto obtulerint, à naturali illâ normâ 
adeò difcedentes, & naturales paternos affectüs adeò ma- 
culantes. Quanto dulcius foret, fi mor tales inter naturales 
limites fe cohibuiffent, & inventa adeò fceda nunquam 
invenifíent? Quid dicam de terroribus & anxietatibus 15 
graviffimis, in quos hominum malitia alios conjecit; à 
quibus unusquifque über erat, fi naturam tantum audiret, 
quae talia omnino nefcit. Quot funt, qui de falute defpe- 
rant? qui martyria variis imbuti opinionibus fubeunt? 
qui vitam omnino miferam f ponte agunt, corpus miferè 20 
macerantes, folitudines & recefíus à communi aliorum 
focietate quaerentes, internis cruciatibus perpetuo vexa ti ; 
quippe qui mala, quae futura timent, jam tanquam prae- 
fentia lugent! Haec & alia mala innumera falfa religio, 
ab hominibus malitiofè inventa, mortalibus adduxit. 25 
Nonne ego ipfe unus fum ex multis, qui per tales impofto- 
res valde deceptus fui, & illis credens me peíTumdedi? 
Loquor tanquam expertus. At dicunt, fi non alia fit lex 
quam naturae lex, nec homines ex fide habeant alteram 
reftare vitam, & timeant pcenas aeternas, quid eft, cur, 30 
non perpetuo malefaciant? Vos talia inventa excogi- 
taftis (fortaffis aliquid amplius latet, timendum eft enim, 
ne propter utilitates veftras onus fuper alios imponere 
volueritis), in hoc fimiles illis, qui ut infantes terrefaciant, 



Exemplar Humaníe Vitíe 121 

larvas fingunt, vel aliqua nomina atrocia excogitant, donec 
pueruli metu perculfi eorum voluntati acquiefcant, volun- 
tatem propriam capti vantes cum taedio & mserore. Sed 
profunt ifta quidem, quamdiu infans infans eft; quam- 
5 primum tarnen óculos mentis aperit, ridet fraudem, nec 
jam larvam timet. Sic veílra iíla ridicula funt, quse 
folum infantibus aut bardis poffunt timorem injicere; 
alii autem, qui veftra norunt, vos rident. Mitto nunc de 
juftitiâ fraudis hujus differere; cum vos ipíi, qui talia 

10 fingitis, inter juris regulas habeatis, non effe facienda 
mala, ut veniant bona. Niíi fortè inter mala non numeratis, 
mentiri in grave aliorum prsejudicium, occafionem puíillis 
dantes infaniendi. Quod íi vel umbra Religionis verae, 
aut timoris in vobis effet, procul dubio non modice timere 

15 debuiffetis, quando tot mala in orbem terrarum induxiftis : 
tot diffidia inter homines excitaftis: tot iniqua, & impia 
inftituiftis, adeò ut parentes contra filios, & filios contra 
parentes impiè incitare non dubitaveritis. Unum vellem 
à vobis interrogare, nempe, íi quando ifta fingi tis propter 

20 hominum malitiam, ut illos fictis terroribus in officio 
contineatis, alioquin malè victuros, fubit vobis in men- 
tem vos íimiliter homines effe malitiâ repletos, qui nihil 
boni poteftis praeftare, nihil niíi malum perpetuo exequi, 
aliis nocere, in neminem mifericordiam exercere? Video 

25 jam vos mihi irafci, qui tale quidquam aufus fum à 
vobis interrogare, & unumquemque veftrum ftrenuè con- 
tendere pro juftitiâ actionum fuarum. Nullus eft, qui non 
dicat fe effe pium, mifericordem, veritatis & juftitiae 
amantem. Aut igitur falfa loquimini talia de vobis annun- 

30 dantes; aut falfò accufatis omnium hominum malitiam, 
cui veftris larvis & fictis terroribus mederi vultis, con- 
tumeliofi in Deum, quem tanquam crudeliffimum carni- 
ficem & horribilem tortorem oculis hominum exhibetis, 
contumeliofi in homines, quos ad tam deplorandam mife- 



122 Exemplar Humane Vitíe 

riam natos efíe vultis, quafi illa fatis non íint, quae cui- 
que in vitâ accidunt. Sed eito, quod magna fit hominum 
malitia, quod & ipfe fateor, & vos ipfi mihi teftes eftis, 
cum fitis extremè malitiofi, alioquin talia commenta com- 
minifci non valeretis; quaerite remedia efficaciffima, quae 5 
citra majorem lsefionem mor bum hunc ab hominibus 
omnibus generaliter expellant, & deponite larvas, quae 
tantum contra infantes & ftolidos vim habent. Si verò 
morbus hic in hominibus infanabilis eft, defiftite à men- 
daciis, nec tanquam inepti mediei promittatis fanitatem, 10 
quam non poteftis praeftare. Contenti eftote inter vos 
leges juftas & rationabiles ftabilire : bonos praemiis ornáre, 
maios digno fupplicio afficere: eos, qui vim patiuntur, à 
violentis liberate, ne clament juftitiam non íieri in terra, 
nec efíe, qui infirmum eripiat à manu fortioris. Profectò 15 
fi homines rectam rationem fequi vellent & vivere fecun- 
dum naturam humanam, omnes fe mutuo diligerent, 
omnes íibi mutuo condolerent. Unusquifque alterius cala- 
mitatem, quantum poffet, fublevaret, vel faltem nullus 
alium gratis offenderet. Quae contra fiunt, contra huma- 20 
nam naturam fiunt; & multa fiunt, quia homines diverfas 
leges à naturâ abhorrentes íibi invenerunt, & alius alium 
irritat malefaciendo. Multi funt, qui fictè ambulant, & fe 
extremè religiofos fimulant, & incautos decipiunt, tegu- 
mento Religionis, ad capiendos, quos pofíint, abutentes; 25 
qui rectè comparari pofíunt furi nocturno, qui fomno 
fopitos, nec tale quid cogitantes, per iníidias adoritur. Hi 
in ore folent habere, Judaeus fum, Chriftianus fum, crede 
mihi, non te decipiam. O! malae beftiae: ille, qui nihil 
horum dicit, & fe tantum hominem profitetur, multo melior 30 
vobis eft. Si enim ei tanquam homini non vultis credere, 
poteftis cavere; vos autem quis cavebit, qui, amicti ficto 
pallio fanctitatis fictae, tanquam fur nocturnus incautos & 
dormientes per foramina invaditis ac mifere ftrangulatis ? 



Exemplar Humane Vit íe 123 

Unum inter multa miror, & verè mirandum eft, quo- 
modo poffunt Pharizaei inter Chriftianos agentes uti tantâ 
übertäte, ut etiam judicia exerceant ; & verè dicere poffum, 
quod fi Jefus Nazarenus, quem Chriftiani adeò colunt, 
5 hodie concionaretur Amitelrodami, & placeret Pharizaeis 
illum denuò flagris csedere, propterea quod traditiones 
illorum impugnaret & hypocryiim objiceret, hoc liberè 
facere poíTent. Certè hoc ignominiofum eft, & quod tolerari 
non debuit in civitate liberâ, quae profitetur homines in 

10 libertate & pace tueri, & tarnen non tuetur à Pharizae- 
orum injuriis. Et quando quis non habet defenforem au t 
vindicem, nil mirum, ii ipfe per fe quaerat fe defendere, 
& injurias acceptas vindicare. Habetis vitae meae hifto- 
riam veram; & quam perfonam in hoc mundi vanifiimo 

15 theatro ego egi, in vaniffimâ & inftabilifíimâ vitâ meâ, 
exhibui vobis. Nunc juftè judicate filii hominum, & fme 
ullo affectu, liberè fecundum veritatem judicium pro- 
ferte : hoc enim imprimis viris dignum eft, qui verè viri 
funt. Quod fi aliquid inveneritis, quod vos ad commi- 

20 ferationem rapiat, miferam hominum conditionem agno- 
fcite & deplorate, cujus & ipfi participes eftis. Ne hoc 
etiam defit, nomen meum, quod habui in Portugalliâ 
Chriftianus, Gabriel à Cofia, inter Judaeos, quos utinam 
nunquam acceffiffem, paucis mutatis, Vriêl vocatus fum. 



124 Ein Beispiel menschlichen Lebens 



eboren bin ich in Portugal, in der Stadt eben diefes 



\J. Namens, die gemeinhin Porto genannt wird. Meine 
Eltern waren von adligem Stande; fie leiteten ihrenUrfprung 
von den Juden her, die man einft in jenem Lande gewalt- 
fam zür chriftlichen Religion gezwungen hatte. Mein Vater 5 
war ein gläubiger Chrift, dabei ein peinlich ftrenger Ehren- 
mann, der auf Rang und Stand größten Wert legte. In 
feinem Haufe wurde ich dem Stande gemäß erzogen. An 
Dienern fehlte es nicht, und auch nicht an einem edlen 
fpanifchen Pferd im Stall zur Übung des Reitens, worin 10 
mein Vater Meifter war, während ich früh feinem Vorbild 
folgte. Nachdem ich endlich in manchen Künften unter- 
richtet war, die junge Leute von Stand pflegen, habe ich 
mich der RechtswiiTenfchaft gewidmet. Nach Charakter 
und natürlichen Neigungen war ich von Natur fehr 15 
gefühlvoll und fo zu Mitleid geneigt, daß ich mich der 
Tränen nicht erwehren konnte, wenn ich von fremdem 
Unglück reden hörte. Das Ehrgefühl lag mir fo im Blute, 
daß ich nichts mehr fürchtete als eine Ehrenkränkung. 
Mein Sinn war in keiner Weife unedel, aber nicht frei von 20 
Zorn, wenn eine gerechte Urfache Veranlagung gab. 
Daher war ich hochmütigen und unverfchämten Menfchen, 
die anderen durch Verachtung und Gewalt Unrecht zu 
tun pflegen, von Herzen feind und mochte nur die Partei 
der Schwachen nehmen, und lieber mit ihnen mich ver- 25 
bünden. Um der Religion willen habe ich im Leben 
Unglaubliches dulden müffen. Nach dem Herkommen 
jenes Landes wurde ich in der römifch-katholifchen Reli- 
gion unterwiefen; und da ich bis in meine Jünglingsjahre 
große Angft vor der ewigen Verdammnis hatte, war ich 30 
beftrebt, alles genau zu beobachten. Ich befchäftigte 
mich mit dem Lefen des Evangeliums und anderer geift- 
licher Bücher, durchlas die Summen der Glaubens- 




Ein Beispiel menschlichen Lebens 125 



Verteidiger, und je mehr ich über ihnen brütete, defto 
größere Schwierigkeit erwuchs mir daraus. Schließlich 
verfiel ich in unüberwindliche Verwirrung, Ângft und Be- 
drängnis. Kummer und Schmerz verzehrten mich. Un- 
5 möglich fchien es mir, die Sünden nach römifchem 
Brauche zu beichten, um angemeffene Abfolution erlangen 
zu können und unmöglich, alles zu erfüllen, was gefordert 
wurde. InfolgedeiTen verzweifelte ich am Seelenheil, wenn 
es nur nach folchen Vorfchriften zu erreichen war. Weil 

10 es aber fchwer war, eine Religion aufzugeben, an die ich 
von der Wiege an gewöhnt war, und die durch den Glau- 
ben fchon tiefe Wurzeln gefchlagen hatte, erwachte in mir 
der Zweifel (damals war ich gegen zweiundzwanzig Jahre 
alt), ob wirklich auch das, was man vom anderen Leben 

15 fagte, in allen Stücken wahr fei, und ob fich der Glaube 
daran mit der Vernunft vertrüge, da doch die Vernunft 
felbft vieles behauptete und immer wieder ins Ohr flüfterte, 
was alledem ganz und gar entgegen war. Bei diefem 
inneren Zweifel blieb ich ftehen und entfchied, wie dem 

20 auch fei, daß ich auf dem eingefchlagenen Wege nicht 
zum Seelenheil gelangen könne. Während diefer Zeit 
widmete ich mich wie gefagt dem Rechtsftudium und 
erlangte mit meinem fünfundzwanzigften Jahre bei fich 
bietender Gelegenheit ein kirchliches Amt, nämlich die 

2 5 Würde des Schatzmeisters an einer Stiftskirche. 

Da ich aber in der römifch-katholifchen Religion keine 
Ruhe hatte finden können, und mich danach fehnte, in 
irgend einer Religion Halt zu gewinnen, durchlas ich die 

. Bücher Mofis und der Propheten, wohlbewußt, daß zwi- 

30 fchen Chriften und Juden ein großer Wettftreit beftehe. 
Dort fand ich manches, was dem neuen Bund vollkommen 
wider fprach, und was dort von Gott gefagt wurde, bot 
weniger Schwierigkeit. Zudem haben dem alten Bund 
fowohl Juden als Chriften Glauben gefchenkt, dem neuen 



126 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

Bund aber nur die Chriften. Indem ich fchließlich dem 
Mofes glaubte, entfchied ich, daß ich dem Gefetze gehor- 
chen mülTe, weil jener doch alles von Gott empfangen zu 
haben behauptete, wobei er fich als einfachen Vermittler 
erklärte, den Gott felbft zu diefem Amt berufen oder viel- 5 
mehr gezwungen habe. (So täufcht man die Kinder.) In 
folcher Überlegung gedachte ich, da keine Freiheit be- 
ftand, jene Religion irgendwie in diefem Lande zu be- 
kennen, meinen Wohnfitz zu vertauf chen und meine und 
meiner Väter Heimat zu verlaffen. Zu diefem Zwecke 10 
trug ich kein Bedenken, auf mein kirchliches Amt zu- 
gunften eines anderen zu verzichten, ohne mich dabei um 
Vorteil und Anfehen zu kümmern, die der Sitte jenes 
Volkes gemäß damit verbunden find. Auch mein fchönes, 
in der beften Lage der Stadt gelegenes Haus, das mein 15 
Vater gebaut hatte, ließ ich im Stich. So beftiegen wir 
das Schiff unter der größten Gefahr (die von Juden Ab- 
ftammenden dürfen das Land nicht ohne eine befondere 
königliche Genehmigung verlaffen), meine Mutter und ich 
famt meinen Brüdern, denen ich in brüderlicher Liebe die 20 
trotz mancher Zweifel neugewonnenen Überzeugungen 
über die Religion mitgeteilt hatte, ein Wagnis, das für 
mich fehr übel hätte ausfchlagen können, fo gefährlich ift 
es in diefem Land, über derartige Fragen zu reden. Nach 
überftandener Seefahrt langten wir fchließlich in Amfter- 25 
dam an, wo wir die Juden in freier Lage fanden, und um 
das Gefetz zu erfüllen, erfüllten wir fogleich das Gebot 
über die Befchneidung. 

Schon nach wenigen Tagen machte ich die Erfahrung, 
daß die Sitten und Einrichtungen der Juden durchaus 30 
nicht mit denen übereinftimmten, die Mofes vorgefchrie- 
ben hat. Wenn aber das Gefetz genau zu beobachten 
war, wie es felbft verlangt, dann hatten die fogenannten 
Weifen der Juden zu Unrecht fo viele vom Gefetz gänz- 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 127 



lieh abweichende Dinge erfunden. Ich konnte mich dabei 
nicht enthalten, ja ich glaubte ein Gott gefälliges Werk 
zu tun, wenn ich frei und offen das Gefetz verteidigte. 
Die heutigen Weifen der Juden haben fowohl ihre Sitten 
5 als ihren bösartigen Charakter noch immer beibehalten; 
hartnäckig ftreiten he für die Secte und die Einrichtungen 
der verabfeheuenswerten Pharifäer, nicht ohne Aus- 
ficht auf eignen Vorteil, und wie man es ihnen fonft 
mit Fug vorgehalten hat, um im Tempel die erften Plätze 

10 einzunehmen und auf dem Markte zuerft gegrüßt zu wer- 
den. Sie ließen es in keiner Weife zu, daß ich auch nur 
im mindeften von ihnen abwiche, vielmehr follte ich in 
allen Stücken ihren Spuren unverbrüchlich folgen. An- 
dernfalls drohten fie mir mit der Ausfchließung aus der 

15 Gemeinde und völliger Excommunication fowohl in gött- 
lichen wie menfehlichen Dingen. Da es aber einem Manne, 
der für die Freiheit Heimatboden und allen äußeren 
Vorteil dahingegeben hatte, durchaus nicht angeftanden 
wäre, von folchen Drohungen fich einfehüchtern zu laffen, 

20 und da es unter folchen Umständen weder recht und billig 
noch männlich gewefen wäre, fich Menfchen zu unter- 
werfen, denen nicht einmal die Recht fprechung zuftand, 
entfehloß ich mich, lieber alles auf mich zu nehmen, aber 
auf meiner Meinung zu beharren. So wurde ich denn von 

25 jenen aus aller Gemeinfchaft exeommuniciert, und felbft 
meine Brüder, deren Lehrer ich früher gewefen war, 
gingen an mir vorüber und wagten es aus Furcht vor 
jenen nicht, mich auf der Straße zu grüßen. 

In diefer Situation befchloß ich, ein Buch zu fchreiben, 

30 um die Gerechtigkeit meiner Sache darzutun und aus 
dem Gefetze felbft die Nichtigkeit der pharifäifchen Tra- 
dition und Obfervanz, und denWiderftreit ihrer Traditionen 
und Einrichtungen mit dem mofaifchen Gefetz offen nach- 
zuwerfen. Nachdem ich mein Werk begonnen hatte, kam 



128 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

es (ich muß ja den ganzen Hergang fchlicht und wahr- 
heitsgetreu berichten), daß ich mit Entfchiedenheit und 
auf Grund beharrlichen Nachdenkens mich der Meinung 
derer anfchloß, die den Lohn und die Strafe des alten 
Gefetzes in zeitlichem Sinne begreifen und dabei gar nicht 5 
an ein anderes Leben und an die Unfterblichkeit der 
Seele denken. Von anderen Gründen abgefehen ftützte 
ich mich darauf, daß das mofaifche Gefetz völlig darüber 
fchweigt und denen, die das Gefetz beobachten und über- 
treten, nur zeitliche Belohnung oder Strafe in Ausficht 10 
ftellt. Meine Gegner frohlockten, als fie erfuhren, daß ich 
zu diefer Anficht gekommen war, denn fie meinten, nun 
genügenden Rückhalt bei den Chriften fchon deshalb zu 
finden, weil deren befonderer Glaube fich auf das evange- 
lifche Gefetz gründet, in dem ausdrücklich vom ewigen 15 
Heil und von der ewigen Strafe die Rede ift und fie darum 
die Unfterblichkeit der Seele glauben und anerkennen. 
In diefer Abficht und um mich mundtot zu machen und 
den Haß der Chriften auf mich zu ziehen, gaben fie, bevor 
das von mir verfaßte Buch in den Druck kam, eine Schrift 20 
von der Hand eines Arztes heraus unter dem Titel: Über die 
Unfterblichkeit der Seele. In diefer Schrift verunglimpfte 
mich jener Arzt ausgiebig als einen Anhänger Epikurs 
— zu jener Zeit dachte ich gering von Epikur und brachte 
gegen den mir Fernliegenden und Unbekannten auf 25 
Grund unbilliger Berichte anderer unbedacht meine Mei- 
nung vor; nachdem ich aber das Urteil einiger Wahr- 
heitsfreunde über ihn und nachdem ich feine Lehre in 
ihrer wirklichen Geftalt kennen gelernt habe, tut es mir 
leid, daß ich einmal einen folchen Mann töricht und 30 
uniinnig genannt habe, über den ich auch heute noch 
kein ausreichendes Urteil habe, weil feine Schriften mir 
unbekannt find — : wer einmal die Unfterblichkeit der 
Seele leugne, bei dem fehle doch nicht viel, daß er Gott 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 129 



felbft abgeleugnet hätte. Ihre Kinder, von den Rabbinern 
und ihren Eltern angelernt, rotteten iich auf der Straße 
zufammen, fchrien mir Verwünfchungen nach und reizten 
mich mit Schimpfreden aller Art, wobei fie mich einen 
5 Ketzer und einen Abtrünnigen nannten. Bisweilen fchar- 
ten fie iich auch vor meiner Tür zufammen, warfen mit 
Steinen und ließen nichts unverfucht, um mich zu ftören, 
damit ich fogar in meinem eignen Haufe keine Ruhe 
finden möchte. Nachdem jene Schrift gegen mich er- 

10 fchienen war, fchickte ich mich fogleich zur Verteidigung 
an und fchrieb eine Gegenfchrift, in der ich die Unfterb- 
lichkeit mit aller Macht bekämpfte, wobei ich im Vorüber- 
gehen auf manches hinwies, worin die Pharifäer von 
Mofes abweichen. Sobald diefe Schrift herauskam, traten 

15 die Älteften und Deputierten der Juden zufammen und 
erhoben gegen mich Anklage bei der ftädtifchen Obrig- 
keit, indem fie erklärten, ich hätte ein Buch gefchrieben, 
in dem ich die Unfterblichkeit der Seele leugne, und nicht 
fie allein angreife, fondern auch die chriftliche Religion 

20 untergrabe. Auf ihre Denunciation hin wurde ich in Haft 
genommen, aber nach acht bis zehn Tagen gegen Caution 
entlaffen: der Richter verhängte eine Buße über mich 
und ich wurde endlich zu einer Geldftrafe von 300 Gulden 
bei Verluft der Bücher verurteilt. 

25 Später im Verlaufe der Zeit, wie Erfahrung und Jahre 
vieles enthüllen und demgemäß das Urteil eines Menfchen 
wandeln — - ich darf wie gefagt frei reden, denn warum 
follte einer, der gleichfam fein Teftament auffetzt, um 
den Menfchen den Sinn des Lebens und ein wahres Beifpiel 

30 menfchlicher Leiden zu hinterlaffen, im Angeflehte des 
Todes nicht die Wahrheit reden dürfen? — da kam 
mir der Zweifel, ob das mofaifche Gefetz wirklich als 
Gottes Gefetz gelten dürfe, denn es gab vieles, was da- 
gegen fprach, oder vielmehr das Gegenteil anzunehmen 

Da Costa Opera. 9 



130 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

zwang. Endlich kam ich zur Überzeugung, das Gefetz fei 
nicht von Mofes, fondern bloß eine menfchliche Erfindung, 
wie es deren noch unzählige in der Welt gab. Vieles darin 
widerftritt nämlich dem Naturgefetz, und Gott, der 
Schöpfer der Natur, konnte doch nicht mit fich felbft im 5 
Wider fpruch fein, was der Fall gewefen wäre, wenn er den 
Menfchen etwas vorgefchrieben hätte im Widerfpruch mit 
der Natur, als deren Schöpfer er doch galt. Nachdem ich 
darüber mit mir ins Reine gekommen war, fagte ich mir : 
was hilft es — o wäre mir doch nie ein folcher Gedanke 10 
in den Sinn gekommen — wenn ich bis zum Tode in 
diefer Lage verbliebe, ausgefchloffen von der Gemein- 
fchaft jener Priefter und jenes Volkes, da ich doch ein 
Fremdling in jenem Lande bin, und mit feinen Bürgern 
keine Beziehungen habe, ja deren Sprache nicht einmal 15 
verftehe? Beffer wird es fein, ich kehre zu ihrer Gemein- 
fchaft zurück, und folge ihrem Beifpiel, wie iie es wollen, 
und fpiele, wie man fagt, den Affen unter Affen. Aus diefer 
Erwägung heraus kehrte ich in ihre Gemeinfchaft zurück, 
indem ich meine Ausfprüche widerrief und unter fchrieb, 20 
was fie für gut fanden. Fünfzehn Jahre waren fchon 
vergangen, feit ich von ihnen gefchieden lebte. Ein Vetter 
von mir fpielte gewiffermaßen den Vermittler bei diefem 
Übereinkommen. 

Einige Tage vergingen, da wurde ich von einem Knaben, 25 
einem Sohn meiner Schwefter, den ich bei mir im Haufe 
hatte, denunciert wegen der Speifen, ihrer Bereitung und 
anderer Dinge, aus denen hervorginge, daß ich kein Jude fei. 
Wegen diefer Denunciation entftand ein neuer erbitterter 
Krieg gegen mich. Denn jener Vetter, der wie gefagt, der 30 
Vermittler des Übereinkommens gewefen war, meinte, 
mein Handeln könne ihm zum Vorwurf gemacht werden, 
und, da er fehr ftolz und anmaßend war, zudem äußerft 
unwiffend und unverfchämt, ftiftete er einen offenen Krieg 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 131 

gegen mich an, brachte alle meine Brüder auf feine Seite 
und ließ nichts unverfucht, was zur völligen Vernichtung 
meiner Ehre, meines Vermögens und folglich meines 
Lebens beitragen konnte. Er verhinderte eine Heirat, die 
5 ich gerade fchließen wollte, da ich damals Witwer war. 
Er brachte es dahin, daß einer meiner Brüder mir mein 
Vermögen, das er in Händen hatte, vorenthielt, und 
zerftörte die zwifchen uns beftehende Gefchäfts Verbindung, 
was mir bei dem damaligen Stand meiner Angelegenheiten 

10 unfagbar fchadete. Kurzum, er war der erbittertste Feind 
meiner Ehre, meines Lebens, meines Vermögens. Neben 
diefem fozufagen häuslichen Krieg ging ein öffentlicher 
Krieg einher, nämlich von feiten der Rabbiner und des 
Volkes, die mich mit neuem Haffe zu verfolgen begannen 

15 und fo viele Schändlichkeiten gegen mich begingen, daß 
mich darum berechtigter Ekel gegen fie erfaßte. 

Inzwifchen trat etwas Neues ein. Zufällig nämlich hatte 
ich ein Gefpräch mit zwei Leuten, die aus London nach 
Amfterdam gekommen waren, Italiener der eine, der 

20 andere Spanier, Chriften und auch nicht von jüdifcher 
Herkunft. Indem fie mir ihre Notlage klarlegten, frugen 
fie mich um Rat über den Eintritt in die jüdifche Gemeinde 
und den Übertritt zur jüdifchen Religion. Ich riet ihnen 
von diefem Schritt ab, fie möchten bleiben, was fie wären, 

25 denn fie wüßten nicht, welches Joch fie fich auf den Nak- 
ken legten. Dabei erfuchte ich fie, den Juden nichts von 
unferer Unterredung zu fagen, was fie auch verfprachen. 
Diefe Schurken verrieten alles, auf fchändlichen Gewinn 
erpicht, den fie fich zum Dank dafür verfprachen, an 

30 meine lieben Freunde, die Pharifäer. Sofort traten die 
Vorfteher der Synagoge zufammen, die Rabbiner ent- 
brannten vor Zorn, und die zügellofe Menge tobte: kreu- 
zige, kreuzige ihn! Man berief mich vor den großen Rat, 
hielt mir, was man gegen mich hatte, mit dumpfer, trau- 

9* 



132 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

riger Stimme vor, als ginge es ums Leben, und verkündete 
fchließlich, ich müffe, wenn ich Jude wäre, ihr Urteil 
erwarten und erfüllen ; andernfalls müffe man mich wieder 
excommuni eieren. O ihr vortrefflichen Richter, die ihr 
wohl Richter feid, um mir zu fchaden; wenn ich aber 5 
euren Rechtsfpruch brauchte, um mich gegen einen 
Gewaltact zu fchützen und vor Schaden zu wahren, dann 
feid ihr keine Richter, fondern die feilen Knechte eines 
fremden Willens, und das nennt ihr einen Rechtsfpruch, 
und verlangt, daß ich ihm gehorche? Dann las man eine 10 
Schrift vor, in der ftand, ich mülTe in Trauerkleidern in 
die Synagoge kommen, eine fchwarze Kerze in der Hand, 
und gewiffe von ihnen vorgefchriebene, höchft fchmach- 
volle Worte in öffentlicher Verfammlung herfagen, in 
denen die von mir begangenen Vergehen als himmel- 15 
fchreiend hingeftellt wurden. Danach follte ich mich in 
der Synagoge öffentlich mit einer Ledergeißel oder einem 
Stock geißeln laffen, dann mich auf die Schwelle der 
Synagoge hinftr ecken, damit alle über mich hinweg- 
fchritten, und obendrein an beftimmten Tagen faften. 20 
Nachdem ich die Schrift gelefen hatte, kochte es in mir 
und ein unauslöfchlicher Zorn durchloderte mich. Ich be- 
herrfchte mich indes und erwiderte einfach, ich könne 
etwas derartiges nicht erfüllen. Nachdem he meine Ant- 
wort vernommen, befchloffen fie, mich wiederum aus der 25 
Gemeinde auszufchließen, und nicht damit zufrieden fpien 
mich viele an, wenn fie auf der Straße an mir vorüber- 
gingen, ebenfo auch ihre Kinder, von ihnen angelernt. 
Bloß gefteinigt wurde ich nicht, weil ihnen dazu dieMöglich- 
keit fehlte. Diefer Kampf dauerte wieder heben Jahre lang, 3° 
eine Zeit unglaublicher Leiden für mich. Zwei Fronten 
kämpften wie gefagt gegen mich, die eine das Volk, die 
andere die Verwandten, die meine Schande fuchten, um 
fich an mir zu rächen. Sie ruhten nicht eher, als bis fie 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 133 

mir den Boden unter den Füßen weggezogen hatten. Sie 
Tagten nämlich unter fich : er wird nichts tun, wenn er 
nicht gezwungen wird, und gezwungen muß er werden. 
Lag ich krank, dann lag ich allein krank. Drückte mich 
5 irgend eine andere Laft, fo begrüßten fie es als etwas 
höchft Erwünfchtes. Sagte ich, es folle aus ihrer Mitte 
ein Richter beftellt werden, um zwifchen uns zu richten, 
kein Gedanke daran. Vor der Obrigkeit darüber Klage zu 
führen, wie ich anfänglich auch verfuchte, war fehr fchwie- 

10 rig ; denn es bedeutet einen weiten Weg, den Prozeß vor Ge- 
richt durchzuführen, ein Weg, der abgefehen von vielen 
anderen Laften mit gar manchen Verzögerungen und Ver- 
tagungen verbunden ift. Öfters fagten jene: „Unterwirf Dich 
uns, wir find ja alle Priefter ; du darfft nicht glauben oder 

15 fürchten, daß wir fchimpflich mit dir verfahren werden. 
Sag nur endlich einmal, du feieft bereit, alles zu erfüllen, 
was wir dir auferlegt haben, und überlaß uns dann alles 
weitere, und wir werden fchon alles machen, wie es recht 
ift." Und obwohl gerade das in Frage ftand, und obwohl 

20 eine folche mit Gewalt erzwungene Unterwerfung und 
Wiederaufnahme eine große Schande für mich war, über- 
wand ich mich felbft, um der Sache ein Ende zu ma- 
chen und den Ausgang felbft zu erleben, feft entfchloffen, 
alles, was fie nur wollten, anzunehmen und zu ertragen. 

25 Denn wurde mir Schmach und Schande zugemutet, dann 
rechtfertigte es noch mehr meine Sache gegen fie felbft, 
und es käme an den Tag, welche Gefmnung fie gegen mich 
hegten und wie es bei ihnen um Treu und Glauben be- 
ftellt fei. Und wirklich kam es an den Tag, wie fchändlich 

30 und abfcheulich der Charakter diefes Volkes ift, das mit 
Männern von Ehre fo fchändlich umfpringt, als ob fie die 
gemeinften Sklaven wären. ,,Gut u , fagte ich, ,,ich will 
alles erfüllen, was ihr mir auferlegen werdet Jetzt fchenkt 
mir eure Aufmerkfamkeit, alle, denen Ehrgefühl, Ein- 



134 Ein Beispiel menschlichen Lebens 



ficht und Menfchlichkeit eigen ift, und überlegt wieder und 
wieder mit gefpannter Aufmerksamkeit, was für ein Urteil 
jene gegen mich vollftreckt haben, Privatleute, Unter- 
tanen einer fremden Macht, ohne jedes Verfchulden von 
meiner Seite. 5 

Ich trat in die Synagoge ein, die voll von Männern und 
Frauen war ; denn fie waren zu dem Schau fpiel zufammen- 
geftrömt. Sobald es an der Zeit war, beftieg ich die Holz- 
eftrade, die für die Predigt und andere gottesdienftliche 
Handlungen mitten in der Synagoge ift, und las mit lauter 10 
Stimme eine von ihnen aufgefetzte Schrift, in der meine 
Beichte enthalten war: ich fei wert, taufendfachen Todes 
zu fterben für das, was ich begangen, nämlich Sabbath- 
fchändung, Untreue gegen den Glauben, den ich fo fchwer 
verletzt, daß ich fogar anderen den Eintritt ins Judentum 15 
widerraten hätte; zur Sühne wolle ich mich ihrer Ver- 
fügung unterwerfen und alles erfüllen, was man mir auf- 
erlegte ; im übrigen verfpräche ich, in derartige Frevel und 
Verbrechen nicht mehr zurückzufallen. Nach dem Lefen 
ftieg ich von der Eftrade herab, und der Vorfitzende der 20 
Gemeinde trat an mich heran, um mir ins Ohr zu flüftern, 
ich möge mich in irgend einen Winkel der Synagoge 
ftellen. Ich begab mich in einen Winkel, worauf mir der 
Synagogendiener fagte, ich folle mich entblößen. Ich 
entblößte meinen Leib bis zum Gürtel, band mir ein Tuch 25 
um den Kopf, legte die Schuhe ab und ftreckte die Arme 
aus, indem ich mit den Händen eine Art Säule erfaßte. 
Der Synagogendiener kam herzu und band mir die Hände 
mit Stricken an jene Säule. Hierauf kam der Vorfänger 
herzu und nachdem er eine Lederpeitfche erhalten, ver- 30 
fetzte er mir der Tradition gemäß neununddreißig Schläge 
an die Seiten, denn das Gefetz beftimmt, die Zahl vierzig 
nicht zu überfchreiten, und da diefe Leute fo gewiiTenhaft 
und genau find, nehmen fie fich in Acht, durch Über- 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 135 



fchreitung der Zahl (ich zufällig einmal zu verfündigen. 
Während der Schläge wurde ein Pfalm gefungen. Nach- 
dem das erfüllt war, fetzte ich mich auf den Boden, der 
Prediger oder Weife (wie lächerlich find doch die menfch- 
5 liehen Dinge) kam zu mir und löfte mich von dem Bann, und 
damit war mir fchon die Pforte des Himmels aufgetan, die 
vorher mit den ftärkften Riegeln verfchloiTen war und mich 
von Schwelle und Eingang ausgefchloffen. Danach legte 
ich meine Kleider wieder an, ging zur Schwelle der Syna- 

10 goge und ftreckte mich dort nieder, während der Syna- 
gogendiener meinen Kopf ftützte. Dann fchritten alle 
beim Ausgang über mich hinweg, indem fie den einen 
Fuß erhoben und über meine Unterfchenkel hinweg- 
fchritten, und alle taten es, Knaben wie Greife (kein 

15 Affe könnte den Menfchen ein abgefchmackteres Trei- 
ben oder lächerlichere Geften vorführen). Nachdem das 
Gefchäft verrichtet und als niemand mehr da war, 
erhob ich mich vom Platze, wurde von dem, der mir 
beiftand, vom Staub gereinigt (niemand foll fagen, fie 

20 hätten mich nicht ehrenvoll behandelt, denn wenn ße 
mich auch erft geißelten, fo beklagten fie mich doch 
und ftreichelten mein Haupt), und ich begab mich 
nach Haufe. Ihr fchamlofeften unter allen Menfchen! ihr 
fluchwürdigen Priester, von denen nichts Häßliches zu be- 

25 fürchten war! ,,Wir follten dich fchlagen ?" fagtenfie, ,,fern 
fei jeder Gedanke daran." Urteile nun jeder, der es ver- 
nommen, was für ein Schaufpiel es ift, einen alten Mann 
zu fehen, von nicht geringer Herkunft , von Natur überaus 
f chamhaft, in öffentlicher Verfammlung vor allen, Män- 

30 nern, Frauen und Kindern entblößt und gegeißelt auf das 
Geheiß von Richtern, und zwar von Richtern, die eher 
verächtliche Sklaven find als Richter. Er überlege, was 
für ein Schmerz, den wütendften Feinden zu Füßen zu 
fallen, von denen man fo viel Übel, fo viel Unrecht er- 



136 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

fahren hat, und fich niederzuwerfen, um fich von ihnen 
mit Füßen treten zu laffen. Er bedenke (was noch fchlim- 
mer ift, ja ein widernatürliches Wunder, eine entfetzliche 
Ungeheuerlichkeit, vor deren Anblick und deren Abfcheu- 
lichkeit einem geradezu graut und fchaudert) : meine 
eignen leiblichen Brüder, von gleichem Vater und gleicher 
Mutter erzeugt, im gleichen Haufe mit mir erzogen, haben 
auf diefes Ziel mit aller Kraft hingearbeitet, uneingedenk 
der Liebe, die ich ihnen ftändig erwiefen — denn fo war es 
mir eigen und angeboren — , und uneingedenk der vielen 
Wohltaten, die fie zeitlebens von mir empfangen hatten, 
für die ich ftatt Erkenntlichkeit Schmach, Schaden, Übel 
erntete, fo unfäglich fchimpflich, daß ich mich fchäme, es 
zu berichten. 

Meine nicht genug zu verabfcheuenden Widerfacher be- 
haupten, fie hätten mich mit Recht geftraft zum Exempel 
für andere, damit nicht noch einmal einer es wage, fich 
ihren Verordnungen zu wider fetzen, und gegen die Weifen 
zu fchreiben. Ihr fchurkifchften Menfchen, fähig zu jeder 
Lüge! Wie viel mehr Recht hätte ich, euch zum Exempel 
zu ftrafen, damit ihr euch nicht noch einmal derart gegen 
Männer erfrecht, die die Wahrheit lieben, den Betrug 
haffen, und ohne Unterfchied dem ganzen Menfchen- 
gefchlechte freund find, deíTen gemeinfame Feinde ihr 
feid, da ihr alle Völker für nichts achtet und fie dem 
Vieh gleichftellt, euch allein aber dreift in den Himmel 
hebt, indem ihr euch mit euren eigenen Lügen 
fchmeichelt, während ihr doch nichts habt, deffen ihr 
euch wirklich rühmen könntet, außer etwa es wäre 
euer Ruhm, heimatlos zu fein, von allen verachtet 
und gehaßt wegen eurer lächerlichen und gefuchten 
Bräuche, durch die ihr euch von den übrigen Menfchen 
abfondern wollt. Denn wenn ihr in der Einfachheit des 
Lebens und der Gerechtigkeit euren Ruhm fuchen wolltet, 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 137 



dann wehe euch, da ihr ganz offenfichtlich darin hinter 
vielen zurückfteht. Ich fage alfo: ich hätte das Recht 
gehabt, wenn ich die Kraft dazu gehabt hätte, an ihnen 
Rache zu nehmen für das harte Leid und das graufame 
5 Unrecht, mit dem fie mich überhäuften und wegen deffen 
mir mein Leben verhaßt worden ift. Denn welcher Mann 
von Ehrgefühl ertrüge es willig, ein fchmachbedecktes 
Leben zu leben ? Und wie jemand gut gefagt hat : ent- 
weder recht zu leben oder in Ehren zu fterben ziemt dem 

10 Edlen. Um fo viel gerechter aber ift meine Sache als die 
ihrige, als die Wahrheit iich über die Lüge erhebt. Jene 
ftreiten für die Lüge, um die Menfchen einzufangen und zu 
Sklaven zu machen, ich aber für die Wahrheit und die 
natürliche Freiheit der Menfchen, denen es mehr ziemt, 

15 von trügerifchem Aberglauben und eitlen Ceremonien frei 
ein menfchenwürdiges Leben zu führen. Ich gebe zu, 
beffer wäre es für mich gewefen, hätte ich von Anfang an 
gefchwiegen, hätte die Dinge gelten laffen, wie fie nun ein- 
mal in der Welt find, und hätte lieber den Mund gehalten. 

20 So müffen es die machen, die unter den Menfchen leben 
wollen, wenn fie nicht wie gewöhnlich von der unwiffenden 
Menge oder von ungerechten Tyrannen unterdrückt wer- 
den wollen : jeder ift ja nur auf feinen Vorteil bedacht und 
beftrebt, die Wahrheit zu unterdrücken, legt den Schwa- 

25 chen Schlingen und tritt die Gerechtigkeit mit Füßen. 
Dennoch, nachdem ich unvorfichtig genug war, getäufcht 
durch eine nichtige Religion mich mit ihnen in Kampf ein- 
zulaufen, ift es beffer, rühmlich zu erliegen oder wenigftens 
ohne den Kummer zu fterben, der bei Männern von Ehre 

30 eine fchmähliche Flucht oder eine törichte Nachgiebigkeit 
begleitet. 

Jene pflegen die Menge für fich geltend zu machen. „Du, 
ein einzelner, mußt uns, den vielen, weichen/' Freunde, 
es ift zwar vorteilhaft, daß einer den vielen weicht, um 



138 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

nicht von ihnen zerriffen zu werden, aber nicht alles, was 
vorteilhaft ift, ift ohne weiteres auch fchön. Schön ift es 
wahrhaftig nicht, in Schmach das Feld zu räumen und 
der Gewalt und Ungerechtigkeit den Triumph zu laffen. 
Ihr müßt mir alfo zugeftehen, daß es mannhaft und lobens- 5 
wert ift, den Übermütigen Wider ftand zu leiften, foviel man 
kann, damit nicht die Böfewichte, die aus ihrer Schurkerei 
Gewinn ziehen, von Tag zu Tag noch übermütiger werden. 
Zwar ift es fchön und eines rechten, edlen Mannes würdig, 
ein Geringer mit den Geringen, mit den Lämmern ein 10 
Lamm zu fein; töricht aber ift es, und dem Schimpf und 
Tadel ausgefetzt, wenn man mit Löwen im Streite die 
Sanftmut eines Lammes zeigt. Wird es zum Schönften 
gerechnet, für das Vaterland zu fallen, weil das Vaterland 
ein Teil unferes Selbft ift, wie follte es da nicht fchön fein 15 
für die eigene Ehre, die doch ganz eigentlich unfer ift, und 
ohne die wir nicht wahrhaft leben können, wollen wir uns 
nicht wie die fchmutzigften Schweine im fchmutzigften 
Kot unferer Gewinnfucht wälzen. 

Freilich, die Elenden, die mit mir ihren Spott treiben, 20 
leiten ihr Recht allein von der Menge her, indem fie fagen : 
,,was vermagft du als einzelner gegen fo viele ?" Ich geftehe 
es voll Schmerz, daß ich von eurer Menge erdrückt wor- 
den bin, und doch lodert der Zorn bei diefen Gedanken 
und bei euren Reden heftiger in mir und fchreit es in die 25 
Welt hinaus : fchlecht ift es, fchlechten, übermütigen, hals- 
ftarrigen und verftockten Menfchen mit Güte zu begegnen. 
Nur eines habe ich gefagt: mir fehlt die Kraft. 

Ich weiß, meine Gegner fagen immer wieder, um meinen 
Ruf bei dem ungebildeten Volke zu zerfetzen: ,,er hat gar 30 
keine Religion, ift weder Jude, noch Chrift, noch Muham- 
medaner". Bedenke, Pharifäer, was du redeft. Du bift ja 
blind, und wenn du auch von Bosheit Überfließeft, rennft du 
doch wie ein Blinder gegen die Mauer. Sag mir doch bitte : 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 139 



wenn ich ein Chrift wäre, was hätteft du dann gefagt ? Es 
liegt auf der Hand, du hätteft gefagt, ich fei der fchänd- 
lichfte Götzendiener und werde mitfamt Jefus, dem Naza- 
rener, dem Lehrer der Chriften, vom wahren Gotte, von 
5 dem ich abgefallen bin, meine Strafe erhalten. Wenn ich 
Muhammedaner wäre, weiß doch jeder, mit welchen Ehren 
du mich überhäufen würdeft. Und fo könnte ich deiner 
Zunge niemals entgehen und meine einzige Ausflucht 
bliebe, mich vor dir auf die Knie zu werfen und deine 

10 elenden Füße zu küffen, ich meine deine ruchlofen und 
fchändlichen Einrichtungen. Kläre mich doch bitte ein- 
mal darüber auf : kennft du denn keine andere Religion 
als die erwähnten, von denen du die beiden letzten für 
unächt erklär ft und nicht eben Religionen, fondern Abfall 

15 von der Religion titulierft? Da höre ich dich zugeben, daß 
du doch noch eine Religion kennft, die wirklich Religion 
ift und durch die die Menfchen Gott wohlgefällig fein 
können. Wenn nämlich alle Völker, mit Ausnahme der 
Juden (ihr müßt euch ja immer von den anderen abfon- 

20 dern, um nicht mit Gemeinen und Niedrigen in Verbin- 
dung gebracht zu werden), die heben Gebote halten, die, 
wie ihr fagt, Noah, und die anderen vor Abraham gehalten 
haben, dann genügt es für ihr Heil. Es gibt alfo doch nach 
eurer eigenen Meinung eine Religion, zu der ich mich 

25 bekennen darf, auch wenn ich von jüdifcher Abkunft bin. 
Darum bitte ich euch inftändig : laßt mich jener anderen 
Schar mich gefeilen, oder wenn ihr es mir nicht erlauben 
wollt, dann will ich mir felbft die Freiheit nehmen. O blin- 
der Pharifäer, der du jenes Gefetz vergeffen haft, das doch 

30 das urfprüngliche ift und von Anfang an war und immer 
fein wird. Immer nur fprichft du von anderen Ge fetzen, 
die erft fpäter entftanden find und die du felbft verdammft, 
das deinige ausgenommen, über das doch andere, du magst 
wollen oder nicht, ihr Urteil fällen auf Grund der geraden 



i4o Ein Beispiel menschlichen Lebens 

Vernunft, die die wahre Norm jenes natürlichen Gefetzes 
ift, das du vergeffen haft und gerne begraben möchteft, 
um dein fchweres und abfcheuliches Joch den Menfchen 
auf den Nacken zu legen, und fie um die gefunde Vernunft 
zu bringen, daß fie Wahnwitzigen gleichen. 5 

Da wir aber darauf gekommen find, möchte ich 
dabei ein wenig verweilen und die Vortrefflichkeit 
diefes urfprünglichen Gefetzes nicht ganz mit Still- 
fchweigen übergehen. Ich fage alfo, daß diefes Gefetz 
allen Menfchen gemeinfam und eingeboren ift, eben 10 
weil fie Menfchen find. Es verbindet alle miteinander 
in gegenfeitiger Liebe, fremd der Zwietracht, die allen 
Haffes und der fchlimmften Übel Urfache und Wurzel 
ift. Es lehrt uns, recht zu leben, fcheidet zwifchen 
gerecht und ungerecht, zwifchen häßlich und fchön. Was 15 
immer das mofaifche Gefetz oder irgend ein anderes an 
Gutem enthält, fchließt das Naturgefetz alles in vollkom- 
mener Form in fich, und wenn man auch nur ein wenig 
von diefer natürlichen Norm abweicht, entfteht fogleich 
Streit, tritt fogleich Zwietracht der Gemüter ein, und 20 
man kommt zu keiner Ruhe mehr. Wenn man aber weit 
davon abweicht, wer vermöchte dann noch die entfetz- 
lichen Übel und Ungeheuerlichkeiten aufzuzählen, die 
diefer Verfälfchung Entftehung und Wachstum verdan- 
ken? Was ift das befte im mofaifchen Gefetz oder in 25 
irgend einem anderen, im Hinblick auf die menfchliche 
Gefellfchaft, damit die Menfchen gut miteinander leben 
und fich gut vertragen? Sicherlich ift es das erfte, die 
Eltern ehren, dann fich nicht an fremdem Gut vergreifen, 
mag es fich ums Leben, um die Ehre oder um andere fürs 30 
Leben nützliche Güter handeln. Was von alledem, frage 
ich, ift nicht fchon im Naturgefetz und der dem Geifte 
innewohnenden rechten Norm befchloffen? Von Natur 
aus lieben wir unfere Kinder, lieben die Kinder die Eltern, 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 141 



der Bruder den Bruder, der Freund den Freund. Von 
Natur aus wollen wir alles, was unfer ift, unverfehrt erhal- 
ten, und haffen diejenigen, die unferen Frieden ftören, die 
uns das unfrige mit Gewalt oder Lift nehmen wollen. Aus 

5 diefem unferen natürlichen Willen folgt offenbar die Er- 
kenntnis, daß wir nicht felbft das begehen dürfen, was wir 
bei anderen verdammen. Denn wenn wir andere verdam- 
men, weil fie iich an unferem Belitz vergreifen, verdammen 
wir auch uns felbft, wenn wir uns am fremden vergreifen. 

10 Und fieh da, fchon haben wir ohne Mühe die Hauptfache 
in jedem Gefetz. Was die Speifen angeht, fo wollen wir 
das den Ärzten überlaffen, denn die werden uns am paf- 
fendften darüber belehren, welche Speife uns heilfam und 
welche hinwieder uns nachteilig ift. Was aber das andere 

15 Ceremoniell angeht, die Riten, Vorfchriften, Opfer, Zehn- 
ten (ein rechter Betrug, damit ein Müßiggänger von frem- 
der Arbeit leben kann), fo können wir es nicht laut genug 
beklagen, daß wir durch menfchliche Schlechtigkeit in fo 
viele Labyrinthe geraten find. Die wahren Chriften, die 

20 das erkannt haben, find jeden Lobes wert, daß fie all das 
beifeite gefchoben und bloß das zurückbehalten haben, 
was moralifch zu rechtem Leben gehört. Wir leben nicht 
recht, wenn wir viele Nichtigkeiten beobachten, fondern 
nur dann, wenn wir vernunftgemäß leben. 

25 Vielleicht fagt man, das mofaifche oder evangelifche 
Gefetz enthielte etwas Erhabeneres und Vollkommeneres, 
nämlich das Gebot, unfere Feinde zu lieben, wovon das 
natürliche Gefetz nichts weiß. Darauf erwidere ich, wie 
ich fchon oben getan : wenn wir von der Natur abweichen 

30 und etwas Größeres erfinden wollen, entfteht fofort Streit 
und die Ruhe wird geftört. Was nützt es, wenn mir 
Unmögliches befohlen wird, das ich nicht zu erfüllen ver- 
mag? Nichts Gutes weiter kann daraus folgen, nur feeli- 
fche Bedrängnis, wenn wir feftftellen, daß es von Natur 



142 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

aus unmöglich ift, den Feind zu lieben. Allerdings iftes von 
Natur aus nicht völlig unmöglich, den Feinden wohlzutun 
(was auch ohne Liebe gefchehen kann), weil der Menfch, 
allgemein genommen, zu Pietät und Barmherzigkeit eine 
natürliche Neigung beiitzt. Wir können alfo durchaus 5 
nicht leugnen, daß eine folche Vollkommenheit im Natur- 
gefetz begriffen ift. 

Sehen wir nun zu, welche Übel entftehen, wenn man 
vom natürlichen Gefetze ftark abweicht. Zwifchen Eltern 
und Kindern, Brüdern und Freunden, fagten wir, beftehe 10 
ein natürliches Band der Liebe. Diefes Band löft und 
zerreißt das poiitive Gefetz, mag es das Gefetz des Mofes 
fein, oder irgend eines anderen, fobald es vorfchreibt, daß 
Vater, Bruder, Gatte, Freund den Sohn, Bruder, Gatten, 
Freund um der Religion willen töte oder verrate. Ein 1 S 
folches Gefetz verlangt etwas Größeres und Erhabeneres, 
als daß Menfchen es zu erfüllen vermöchten, und würde es 
erfüllt, dann wäre es das größte Verbrechen wider die 
Natur : denn die Natur weift alles das mit Abfcheu zurück. 
Aber was brauche ich das zu erwähnen, wenn bei den 20 
Menfchen ein folches Maß des Wahnfinns möglich war, daß 
fie ihre eigenen Söhne den Götzen, die fie törichterweife 
verehren, als Brandopfer dargebracht haben, wobei fie 
f o weit von jener natürlichen Norm abweichen und ihre 
natürlichen Vatergefühle beflecken. Wieviel erquickender 2 5 
wäre es, wenn die Menfchen fich in den natürlichen Gren- 
zen gehalten hätten und niemals auf fo abfcheuliche Er- 
findungen gekommen wären ? Was foll ich fagen von den 
furchtbaren Schrecken und Ängften, in die Menfchen in 
ihrer Schlechtigkeit andere Menfchen hineingejagt haben? 30 
Ein jeder wäre frei von ihnen, wenn man bloß auf die 
Natur hören wollte, die von alledem nicht das Geringfte 
weiß. Wie viele gibt es, die an ihrem Heile verzweifeln? 
Die unter der Herrfchaft aller möglichen Meinungen Mar- 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 143 



tyrien auf iich nehmen ? Die aus freien Stücken ein ganz 
elendes Leben führen, ihren Körper elend zerfleifchen, 
Einfamkeit und Einöde fern von aller menfchlichen Gefell- 
fchaft auffuchen, ftändig von Seelenqual gepeinigt, wobei 
5 fie alle die Übel, die fie für die Zukunft fürchten, fchon in 
der Gegenwart erleiden. Diefe und zahllofe andere Übel 
hat eine falfche, von den Menfchen in ihrer Schlechtigkeit 
erfundene Religion über die Sterblichen gebracht. Bin 
ich nicht f elber einer von den vielen, der von folchen 
10 Betrügern aufs fchlimmfte hintergangen wurde und der 
durch den Glauben an fie zugrunde ging? Ich fpreche aus 
Erfahrung. 

Dagegen fagen fie, wenn es kein anderes Gefetz gäbe 
als das Naturgefetz und wenn die Menfchen nicht an ein 

l S anderes, künftiges Leben glaubten, und die ewigen Strafen 
fürchteten, was follte fie abhalten, ftändig Böfes zu tun? 
Ihr habt folche Erfindungen ausgedacht (vielleicht fteckt 
noch etwas anderes dahinter, denn es ift zu beforgen, daß 
ihr um eures Vorteils willen anderen die Laft habt auf- 

20 erlegen wollen), darin denen ähnlich, die die Kinder zu 
fchrecken Larven erfinnen oder andere graufige Namen 
ausdenken, bis die Kleinen, von Furcht gefchüttelt, den 
eigenen Willen mit Widerftreben und Betrübnis gefangen 
geben und ihrem Willen fich fügen. All das hilft aber 

2 5 nur folange, als das Kind Kind ift; fobald es einmal das 
geiftige Auge aufgetan hat, lacht es des Betrugs und 
fürchtet keine Larven mehr. So ift euer Treiben lächer- 
lich und kann bloß Kindern oder Einfaltspinfeln Furcht 
einjagen ; die anderen aber, die euer Treiben durchfchaut, 

30 verlachen euch. Ich verzichte darauf, hier von der Recht- 
mäßigkeit folchen Betruges zu reden. Habt ihr doch felbft, 
die ihr dergleichen erfinnt, unter euren Rechtsregeln auch 
die, man dürfe nicht Böfes tun, um das Gute herbeizu- 
führen. Vielleicht rechnet ihr es nicht unter das Böfe, 



144 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

andere in fchweres Vorurteil hineinzulügen und fo den 
Geiftesfch wachen Gelegenheit zur Tollheit zu geben. Wenn 
auch nur eine Spur von wahrer Religion oder Furcht in 
euch wäre, dann hättet ihr ohne Zweifel nicht geringe 
Furcht empfinden muffen, als ihr fo viel Unheil über die 5 
Welt gebracht, fo viel Zwift unter den Menfchen erregt, 
fo viel Ungerechtigkeiten und Verruchtheiten ins Werk 
gefetzt habt, daß ihr keinen Anftand nahmt, in verruchter 
Weife Eltern gegen ihre Kinder und Kinder gegen ihre 
Eltern aufzuhetzen. 10 

Eines möchte ich von euch erfahren, nämlich wenn ihr 
das wegen der Bosheit der Menfchen erdichtet, um fie 
durch erdichtete Schreckbilder bei ihrer Pflicht zu halten, 
während fie fonft fchwer zu bezwingen wären, kam es 
euch dabei nicht in den Sinn, daß ihr gleichfalls Menfchen 15 
voll Bosheit feid, die nichts Gutes leiften können, immer 
nur Böfes verrichten, anderen fchaden, gegen niemand 
Mitleiden üben? Ich fehe fchon euren Zorn, weil ich eine 
folche Frage an euch zu ftellen wage, und wie jeder von 
euch voller Eifer die Gerechtigkeit feiner Handlungen 20 
beteuert. Es gibt keinen, der fich nicht für fromm, barm- 
herzig, wahrheits- und gerech tigkeitsliebend ausgäbe. Ent- 
weder aber redet ihr falfch, wenn ihr von euch derartiges 
auspofaunt, oder ihr befchuldigt fälfchlich alle Menfchen 
der Bosheit, die ihr mit euren Larven und erdichteten 25 
Schreckbildern heilen wollt, wobei ihrGott ebenfo fchmäht, 
den ihr in den Augen der Menfchen als den graufamften 
Henker und fchrecklichften Folterknecht hinftellt, wie ihr 
die Menfchen fchmäht, die ihr zu fo kläglichem Elend 
geboren fein laßt, als ob nicht genug an dem wäre, was 30 
jeden im Leben trifft. Aber zugegeben, die menfchliche 
Bosheit ift groß, wie ich felbft anerkenne und wofür ihr 
mir Zeugen feid, denn ihr feid ja von ausnehmender Bos- 
heit, fonft wäret ihr nicht imftande, folche Hirngefpinfte 



Ein Beispiel menschlichen Lebens 145 

zu eriinnen, fo fuchet doch die wirkfamften Heilmittel, die 
ohne noch größere Verletzung diefe Krankheit den Men- 
fchen ein für allemal austreiben, und legt die Larven bei- 
feite, die doch nur auf Kinder und Dummköpfe Eindruck 

5 machen. Wenn aber diefe Krankheit bei den Menfchen 
unheilbar ift, fo gebt die Lügen auf und verfprecht nicht 
wie alberne Ärzte eine Heilung, die ihr doch nicht bewir- 
ken könnt. Begnügt euch damit, unter euch gerechte und 
vernünftige Gefetze aufzuteilen, die Guten zu belohnen, 

10 die Schlechten geziemend zu beftrafen. Befreit alle, die 
Gewalt erleiden, von den gewalttätigen Menfchen, damit iie 
iich nicht darüber beklagen müifen, daß es keine Gerech- 
tigkeit auf Erden gibt, und daß niemand da ift, der den 
Schwachen den Händen des Stärkeren entreißt. Wahr- 

15 haftig, wenn die Menfchen der geraden Vernunft folgen 
wollten und der menfchlichen Natur gemäß leben, dann 
würden alle einander lieben und alle einander Leid tragen 
helfen. Jeder würde das Unglück des anderen nach Kräf- 
ten erleichtern, oder wenigftens würde keiner den anderen 

20 grundlos verletzen. Was dawider gefchieht, gefchieht 
gegen die menfchliche Natur, und vieles gefchieht, weil 
die Menfchen verfchiedene, von der Natur abweichende 
Ge fetze erfunden haben, und weil der eine den anderen 
durch Übeltaten reizt. Viele gibt es, die verftellt einher- 

25 gehen, und fo tun, als ob fie ausnehmend gottesfürchtig 
wären, während fie arglofe Gemüter täufchen, indem fie 
den Deckmantel der Religion mißbrauchen, um einzu- 
fangen, wenn fie können. Man darf fie mit Recht dem 
Dieb bei Nacht vergleichen, der die Schlafenden und 

30 Nichtsahnenden heimlich befchleicht. Eben diefe führen 
gewöhnlich im Munde: ,,ich bin Jude, ich bin Chrift, ver- 
traue mir, ich werde dich nicht betrügen". O ihr fchlimmen 
Beftien! Wer nichts von alledem fagt und iich bloß als 
Menfchen bekennt, ift viel beffer als ihr. Denn wenn ihr 



Da Costa Opera. 



146 Ein Beispiel menschlichen Lebens 

ihm als Menfchen nicht trauen wollt, könnt ihr euch vor 
ihm hüten. Wer aber wird fich vor euch hüten, die ihr in 
dem erlogenen Mantel einer erlogenen Heiligkeit wie der 
Dieb in der Nacht die arglofen Schläfer durch Schlupf- 
löcher überfallt und elend erwürgt? 5 

Über eines wundere ich mich vor allem und es ift auch 
in der Tat zu verwundern : wie können die unter Chriften 
lebenden Pharifäer eine fo große Freiheit genießen, daß 
he fogar Urteile vollftrecken. Und in Wahrheit darf ich 
fagen: wenn heute Jefus von Nazareth, den die Chriften 10 
fo fehr verehren, in Amfterdam predigen wollte, und es 
gefiele den Pharifäern, ihn abermals zu geißeln, weil er 
ihre Überlieferungen bekämpfte und fie der Heuchelei 
ziehe, fo könnten fie es ungehindert tun. Sicher ift es eine 
Schande und darf in einem freien Staate nicht geduldet 15 
werden, der fich rühmt, die Menfchen in ihrer Freiheit 
und in ihrem Frieden zu fchützen, und der fie doch nicht 
gegen das Unrecht der Pharifäer fchützt. Und wenn einer 
keinen Verteidiger und keinen Rächer hat, dann ift es 
nicht zu verwundern, wenn er felbft fich zu verteidigen und 20 
erlittenes Unrecht zu rächen fucht. 

Da habt ihr die wahre Gefchichte meines Lebens ; und 
welche Rolle ich in diefem nichtigen Welttheater gefpielt, 
in meinem nichtigen und unftäten Leben, habe ich 
euch dargeftellt. Nun urteilt gerecht, ihr Menfchen- 25 
kinder, und ohne Leidenfchaft, frei nach der Wahrheit 
fprecht mir das Urteil ; denn fo allein geziemt es Männern, 
die in Wahrheit Männer find. Findet ihr etwas, was euer 
Mitleid wachruft, dann erkennt und beklagt das trau- 
rige Los der Menfchen, an dem auch ihr euer Teil habt. 30 

Damit auch das nicht fehle — mein Name, den ich als 
Chrift in Portugal trug, war Gabriel a Cofta ; bei den Juden 
— o wäre ich niemals zu ihnen gekommen — hieß ich mit 
geringer Änderung Uriel. 



REGESTEN. 



IO' 



/ 



i6o4 — 1608. 

Livro de Matriculas, Coimbra, l. 5,fl. 18, v.° 3. 

Gabriel da Cofta, filho de Bento da Coita, do Porto, 
matriculou-fe em Cânones a 4 novembro de 1604. 

Ibid., I. 6,fl. 10, v.° 

Matriculou-fe em 10 outubre 1605. 

Provas de Curfo, 1605 — 1606, Coimbra, Vol. 7, /. 2, 
fl. 105. 

Gabriel da Cofta, do Porto, curfou 6 de Cânones. 
Ibid., fl. 113 v.° 

Gabriel da Cofta curfou 5 de Cânones. 
Livro de Matriculas, l. ?,fl. 150. 
Matriculou-fe a 15 outubre 1607. 
Ibid. I. 8,fl. 16, v.° 
Matriculou-fe a 12 dezembro 1608. 

* * * 

Matrikelbuch der Univerßtät Coimbra, Buch 5, S. 18 
ver/o 3. 

Gabriel da Cofta, Sohn des Bento da Cofta, aus Porto 
immatriculierte fich für kanonifches Recht am 4. Novem- 
ber 1604. 

Ebend., Buch 6, S. 10 ver/o. 

Er immatriculierte fich am 10. October 1605. 

CurJ us- Prüfungen 1605 — 1606, Coimbra, Bd. 7, Buch 2, 
S. 105. 

Gabriel da Cofta aus Porto befuchte fechs Curfe cano- 
nifchen Rechts. 

Ebend., S. 113 ver/o. 



Regesten 



Gabriel da Cofta befuchte 5 Curfe canonifchen Rechts. 
Matrikelbuch, Buch 7, S. 150. 
Er immatriculierte fich am 15. October 1607. 
Ebend., Buch 8, S. 16 ver/o. 

Er immatriculierte fich am 1 2 . December 1 608 . 5 



1616I17. 

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aaraa nsna ta^ na^t^ naitrn ai^ im 19 nmm 



Regesten 



Tn*n imkti iran« iv nwi unpö p«n s 1 ? iid^ th — 

* * * 

5 ^4 den Schreiben des Rabbiners Leon da Modena . 

An die Vorfteher der hl. Gemeinde in Hamburg betreffs 
eines Ketzers. 

Wir vernahmen zu unferem großen Leidwefen, daß ein 
böfer Geift in einem Manne aus Eurer Gemeinde erftanden 

io ift, der ihn verwirrt, daß er gegen die mündliche Lehre 
und gegen die Worte unferer Weifen Falfches redet, ein 
Sadducäer, Boethufeer oder Qaräer, was er denkt, wiffen 
wir nicht. Es genügt zu fagen, daß er ein vollkommener 
Epikuräer und Gottesleugner ift, da er mit frecher Stirn 

15 gegen die Worte unferer Rabbinen auftritt, auf denen 
doch das Haus Ifraels f eftgegründet ift, überall wo fich 
Ifraeliten zerftreut finden. Seine Worte haben wir ver- 
nommen, die er hierher fchriftlich eingefandt hat, viel 
Torheiten und Einwände gegen jene, wie es ihm in den 

20 Sinn kommt, ohne Grundlage und Beweis, denen bereits 
treifende Antworten entgegengefetzt wurden, denn die 
Wahrheit Spricht aus der Erde. Wir haben alfo Euer Ehr- 
würden folgendes zu fagen : Kommt er zur Vernunft und 
beruhigt fich dabei, fobald diefe gerechten und guten Ant- 

25 Worten ihn erreichen, und er bekennt die Wahrheit, dann 
ift es gut. Verharrt er aber in feiner Wider fpenftigkeit und 
bleibt hartnäckig, fo tun wir ihn fchon von jetzt an in 
Bann im Namen des Gottes Ifraels, excommunicieren ihn, 
verfluchen ihn und jeden, der fein Anhänger ift, indem er 

30 folche Abtrünnigkeit glaubt und ausfpricht, mit der 
Schwere aller Eide und Flüche, die von den Zeiten Mofis 
bis heute auferlegt wurden. Wir beftimmen, daß er und 



152 



Rege STEN 



jeder einzelne von ihnen getrennt und abgefondert fei von 
der ganzen Gemeinde Ifraels in bezug auf alle Gemeinde- 
angelegenheiten, und daß niemand mit ihm verhandeln 
noch fprechen darf, der mit dem Namen Ifraels genannt 
wird, bis jener öffentlich vor der Gemeinde feine böfen 5 
Reden widerruft und von ihr fowohl wie von unferen Rab- 
binen Verzeihung erbittet und es auf iich nimmt, alle 
ihre Worte anzuerkennen und niemals mehr den Mund 
gegen fie auf zu tun, felbft gegen das geringfügigfte Wort, 
das von ihrem Munde oder aus ihren Schriften hervorgeht. i 
Wenn dann Euer Ehrwürden wifíen, daß diefe Entgeg- 
nungen ihn erreichten und Eure Augen fehen, daß er 
nicht reuig eingefteht, indem er alle Worte der münd- 
lichen Lehre anerkennt, und wenn Ihr ferner hört, daß er 
die genannten Angriffe fortfetzt, dann könnt Ihr unferen 15 
Befchluß in Eurer Synagoge veröffentlichen und von da 
an ihn behandeln als in Acht und Bann getan, bis er nach 
dem Urteil Euer Ehrwürden vollkommene Rückkehr zeigt. 

Möge Gott das fteinerne Herz aus unferem Inneren ent- 
fernen, in uns feine Liebe und feine Ehrfurcht fenken, und 20 
möge er Euer Ehrwürden und fein ganzes Volk fegnen 
mit Frieden. 

Führer des Volkes, berühmte Männer, denen Lobes- 
erhebung gebührt, Vorfteher und Beamte, die den oberften 
Sitz in der Gemeinde Hamburg einnehmen. 25 



1616/17. 

Titel der Gegenschrift Leon da Modenas. 
rp in p 

nvi ,wd tps rryn nsn •»mdöi nw e^kö V'tn lya 
iffpm ,vvwn *w rfr« vmteff rm nbm irmos* w n 

i'jniM ^u^n *p piro xbv bwbi 30 



Rege sten 



153 



Schild und Tartjche 

für unfere Weifen vor einem irrenden und thörichten 
Manne, einem Weifen in feinen Augen, ein törichter Mann 
ift fein Name. Er wohnte damals in Hamburg und fchickte 
5 diefe feine Fragen hierher im Jahre 161 6, und es baten 
mich angefehene Sephardim, ihm zu antworten nach 
meinem Sinne, und dem unwürdigen Fragefteller habe ich 
folgendes würdig geantwortet. 



I6l8. 

10 Proclamation der jüdifchen Gemeinde inVenedig. 

^Kiea o^tsn DJWöja nbxn a^jsn nuy bip atijn 

nnn \t anmn maitn ^in a^nn nan a^K 
a^xani a^yi n^iK n*p bvw n 5 ? nnn an miau yatr: 
^ibi ,anba ^sb ia^i anvrm o^n nTnsen 'ib 

I5 u^n asb ^ nmpn aiuan pi nnsoen nws 
eniBon atray nnb m anatai anu nsn anaisi a^nnaa 
abip B/Tbd n^mt? mtíu majr bip a;as .aiia rwa 
innia^ teil IHM nwni tensi tenb n^n^a isin ^ ffnia 
an ikpi •»a n^n animai omni &nn in« wrw Ty 

20 ^sit^ TP^ rtw fiato ™>k V^* s ^ ^ trsim hvew** 
imo y'mtr ^a a,Trm affrr» asm ,mate mwi a^iy an ^ 
in&w •»a nnnn mi ten \pyi> n^iis ^if te nnabi 
im te 1 ? ^ns iNip 1 * ann •pasay irqn mn 1 ? b*mn te 
tei nannD iiat^m an^yn limai roan ^yn amb am 

25 tti? vv pan ps m&a did3 an^yn attfni amma pnnan 
a^san Ian» pbi ,a^pn te imn ip na: annn te 
iniin uii 'i Iii anante nynn bip írya^a amnn by 
iBTsi atk a^ip nsxai vn p ukt np*i vm irsn 
npinai npn p«n wyn rni npbi x 1 ? sin npn 

30 nam nx^bi bpnb a^ait? ayn tei bpbpna inn ^ 
te 5 ? amt? paa Wpfffl tdii nain iy n^mt? msi 



154 



Rege STEN 



rrnnn pwi um pbi rn ömT by ww bbnw 
bs ay irr» imki in« n a^m pi ceton a^aann 
a^:sn itrs imn nie s^i a^ryn ma as annn bsw 
aanibtr mm 1 ? ans ans pb n ay nn^yo n^w nten 
bip «fimpn d^jiö mnö aan^n nrpff}i itt* iprnn 5 
amaina n^Dsn n" 1 ? inyoi K"a«nn nnnntp amm nan "i 
a^sn tivtói nnnnb iam a nbyn i^s iay n^e^Dön 

:V"n Vrm a^pasa w;in 

nfi^ff n:wrin pnw^ naa itpi naa ^ t'äs ntyo 10 
Kimn ^ja Vrmi nmna low t^i ntes^ Tip iw» kVi 
ö/Tto a^rnam an nn yanfi ^ asi ntan 

.V'sy annm v n:n 
^ mnn Wmi inis a^&nna msft csan uruKi 
naa a^no nvp im nr« ^a ya&" ntrs 15 

min sin ipk T»yn ^anbi tois 5 ? nais 5 ? mann mfan 
nrvw nrai pai tyi tew» aib^ nr n\Ti nwia 
mnaa rfi^ umai a^j trpte toi ,anvv a^at^n p 
nana w ^ ^nn^ saa «nnw nt^na 'np tow 
umsem iranp rpa ma^i uanv ai^i írpto n njnn 20 
finiö ra ar ns^rn njD n^fimnn ^n ••Ty* as: .ps 
jaa^pto 1 mvo ns jvöffn na-ian ns noa n"yw 

* * * 

Und nun wurde die Läßerßimme diefer Männer gegen 
fich felbft, die läfterlich reden gegen die Engel Gottes, als 
welche die Weifen find, die die Schriftverfe mündlich er- 25 
klären, in unferem Lande und auch außerhalb vernom- 
men, daß es manche fchlechte und fündhafte Menfchen 
gibt, die die Worte unferer Weifen und ihre Auslegung 
leugnen und gegen ihre Worte mit Gewalt auftreten. 
Hätte fich diefe Ausfatzplage nur in ihrem Innern aus- 30 
gebreitet, hätte fie nur ihren eigenen Sinn berührt, fo 
hätten wir gefchwiegen und uns gefagt : ihr Geift und ihre 



Rege STEN 



155 



Seele wird zugrunde gehen und fie werden genug der 
Strafe haben in diefer und in jener Welt. Jedoch eine 
Stimme der Macht hören wir aus ihrem Munde. Ihre 
Stimme dringt vor gleich einer Schlange, die der Ver- 
5 derber gefchaffen hat zu verderben, und wie eine Pro- 
phetenfchar durchziehen fie die Stadt mit Harfen und 
Cimbeln, jagen dem Nichtigen nach, betrachten ihre 
Worte und Leichtfertigkeiten als erhaben in Ifrael und 
auf allen Straßen fagen he von dem nicht-wahren Gotte : 

10 das find deine Götter, Ifrael ; denn fie fälfchen das Gefetz. 
Als weife wird bei ihnen betrachtet, was den Worten 
unferer Weifen widerfpricht, und ganz Ifrael zum Ärgernis 
reißen fie öffentlich alle Schutzmauern des Gesetzes 
nieder. Alle Worte unferer Weifen betrachten fie als 

15 nichtig und öde, nennen denjenigen, der an iie glaubt: 
Tor glaubt alles. Sie allein halten fich für weife. Wir find 
wie Vieh in ihren Augen, und wer es nicht mit ihnen hält, 
wird von ihnen als Pferd und Maultier ohne Verftand be- 
trachtet. Darob klagen alle voller Jammer, daß eine eitle 

20 Maßfchnur über alle richtigen Maße gelegt fei. Darum 
haben wir, die Unterzeichneten, als wir ihr Kriegs- 
gefchrei gegen Gott und feine Lehrer hörten und ein 
Feuerlodern fahen, gefürchtet, das Feuer griffe vielleicht 
um fich und fände zu feiner Nahrung Dornen, Menfchen, 

25 deren Seele leer ift und die nichts wiifen, und diefe möchten 
Schaden nehmen und die Erde würde, was Gott verhüte, 
kahl und öde ; denn das Gefchlecht ift verderbt und gerne 
hört jedes Erleichterungen. Um unfere Pflicht zu erfüllen, 
müffen wir fie bis zur Verurteilung verfolgen, müffen ihre 

30 Läfterreden aus ihren Zähnen entfernen, damit nicht, was 
Gott verhüte, der Name Gottes durch fie entweiht werde. 
Darum ihr; Horte des Rechtes, Fürften der Thora, wirk- 
liche Weifen und alle die vielen in den verfchiedenen 
Orten zufammen mit allen Brüdern in Ifrael, fo es Euch 



Regesten 



recht ift: da doch die Sache, die jene vertreten, um das 
Volk Gottes zur Sünde zu verleiten, Euch nicht Wohl- 
gefallen kann, so unterftützet uns, Ihr felbft und Eure 
Sendboten, damit wir Feuer anlegen an ihre Nahrung, die 
giftige Ottergalle in ihrem Innern. Die Stimme Gottes 5 
ift voll Kraft und in dem Banne, den der Rafchba und 
feine Folgfchaft, 32 Weife, die mit ihm übereinftimmen, 
befchloffen haben, um in Acht und Bann zu tun alle, 
die nicht an die Worte unferer Weifen glauben. Folgendes 
ift der Wortlaut: Auf Befehl der Oberen, nach dem Aus- 10 
fpruch der Heiligen tun wir fie in Acht und Bann fowohl 
beim himmlifchen als beim irdifchen Gericht: immer tiefer 
mögen fie finken, bis fie vollkommen reuig zurückkehren und 
nicht mehr in ihre Torheit verfallen und keinen Tadel mehr 
auf unfer Gefetz und auf die Weifen, die Verfaß er des 15 
Thalmud werfen. Kehren fie nicht zurück zu Gott von ihrer 
Bosheit, fo follen fie und alle, die fie fchützen, in Acht und 
Bann bleiben. Soweit der Wortlaut. Und wir, die wir auf 
ihn geftützt kommen, erneuern diefen Bann und begreifen 
in den Befchluß ein : jeder, der von einem anderen ein 20 
Wort gegen unfere Rabbinen hört, foll auf Grund er- 
wähnten BefchluiTes gehalten fein, es den Vorftehern und 
Rabbinern der Stadt, in der er wohnt, zur Anzeige zu 
bringen. Das bringt Frieden über Ifrael und feine Weifen. 
Und wer zurückkehrt und iich eines Belferen beiinnt, 25 
wird bei Gott Erbarmen finden, und wir fetzen unfere 
Hoffnung auf Gott, daß er hören laife im Lager Ifraels 
die Stimme des Verkünders einer guten Nachricht für die 
Juden, daß fie von ihrem fchlechten Lebenswandel zu 
unferem Gotte zurückgekehrt find, und daß er fich unferer 30 
wieder erbarmen möge und das Haus unferer Heiligkeit 
und unferes Glanzes wiederaufbauen. Amen. 

Dies fprechen aus die Geringften der Schafe, die hier 
unterzeichnen, Venedig, Dienstag den 14. Auguft 16 18 



Regesten 157 

im Wochenabschnitt den Segen, wenn ihr höret auf die 
Gebote eures Gottes. 

Vor 1623. 

Feuille d'un livre de contribution de la communauté port. 
5 ifraél. à Amsterdam. 

Os Sflors Irmãos q firmarão e refeberão Mefeberah e não 
hão pago ategora e ficão em Rol: Ao s Jeuda fegnhor: 
para cobrar de les fão os fegintes 

148 Vriel da Cofta 



S 



10 Blatt aus einem Beitragsbuch der port.-ifrael. Gemeinde 
in Amflerdam. 

Die Herren Brüder, die unterzeichnet und Mefeberah 
empfangen haben und die bisher noch nicht gezahlt haben 
und in der Lifte bleiben : für Herrn Jeuda Segnhor, um 
15 von ihnen einzutreiben, find die folgenden: 
148 Vriel da Cofta. 



1622. 

Opgave van per Jonen, op het Beth-Haim te Ouderkerk 
begraven, volgens het regißer, aangelegd door Daniel Tenório 
20 (eerße adminißrateur van wege de gemeente Newê-Sjalom), 
gecopiêerd door Abraham Farrar (adminißrateur van wege 
de gemeente Beth- Jahacob ) en ver der bijgehouden door hem 
en volgende adminißrateurs . 

A° 5383 Tebet Sara da Cofta, mulher de Gabr.da Cofta. 
* * * 



158 



Regesten 



Lifte der auf dem Friedhof Beth-Chajim zu Ouderkerk be- 
flatteten Perforiert, angelegt von Daniel Tenório (dem erflen 
Verwalter feitens der Gemeinde Neweh-Schalom) , von Abra- 
ham Farrar ( Verwalter feitens der Gemeinde Beth- Jahakob ) 
copiert und von ihm und den folgenden Verwaltern weiter 
geführt. 

Im Jahre 1622 December Sara da Cofta, Frau des 
Gabr. da Cofta. 



1623. 

Tratado da Immortalidade: 

Da alma Compoßo polo Doutor Semuel da filua, em que 
também fe moftra a ignorância de certo contrariador de nojfo 
tempo que entre outros muytos erros deu nefle delírio de ter 
para fi & publicar que a alma de homem acaba juntamente 
com o corpo. A Amfterdam, Impreso em cafa de Paulo de 
Raveßeyn. Anno da criacaõ do mundo 5383. 

[Pag. 3] Ao benigno Leitor. 

Coftume he vfado nas cidades politicas degradar os 
empeftados, ou polomenos trãcarlhes as portas, & vedar- 
lhes o commercio, & ynda para preferuar os faõs ordenar 
defeníions contra a peite : & fenaõ os ares fe corrompem, 
o mal fem fer fentido vai laurando, & quando menos fe 
imagina leua as cidades, & as vezes prouincias inteiras. 
Pois tendo oje entre nos hum pior que empeftado ja que 
pareceo bem fazelo degradar, agora fera conueniente pre- 
uenir & ordenar triaga contra a peçonha que vai vomi- 
tando, de que he bem nos precatemos, & temamos pois 



Rege sten 



159 



com o nome de yudeo & capa de fingidas virtudes & 
modeftia poderia ir deftruindo & contaminando alguns 
íingelos & pouco acautelados ânimos, em quem dezeja & 
procura imprimir as falfas & reprouadas opinions em 
5 que anda ; & aos tais fo pretendemos efpertar & aduertir 
porque nam periguem fe por ventura em algum tempo, 
ou lugar vierem ao trato, ou companhia defte hypocrita, 
ou doutros tais monftros, que yndaque raramente, toda 
via alguãs vezes degeneram de feus paes. Pois vendo, & 

10 notando o discurfo das coufas defte homem que nam 
nomeyo por honra do fangue donde pro-[4] cede, yndaque 
elle o nam merece pola foltura & foberba com que fala, 
olhando as diffimulacions & enganos com que por algum 
tempo frequentou noffas congregaçoins fingindo eftar polas 

15 fantas ordés & eftatutos delias, & os termos com que 
começou a dar moftras do veneno que trazia, & como 
chegado à proua nam duuidou dar papel de fua maõ & 
o deu negando nelle a tradiçam & ley de boca dada por 
Deus à Mofeh en monte Synai, na qual confifte a verda- 

20 deira declaraçam da ley efcrita, dizendo que fam fingi- 
mentos & falfidades, & que a ley nam ha mifter tal expli- 
cação, & que elle, & outros como elle a podem dar : affir- 
mou que os dinim porque fe gouernou & gouerna Yfrael 
foram tudo inuençoís de homés ambiciofos & malinos: 

25 repugnou o modo aprouado & vfado da circumcifam, 
gracejou das condicoís de fazer & vfar os thephilim & 
mezuzah, publicou por grande maldade celebrar dous 
dias de Pafchoa mandando a ley celebrar fo hum, nam 
admitiu a legitima rezam que para iffo tiueram prophetas 

30 & varões fantos na primeira & fegunda caza ; deuffelhe 
pouco de ouuir que a ley daua lugar a fazer contra din 
quando os que tinham authoridade viffem que a coufa, 
& a hora o pedia como fez Elyahu Reys. 1. cap. 18. 
facrificando no monte carmel contra ley que manda que 



i6o 



Regelten 



so no templo fanto fe faça facrificio: como fez Guiddon 
juyz. 8. mandando matar varoins de penuel por lhe nega- 
rem paõ para feus foldados, nam auendo ley que por tal 
mande matar homés. Naõ faltarão amigos, & Ze- [5] lofos 
de feu bem que lhe pedirão & amoeftaraõ huã & muytas 5 
vezes tornaffe ao caminho que deuia muytos efcritos, de 
homés fabios lho moftrauam, muyto fe trabalhou por naõ 
chegar a rigor, naõ baftou nada, & ynda affi fe procedeu 
com toda a brandura a que o feo cafo deu lugar confen- 
tindo que íicaffe na terra por ver fe tornaua em contriçam 10 
& emenda de feus erros : mas em lugar diíTo vi eu & viraõ 
outras peffoas dos noffos efcritos de fua maõ de tantos 
efcandalos & infolencias que com rezaõ pudéramos rasgar 
as veftiduras como faziaõ & devem fazer os bõs yudeus 
quando ouuem blasfemar o nome do fnòr pois quando 15 
menos dis que todo Yfrael faz culto eftranho, o qual eile 
dezeja deftruir, como deftruyo, Guiddon a ara de Bahal; 
& a ifo ajunta o que era proprio de quem tal diffe que 
he naõ ter temor de Deus nem ter alma, que tanto monta 
como nam nacer pois dis que a alma do homem he mortal 2 o 
& corruptiuel, & que acaba juntamente com o corpo 
affi como as almas dos caualos & dos mulos em quem 
naõ ha entendimento. Beftial, & injuriofa opinião, que 
nos obriga a prouar a immortalidade da alma, yndaque 
nos parece impofíiuel que efte mal fe pegue a nenhum 25 
verdadeiro yudeu ; toda via por que affi como ouue hum 
poderá auer outros que fe deixem leuar por ignorância, 
ou foberba como fez efte, moftraremos primeiro a verdade, 
& defpois refutaremos as falfas rezois em contrario : & tu 
amigo & bem zelofo leitor coníiderãdo tudo com teu bom, 30 
& desintereffado juyzo abraçandote fo com a verdade [6] 
& ley fanta do fenor dame credito no que agora digo, que 
para tomar efte trabalho entre as mais caufas me moueu 
& moue muyto o dezejo de tornar ao grémio efta ouelha 



Regesten 



i6i 



desgarrada & perdida em cuja reftauraçaõ te peço que 
de tua parte te empregues & ajudes com todas tuas forças 
afíi Deus tas de & conferue muytos annos para as empregar 
em feu feruiço. 
5 [i i] . . a efta opinião foi totalmente contraria a dos que 
tinhaõ que a alma era taõ catiua do corpo & tam depen- 
dente delle que de nenhum modo podia eftar fem eile, & 
que de tal maneira o informaua & lhe eftaua vnida, que 
por nenhum cafo podia eftar feparada, mas antes em 

10 fe feparando logo acabaua & perdia feu fer, & em fim era 
mortal & corruptiuel fem ter mais duraçam nem exiftencia 
da que tinha o corpo de quem dependia, & que com elle 
fe confumia & acabaua: & defta mà feita foi Epycuro & 
feu vil rebanho na Grécia : defta o malino & obftinado 

*5 Sadok na Judea com a abominauel turba dos que o 
feguiram chamados faduceos : defta nam fabemos que aja 
rafto oje no mundo, ao menos nas partes onde ha cultura 
de engenhos & exercicio de letras humanas ou diuinas, 
faluo for em algum mal inftituido particular, que ja por 

20 outras deprauadas opinioins fe deixou leuar tanto da 
paxam que veyo a dar na total miséria & cegueira de 
fua alma, como focede agora nefte cafo que tratamos 
conftrangidos da própria confciencia, & dezejos de redu- 
zir, & emendar efte dantes noffo, & agora com muyta 

2 5 noíTa dor corrupto & apartado membro, de cujo remédio 
nam defefperamos pois ynda tem liure aluedrio & liber- 
dade para fazer [12] penitencia & emenda de feus erros, 
& tornar fe ao Senor que a ninguém fe nega, antes chama 
os peccadores para lhes dar mezinha de feus males como 

30 elle mefmo difpor yrmih. cap. 3. tornad hijos porfioços 
melizinare vueftras porfias. 

[20] E fe nada bafta com efte pedernal gelado & duro, ja- 
que dis profeffa fer yudeu, fe inimigos o forçaffem a ydo- 
latrar que faria? fe efta firme em fua errónea? nam 

Da Costa Opera. n 



IÓ2 



Regesten 



duuidara ydolatrar, & f e o faz, digame paraque quer fer 
yudeu : & fe toda via fe deixa matar por honra de Deus 
& da ley, onde efta entam o premio de obra tam meri- 
tória? oh defenganefíe ja o miferauel & infelice bicho 
da terra tam ignorante que por [2 1] pura foberba nega a 5 
ventagem com que Deus o apartou das beftias fo por fe 
apartar de todo Yfrael : faiba que quem nega a immortali- 
dade da alma eftá muyto prefto de negar o mefmo Deus, 
porq; quem nada teme nem efpera d 'outra vida nam 
tem temor de Deus, & onde efte falta nam ha conheci- 10 
mento de Deus porque o temor de Deus he a porta da 
fabiduria & conhecimento de Deus. Hora nos coftumes, 
nos penf amentos, nas obras, que vicios, que infolencias, 
que maldades & foberbas nam fe acharam em quem 
cuda que despois de morrer nam ha de alcançar nem pof- *5 
fuir mais do que tinha antes de nacer ? enfim fe as almas 
acabam com os corpos viua & triumphe Epycuro como 
diffe hum antigo curiofo, que com eftes viuas & triumphos 
acabara feus triftes dias, quê chegou a tam infelice eftado 
que compara fua Leprofa, & immunda alma com a alma 20 
de hüa rapofa, & de hum cachorro. 

[26] Ja logo fica bem de- [27] moftrado por argumentos 
infaliueis & forçofos, & confirmado por lugares da efcri- 
tura que conuencem fer a alma do homem imortal, & tudo 
o que alega o contrariador negando efta verdade prouar- 2 S 
remos fer falfo, abfurdo, & indino de bárbaros & brutos 
gentios, quanto mais de quem dis que profeffa fer yudeu 
& obferuar a ley, a qual temos por fem duuida que prefto 
negará fe nam torna fobre íi & fe arrepende, porque 
como dis Dauid Pfal.42. abifmo abifmo chama. 30 

Tendo noticia que o contrariador que nos obriga a 
efcreuer, trataua de imprimir hum liuro, & dezejãdo muyto 
velo, alcançamos hum fo quaderno que teftemunhamos 
fielmente fer efcrito de fua própria maõ, de que aqui 



Regesten 



163 



vai o treslado palaura por palaura ; fomente o diftinguimos 
por partes para dar repofta mais clara a cadahüa delias. 

[38] Naõ fei fe algum legislador falou mais atreuido & 
refoluto que efte efpertador da torpe & ja ha muyto fepul- 
5 tada feita de Epycuro que por fer em matéria taõ graue 
ou por milhor dizer [39] taõ leue em feus olhos, naõ fe 
atreueu, nem lhe pareçeu alegar lei nem rezois. 

[76] Yndaque efte errado & atrevido contrariador naõ 
fabe nada de hebraico, nem quis nunca aprendelo por 

10 contumácia, toda via he forçado aqui tocarlhe nelle & taõ 
claro que o entenda. 

[79] tu contrariador como taõ çego, tés arte de dizer 
que também pola ley padeçes o defterro a foledade, a 
injuria, o odio & a desa ventura em que andas affom- 

15 brado de phantafmas que te inquietaõ de dia & de noite, 
& que enfim te faraõ perder o juyzo: pois tuas contas 
fam todas de vento, & milhor te fora levar boa vida ja 
que naõ efperas nada defpois da morte, mas enganafte que 
o acharas muyto em que te peze, & aparecera tua alma 

20 em juyzo de Deus para receber feu merecido, & affi te 
acharas com dous infernos, mas eu que dezejo tirarte 
delles te amoefto que te arrependas, te tires de teu mao 
caminho, peças perdaõ a teu criador do muyto que rebel- 
lafte, a fuas criaturas de muyto que offendefte & efcandili- 

25 zafte: os verfos que alegas fem propoíito, como excla- 
mando : louvarei a meu Deus em minha vida, cantarei a 
meu Deus em quanto eu; applicaos para bem, & contriçam 
de teus peccados & tomate delles em quanto vives com 
eftudo verdadeiro da ley, com temor de Deus & enfino 

30 dos mayores; pergunta a teu pay & denunçiartea, a teus 
velhos & diram a ti, nam quei- [80] ras tu fer o pay & o 
velho aprende primeiro hebraico, & defaprende tantos 
erros em quantos te engolfafte por pura foberba & inueja : 
correte de dizer que o homem he fnõr de hum cachorro, 

11* 



IÓ4 



Regesten 



& que hum cachorro ha medo do homem, que mais medo 
terás tu dum leaõ & dü tigre : envergonhate de em maté- 
rias tam graVes & importantes nos alegar com roman- 
çiftas; da te ja por fatisfeito de tresladar tanto verfo de 
Selomoh & de Yob fem mais que provar, que o homem 5 
morre: o que nem ha mifter proua nem encontra a ver- 
dade que deves ter & crer a cerca da alma que Deus pos 
em ti, & que nam he em tua maõ faltar com a conta delia 
que darás muyto que te amargue como dis Selomoh 
Kohel. cap. 12. porque a toda fecha & Dio traerà in juyzio 10 
/obre todo encubierto fi bueno o fi maio. 

[90] accufa os pharifeos que a falíificaram fem nos dizer 
por que intereffe, que fe era por contradizer aos faduceos 
elle a diante confeffa que nam fabe nada delles, nem fabe 
quais livros admittem, nem quais negam. *5 

[95] Mal fe pode foffrer a ignorância defte çego que dis 
nos moftrarà os livros canónicos & aprovados fe falara 
com os Saduceos, & fe informàra delles, como fe os Sadu- 
ceos tiveram algua authoridade no povo & nam foram 
abominados, ou elle pudera falar entre gente, & nam 20 
merecera exemplar caftigo pola foltura & pouco acata- 
mento com que fala, ou por milhor dizer defatino & ce- 
gueira, pois cre& fegue o que confeffa que naõ vio, nem fabe. 

[121] ao paffo que alega de Yob cap. 19. naõ respondo, 
mas paraque elle fe entenda lhe enfinarei a conftruyr o 2 5 
primeiro verfo dos que alega em que eftá abufado & fe 
achará corrido de nam faber buscar a fonte limpa, nem 
querer darfe à lingua fanta; & ficarfe enganado com a 
errada verfaõ Latina, que tresladou mal. [122] . . & aqui 
fe vé bem quantos erros nacem de nam faber a lingua 30 
fanta para feguir a verdade hebraica, a qual nam permite 
tomar aqui a palaura poftrero polo ultimo dia como mal 
tomam os Latinos; nem polo termo & fim dos males de 
Yob como efte audas adverfario explica, moftrando bem 



Regesuen 



165 



nefte paffo que a ninguém refpeita, pois também da biblia 
Latina que fó fabe admitte aquillo em que errou tomando 
a terceira peffoa por primeira .... [123] E o que comenta 
da palaura pofirero, que he para tempo breve moftra o 
5 pouco que alcança das linguas & grammatica. 

[128] Quem poderá logo foffrer a obftinaçam & maldade 
de quem tudo ifto nega por que dis que o negaõ os Sadu- 
ceos o que naõ creo, nem elle o pode faber, mas que o 
neguem importa pouco pois os Saduceos tiueraõ o prin- 

10 cipio & nome de Sadok perverfo homem, o qual por paixão 
& contumácia deixou feu meftre Antigno, & ajuntou turba 
de gente perdida a quem com falfa pregação perfuadiu 
contra os Pharifeos varois fantos eftudiofos apartados dos 
coftumes & ufança do vulgo, & por ifíb chamados Peruf- 

15 fim, Pharifeos a faber apartados, cuja doutrina foy fempre 
folida, fiel, & fundada nas verdadeiras tradições, & como 
tal foy aceita & refpeitada por todas ydades, & a dos 
Saduceos como abominável foy regeitada & em pouco 
tempo totalmente desfeita & efquecida de modo que naõ 

20 ouve mais memoria delia, nem oje fe fabe que a aja; & 
elles ficarão maldiçoados & apregoados por malfins he- 
reges, arrenegados, & por feu refpeito em tempo de Rabban 
Gamliel fe acrecentou na Hamidah aquelle verfo que diz : 
a los renegados no fea efperança, y todos los hereges y 

25 todos los malíines como punto fean perdidos para que en 
todo mundo & por boca de todo Yfrael foffem amaldiçoa- 
dos tres vezes no dia como faõ. . . .[129] fo por nam 
decer de fua obftinaçaõ nega o livro prophetico aprovado 
& recebido, & fou çerto que todas as vezes que fe vir 

30 atalhado negara todos os mais livros, & afíi vem a fer 
pior que os arrenegados porque effes quando fe fazem 
turcos ou mouros he por algü refpeito ou appetito, de que 
fe arrependem ao outro dia & tornam em contriçam ; mas 
os que por foberba & contumácia deixam o caminho da 



i66 



Regesten 



verdade como fez efte, difficultofamente têm emenda 
nem remédio. 

[137] tornome a ti çego & incapas Vriel, & peçote que 
me digas que furor te inflamma, ou que veneno te per- 
turba o miolo & os fentidos para dares credito a homês 5 
ignorantes com quem te vas precipitar, & def prezares a 
doutrina dos fabios de cujo confelho te puderas aprovei- 
tar ; & fe tu quizeras tomar o que eu te dava ha muytos 
annos ou veralos gaftado bem, & aprenderas a lingua fanta, 
& pois agora tês tanta rezaõ de ter a todo efte mundo 10 
por fofpeito, o que por eíTa caufa nem queres, nem ja 
podes receber dos vivos acharas nas liçois & doutrina que 
nos ficou dos mortos, pois deffes nam tinhas que temer 
que te enganavam, nem odiavam que nunca lhes lembrou 
fe no mundo avia de nacer hum tal & tam feo monftro 15 
como ti. 

[147] quem contra efta verdadeira doutrina confirmada 
por ley & authoridades falar, claramente aprova & pregoa 
a torpeza & intemperança que tem os Epycuros por 
brazam: comamos & bebamos que a menham morreremos . 20 

[152] aquella peçonha que no principio era contraria & 
danava, ja no fim polo coftume fe foy fazente femel- 
hante, & aproveita. . . temos nas maõs o exemplo claro 
nefte enfermo que elle mefmo confeffa que algum tempo 
andou vacillando com as anfias da peçonha [153] fem fe 25 
faber determinar, & como foy ufando delia tantos annos 
entregandoífe nas falfas & depravadas opiniões com tanta 
contumácia, fem querer tomar a triaga dos bõs confelhos 
& doutrina, veyo a confirmar fe de maneira que nam 
fente o mal ja convertido em natureza; & affi perfe- 30 
verando nos erros, vem a dar por remate na ultima 
çegueira affirmando de íi que tem bês por feus mereci- 
mentos, que vive contente, & alegre, que louva a Deus 
polo fer de homem que lhe deu fazendoífe eile juyz de íi 



Rege STEN 



167 



mefmo contra dereito natural ; mas deixandoffe julgar por 
juyzes fem fofpeita diram elles que naõ conhecem nem 
fabem de homem mais infelice & miferavel; o diabo, 
aborrecido ate de feus yrmaõs, expelido, envergonhado, 

5 fem confiança por fora, fem paz em caza, fem filhos, fem 
mefufah, fem thephilah ; enfim fem bem nenhü 3 & os bês 
que o confolam, ou enfoberbeffem tanto de ter faude & 
paõ para comer faõ gerais a todo mundo, quanto mais 
que também iffo perdera prefto como elle mefmo confeffa 

10 que nam fe engane o mao vendoffe com bês q; naõ lhe 
tardará muyto feu caftigo, & effes poucos bês que agora 
poffue que çegueira he dizer que foy porque defprezou o 
temor dos homês, & pos fua confiança em Deus, enfim 
dar a entender que teve bês por merecimentos próprios, 

l S fendo iffo contra o que ufam os homês [154] bõs & fantos, 
que ate o mefmo Mofeh pedia a Deus o deixaffe paffar 
à terra fanta por fuas piedades podendo alegar muytos 
mereçimentos próprios, & d 'elle mefmo teftemunha a ley 
que era humilde muyto; & efta era & foy fempre a con- 

20 diçam dos bõs temerofos de Deus viverem defconfiados de 
íi, & confiar fó nas mifericordias do Senor: quanto mais 
que os muytos homês, affi do povo de Ifrael como das 
gentes que poffuem muyto mais dinheiro & mais faude 
que elle, por que merecimentos dira que os poffuem? 

2 5 Que alegria he logo efta em que vive? porque tras bõs 
veftidos? outros os trazem milhores ; porque nam efpera, 
nem teme males de outro mundo defpois de tantos bês, 
como goza nefte? . . [155] affi efte contrariador he mais 
infeliçe, & pior que os mefmos bichos, fobre que nam ha 

30 que alargar fendo coufa tam patente & notória no mundo . . . 
E agora nos vamos a moftrar a verdade que efte contra- 
riador trabalhou, & trabalha offufcar dizendo que nam 
ha tradiçam nem ley de boca, que foy a rais donde lhe 
procederam & procedem todos feus males, & efta deve fer 



i68 



Regesten 



a propofiçam que eile dis da por bem provada & que tem 
lançada no cap. 7. do feu livro o qual também refutare- 
mos moftrando fer em tudo falfo, dandonos Deus vida & 
podendo avelo fobre que poremos toda nofía diligencia, 
& cudado. 5 

[177] Do que tudo fe moftra a ver- [178] dade & firmeza 
de noffas luas novas & folenidades que pendem delias, a 
f ciência, engenho, & eftudo de noffos grandes & fabios 
authores deftas contas infaliveis aprovadas &feguidas ate 
dos mais expertos fabios das gentes : moftraffe a muyta 10 
ignorância & rudeza de quem por leves argumentos com 
foberba & contumácia tomou atrevimento & ouzadia de 
fe oppor a ellas querendo fubir ao ceo a tomarfe com 
Deus ao modo dos gigantes fundadores da torre de Babi- 
lónia; nam podendo elle fundar nem hüa efcura & mifera *5 
cabana que Deus deftruyrá com manifefto & temerofo 
caftigo fe prefto nam fe emenda de feu erro, & rebelliam 
pedindo ao Sefíor mifericordia, a qual eile ufe com todo 
feu povo de Ifrael & nos redima de tantos cativeiros & 
cegueiras por fuas infinitas piedades, Amen. 20 

* * * 

Abhandlung über die Unßerblichkeit der Seele, 

verfaßt von Doctor Semuel da Silva, in der zugleich die 
UnwiJJenheit eines gewijjen zeitgenöjjifchen Wider) r achers 
dargetan wird, der unter vielen andren Irrtümern in feinem 
Wahnfinn der Meinung war und veröffentlichte, daß die 2 5 
Seele des Menfchen zugleich mit dem Körper ende. Amfier- 
dam, gedruckt bei Paul van Raveßeyn, im Jahre der Welt- 
fchöpfung 5383 [1623]. 

[S. 3.] An den wohlwollenden Lefer. 

Es ift ein in den politifchen Gemeinwefen geübter 30 
Brauch, die Peftkranken auszuftoßen, oder zum wenigften 



Regesten 



169 



ihnen die Tore zu verfperren und ihnen den Verkehr zu 
verbieten und um die Gefunden zu fchützen, Verteidi- 
gungsmaßnahmen gegen die Peft anzuordnen, fonft wird 
die Luft verdorben, das Übel greift um fich, ohne daß 
5 man es wahrnimmt, und wenn man es fich am wenigften 
vorftellt, rafft es die Städte und bisweilen ganze Provinzen 
hinweg. Da es heute unter uns einen gibt, noch fchlimmer 
als ein Peftkranker, und weil es doch gut fchien ihn aus- 
zuftoßen, wird es jetzt angemeffen fein, Gegengift gegen 

10 das Gift vorzubereiten und zu verordnen, damit es aus- 
gebrochen wird. Es ift gut, daß wir uns vor ihm vorfehen 
und fürchten, daß er mit dem Namen eines Juden und 
unter dem Mantel erheuchelter Tugenden und erheuchel- 
ter Befcheidenheit umhergehen und manche einfache und 

15 nicht fehr vorfichtige Gemüter zugrunde richten und an- 
ftecken könnte, denen er die von ihm vertretenen falfchen 
und verwerflichen Anflehten einzuprägen wünfeht und 
anftrebt. Nur diefe wollen wir aufwecken und warnen, da- 
mit fie nicht in Gefahr kommen, wenn fie zufällig irgend- 

20 wann oder irgendwo zur Bekannt fchaft oder Gefellfchaft 
diefes Heuchlers oder anderer derartiger Ungeheuer 
kommen, die ob zwar feiten, doch hie und da aus der Art 
ihrer Väter fchlagen. Wenn ich nun den Verfolg der 
Angelegenheiten diefes Mannes wahrnehme, den ich 

2 5 nicht nenne um der Ehre des Blutes willen, aus dem er 
ftammt, [4] obfehon er es gar nicht verdient bei der 
Ungebundenheit und dem Hochmut, mit dem er fpricht; 
wenn ich die Verftellung und den Betrug ins Auge faffe, 
mit denen er eine Zeit lang unfere Verfammlungen be- 

30 fuchte, unter dem Vorgeben, er ftehe zu ihren heiligen 
Ordnungen und Satzungen, und die Ausdrücke, mit denen 
er begann, von dem Gift, das er in fich barg, Proben zu 
geben, — und wie er, als wäre er zum Beweis ge- 
kommen, nicht zögerte, ein Schriftftück von feiner 



170 



Regesten 



Hand zu geben, und zwar unter Verneinung der Tradition 
und des mündlichen Gefetzes, das Gott dem Mofe auf dem 
Sinai gab und auf welchen die wahre Erklärung des ge- 
fchriebenen Gefetzes beruht, indem er erklärte, das feien 
Erdichtungen und Fälfchungen, und das Gefetz habe eine 5 
folche Auslegung nicht nötig, vielmehr könnten er und 
andere feinesgleichen fie geben. Er verficherte, die Dinim 
[Gefetze], durch die Ifrael regiert wurde und regiert 
wird, feien allefamt Erfindungen ehrgeiziger und bös- 
artiger Menfchen. > Er verwarf die anerkannte und 10 
gebräuchliche Art der Befchneidung, fpottete über die 
Bedingungen bei der Anfertigung und dem Gebrauch der 
Thephillin und der Mefufah, erklärte es als großes Ver- 
brechen, zwei Tage Paffah zu feiern, wo das Gefetz nur 
einen zu feiern gebietet, ließ den rechtmäßigen Grund r 5 
nicht gelten, den Propheten und heilige Männer zur Zeit 
des erften und zweiten Tempels dafür hatten, kehrte fich 
wenig daran zu hören, daß das Gefetz es zuließ, gegen den 
Din [die Gefetzesvorfchrift] zu handeln, wenn die Autori- 
täten fahen, daß die Sache oder die Stunde es forderte, 20 
wie Elias tat 1. Könige, Cap. 18., als er auf dem Berge 
Karmel opferte gegen das Gefetz, das gebietet, daß man 
bloß im heiligen Tempel Opfer darbringe, wie es Gideon 
tat Richter 8, indem er gebot, die Männer von Pnuel zu 
töten, weil fie ihm Brot für feine Soldaten verweigert, 2 5 
obwohl es doch kein Gefetz gibt, das darum Menfchen zu 
töten gebietet. Nicht fehlte es an Freunden und eifrig [5] 
auf fein Wohl Bedachten, die ein über das andere Mal 
ihn baten und warnten, er möchte doch zurückkehren zu 
dem Wege der Pflicht, den viele Schriften weif er Männer 30 
ihn wiefen. Man gab fich alle Mühe, um nicht zur Strenge 
greifen zu müffen, aber es half nichts, und auch fo noch 
ging man mit all der Sanftmut vor, die der häßliche Fall 
verftattete, indem man zuließ, daß er im Lande blieb, 



Regesten 



171 



um zu fehen, ob er zur Reue und Verbefíerung feiner 
Irrtümer zurückkehrte. Aber ftatt deffen haben ich und 
andre Perfonen von den Unfrigen Schriften von feiner 
Hand ge fehen voll folcher ÄrgerniiTe und Frechheiten, 
5 daß wir Grund hätten die Kleider zu zerreißen, wie es 
die guten Juden taten und tun müffen, wenn fie den 
Namen des Herrn fchmähen hören, fo wenn er noch 
dazu fagt, ganz Ifrael treibe Götzendienft, den er zer- 
ftören wolle, wie Gideon den Altar des Baal zerftörte, 

1° und dem fügt er hinzu, was von einem Menfchen 
zu erwarten war, der derartiges fagte, daß es nichts 
fei mit der Gottesfurcht noch auch mit der Seele, 
daß es gleichviel gelte, nicht geboren fein. Ferner fagt 
er, die Seele des Menfchen fei fterblich und vergäng- 

15 lieh und ende zugleich mit dem Körper ebenfo wie die 
Seelen der Pferde und der Maultiere, in denen keine 
Vernunft ift. Eine tierifche und fchimpf liehe Meinung, 
die uns zwingt, die Unfterblichkeit der Seele zu be- 
weifen, obzwar es uns unmöglich fcheint, daß diefes 

20 Übel irgend einen wahren Juden anfteckt. Immerhin weil 
es ebenfo, wie es einen gibt, noch andere geben könnte, 
die iich durch UnwiiTenheit oder Stolz leiten laffen, fo 
wie er es tat, wollen wir zuerft die Wahrheit zeigen und 
dann die falfchen Gegengründe widerlegen. Und du, 

25 freundlicher und von gutem Eifer befeelter Lefer, wenn 
du alles mit deinem guten und unparteiifchen Urteil be- 
trachteft und die Wahrheit [6] und das heilige Gefetz des 
Herrn annimmft, fchenke mir Glauben in dem, was ich 
jetzt fage: daß mich zur Inangriffnahme diefer Arbeit 

30 unter den vornehmften Gründen vor allem der Wunfeh 
bewogen hat und bewegt, diefes verirrte und verlorene 
Schaf zur Gemeinfchaft zurückzuführen, und ich bitte 
dich deiner feits, zu feiner Wiederher Heilung dich zu be- 
mühen und zu helfen mit allen deinen Kräften, fo wie 



Rege steh 



Gott fie dir geben und erhalten möge durch viele Jahre, 
um fie in feinem Dienite zu verwenden. 

[u] Diefe Meinung war vollkommen entgegengefetzt 
der Meinung derer, die dafür hielten, die Seele fei fo fehr 
vom Körper gefangen und fo von ihm abhängig, daß fie 5 
in keiner Weife ohne ihn fein könne und daß fie fo fein 
eigentliches Wefen ausmache und mit ihm vereint fei, daß 
fie auf keinen Fall von ihm getrennt fein könne, fondern 
vielmehr, indem fie fich trenne, fogleich endigte und ihr 
Sein verlöre, kurz daß fie fter blich und vergänglich wäre, 10 
ohne mehr Dauer und Exiftenz zu haben als der Körper, 
von dem fie abhängt und der mit ihr verbraucht wird und 
endigt. Von diefer fchlimmen Secte war Epikur und 
feine gemeine Herde in Griechenland, von diefer der bös- 
artige und halsftarrige Zadok in Judäa mit dem abfcheu- J 5 
liehen Haufen derer, die ihm folgten, Sadducäer genannt; 
von diefer gibt es, foviel wir wiffen, heute keine Spur 
mehr in der Welt, wenigftens in den Teilen, wo es 
Geiftescultur und Übung menfehlicher oder göttlicher 
Wiffenfchaften gibt, außer etwa bei einem fchlecht unter- 2 ° 
richteten Einzelmenfchen, der fich fchon infolge andrer 
verderbter Meinungen fo fehr von der Leidenfchaft leiten 
ließ, die er in dem vollkommenen Elend und der voll- 
kommenen Blindheit feiner Seele an den Tag legte, wie es 
jetzt in diefem Falle gefchieht, den wir behandeln, gfe- 2 5 
zwungen vom eigenen GewiiTen und dem Verlangen, 
zurückzuführen und zu beffern diefes Glied, das einft das 
unfrige war und jetzt zu unfrem großen Schmerz ver- 
dorben und abgetrennt ift. Wir verzweifeln nicht an 
einem Heilmittel für ihn, denn er hat freien Willen und 3° 
Freiheit um Buße zu tun [12] und feine Irrtümer zu ver- 
beffern und fich zum Herrn zurückzuwenden, der fich 
niemandem verfagt, vielmehr die Sünder ruft, um ihnen 
Arznei für ihre Übel zu geben, wie er felbft es verfügt 



Regesten 



173 



Jerem. Cap 3.: Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Söhne; ich 
will eure Abfallsfünden heilen. 

[20] Und wenn bei diefem gefrorenen, harten Flint- 
ftein nichts hilft, obfchon er fich zum Judentum bekennt : 
5 wenn Feinde ihn nötigten, Abgötterei zu treiben, 
was würde er tun? Wenn er ftandhaft bei feiner irrigen 
Meinung bleibt? Dann wird er keine Bedenken tragen, 
Abgötterei zu treiben, und wenn er es tut, dann möge er 
mir fagen, warum er Jude fein will. Und wenn er fich 

10 gleichwohl zur Ehre Gottes und des Gefetzes töten läßt, 
wo bleibt dann die Belohnung für ein fo verdienftliches 
Werk? O möge fich doch jetzt der elende und unglück- 
liche Erden wurm eines Belferen belehren laffen; er, der 
fo unwiffend ift, daß er aus [21] bloßem Hochmut den 

l $ Vorteil leugnet, daß Gott ihn von den Tieren fchied, 
bloß um fich von ganz Ifrael zu fcheiden. Er möge wiffen, 
daß wer die Unfterblichkeit der Seele leugnet, fehr nahe 
daran ift, Gott felbft zu leugnen, denn wer nichts vom 
andren Leben fürchtet noch hofft, hat auch keine Gottes- 

20 furcht, und wo die fehlt, gibt es keine Gotteserkenntnis, 
denn die Furcht Gottes ift das Tor der Weisheit und 
Gotteserkenntnis. Deshalb, in den Sitten, in den Gedan- 
ken, in den Handlungen welche Lafter, welche Anmaßun- 
gen, welche Schlechtigkeit und Hoffart werden fich nicht 

2 5 bei dem finden, der meint, nach dem Tode habe er nichts 
zu erwarten noch zu befitzen, als was er vor der Geburt 
hatte. Kurz, wenn die Seelen zugleich mit den Körpern 
aufhören, foll Epikur hoch leben und triumphieren, wie 
ein Liebhaber der Wiffenfchaft in alter Zeit es fagte, der 

3° mit folchem Hochrufen und Triumphgefchrei feine trau- 
rigen Tage befchloß, der in einen fo unglücklichen Zu- 
ftand kam, daß er feine ausf ätzige und unreine Seele mit 
der Seele eines Fuchfes und eines Hundes verglich. 
[26] Es ift alfo nun durch unfehlbare und zwingende 



174 



Regesten 



Argumente wohl bewiefen, [27] und beftätigt durch 
Schrif titeilen, die davon überzeugen, daß die Seele des 
Menfchen unfterblich ift, und alles, was der Wider facher 
anführt, um dièfe Wahrheit zu beftreiten, werden wir 
dartun als falfch, unhnnig und unwürdig barbarifch roher 5 
Heiden, um wie viel mehr unwürdig eines, von dem es 
heißt, daß er bekenne Jude zu fein und das Gefetz zu 
halten, das er aber ohne Zweifel rafch verleugnen wird, 
wenn er nicht umkehrt und bereut, denn wie David 
Pfalm 42 fagt : der Abgrund ruft den Abgrund. 10 

Da wir Kunde davon hatten, daß der Widerfacher, 
der uns zu fchreiben nötigt, im Werke hatte, ein Buch 
drucken zu laifen, und da wir fehr wünfchten, es zu fehen, 
erlangten wir ein einziges Heft, das, wie wir gewiffenhaft 
bezeugen, von feiner eigenen Hand gefchrieben ift, wo- r 5 
von hier die Abfchrift Wort für Wort folgt ; bloß trennen 
wir fie in Teile, um auf jeden derfelben klarer die Ent- 
gegnung geben zu können. 

[38] Ich weiß nicht, ob irgend ein Gefetzgeber dreifter 
und entfchloffener fprach als diefer Wiedererwecker der 20 
fchändlichen und fchon längft begrabenen Secte Epikurs, 
der, weil es fich um eine fo fchwerwiegende oder belTer 
gefagt in feinen Augen fo leichte Materie handelt, fich 
nicht erdreiftete, wie es ihm denn auch nicht gut fchien, 
Gefetz noch Gründe anzuführen. 2 5 

[76] Obgleich diefer irregehende dreifte Widerfacher 
nichts vom Hebräifchen weiß und es aus bloßem Starr- 
finn auch nie lernen wollte, muß man ihn notgedrungen 
dabei faffen und zwar fo klar, daß er es verfteht. 

[79] Und du, ebenfo wider facherifch wie verblendet, du 30 
bringft es fertig, zu fagen, daß du um des Gefetzes willen 
die Verbannung, die Einfamkeit, den Schimpf, den Haß 
und das Unglück erleideft, in dem du einhergehft, entfetzt 
vor den Phantomen, die dich Tag und Nacht beunruhigen 



Regesten 



175 



und dich fchließlich um den Verftand bringen werden, 
denn deine Rechnungen find alle aus Wind, und es wäre 
beffer für dich, ein gutes Leben zu führen, weil du doch 
nichts nach dem Tode erhoffft, aber du täufchft dich, denn 
5 du wirft es finden, wie fehr es dich auch kränke, und be- 
reits deine Seele auf das Gericht Gottes, damit fie ihren 
Lohn empfange, und fo wirft du dich zwei Höllen gegen- 
über finden; aber ich, der ich dich aus ihnen zu ziehen 
wünfche, ermahne dich, daß du bereueft, dich von deinem 

i° fchlimmen Wege abwendeft, deinen Schöpfer um Verzei- 
hung bitteft, daß du dich fo fehr aufgelehnt haft, feine Ge- 
fchöpfe um Verzeihung, daß du fie fo fchwer gekränkt und 
ihnen fo viel Ärgernis gegeben haft. Die Verfe, die du 
unpaffenderweife anführft, indem du ausrufft: loben werde 

l S ich meinen Gott in meinem Leben, fingen werde ich meinem 
Gott } Solange ich bin, wende fie zum Guten an und zur Buße 
für deine Sünden und kehre dich von ihnen, folange du 
lebft, mit wahrhaftem Gefetzesftudium, mit Gottesfurcht 
und Unterricht der Vorfahren. Frage deinen Vater und er 

20 wird dir erklären, frage deine Ahnen und fie werden dir 
fagen : du mögeft nicht [80] wünfchen, der Vater und der 
Ahne zu fein. Lerne erft hebräifch und verlerne folche Irr- 
tümer, in die du dich verwickelt haft bloß aus Hoffart und 
Neid, beeile dich zu fagen, daß der Menfch der Herr eines 

2 5 Hundes ift, und daß ein Hund Furcht vorm Menfchen hat, 
denn mehr Furcht wirft du vor einem Löwen und vor einem 
Tiger haben. Schäme dich, bei fo fchwerwiegenden und 
wichtigen Materien uns Citate aus Romanzendichtern 
zu bringen. Gib dich fchon zufrieden, fo viele Verfe 

30 von Salomo und Hiob zu über fetzen, ohne damit mehr 
zu beweifen, als daß der Menfch ftirbt, was weder eines 
Beweifes bedarf noch der Wahrheit wider fpricht, die du 
in betreff der Seele, die Gott in dich legte, haben und 
glauben mußt und die du nicht zu verfehlen in der 



176 



Regesten 



Hand haft bei der Rechenfchaftslegung über fie, denn 
du wirft vieles angeben, was dir Bitterkeit verur fachen 
mag, wie Salomo fagt Prediger Cap. 12.: denn alles 
Tun wird Gott ins Gericht bringen über alles verborgene, 
es fei gut oder es fei fchlecht. 5 

[90] Er klagt die Pharifäer der Fälfchung an, ohne uns 
zu fagen, aus welchem Intereffe, denn wenn es das wäre, 
den Sadducäern zu widerfprechen, fo bekennt er von 
vorneherein, daß er nichts von ihnen weiß, und auch 
nicht weiß, welche Bücher fie zulaffen, noch welche fie 10 
verwerfen. 

[95] Schlecht läßt iich die Unwiffenheit diefes Blinden 
ertragen, der fagt, er würde uns die anerkannten kanoni- 
fchen Bücher aufweifen, fobald er fich mit den Saddu- 
cäern beredet und iich von ihnen habe unterweifen laffen, 15 
als ob die Sadducäer irgendwelche Autorität beim Volke 
hätten und nicht verabfcheut würden, oder er könnte 
unter dem Volke fprechen und verdiente nicht eine 
exemplarifche Strafe für die Zügellofigkeit und den 
Mangel an Ehrfurcht, womit er fpricht, oder beiTer für den 2 ° 
Unfmn und die Verblendung, da er dem glaubt und folgt, 
was er, wie er bekennt, weder fah noch weiß. 

[121] Auf die Stelle Hiob Cap. 19, die er anführt, er- 
widre ich nicht, aber damit er fich klar wird, will ich 
ihn die Conftruction des erften der angeführten Verfe 2 5 
lehren, die er verfehlt hat, und er wird finden, daß er 
fich fchämen müffe, daß er nicht am lauteren Quell zu 
fchöpf en weiß und fich nicht der heiligen Sprache hingeben 
will, vielmehr getäufcht bleibt durch die irrige lateinifche 
Verfion, die er fchlecht über fetzt hat. [122] . . . Und hier 30 
fieht man fo recht, wieviel Irrtümer aus der Unkenntnis 
der heiligen Sprache entftehen, ftatt der hebräifchen Wahr- 
heit zu folgen, die nicht erlaubt, hier das Wort letzter für 
letzter Tag zu nehmen, wie es die Lateiner zu Unrecht 



Regesten 



177 



genommen haben, auch nicht für Ziel und Ende der Übel 
Hiobs, wie es diefer kühne Gegner auslegt, indem er bei 
diefer Stelle zur Genüge dartut, daß er vor niemandem 
Refpekt hat, denn gleichfalls auf Grund der latei- 
5 nifchen Bibel, die er allein kennt, kommt er zu jenem 

Irrtum, indem er die dritte Perfon für die erfte nimmt 

[123] Und was er erklärend über das Wort Letztes als 
in kurzer Zeit fagt, zeigt, wie wenig er von den Sprachen 
und der Grammatik verfteht. 

10 [128] Wer vermöchte alfo die Halsftarrigkeit und Bös- 
willigkeit eines Menfchen zu ertragen, der all das in 
Abrede ftellt, weil er fagt, die Sadducäer hätten es in 
Abrede ge ftellt, was ich nicht glaube und was auch er 
nicht wiifen kann. Aber mögen fie es leugnen, fo bedeutet 

x 5 es wenig, denn die Sadducäer hatten ihren Urfprung und 
Namen von Sadok, einem lafterhaften Menfchen, der aus 
Leidenfchaft und Starrfinn feinen Lehrer Antigonos ver- 
ließ und einen Haufen verworfenen Volkes um iich fam- 
melte, das er mit falfcher Predigt gegen die Pharifäer 

20 beredete, heilige Männer, dem Studium ergeben, abge- 
ändert in Sitten und Gebrauch vom Volke und deshalb 
Perufßm, Pharifäer, d. h. Abgefonderte genannt, deren 
Lehre immer gründlich, gewiffenhaft und auf den ächten 
Traditionen begründet war ; als folche wurden ihre Lehre 

2 5 angenommen und hochgehalten zu allen Zeiten, während 
die Lehre der Sadducäer als verabfcheuungswürdig zurück- 
gewiefen und in kurzer Zeit vollkommen abgetan und 
vergefíen war, derart daß keine Erinnerung an he blieb 
und man heute nichts mehr von ihr weiß. Und jene 

3° wurden verflucht und verrufen als Unruheftifter, Ketzer, 
Renegaten, und im Hinblick auf fie wurde zur Zeit des 
Rabban Gamliel in der Hamidah jener Vers hinzugefügt, 
der befagt : Auf die Renegaten folle man keine Hoffnung 
fetzen und alle Ketzer und alle Unruheftifter insgefamt 



Da Costa Opera. 



12 



Rege STEN 



Tollen zu Grunde gehen, damit fie in der ganzen Welt und 
durch den Mund ganz Ifraels verflucht würden dreimal am 
Tage, fo wie fie es auch werden [129] Einzig um von fei- 
ner Halsftarrigkeit nicht abzugehen, verwirft er das aner- 
kannte und angenommene prophetifche Buch, und ich bin 5 
gewiß, daß er jedesmal, wenn er iich in Verlegenheit lieht, 
die gefamte Mehrzahl der Bücher verwerfen wird, und fo 
ift er fchlimmer als die Renegaten, weil diefe, wenn fie Tür- 
ken oder Mauren werden, es aus irgend einer Rücklicht oder 
einem Verlangen tun, worüber fie am anderen Tage Reue 10 
und Zerknirfchung empfinden, aber diejenigen, die aus 
Übermut und Halsftarrigkeit den Weg der Wahrheit ver- 
laffen, wie er es getan hat, für die gibt es fchwerlich Bef- 
ferung und Heilmittel. 

[137] Ich wende mich zu dir, blinder und unfähiger Uriel, l S 
und bitte dich mir zu fagen, welche Raferei dich in Flam- 
men fetzt, oder welches Gift dir Hirn und Sinne ver- 
wirrt, daß du unwiffenden Menfchen übereilter Weife 
Glauben fchenkft und die Lehre der Weifen gering- 
fchätzeft, deren Rat du dir hätteft zu nutze machen 20 
können; und wenn du hätteft nehmen wollen, was ich 
dir vor vielen Jahren gab, dann hätteft du iie wohl 
gebraucht und hätteft die heilige Sprache erlernt, und 
dann erft haft du das Recht dazu, diefe ganze Welt für 
verdächtig zu halten; was du darum von den Lebenden 2 5 
weder annehmen willft noch überhaupt kannft, wirft du 
im Unterricht und in der Lehre finden, die uns von den 
Toten blieb, denn von ihnen brauchft du nicht zu fürchten, 
daß fie dich betrogen oder gehaßt haben, denn niemals 
fiel es ihnen ein, daß je ein fo großes und abfcheuliches 30 
Ungeheuer wie du zur Welt kommen würde. 

[147] Wer gegen diefe wahre, durch Gefetz und Autori- 
täten beftätigte Lehre fpricht, bewährt und bekennt klar 
die Gemeinheit und Zügellofigkeit, die die Epikuräer im 



Regesten 



179 



Wappen führen : laßt uns ejjen und trinken, denn morgen 
werden wir fterben. 

[1 52] Jenes Gift, das im Anfang entgegenwirkte und 
fchadete, wurde fchließlich durch die Gewohnheit afiimi- 
5 liert und bekömmlich. Wir haben das augenfcheinliche 
Beifpiel dafür in Händen bei diefem Kranken, denn er 
felbft bekennt, daß er eine Zeitlang gefchwankt habe in- 
folge der vom Gift verurfachten Übelkeit, ohne daß [153] 
er fich zu entfcheiden wußte ; wie er es aber fo viele Jahre 

10 hindurch gebrauchte, indem er fich den falfchen und ver- 
derbten Anflehten mit einer folchen Hartnäckigkeit hin- 
gab, ohne daß er das Gegengift der guten Ratfchläge und 
Lehre nehmen wollte, beftärkte er fich allmählig derart, 
daß er das Übel gar nicht fühlt, das ihm fchon zur Natur 

x 5 geworden ift. Und fo verharrt er in feinen Irrtümern und 
krönt diefe fchließlich in feiner vollkommenen Blindheit, 
indem er von fich verfichert, er ernte Gutes für feine Ver- 
dienfte, er lebe zufrieden und froh, er lobe Gott für fein 
Menfchtum, da er es ihm verliehen, wobei er fich felbft 

20 zum Richter über fich macht gegen das natürliche Recht. 
Wenn er fich aber durch unverdächtige Richter richten 
ließe, würden fie fagen, fie kennten und wüßten keinen 
unglücklicheren und elenderen Menfchen: diefer Teufel, 
verabfeheut fogar von feinen Brüdern, ausgeftoßen, be- 

2 5 fchämt, ohne Vertrauen nach außen, ohne Frieden im 
Haufe, ohne Kinder, ohne Mefufah, ohne Thephillah, kurz 
ohne irgend ein Gut. Und die Güter, die ihn freuen oder 
ihn fo ftolz machen, als da find Gefundheit zu haben und 
Brot zu effen, find der ganzen Welt gemein, um fo mehr, 

30 als er auch das bald einbüßen wird, wie er felbft bekennt, 
denn der Böfe möge fich nicht täufchen, wenn er fich im 
Befitz von Gütern fieht, denn feine Strafe wird nicht lange 
auf fich warten laffen. Und diefe wenigen Güter, die er 
jetzt befitzt, welche Verblendung liegt darin, daß er fagt, 

12* 



i8o 



Regesten 



fie feien ihm zuteil geworden, weil er die Menfchenfurcht 
verachtete und feine Zuverficht auf Gott fetzte, kurz, daß 
er zu verftehen gibt, er habe die Güter für die eigenen 
Verdienfte, was gegen jeden Brauch bei guten und heiligen 
Männern ift. [154] Bat doch fogar Mofe felbft Gott, er 5 
möge ihn um feiner Barmherzigkeit willen ins heilige Land 
gelangen laffen, da er doch viele eigne Verdienfte anführen 
konnte, und von ihm felbft bezeugt das Gefetz, daß er 
fehr demütig war. Und das war und ift immer gewefen 
der Charakter der Guten und Gottesfürchtigen, daß fie 10 
leben mißtrauifch gegen fich felbft und ihr Vertrauen 
fetzen allein auf die Barmherzigkeit des Herrn. Um wie 
viel mehr die vielen Menfchen fowohl aus dem Volke Ifrael 
als aus den Nichtjuden, die viel mehr Geld und mehr 
Gefundheit befitzen als er, für welche Verdienfte wird er 15 
fagen, befitzen fie fie? Was für eine Freudigkeit ift es alfo, 
in der er lebt? Warum trägt er gute Kleider? Andere 
tragen noch beffere. Warum erwartet, warum fürchtet er 
nicht die Übel einer andren Welt nach fo vielen Gütern, 
wie er fie in diefer genießt? . . [155] So ift diefer Wider- 20 
facher unglücklicher und fchlimmer als felbft die Würmer, 
über die er fich nicht erheben kann, was etwas fo Sicht- 
bares und Bekanntes in der Welt ift. . . Und jetzt gehen 
wir dazu über, die Wahrheit darzutun, die diefer Wider- 
facher zu verdunkeln fich bemüht hat und bemüht, in- 2 5 
dem er fagt, es gebe weder Tradition noch mündliches 
Gefetz, was die Wurzel war, aus der ihm alle feine Übel 
hervorgegangen find und hervorgehen, und zwar muß das 
die Thefe fein, die er als wohl bewiefen erklärt und die er 
im 7. Cap. feines Buches aufgeteilt hat. Auch dies werden 30 
wir widerlegen, indem wir es als vollkommen falfch dar- 
tun, wenn Gott uns das Leben läßt und wenn wir des 
Buches habhaft werden können, worauf wir all unfren 
Fleiß und unfre Sorge richten werden. 



Regesten 



i8i 



[177] Aus all dem gehen die Wahrheit [178] und Halt- 
barkeit unfrer Neumonde und der davon abhängenden 
Feftfeiern hervor, die Wiffenfchaft, das Genie und Stu- 
dium unfrer großen und gelehrten Autoren diefer unfehl- 
5 baren, fogar von den erfahrenften nicht jüdifchen Weifen 
angenommenen und befolgten Berechnungen. Es geht 
daraus hervor die große Unwiffenheit und Unbildung 
deffen, der auf leichte Argumente hin voller Hoffart und 
Hartnäckigkeit fich der Kühnheit und Dreiftigkeit unter- 

10 fing, fich diefen entgegenzuftellen, indem er zum Himmel 
hinauf fteigen wollte, um fich nach Art der Riefen, die den 
babylonifchen Turm gebaut, mit Gott zu meffen, da er 
doch nicht einmal eine obfcure, elende Hütte bauen kann, 
die Gott mit offenbarer und furchtbarer Strafe zerftören 

15 wird, wenn er fich nicht fchnell beffert, indem er den Herrn 
wegen feines Irrtums und feiner Auflehnung um Barm- 
herzigkeit bittet, die er üben wolle an feinem ganzen Volk 
Ifrael und er möge uns erlöfen aus fo vielen Feffeln und 
Verblendungen durch feine unendliche Gnade. Amen. 



20 1623. 

Libro dos Termos da Ympofta da naçaó Principiado em 
24 de Sebat. 5382, fo. 12. 

Os snnores Deputados da nação fazem faber a Vfms. 
como tendo noticia que hera vindo a efta Cidade hü home 

25 que fe pôs por nome Uriel Abadat. E que trazia m. tas 
opiniões erradas, falfas e heréticas cõtra noffa fantiff 3, 
lei pellas quais já em Amburgo e Veneza foi declarado por 
herege e excomügado e dezejando reduzilo á verdade 
fizerao todas as dilig. as neceffarias por vezes cõ toda a 

30 fuavidade, e brandura por meo de Hahamim e Velhos de 
noffa nação, a q ditos snnrs deputados fe acharão prezen- 
tes. E vendo q. por pura pertinácia, e arrogância perfifte 



I82 



Regesteis 



em fua maldade e falias opiniões, ordenão cõ os Mahamadot 
das chilot. E co fobre ditos hahamim, apartalo como home 
ja enhermado, e maldito da L. dei Dio, e que lhe não 
fale pefíba algüa de nenhüa qualidade, ne home ne molher, 
nê parente nê eftranho, nê entre na cafa onde eftiver, nê 5 
lhe dem fauor algü nê o comuniquem cõ pena de fer 
comprehendido no mefmo herem e de fer apartado de 
nofía communicação. E a feus Irmãos por bons refp tos fe 
concedeu termo de outo dias p a fe apartarem delle. Am- 
fterdam 30 dei homer 5383. 10 
Samuel Abarvanel Binhamin Ifrael Abraham Curiel 
Jofeph Abeniacar Rafael Jefurun Jacob Franco. 

* * * 

Buch der Auf lagenf eßf etzungen der Nation, begonnen am 
20. Februar 1622, BI. 12. 

Die Herren Deputierten der Nation tun euch zu wiffen, 15 
daß ihnen kund geworden, daß nach diefer Stadt ein 
Mann gekommen ift, der fich den Namen Uriel Abadat 
beilegte, und der viele irrige, falfche und ketzerifche Mei- 
nungen gegen unfer heiligftes Gefetz mitbrachte, um 
deren willen er fchon in Hamburg und Venedig zum 20 
Ketzer erklärt und excommuniciert worden war. Von 
dem Wunfche befeelt, ihn zur Wahrheit zurückzuführen, 
unternahmen fie wiederholt alle notwendigen Schritte mit 
aller Milde und Sanftmut durch Vermittlung der Hahamim 
und Älteften unfrer Nation, wobei die genannten Herrn 25 
Deputierten fich gegenwärtig fanden. Da fie aber fahen, 
daß er bloß aus Halsftarrigkeit und Dünkel auf feiner 
Schlechtigkeit und auf feinen falfchen Meinungen be- 
harrt, befchloflen fie zufammt den Vorftänden der Ge- 
meinden und den genannten Hahamim, ihn auszuftoßen 30 
als einen Mann, der fchon in Bann getan und vom Gefetz 
Gottes verflucht ift, und daß niemand mit ihm fpreche, 



Rege STEN 



183 



wer immer er fei, weder Mann noch Frau, weder Verwand- 
ter noch Fremder, niemand das Haus betrete, in dem er 
fich befindet, niemand ihm eine Gunft erweife noch mit 
ihm verkehre, bei Strafe, in denfelben Bann einbezogen 
5 und aus unfrer Gemeinfchaft ausgeftoßen zu werden. 
Und feinen Brüdern wurde eine Refpektsfrift von acht 
Tagen zugeftanden, um fich von ihm zu trennen. Amfter- 
dam, am 15. Mai 1623. 

Samuel Abarvanel Binhjamin Ifrael Abraham Curiel 
10 Jofeph Abeniacar Rafael Jefurun Jacob Franco. 



1624. 

Jo. Chrifloph. Wolfii Paftoris ad D. Cathar. Hambvrg. et 
Scholar chce Bibliothecce Hebrcece Volvmen IV. et vltimvm. 
Hambvrgi apvd B. Theod. Chriftophori Felgineri vidvam. 

15 Anno CIDIDCCXXXIII. 

[p. 774.] SDDIpS btf'H'lK Vriel Acofta, cujus commen- 
tationem Ms. de mortalitate animae Vol. III. p. 83. com- 
memoravi. Hanc ille, poftquam a Samuele de Sylva jam 
confutata erat, in lucem edidit Amßelod. 384. C. 1624. 8. 

20 fub titulo : Examen das tradiçoens Pharifeas conferidas con 
à Ley ejcrita por Vriel Jurifta Hebreo, com repofta à hum 
Semuel da Silva, feu falfo Calumniador. Vidi illum ita 
memoratum in Catalogo librorum R. Davidis Nunnes 
Torres pag. 33. n.76. Notandum hic eft, auctorem diferte 

25 vocari Vrielem Jurißam, quam in rem vide quae fcripta 
funt Vol. I. p. 131. 132. ubi nonnulla ex his poffunt 
emendari. 

* * * 

Hebräifche Bibliothek von Johann Chrifloph Wolf, Paflor 
an der Katharinenkirche und Schulleiter , 4. und letzter 
30 Band. Hamburg bei B. Theod. Felginers Witwe. 1733. 



i84 



Regesten 



[S. 774.] Uriel Acofta, deffen handfchriftliche Abhand- 
lung über die Sterblichkeit der Seele ich im 3. Bd. S. 83 
Erwähnung getan. Diefe hat er, nachdem fie bereits von 
Samuel de Sylva widerlegt war, herausgegeben Amflerd. 
1624, in 8°, unter dem Titel : Prüfung der pharifäifchen 5 
Traditionen in Vergleichung mit dem gefchriebenen Gejetz 
von Uriel, hebräifchen Jurißen, mit Entgegnung auf einen 
Semuel da Silva, feinen f alfchen Verleumder. So fah ich 
es erwähnt im Katalog der Bücher von R. David Nunnes 
Torres, S. 33, Nr. 76. Dabei ift zu bemerken, daß der 10 
Verfaífer verfchiedentlich Uriel, Jurift, genannt wird, 
worüber man nachfehe, was im 1 . Bd., S. 131 f. fteht, wo 
einiges hiernach verbeffert werden kann. 

1624. 

Jußitie boeck Begonnen den 8 T Julij 1623 eijndiget den *5 
27 1 novembJ 1624, foi. loja. 

Uriel da Cofta, alias Adam Romez, is bij fchepenen 
gerelaxeert uijtte ghevangeniffe defer ftede onder hand- 
taftinghe en belofte van t' allen tyden op't roepen van 
den heere Off r . in rechten te compareren, en fyn perfoon 20 
in Juditio te fifteren, waer voor fich borghen gheftelt 
hebben Miguel Efteuez de Pina en Juan Perez da Cunha, 
belovende by faulte van Comparitie in rechte van den 
voorfz. Uriel da Cofta ten behoeve van den heere Off r . 
te betalen twaelif honderd gldn. Actum den leften Maij, 25 
A°. 1624, Piit. Jacob Pieterfz Hooghcamer en Claes 
Pietersze Schepenen. 

* * * 

Juftizbuck, begonnen am 8. Juli 1623, beendigt am 27. No- 
vember 1624, fol. ioja. 

Uriel da Cofta, alias Adam Romez, wird von den Schöf- 30 
fen aus dem Gefängnis diefer Stadt entlaffen, gegen Hand- 



Regesten 



185 



fchlag und Verfprechen, jederzeit auf Vorladung der 
Herrn Officiere vor Gericht zu erfcheinen und feine 
Perfon gerichtlich fiftieren zu laffen, wofür fich als Bürgen 
dargeboten haben Miguel Eftevez de Pina und Juan Perez 

5 da Cunha, indem fie verfprachen, im Falle des Nicht- 
erfcheinens des vorgenannten Uriel da Cofta vor Gericht 
zur Verfügung der Herrn Officiere zwölfhundert Gulden 
zu bezahlen. Gefchehen am letzten Mai im Jahre 1624. 
Gez. Jakob Pieterfz Hooghcamer und Claes Pietersze, 

10 Schöffen. 



Zwifchen 1624 und 1628. 

rowma nta ma^ apm nimaa mauern rwbm idd 
aa \wn Wa sxti r\w 

m\m i?aa isia sm *a ty^ai m b^k irra s*aj nbm 

15 svn Di m« rpiai cpnai to"n *nan gytei ttfi tyattf 
astrai a\nan n^nm waan nnxt^na miasn np'tfa isia 
runm nanam man pa Wa tmsn ^ law maa t^:a 
yt^si VTbs pi ana t^nan nmna a^ainan cwna 
aya ppm viffte iBD D^nnb nsnp ph m» na'ra ir sbi 

20 i'nrwn p"pn ^si ntrs -iy mmm manan rrmias ^a bna 
iatn traten Bwa aisnm nsa <?a inp'n maten ay 
*a T?n p ims ni^rt msa i'nrwm aniasn jmaa ims 
nmpn aw pai miasn nvwön w sinn rna^aattf mvrt 
a:asi laipaa wtomp pi vmrra^ jwn^ ama nty s 5 ? nrb 

25 írnteff nm 1?nv aipaa atr usip jnmn ns pa^ rrmw 
a^ns \>&> p an napr as i 5 ? a> nrn t^s 5 ? *a *on 

man rn am nteis njn au? rnsa s*a: sb pi* 
\*a iKff ^a 10a lay a^ma rn sbi mai ims a^snna 
nr *a isna s\n ias ajasi am na 1 ? imrian bnpn 

30 it»a npmai man rem isn ma ay -rn^ nnaff 
•»nasn amsan am nbaw ma^ntra nbais rann na^m 
pi ma patena nbr nt^s amsan ara myna s\m 



i86 



Regesten 



nr bs\ te-w napa nnpn sto nviDn j-nen dk&> 
man itrs nnH urwü nppaa uku mb na Tirnb rrt 
^awö nn ^ mmp 1 ? «toi p«n "hj nrwft bau rmoa 

.ab w D^wn ma 5 

* * * 

Buch der Fragen und Antworten des Ja'akob aus dem 
Haufe Levi. Venedig, im Jahre 1632. 

Frage: Es findet fich in unferer Mitte ein fchlechter 
und nichtswürdiger Mann, der die ganze mündliche Lehre 10 
leugnet, die Worte unfrer Weifen verfpottet und läfternd 
gegen fie auftritt, der auch die Grundlagen des Glaubens 
leugnet, die Fortdauer der Seele und die Auferftehung der 
Toten, und der voller Anmaßung die Anfchauung ver- 
tritt, daß es zwifchen Menfch und Vieh keinerlei Unter- 15 
fchied gebe, und der viele von den in den Schriften fich 
findenden Wunder einfach leugnet, ebenfo die Wunder 
der Propheten Elias und Elifa. Zudem, daß er all dies 
tat, wollte èr in fremder Sprache ein Buch herausgeben, 
in dem er unverhohlen alle feine Lügenbehauptungen und 2c 
fchlechte Anflehten zu publicieren gedachte, fo daß die 
Spitzen der hl. Gemeinde gemeinfam mit der Regierung 
alle feine Bücher befchlagnahmten, fie öffentlich ver- 
brannten, ihn ins Gefängnis warfen und fich alle Mühe 
gaben, ihn der Stadt zu ver weifen. Denn da bei diefer 2 5 
Regierung Glaubensfreiheit herrfcht und dort keine Inqui- 
fition befteht, konnte fie es nicht zu Wege bringen, die 
Todesftrafe gegen ihn zu erwirken, fondern nur die Aus- 
weifung aus feinem Orte. Es mögen aber diefem Böfe- 
wicht feine Sünden ins Unglück verftricken, daß er an 3° 
dem Orte, wohin er gekommen, verendet. Unfere 
Frage geht nun auf folgendes : Diefer Nichtswürdige hat 
eine alte Mutter und ferner zwei fromme Brüder, bei 



Rege STEN 



187 



denen keinerlei verwerfliche Anficht zu finden ift, die ihn 
vielmehr wegen feiner Worte ftändig tadelten und nicht 
mehr mit ihm fprachen, ebenfo wie alle Gemeindemitglie- 
der, die ihn als in Bann getan verkünden ließen. Im 

5 Gegenfatz dazu wohnt aber feine Mutter ftändig im 
felben Haufe mit ihrem Sohne, dem böfen Feinde, unter- 
ftützt ihn, wandelt auf feinen Wegen, ißt von dem, was 
er gefchächtet, ißt am richtigen Verföhnungstag und 
faftet an dem von ihrem Sohn errechneten Verföhnungstag, 

und entfprechend in bezug auf das Gefäuerte an Peffach 
und arbeitet an Feiertagen. Man hat auch fie verftoßen 
und in Bann getan und ihr weiterhin eröffnet, daß, im 
Falle fie in folcher Auflehnung ftürbe, fie nicht unter 
Ifraeliten begraben würde. Dies alles nützte nichts, fie 

5 zur Rückkehr zu bewegen. Darum bitten wir Sie, uns 
mitzuteilen, ob wir fie, falls fie in diefer Auflehnung ftürbe, 
auf der Erde liegen laifen follen, ohne fie überhaupt zu 
begraben, oder nicht und zwar dies in Rückficht auf ihre 
frommen Söhne. 



o 1628. 

Opgave van per Jonen, op het Beth-Haim te Ouderkerk 
begraven enz. 

A° 5389 [1628] 4 oct Sara da Cofta rij 10 No 10 

* * # 

5 Lifte der auf dem Friedhof Beth-Chajim zu Ouderkerk 
beftatteten Perfonen uff. 

Im Jahre 5389 [1628], 4. Oct. Sara da Cofta, Reihe 
10 Nr. 10. 

* * * 

Infchrift des Grabfieins, 
S a de Sarah da Cofta falefeo em 7 de Tisri 5389. 



1 88 Regesten 

Grab von Sarah da Cofta, ftarb am 4. October 1628. 



1636. 

Menaffeh ben-I/rael de Re/urrectione Mortuorum 

Libri III. Quibus animce immortalitas & corporis re~ 
Jurrectio contra Zaducceos comprobatur: caujjce item mira- 5 
culofce refurrectionis exponuntur: deque judicio extremo, & 
mundi inflauratione agitur: Ex Sacris Liter is, & veter ibus 
Rabbinis. nDXfl fHKD Veritas e terra orietur. 

Pfal. 85. 11. Amflelodami, Typis & fumptibus Auctoris. 
CDIDCXXXVI. . 10 

[Epiftola Dedicatória.] Magnificis, ampliffimis, doctiffi- 
misque viris D. D. Laurentio Reael, . . & Alberto Con- 
radi van der Burch . . Dominis fuis omni officio colendis, 
Menaffeh ben-Ifrael S. P. D. 

. . Unum enim Deum colimus, ejus praeceptis nos fubji- 15 
cimus, & poft hujus vitge difficultates meliorem vi tarn 
exfpectamus. Atque huc univerfa primi libri opera tendit, 
ut cuncti intelligant, in doctrina hac tarn neceffaria omnes 
nos contra Zaducseos, animarum, & Rerumpublicarum 
peites, penitus con venire. . . 20 

Amftelodami CDIDCXXXVI. 
XX. Februarii St. N. 

[36] Cap.VI. De objectionibus Zaducceorum, eorumque 
refutatione. 

Reperti funt homines improbi, & male feriati, qui aufi 25 
funt dogma hoc excelentiffimum negare. Inter hos fue- 
runt Zaducaei, qui uti negabant animas effe immortales, 
ita etiam non credebant fore refurrectionem mortu- 
orum. 

[44] Cum enim propter aliquod bonum opus, dignus 30 
habitus fit nomine Ifraélis: idcirco partem aliquam 



Rege STEN 



189 



gloriae in mundo refurrectionis obtinebit. Portio illa erit 
magna, aut parva, pro ratione operum, quae iinguli prae- 
ftiterant. Sed tria hominum genera funt, qui inde exclu- 
duntur; primo illi, qui negant refurrectionem ; nam 
5 juftum & aequum eft ut tales ea beatitudine non fruantur. 
Deinde qui negant legem a Deo effe datam, five qui Legi 
divinitatem derogent : cum enim hi nullam vitae normam 
ac regulam fibi propofitam [45] habeant, fecundum quam 
actiones dirigant, fieri non poteft, ut operibus falventur. 

10 Denique Epicuraei, qui negant Providentia divina, infe- 
riora haec gubernari. Triplex itaque illud hominum genus, 
non poteft particeps fieri futuri feculi, licet bona quaedam 
opera fecerint. Ex his apparet, quam grave peccatum 
fit, negare refurrectionem mortuorum. 

15 Cap. VII. Argumenta Zaducceorum, & quorundam atheo- 
rum pro mortalitate animce & contra refurrectionem mortu- 
orum proponuntur . 

Ut hoc dogma de refurrectione plenius intelligatur, 
operae pretium me facturum exiftimo, fi proponam quoque 

20 argumenta eorum, qui contra fentiunt & eam inficiantur 
(veritas enim oppofito mendacio contrario magis elucefcit) 
eaque deinde refutem; imprimis argumenta Zadducae- 
orum quibus ii folent perverfam opinionem fuam adftruere. 
I. Anima humana, inquiunt, nihil aliud eft, quam fpiri- 

25 tus Vitalis, inhaerens fanguini : nam per hunc vivimus, 
agimus, & movemur. Neque alia differentia intercedit in- 
ter [46] animam hominis & bruti, quam quod anima hujus 
fit irrationalis : illius vero rationalis : caeterum origine, vi ta, 
morte prorfus paris funt & aequalis conditionis. 

3° II. Non repugnat legi divinas, animam eile mortalem. 
Imo immortalitatis animarum nufpiam mentio fit in Lege. 
At neutiquam verifimile eft, Legem ejus mentionem nul- 
lam facturam fuiffe, imprimis cum res fit tanti momenti ac 
ponderis. 



i9o Regesten 

III. Omnes promifiiones & benedictiones, quae manent 
cultoribus legis, funt temporales : neque ulla vel poena vel 
prsemium vitae futuras in lege expreíTum eft, quod dan- 
dum vel exfpectandum fit poft mortem, obfervantibus 
legem. Nam Ifac benedicens Iacobo, non alia ei promittit 5 
bona, quam caduca & temporalia. Quis autem credat 
eum, fi credidiffet aliam poft hanc vi tarn effe, etiam non 
mentionem facturum fuiffe vitse iftius & bonorum ejus 
fpiritualium ? 

IV. Prophetae ipfi crediderunt animas eile mortales, uti 10 
ex variis locis obfervare eft. David cum mortuus effet 
filiolus quem ei pepererat Bat Seba fic infit (2. Sem. 12): 
Nunc autem, cum obierit, quid eft, cur jejunem? nunquid 
potero r evocar e eum amplius? ego vado ad illum, & ille 
non redibit ad me } inquit, non revertar, [47] ad illum, quia *5 
eo defuncto, nihil ejus reliqui erat. Pfalmi etiam Davidici 
manifeftum hujus fententiae patrocinium praebent. Pfal. 6. 
quia in morte non eft memoria tua, in fojja quis laudabit 
te? Pfal. 29. Quce utilitas in fanguine meo, cum de/cendam 
in foffam? nunquid laudabit te pulvis, aut annuntiabit veri- 20 
tatem tuam? item 88. An mortuis facies miracula? an 
defuncti re/urgent, te laudabunt? Praeterea 115. mortui non 
laudabunt Deum, neque ulli ex defcendentibus in foffam. 
Denique Pfal. 78. nam memini, quod caro ipfi, fpiritus 
vadens, & non redibit. 2 5 

V. Eandem fententiam quoque fequitur Selomoh filius 
ejus: nam in Ecclefiafte aperte fic dicit: Quod eventus fili- 
orum hominis, & eventus quadrupedis & eventus unus 
eis: ficut moritur hic, ita moritur ille, & fpiritus unus 
omnibus; & prceßantia hominis prae quadrúpede nulla: 3° 
quia omnia vanitas. Omnis vadens ad locum unum, omne 
fuit de pulvere, & omne revertitur ad pulverem. Quis feit, 
an fpiritus filiorum hominum, afeendens ipfe furfum, & 
fpiritus quadrupedis defeendens fubius terram. Et alio 



Regesten 



191 



in loco : Nam viventes fciunt, quod morituri funt, & mortui 
non fciunt quicquam; & non ultra eis [48] prcemium, quia 
oblivioni tr adita eft memoria eorum. Denique ibidem paulo 
inferius : Omne quod invenerit manus tua, ad faciendum in 

5 virtute tua, fac: quia nullum opus eft, neque computatio, 
neque fapientia vel fcientia in fepulchro, quo vadens tu. Ex 
his omnibus concluditur animam effe mortalem. 

VI. Diferte etiam Iobus hoc agit, ut evertat thefin de 
refurrectione mortuorum: idcirco cap. 7. 7. ait. Memento 

o quod ventus vitaz meae, non rever tetur oculus meus ad viden- 
dum bonum. Non me intuebitur oculus videntis me, oculi 
tut in me, & non ego. Defecit nubes & abiit, fic defcendens 
ad fepulchrum, non afcendet. Non revertetur amplius domum 
Juam, & non cogno/cet eum amplius locus ejus. Et alibi 

5 (Cap. 14. 12.); Et vir dormivit, non refurget, ufque dum non 
cceli, non refurgent, & non fufcitabuntur ex fomno fuo. Atque 
haec fumma eft opinionis Zaducseorum & atheorum, prseci- 
puaque argumenta, quse pro fe ex facris adducere folent. 
* * * 

MenaJJeh ben-Ifrael. Drei Bücher über die Auferftehung 

o der Toten, in denen die Unfterblichkeit der Seele und Auf- 
erftehung des Körpers gegen die Sadducäer bewiefen wird, 
in denen ferner die wunderbaren Urfachen der Aufer- 
ftehung dargelegt werden und über das jüngfte Gericht und 
die Wieder her ftellung der Welt gehandelt wird: aus den 

5 Heiligen Schriften und den alten Rabbinen. Die Wahrheit 
fleht aus der Erde auf. Pfalm 85, 11. Amfterdam, in Druck 
und auf Koflen des Verfaffers. 1636. 

[Widmungsbrief.] An die Edlen, Hochanfehnlichen und 
Hochgelahrten Herren Lorenz Reael, . . und Albert Conrad 

o van derBurgh . . . feinen in jedem Dienfte zu verehrenden 
Herren Menaffeh ben-Ifrael zum Gruß. 

. . Denn wir verehren einen Gott, unterwerfen uns 
feinen Geboten und erwarten nach den Mühfalen diefes 



192 



Regesten 



Lebens ein befferes Leben. Und dahin ftrebt die ganze 
Arbeit des erften Buchs, daß alle begreifen, daß wir alle 
in diefer fo notwendigen Lehre gegen die Sadducaeer, 
diefe Peft der Seelen und Staaten, vollkommen harmo- 
nieren ... 5 

Amfterdam 1636. Am 20. Februar Neuen Stils. 

[36] 6. Cap. Über die Einwürfe der Sadducäer und ihre 
Widerlegung. 

Es haben fich fchlechte und müßige Menfchen gefunden, 
die es wagten, diefes vorzüglichfte Dogma zu leugnen. 10 
Darunter waren die Sadducäer, die, wie fie leugneten, daß 
die Seelen unfterblich feien, fo auch nicht glaubten, daß 
es eine Auferftehung der Toten geben werde. 

[44] . . Da er alfo wegen irgend eines guten Werkes des 
Namens Ifraels^ gewürdigt wird, fo wird er darum einen 15 
Teil der Herrlichkeit in der Welt der Auferftehung er- 
langen. Diefer Anteil wird groß oder klein fein im Ver- 
hältnis zu den Werken, die die einzelnen vollbracht. Aber 
drei Arten von Menfchen gibt es, die davon ausgefchloffen 
werden. Zuerft diejenigen, die die Auferftehung leugnen; 20 
denn es ift recht und billig, daß fie diefe Glückfeligkeit 
nicht genießen. Dann diejenigen, die leugnen, daß das 
Gefetz von Gott gegeben ift oder die die Göttlichkeit des 
Gefetzes in Abrede ftellen ; denn da diefe fich keine Norm 
und Regel für das Leben vorgefetzt haben, [45] nach der 2 5 
fie ihre Handlungen leiten, können fie unmöglich durch 
ihre Werke gerettet werden. Endlich die Epikuräer, die 
leugnen, daß diefe niedere Welt durch göttliche Vor- 
fehung gelenkt wird. Diefe dreifache Menfchengattung 
alfo kann der künftigen Welt nicht teilhaft werden, auch 3° 
wenn fie gute Werke tun follten. Daraus erhellt, wie 
fchwere Sünde es ift, die Auferftehung der Toten zu 
leugnen. 



Regesten 



193 



7. Cap. Die Beweisgründe der Sadducäer und einiger 
Atheiften für die Sterblichkeit der Seele und gegen die 
Auferßehung der Toten werden dargelegt. 

Damit das Dogma von der Auferftehung beffer ver- 
5 ftändlich wird, halte ich der Mühe für wert, auch die 
Beweisgründe derer darzulegen, die die entgegengefetzte 
Meinung vertreten und die Auferftehung leugnen (denn 
die Wahrheit erhellt durch den Gegenfatz der Lüge noch 
mehr), um eben diefe Beweisgründe dann zu widerlegen, 

10 in erfter Linie die, mit denen die Sadducäer ihre verderbte 
Anficht zu ftützen pflegen. 

1. Die menfchliche Seele, fagen fie, ift nichts anderes 
als der Lebensgeift, der dem Blut innewohnt : denn durch 
ihn leben wir, handeln wir und bewegen wir uns. Kein 

15 anderer Unterschied befteht zwifchen [46] der Menfchen- 
und der Tierfeele, als daß die Tierfeele unvernünftig, die 
Menfchenfeele aber vernünftig ift, während fie im übrigen 
nach Urfprung, Leben und Tod von völlig gleichem und 
übereinftimmendem Charakter find. 

20 2 . Es widerftreitet nicht dem göttlichen Gefetz, daß die 
Seele fier blich ift, ja der Unfterblichkeit der Seele ge- 
fchieht nirgends im Gefetz Erwähnung. Aber es ift durch- 
aus nicht wahrfcheinlich, daß das Gefetz ihrer nicht Er- 
wähnung getan hätte, zumal da es iich um eine Sache 

25 von folcher Bedeutung und Wichtigkeit handelt. 

3. Alle Verheißungen und Segensfprüche, die derer 
harren, die das Gefetz halten, find zeitlich, denn es 
findet fich nirgends weder Strafe noch Belohnung im 
künftigen Leben im Gefetz ausgedrückt, die für die- 

30 jenigen nach dem Tode zu erwarten wäre, die das Gefetz 
beobachten. Denn Ifaac, indem er Jakob fegnet, ver- 
fpricht ihm keine anderen Güter als vergängliche und 
zeitliche. Wer möchte aber annehmen, daß er, falls er 



Da Costa Opera. 

Mi v %■ I 



13 



194 



Regesten 



an ein andres Leben nach diefem geglaubt hätte, diefes 
Lebens und feiner geiftlichen Güter nicht Erwähnung 
getan hätte? 

4. Die Propheten felbft haben die Seelen für fterblich 
gehalten, wie aus verfchiedenen Stellen zu entnehmen ift. 5 
David fagt nach dem Tcde feines Söhnchens, das ihm 
Bathfeba geboren hatte (2. Buch Samuel 12): Jetzt aber, 
da er hingefchieden ift, warum Jollte ich da faflen? Werde 
ich ihn wieder zurückrufen können? ich gehe zu ihm, aber 
er wird nicht zu mir zurückkehren; er fagt alfo, ich werde 10 
nicht zu ihm zurückkehren, [47] weil von ihm, nachdem 
er geftorben ift, nichts zurückgeblieben war. Auch die 
Pfalmen Davids geben diefer Meinung offenbar Stütze. 
Pfalm 6 : Weil im Tode keine Erinnerung an dich ift, wer 
wird in der Gruft dich preifen? Pfalm 29 : Welcher Nutzen 15 
ift in meinem Blute, da ich in die Gruft hinabfteige? Wird 
dich der Staub loben oder wird er deine Wahrheit ver- 
künden? Ebenfo 88 : Wirft du an den Toten Wunder tun? 
Oder werden die Abgefchiedenen wieder auferftehen, werden 
fie dich preifen? Außerdem 115: Die Toten werden Gott 20 
nicht preifen, noch irgendwelcher von denen, die in die 
Gruft hinab fteigen . Endlich Pfalm 78 : Denn ich gedachte, 
daß fie Fleifch find, Geift, der vorübergeht, und er wird 
nicht zurückkehren. 

5. Diefelbe Meinung vertritt auch fein Sohn Salomo, 25 
denn im Prediger äußert er fich offen in folgender Weife : 
Ein Ende gebe es für die Menfchenföhne und ein Ende für 
die Tiere und das Ende fei ein und dasfelbe für fie: fo wie 
diefer ftirbt, fo ftirbt auch jener und ein Geift ift für alle, 
und es gibt keinen Vorzug des M<enfchen vor dem Tier; 30 
denn alles ift eitel. Alle gehen zu einem Orte, alles war 
aus Staub und alles kehrt wieder zum Staub zurück. Wer 
weiß, ob der Geift der Menfchenföhne felbft aufwärts fteigt, 
und der Geift der Tiere hinab fteigt unter die Erde. Und 



Regesten 



195 



anderwärts : Denn die Lebenden wijjen, daß fie zum 
Sterben kommen, aber die Toten wijjen nichts, und 
über fie hinaus [48] gibt es keine Belohnung, weil ihr Ge- 
dächtnis dem VergeJJen überantwortet iß. Schließlich eben- 
5 da etwas weiter: Alles, was deine Hand erfindet, es zu 
tun in deiner Tüchtigkeit, das thue, denn es gibt kein 
Werk, keine Berechnung, keine Weisheit noch Wijjen im 
Grab, wohin du gehfi. Aus alledem wird erfchloffen, daß 
die Seele fterblich ift. 

10 6. Verfchiedentlich behandelt das auch Hiob, um die 
Thefe von der Auferftehung der Toten zu Fall zu bringen. 
So fagte er Cap. 7, 7 darüber: Gedenke daran, daß Wind 
mein Leben, daß mein Auge nicht zurückkehren wird, 
Gutes zu Jchauen. Nicht wird mich fchauen das Auge 

15 dejjen, der mich fieht, deine Augen find auf mich gerichtet 
und ich bin nicht. So wie die Wolke fchwand und dahin- 
ging, fo wird, wer ins Grab fieigt, nicht mehr hervor fteigen. 
Nicht wird er mehr zurückkehren zu feinem Haufe, und fein 
Ort wird ihn nicht mehr kennen. Und anderswo (Cap. 14, 12) : 

20 Und der Mann, der einfchlief, wird nicht auf erflehen; fo 
lange bis die Himmel nicht mehr find, werden fie nicht 
auferftehen und nicht erweckt werden aus ihrem Schlaf. 
Das alfo ift in der Hauptfache die Anficht der Sadducäer 
und Atheiften, und ihre vorzüglichften Beweisgründe, die 

25 fie aus den Heiligen Schriften für iich anzuführen pflegen. 

1639. 

Repofia a certas propoflas contra a tradição. 

Haõ fe me prefentado diz propoftas, ou objecçoens, de 
certa peffoa contra a ley que chamamos de boca, & alguns 
30 feus particulares; & para fazerlhe repofta, naõ tive muyta 
difficultade, naõ fendo eile o primeiro, nem defte tempo, 

13* 



196 Regesten 

que haya feito femellantes & mayores objecçoens, âs 
quais hão refpondido os noffos antepaffados muy fuffi- 
cientemente. . . . 

Mas com tudo para mayor fatisfaçao fua, refol veremos 
a fetima queftaõ fua, a qual he contra o fundamento da 5 
Ley de boca univerfalmente, com cuja refoluçaõ, entendo 
que ficarão abfolvidas todas as outras propoftas por eile, 
ou que fe pudefíem propor, naõ deyxando de refponder 
também as outras nove, mas farfea fumarramente, . .porque 
naõ perda a prefente a fua forma de carta, e foffe hfía "> 
obra, ou hum volume, como pode fer que foffe nefte 
cafo neceffario, confiandonos, que fendo (como eftimamos) 
eífe tal fenor que faz eftas propoftas peífoa de ingenio & 
de confciencia, cederá à rezaõ, e juntamente com nos dara 
gloria a Ds. com a obediência de fua Ley. J 5 

. . Ifto he aquilo que por ora nos haõ Ds. B. infpirado, 
e parece baftante para refponder âs propoftas do Pro- 
ponente fer vindo juntamente por apologia e defença da 
Ley de boca e ordens e vallados de noífos fabios, prefu- 
pondo que fe o tal proponente pergunta para faber 2 <> 
a verdade, confiamos no Ds. da verdade, que bem 
confiderando eftas noffas repoftas eile B. lhe concedera 
efpirito para fatisfacerfe com ellas; e onrar os noífos 
fabios, e dar a devida fe â ley de boca, noffa guia e farol 
para a obfervança da facra efcritura. E quando feja que 2 5 
outro umor lhe paífe per la cabeça, fe abftenha de abrir 
a boca contra fua Divina Doutrina, culpando antes ao 
noffo fragil ingenio, o qual de tempo em tempo fe vay 
diminuendo de força, e confidere que os antigos fouberaõ 
mais que os modernos, os muitos que os poucos ; e os experi- 30 
mentados mais que os caprichosos, e daqui em diante, 
vifto que para milhares de annos,por milhares de peífoas, 
ha fido fempre afirmado efte dogma e doutrina, e por 
todos ratif ficada fe una pois, antes eile com elles, e com 



Regestes 



197 



nos: vi por todos nos, como diffe David, feja o nome do 
fenhor B. desde agora para in eterno amen. 
Amst am 5 de Adar Anno 5399 — 

Fim MRel. d 'Aguilar 

* * * 

5 Entgegnung auf gewijje Thefen gegen die Tradition. 
Man hat mir zehn Thefen oder Einwände einer gewiffen 
Perfönlichkeit regen das fogenannte mündliche Gefetz 
und einige feiner Befonderheiten vorgelegt. Es hatte 
keine große Schwierigkeit, ihnen eine Entgegnung gegen- 

10 überzuftellen, da er nicht der erfte ift, auch nicht 
in diefer Zeit, der ähnliche und fchwerwiegendere Ein- 
wände erhoben hat, auf die unfere Vorfahren vollkommen 
ausreichend geantwortet haben. . . . Aber bei alledem 
wollen wir zu feiner völligen Befriedigung feine fiebente 

J 5 Frage löfen, die gegen das Fundament des mündlichen 
Gefetzes im allgemeinen geht, mit deren Löfung, wie ich 
annehme, auch alle feine übrigen Thefen, oder die fonft 
noch aufgeteilt werden könnten, erledigt fein werden, 
wobei ich nicht unterlaffe, gleichwohl auf die übrigen 

20 neun zu antworten, aber in fummarifcher Weife, . . damit 
das Gegenwärtige nicht feinen Briefcharakter verliert und 
ein Werk oder ein Band wird, wie es in diefem Falle fich 
als notwendig erweifen könnte, in dem Vertrauen, daß 
der Herr, der diefe Thefen verfaßt, da er (wie wir an- 

25 nehmen) eine Perfönlichkeit von Talent und Gewiffen ift, 
der Vernunft weichen und gemeinfam mit uns Gott die 
Ehre geben wird im Gehorf am gegen fein Gefetz. 

. . Das ift es, was uns für jetzt Gott eingegeben hat, und 
es fcheint ausreichend, um auf die Thefen des Verfaffers 

30 zu antworten, indem es zugleich zur Apologie und Ver- 
teidigung des mündlichen Gefetzes dient, und der Ver- 
ordnungen und Einfriedigungen unfrer Weifen. In der 
Vorausfetzung, daß jener Verfaffer fragt, um die 



Rege STEN 



Wahrheit zu erfahren, vertrauen wir auf den Goit der 
Wahrheit, daß Gott ihm den Geift verleihen möge, daß 
er, diefe unfre Entgegnungen wohl erwägend, fich mit ihnen 
zufrieden geben, unfre Weifen ehren und den fchuldigen 
Glauben dem mündlichen Gefetz geben möge, unfrem 5 
Führer und Leitftern zur Beobachtung der Heiligen 
Schrift. Und wenn dem fo wäre, daß eine andere Stim- 
mung ihm in den Sinn käme, dann enthalte er fich, 
den Mund aufzutun gegen feine göttliche Lehre, indem 
er vielmehr unfrem hinfälligen Geift die Schuld gebe, 10 
der von einer Zeit zur andren an Stärke abnimmt, 
und er bedenke, daß die Alten mehr wußten als die 
Modernen, die vielen mehr als die wenigen, die Erprobten 
mehr als Eigenfinnigen, und fo fortan, da durch taufende 
von Jahren, für taufende von Menfchen diefes Dogma 15 
und diefe Lehre immer feftgeftanden hat und von allen an- 
genommen war. Es möge fich nun auch er mit ihnen und 
mit uns vereinigen, und für uns alle fei, wie David fagte, 
der Name des Herrn gefegnet von nun an bis in Ewig- 
keit. Amen. 20 
Amfterdam, am 9. Februar 1639. 

Ende . M . Rephael d 'Aguilar . 



1639. 

Ten jare 1639 (6 Juny) heeft Adam Romez al zyn 
mobilar overgedragen aan zijne Dienftmaagd Digna. 25 
* - * * 

Im Jahre 1639 (6. Juni) hat Adam Romez fein fämt- 
liches Mobiliar übertragen an feine Dienftmagd Digna. 

1640. 

Ex epiftola Philippi a Limborch ad Theodorum Gras- 
winckel. 3° 



Regesten 



199 



Addidi doctiffimas tuas de coercendis et in 

ordinem redigendis Judaeis confiderationes manufcriptas, 
quas avunculo meo magno Simoni Epifcopio p. m. olim 
commodato dedifti, et quarum lectio mirifice me affecit, 
5 in eo praecipue, quod invicto validifíimarum rationum 
pondere compendiofe demonftras, Judaeis fecuram in 
patria noftra habitationem liberumque religionis exer- 
citium concedendum effe. Utinam eae typis exfcriptae 
omnium manibus tererentur ! ut rigidos illos á&eoXóyouç, 

10 vel Marpeiia caute duriores, mitefcere doceant, quo tan- 
dem pium Chriftiani Magiftratus fui inftitutum, quo fecure 
exfulibus Judaeis in patria noftra degere permittitur, 
fugillare ac invidiofe traducere definant. Sed quis modera- 
tionem erga Judaeos perfuadebit illis, qui vel Chriftianos 

15 ipfos, in minimo tantum a fe apice diffentientes, (alias 
licet exemplari pietate summaque vitae innocentia con- 
fpicuos) tanquam anathema devovent, extorres ex patria 
ejiciendos, imo tanquam humani generis peftes, quo vis 
fupplicio excruciandos ac enecandos ciamitant, atque illud 

20 fuum immite Ure feca, ingeminant? Illud etiam fumm- 
opere placet, quod cautelas quasdam adhibes, ac liber- 
tatem quidem Judaeis concedis, fed intra cancellos quos- 
dam concluíam, ne in licentiam tranfeat. Nam et hic 
fumma prüden tia invigilandum eft: imprimis quia ex- 

25 communicandi poteftate, quae jurisdictionem aliquam 
fapit, ipfis conceffa proclive valde eft populo huic carnali 
ac terreftri, et nil nifi dominatum in omnes populos 
fpiranti, Tibi imperium aliquod arroga re, formam regiminis 
erigere, non abfimile Uli, quod foli fummo competi t magi- 

30 ftratui. Atque utinam provida eorum, quorum eft curare 
ne quid publica res detrimenti capiat, infpectione Judaeis 
omnis inordinate fe gerendi, et jurisdictionem coactivam 
ufurpandi occaiio ac facultas praecifa fuiffet! Habemus 
fane horrendum exemplum, ac faevitiae dominationisque 



200 



Regesten 



Judaicae documentum illuftre Amftelodami, in Gabriele 
Acofta ; quem, quia a lege Moiis deficiebat ad religionem 
Dei naturalem, anathemate ferierunt; poftea cum inopia 
fumma preffus in gratiam recipi oraret, fententia quafi pro 
tribunali lata, nudata vefte TsaaepáxovTa rcapà (xíav plagas 5 
homini in fynagoga fua inflixerunt. Sane haec fummae 
jurisdictionis, quae uni fupremo competit magiftratui, 
ufurpatio maxime videtur, utpote quae Remp. et qui- 
dem vi coactiva armatam, in Rep. erigat, ac Majeftatem 
Magiftratus directe laedat. Verum enimvero inhumanus 10 
fum et in publica commoda pecco, qui tam longo ac 
taediofo fermone graviffima tua negotia interpellare 
fuftineo : tu quaefo hanc 7uapp7jcíav meam boni confulas, 
meque (fi dignus fum) inter tui cultores ac admiratores 
habe. 15 

Tibi omni obfequio addictifíimus 
Dabam Goudae 4 Idus Mart. 1662. 

Philippus a Limborch. 

* * * 

Aus einem Brief Philipps van Limborch an Theodor 
Graswinckel. 

Ich habe dem beigefügt deine gelehrten handfchrift- 20 
liehen Betrachtungen über die Zügelung der Juden und 
ihre Zurückführung zur «Ordnung, die du feiner Zeit 
meinem Großoheim Simon Episcopius feiigen Andenkens 
zur Verfügung geftellt haft, und deren Lecture mir tiefen 
Eindruck machte, vor allem darin, daß du mit dem 25 
unwiederlegbaren Gewicht ftärkfter Gründe eingehend 
nachweift, daß man den Juden in unfrem Vaterlande 
fichere Wohnftatt und freie Religionsübung gewähren 
müffe. Ich wünfehte, diefe Ausführungen gingen ge- 
druckt von Hand zu Hand, um jene unbeugfamen Atheo- 30 
logen, die härter find als marpefifcher Stein, mildere 



Regesten 



20 1 



Sinnesart zu lehren, damit fie endlich aufhören, die fromme 
Ordnung ihrer chriftlichen Obrigkeit, nach der den ver- 
bannten Juden iicherer Aufenthalt in unfrem .Vaterlande 
gewährt wird, zu befchimpfen und hämifch zu verläftern. 
5 Aber wer wird ihnen Mäßigung gegen die Juden bei- 
bringen, die felbft Chriften, die nur im kleinften Tüpfel- 
chen andrer Meinung find als fie (mögen fie im übrigen 
durch muftergültige Frömmigkeit und fleckenlofen Lebens- 
wandel ausgezeichnet fein), als Verfluchte verwünfchen, 

10 und fchreien, man müffe fie als Landflüchtige aus dem 
Vaterland vertreiben, ja fie als eine Peft des menfchlichen 
Gefchlechts mit allen Qualen martern und töten, und ihr 
graufames Verbrenne und fchneide immer wiederholen. 
Auch das gefällt mir außerordentlich, daß du gewiffe 

15 Cautelen anwendeft und den Juden zwar Freiheit ge- 
währ ft, aber doch innerhalb gewiffer Schranken, damit 
fie nicht zur Willkür wird. Denn auch hier muß mit 
äußerfter Umficht darüber gewacht werden, vor allem 
weil in der ihnen eingeräumten Macht zu excommuni- 

20 eieren, die irgendwie nach Jurisdiction fchmeckt, für 
diefes fleifchliche und irdifche Volk, das nach nichts als 
der Herrfchaft über alle Völker trachtet, eine große Ge- 
fahr liegt, fich eine Amtsgev/alt anzumaßen und eine Art^ 
Regierung zu errichten, nicht unähnlich der, die allein 

25 der höchften Regierungsbehörde zufteht. Wäre doch durch 
die vorausfehauende Aufficht derer, die dafür zu forgen 
haben, daß der Staat keinen Schaden erleidet, den Juden 
jede Gelegenheit und Möglichkeit, fich ungeordnet zu 
betragen und jurisdictionelle Zwangsgewalt zu ufurpie- 

30 ren, benommen worden! Wir haben dafür das abfeheu- 
liche Beifpiel und das bekannte Document jüdifcher Härte 
und Herrfchfucht zu Amfterdam in Gabriel Acofta, den fie, 
weil er vom mofaifchen Gefetz zur natürlichen Gottes- 
religion abgefallen war, mit dem Fluche getroffen, dann, 



202 



Regesten 



als er durch vollkommene Mittelloiigkeit gezwungen fie 
bat, ihn in Gnaden aufzunehmen, ein Erkenntnis wie vor 
Gericht über ihn fällten und dem Menfchen, von Kleidern 
entblößt, vierzig weniger einen Schlag in ihrer Synagoge 
erteilten. Ohne Frage erfcheint das im höchften Maße als 5 
die Ufurpation einer oberften Jurisdiction, die einzig und 
allein der höchften Regierungsbehörde zufteht, eine Ufur- 
pation, die einen Staat, und zwar einen mit Zwangsgewalt 
bewehrten im Staate aufrichtet und die Souveränität der 
Regierungsbehörde unmittelbar verletzt. Aber ich bin 10 
fehr unhöflich und fündige gegen das öffentliche Intereffe, 
daß ich es wage, deine höchft wichtigen Gefchäfte mit 
einer fo langen und läftigen Rede zu unterbrechen : dich 
bitte ich, diefe meine Redefreiheit nicht übel zu nehmen 
und mich (wenn ich deffen würdig bin) unter deine Ver- 15 
ehrer und Bewunderer zu zählen. 

Dir zu jedem Dienfte ergeben 
Gouda, am 12. März 1662. 

Philipp van Limborch. 

1640. 20 
Judaismus oder Jüdenthumb / 

Das ifl ausführlicher Bericht von Jüdifchen Volckcs 
Vnglauben j Blindheit und Verftockung / Durch Johannem 
Müllern / der H. Schrift Doctorem und Paftorem der 
Haupt- Kirchen zu S. Peter in Hamburg. Hamburg In 25 
Verlegung Zacharias Hertels / Buchhändlers dafelbft Im 
Jahr Chrifli chhcxniu. 

[S . 7 1] Zu den Zeiten Chrifti gingen diefe Secten in vollem 
Schwange / Die Effeer aber haben fich bald darauff ver- 
lohren. Pharifeer find noch vnter den Juden / vn findet 30 
man etliche Sect zugethan in diefen Landen / welche 
nicht allein Mofis / fondern auch der Rabbinen Gefetz 
wollen vollkômlich halten / vnd dadurch feiig werden. 



Regesten 203 

Die Sadduceer haben fich auch meiften Theils verlohren / 
doch follen in Welfch-Land vnd Túrckey noch etliche 
iibrig feyn. Gewiß ift es / daß vnter den Hifpanifchen 
Juden noch Sadduceer feyn. Bekant ift Uriel Jurifla 

5 Hebrceus, welcher gefchrieben in Spanifcher Sprache Exa- 
men Traditionum Pharifaicarum Collatarum cum lege /crip- 
ta, gedruckt zu Ambfterdam durch Paul von Ravenftein / 
im felbigen Buch vertheidiget er mit vielen Argumenten 
vnd Spruchen / daß die Seele fterblich fey : wider welchen 

10 gefchrieben ein ander Jude / namens Samuel de Sylva, 
ein Buch de Immortalitate anima?, auch zu Ambfterdam 
gedrucket / bey Paul von Ravenftein. R. Menajje er- 
zählet die argumenta der Sadduceer lib. I, de refurr. c. 6 
vnd widerleget fie. Sonften ift eine hefftige Feindfchafft 

15 zwifchen den Sadduceern vnd Pharifeern. R. Menaffe 
Ben-Ifrael, nennet die Sadduceer Civitatum & Rerum- 
publicarum peftes lib. 1 de Resurr. c. 1. p. 4. Das ift der 
Seelen und gantzen Gemeine Gifft und Peftilentz. Als 
vorgedachter Uriel Jurifta ein Sadduceer diefes Orthes 

20 fich auffgehalten / haben die andern Juden / als welche 
der Pharifeifchen Secte zugethan feyn / ihn eyferig ver- 
folget. Zu Ambfterdam ift er von der Synagoge excom- 
municiret vnd in Bann gethan / daß er bey heben Jahren 
vnter die andern Juden nicht kommen dôrfTen. Endlich ift 

25 er aufT Bitte wieder aufgenommen / vnd öffentlich in der 
Synagoga gegeiffelt worden / darüber er in folche Trawrig- 
keit gerahten / daß er Anno 1640 im Monat April fich 
felber entleibet / vnd ein klägliches Schreiben hinter fich 
gelaffen / welches mir zu handen kommen / darinne er 

30 hefftig klaget über [72] der Juden große Freyheit / daß / wo 
JEfus von Nazareth noch auff Erden ginge / vnd wider 
ihre Satzungen predigte / wurden fie ihn noch einmal 
geiffeln. Seine Wort lauten alfo. Unum inter multa 
miror, & verè mirandum eß, quomodo poffunt Judcei 



204 



Regesten 



inter Chriflianos agentes uti tanta libertate, ut etiam 
judicia exerceant: & verè dicere pojjum, quòd fi Je/us 
Nazarenus , quem Chrißiani adeò colunt, concionaretur 
Amfielrodami, & placeret Pharifceis ilhtm denuò flagris 
ccedere, J>roptereà quòd traditiones Worum impugnarei, 5 
& hypccrifin objiceret, hoc liberè f acere pojjent. Certè 
hoc ignominio/um eft & quod tolerari non debuit in 
civitate libera, quae profitetur fubditos in libertate ô° pace 
fueri, & tarnen non tuetur à Pharisa3orum injuriis. Et 
quando quis non habet defensorem aut vindicem, quid mifer 10 
faciet. 

[S. 141 5] Sie hatten auch Kirchen-Difciplin in ihren 
Synagogen / vnd geiffeln die Vbertreter ihres Gefetzes: 
Den armen Juden Vriel deffen droben pag. 71 gedacht 
worden / hat die Synagoga zum Amfterdam dermaüen 15 
gegeiffelt / daß er ihm folches zu Hertzen gezogen / vnd 
ihm f elber das Leben genommen, inmaffen Er folches in 
einer Schrifft entdecket / die Er für feinem Tode ver- 
fertiget / vnd hernach auff dem Tifch bey feinem tôdten 
Côrper gefunden worden. 20 

1640. 

Philippi a Limborchi de Veritate Religionis 
Chrißiance 

Amica Collatio cum erudito Judceo. Goudce, apud Juftum 
ab Hozve. cIjIoclxxxvil 25 

[Pag. 343] Omnis veritas homini cara effe debet, maxime 
au tem illa, quae ad aeternam fseli cita tem ducit. Ignorantia 
quippe aliarum veritatum licet noxia effe queat, multorum- 
que in hac vita commodorum impedimentum, modo quae 
unice falutaris eft cognita fit, viam ad veram falutem prae- 30 
cludere nequit : Hujus autem ignorantia nullam homini 
fpem, cui plena cum animi perfuafione acquiefcat, de falute 



R EG EST E N 



205 



fua reli quam facit. Quare cum inter omnes Chriftianos in- 
dubitatum fit, unicam illam falutarem veritatem effe reli- 
gionem Chriftianam ; ac proinde unicum falutem aeternam 
confequendi, & à Deo plena animi 7uXy)pocpopia fperandi, 
5 medium effe fidem illi religioni adhibitam, quae ex fefe 
obedientiam ejus praeceptorum fmceram producit ; in hoc 
eniti quammaxime fmgulos Chrifti nomen profitentes 
oportet, ut doctrinae Chriftianae veritatem argumentis 
quam lblidifiimis adftruant, & ab objectionibus, quibus 
10 illius veritas oppugnatur, vindicent ; ut ita omnibus eam 
non amplexis luculentifiima fuppeditetur occafio ejus 
divinitatem agnofcendi, eamque obfequiofa fide reci- 
piendi . 

Sunt quidem varii qui illius veritatem oppugnent per 

15 totum terrarum orbem difperfi adver farii: in hac autem 
pátria noftra duo potiffimum eorum genera, ludsei, & 
Athei feu Deiftse. Iudaei negant Euangelii veritatem, & 
Iefum Chriftum Salvatorem fuum agnofcere recufant: 
Attamen agnofcunt verum Deum creatorem caeli ac terrae, 

20 & divinam Mofis legem vitae fuae regulam habent. Athei 
vero, feu Deiftae (quos conjungo, non quia Atheum & 
Deiftam idem fignificare credo, fed quoniam plerumque 
Deifmus ab Atheifmo vix differt, & [344] qui Deiftas fe 
profitentur ordinarie Atheifmum animo fovent) aut nulluni 

25 agnofcunt Deum, aut illum in agens naturale & necef- 
farium convertunt, atque ita omnem funditus religionem 
tollunt: Praeterea, cum omnem revelationem refpuant, 
nullam certam vitae regulam habent, neque, fi quam 
habent, perfectiorem agnofcunt, quam ex folius natura? 

30 principiis deductam. 

Contra utrofque Religionis Chriftianae veritatem tutari 
imprimis Christiani hominis officium eft: tum ut eam 
oppugnantibus luculenta eam ut divinam amplectendi 
praebeatur occafio; tum ut Chriftianorum animi in fide 



206 



Regesten 



veritatis femel per gratiam divinam agnitae confirmentur, 
neque argutis eam oppugnantium ratiociniis à lide falu- 
tari deturbentur. Haec caufa fuit, ut commoda fefe 
offerente occafione amicam cum erudito Iudaeo collationem 
non fubterfugerim ; qua? cum in justae difputationis molem 5 
excreverit, eam in lucem emittere confultum duxi. Verum 
cum jam editionem ejus adornarem, commodum in manus 
meas incidit fcriptum, quod diu apud me latuit, quo 
orrmis generatim religio revelata, tarn Mofaica quam Chri- 
ftiana, impugnatur : Cujus refutationem fi adjungerem huic 10 
Collationi, rem me Chriftiano orbi nec inutilem nec in- 
gratam facturum credidi. 

Autor illius, ut ex fine fcripti liquet, fuit Gabriel, poftea 
inter Iudseos vocatus Uriel Acofla. Qua occafione illud 
fcripferit, ipfe fatis indicat. Titulum illi prsefixit, quem 15 
praefixum vides, Exemplar humance vitce. Paucis ante 
mortem fuam diebus, & cum jam mori decreverat„ fcrip- 
tum hoc exaraffe videtur. Etenim vindicta aeftuans primo 
fratrem (alii dicunt amitinum) à quo fe maxime laefum 
credidit, deinde feipfum trajicere ftatuit : itaque in fratrem, 20 
feu amitinum, aedes fuas praetereuntem, fclopetum vibra- 
vit ; fed cum fruftrato ictu non exploderetur, fe detectum 
videns, fubito domus fuae januâ claufâ alterum, eum in 
finem paratum, in fe fclopetum explofit, ac feipfum mife- 
randum in modum trajecit. In defuncti aedibus fcriptum 25 
hoc fuit repertum, cujus apographum proavunculo [345] 
meo SimoniEpifcopio ab eximio quodam hujus civitatis viro 
communicatum ego inter fcedas ejus reperi. Quo tempore 
hiftoria haec contigerit, ex ipfo fcripto dijudicare licet : 
Etenim Medici illius libellus de lmmortalitate animarum, 30 
cujus mentionem facit, editus eft Amftelodami apud Rave- 
fteinium anno à creatione mundi 5383 juxta communem 
Iudaeorum calculum, qui refpondet anno Chrifti vulgari 
1623. Si nunc confideremus bina illa têmpora, quibus à 



Regesten 



207 



Iudseis fegregatus vixit, inde non quidem praecife, fed 
aliquatenus hiftorise hujus tempus colligi poteft. 

Animus mihi non eft quicquam hic de Iudaeorum Ex- 
communicatione, aut de judicio contra hunc fcriptorem 
5 lato, differere: fed folummodo argumenta, quibus Reli- 
gionis revelatae, & nominatim Chriftiance, prsecepta im- 
pugnat, ad examen revocare, & quam nullius roboris fmt 
ad illius divinitatem convellendum ostendere. Nemo 
autem credat, quoniam fcripti hujus refutationem Amicce 

10 Collationi cum erudito Judceo conjungo, quod utrumque 
eodem loco habeam, aut erudito Iudseo invidiam creare 
velim, quaii cum hoc homine Religionem Chriftianam 
oppugnet. Minime gentium. Scio enim non religionem 
folum Chriftianam, fed & Iudaicam, ab ipfo impugnari, & 

15 Iudaeum, quo cum difputo, ipfum ut hominem peffimum 
detestari, fibique nihil cum ipfo commune effe velle. Ita- 
que refutatio mea, qua argumenta ejus diluo, non tantum 
Euangelii, fed & Legis Mofaicae divinitatem confirmat; 
cui ß quid Doctifiimus ludseus addat, quo Legis divinitas 

20 fortius adftruatur, gratiam apud me inibit, quam & apud 
ipfum, Legem contra hujus crimina tiones vindicando, 
initurum me confido. Verum quoniam refponfio ad argu- 
menta ludsei, quibus argute ac docte contra Religionem 
Chriftianam difputat, à me in lucem emittitur; volui hac 

25 occafione etiam hujus hominis, qui longe alia quam 
Iudaeus ratione Religionem Chriftianam oppugnat, argu- 
mentis refutatis Religionem Chriftianam à quibufvis ob- 
jectionibus vindicare, ut tanto evidentius & clarius ejus 
veritas ac divinitas patefcat. 

* * * 

/ 



208 



Regesten 



Philipp van Limborch über die Wahrheit der 
chrißlichen Religion 

freundfchaft liehe Unterredung mit einem jüdif chen Gelehrten. 
Gouda, bei Joofl van Hceve. i68j. 

[S. 343] J e ^ e Wahrheit muß dem Menfchen teuer fein, 5 
vor allem aber die Wahrheit, die zum ewigen Glück 
führt. Die Unkenntnis der anderen Wahrheiten kann 
zwar fchädlich fein und ein Hindernis für viele Vorteile 
in diefem Leben, kann aber, wenn nur die erkannt ift, 
die allein heilfam ift, den Weg zum wahren Heil nicht 10 
verfchließen. Die Unkenntnis diefer Wahrheit aber läßt 
dem Menfchen keine Hoffnung auf fein Heil übrig, bei 
der er ßch mit voller Gemütsüberzeugung beruhigen 
könnte. Da es nun bei allen Chriften über allen Zweifel 
war, daß jene alleinige Heilswahrheit die chriftliche Reli- 15 
gion fei, und darum das einzige Mittel, das ewige Heil zu 
erlangen und von Gott mit voller Überzeugung des Ge- 
müts zu erhoffen, diefer Religion den Glauben zuzu- 
wenden, der aus fich den wahren Gehör fam gegen feine 
Gebote hervorbringt, fo müffen alle, die den Namen 20 
Chrifti bekennen, nach Möglichkeit beftrebt fein, die Wahr- 
heit der chriftlichen Religion mit möglichft ficheren 
Beweisgründen zu ftützen und gegen Einwürfe, mit denen 
diefe Wahrheit beftritten wird, in Schutz zu nehmen, 
damit fo allen, die fie nicht angenommen haben, die reich- 25 
lichfte Gelegenheit geboten wird, ihre Göttlichkeit anzu- 
erkennen und he willigen Glaubens anzunehmen. 

Nun find die Gegner, die ihre Wahrheit beftreiten, ver- 
fchiedener Art über die ganze Erde zerftreut; in diefem 
unfrem Vaterland aber gibt es in der Hauptfache zwei 3« 
Arten, Juden und Atheiften oder Deiften. Die Juden 
leugnen die Wahrheit des Evangeliums und weigern 
fich, Jefus Chriftus als ihren Heiland anzuerkennen. Trotz- 



Regesten 



209 



dem erkennen fie den wahren Gott als Schöpfer des Him- 
mels und der Erde an und haben das göttliche Gefetz 
Moßs zu ihrer Lebensregel. Die Atheiften aber oder die 
Deiften (die ich zufammenftelle, nicht weil ich Atheiften 

5 und Deiften für gleichbedeutend halte, fondern weil zu- 
meift der Deismus fich vom Atheismus kaum unter- 
fcheidet, und weil die, [344] die fich als Deiften bekennen, 
in der Regel im Herzen dem Atheismus zugetan find) 
erkennen entweder überhaupt keinen Gott an, oder ver- 

10 kehren ihn in eine natürliche und notwendige Wirkungs- 
kraft und heben damit alle Religion grundfätzlich auf. 
Da ße überdies alle Offenbarung verwerfen, haben iie 
keine gewiffe Lebensregel, und wenn fie eine haben, 
erkennen fie keine vollkommenere an als die den Grund- 

15 fätzen allein der Natur entnommene. 

Gegen beide die Wahrheit der chriftlichen Religion 
ficher zu ftellen, fcheint mir vornehmfte Pflicht eines 
Chriften, f o wohl damit denen, die ße beftreiten, gute 
Gelegenheit geboten wird, fie als göttliche Wahrheit an- 

20 zunehmen, als auch um die chriftlichen Gemüter im 
Glauben an die durch göttliche Gnade einmal erkannte 
Wahrheit zu beftärken und fie durch das fchlaue Raifon- 
nement der Gegner nicht vom Heilsglauben abdrängen 
zu laffen. Das war die Ur fache, daß ich, als die günftige 

25 Gelegenheit fich bot, einer freundfchaftlichen Unter- 
redung mit einem jüdifchen Gelehrten nicht aus dem 
Wege gegangen bin, und als fie den Umfang einer regel- 
rechten Difputation annahm, fie herauszugeben befchlof- 
fen habe. Als ich aber fchon ihre Herausgabe vorbereitete, 

30 fiel mir gerade gelegen ein Schriftftück in die Hand, das 
lange bei mir verborgen lag, in dem fchlechthin jede 
Offenbarungsreligion, mofaifche wie chriftliche, bekämpft 
wird. Wenn ich deffen Widerlegung diefer Vergleichung 
beifügte, habe ich geglaubt, etwas für die chriftliche Welt 
weder Unnützes noch Unerwünfchtes zu tun. 



Da Costa Opera. 



2IO 



Regestek 



Sein VerfaíTer war, wie aus dem Schluß des Schrift- 
ftücks hervorgeht, Gabriel, fpäter bei den Juden genannt 
Uriel, Acofta. Bei welcher Gelegenheit er es gefchrieben 
hat, zeigt er felbft zur Genüge an. Als Titel gab er ihm, 
wie man auch hier vorangefetzt findet : Ein Beifpielmenfch- 5 
liehen Lebens. Wenige Tage vor feinem Tode und als er 
fchon zu fterben ßch entfchloffen hatte, fcheint er es ent- 
worfen zu haben. Rachelodernd befchloß er nämlich, 
zuerft feinen Bruder (andere fagen feinen Vetter), von 
dem er fich am meiften verletzt glaubte, dann fich felbft 10 
zu erfchießen ; darum fchlug er gegen feinen Bruder oder 
Vetter, als er an feinem Haufe vorüberging, das Piftol 
an, aber da der Hahn verfagte und der Schuß nicht los- 
ging und er fich entdeckt fah, verfchloß er fogleich feine 
Hausthür und drückte ein zweites zu diefem Zweck 15 
bereitgehaltenes Piftol gegen fich felbft ab und erfchoß 
fich auf jämmerliche Weife. Im Haufe des Toten wurde 
diefes Schrift ftück gefunden, von dem mein Großoheim 
Simon Epifcopius eine Abfchrift von einem ausgezeich- 
neten Manne aus diefer Stadt erhielt, die ich unter feinen 20 
Papieren gefunden habe. In welcher Zeit diefe Gefchichte 
vorgefallen ift, kann man dem Schriftftück felbft ent- 
nehmen. Das Büchlein jenes Arztes nämlich Über die 
Unfterblichkeit der Seele, das er erwähnt, ift zu Amfterdam 
bei Raveftein erfchienen im Jahre der Weltfchöpfung 25 
5383 nach der üblichen jüdifchen Berechnung, was dem 
allgemeinen Jahr nach Chrifti Geburt 1623 entfpricht. 
Wenn wir nun die beiden Zeiträume in Betracht ziehen, 
während deren er von den Juden getrennt lebte, kann 
man daraus zwar nicht genau, aber doch einigermaßen 3° 
den Zeitpunkt diefer Gefchichte erfchließen. 

Meine Ab ficht ift nicht, hier etwas über die Excommuni- 
cation bei den Juden oder über das gegen den Schreiber 
gefällte Urteil darzulegen, fondern nur die Argumente, 



Regesten 



mit denen er die Vorfchriften der Offenbarungsreligion 
und namentlich des Chriftentums beftreitet, einer Prüfung 
zu unterziehen und darzutun, daß fie ohne Kraft find, 
deren Göttlichkeit zu erfchüttern. Niemand aber möge 

5 glauben, weil ich die Widerlegung diefes Schriftftücks der 
Freundlichen Unterredung mit einem gelehrten Juden an- 
fchließe, daß ich beide gleichftellte oder gegen den gelehr- 
ten Juden Haß erregen wolle, als ob er zufammen mit 
diefem Menfchen die chriftliche Religion beftritte. Ganz 

o und gar nicht! Ich bin mir bewußt, daß jener nicht nur 
die chriftliche, fondern auch die jüdifche Religion be- 
ftreitet, und daß der Jude, mit dem ich mich auseinander- 
fetze, ihn felbft als einen grundfchlechten Menfchen ver- 
abfcheut und nichts mit ihm gemein haben will. Darum 

5 beftätigt meine Widerlegung, mit denen ich feine Beweis- 
gründe entkräfte, nicht bloß die Göttlichkeit des Evan- 
geliums, fondern auch des mofaifchen Gefetzes. Wenn 
dem der gelehrte Jude etwas hinzufügt, wodurch die 
Göttlichkeit des Gefetzes noch ftärker geftützt wird, fo 

o tut er es mir zu Dank, wie ich vertraue, daß ich auch 
ihm zu Dank handle, wenn ich das Gefetz gegen jene 
Befchuldigungen in Schutz nehme. Da aber die Antwort 
auf die Argumente, in denen der Jude ßch fcharf finnig 
und gelehrt mit der chriftlichen Religion auseinander- 
fetzt, von mir herausgegeben wird, habe ich bei diefer 

5 Gelegenheit auch die Argumente diefes Mannes, der in 
ganz anderem Sinne als der Jude die chriftliche Religion 
bekämpft, widerlegen und die chriftliche Religion gegen 
jederart Einwände in Schutz nehmen wollen, damit ihre 
Wahrheit und Göttlichkeit um fo einleuchtender und 

o klarer offenbar wird. 



2 12 



Regesten 



ANHANG: MENASCHEH BEN ISRAEL 
IM BANN. 

Libro dos Acordos da Naçam Escamot, E Eleiçoems do 
K. K. de T. T. (A A° 539 8— 544 o), fo. 55. 

16 de Sebat. 9 de feü. 5400. 5 

Termo da Refoluçaõ que fe publicou da Tevah, p a fe 
defcubrir quem fez e fixou certos pasqins e papers diffa- 
matorios que fe fixarão na porta da Esnoga; na ponte; 
na Bolfa ; e em outra parte — 

Prim ra m te fe leo A Afhamah n° 43. a foi 25 , defte I o e 10 
defpois o feginte. 

Os fenhores do Mahamad haõ fabydo como fe puzeraõ 
certos pasquins ou papers diífamatorios nas portas da 
Esnoga, na Ponte, na Bolfa e em outra p te . O quaõ 
Abominável feito feja efte, quaõ reprovado e digno de fe 15 
caftigar, he bem entendido de todos. Pelloque, em con- 
firmação da Afhamah que aqui fe ha lejdo, Poem em 
Herem e publicaõ por malditto dei Dio e apartado da 
Nacaõ a Peffoa ou peffoas, que os taos papers haõ feito, 
e fixado, que ninguém fale com ellos, nem lhes da fauor 20 
e ajuda em nada Ordenaõ com a mifma pena de Herem 
que qualquer peffoa que fouber ou tiver noticia de quem 
os ha feito, efcritto, ou fixado o venha logo ou t to que o 
fouber a declarar a qualqer dos s res do Mahamad, os 
quais fob cargo do juram to folene, q tem tomado lhe guar- 25 
daraõ involavel fegredo De Modo que prometem, que 
naõ fe faberá, quem o haja manifeftado a peffoa que eftiver 
complice, fe manda que venha confeffar feu pecado paraq 
dandofelhe o caftigo q convém, có iffo felhe leuante o 
Herem e poffa fer feu .delicto perdoado. E de outro 30 
modo ficará feu pecado fobre fua cabeça. E Os s res do 
Mahamad, e o Kahal Kados ferâ livre e fobre o povo dos 
feus tem tea pouzará a Bendicaõ — . 



Regesten 



213 



Defpois q o gabay publicou da Tevah, O fobreditto — 
fubyraõ: O Hazan: E Hagaõ David Pardo e Hag. Ifak 
Aboaf. e diffe o Hazan en voz Alta en Ebraico — na 
forma, que he coftume 
5 Que Ellos cõ a L ca , dos de Acima e dos de Abaxo; e com 
L ca dos s res do Mahamad, e com L ca de todo o K. Kados, 
punhao em Herem, e publicarão p Malditto dei Dio e 
apartado da Nacao a peffoa ou pefíòas que havjaõ feito, 
ou fixado aqillos papers diffamatorios. El Dio os caftige 
10 e aparta de feu Povo. e o K. Kados feja Benditto E 
pouzefobre ellesa Bendicaõ. Edejtou Miffeberah Ao Kahal. 

ibid. f o. 55-56. 

Aquelle mefmo Dia fe manifeftou, que Danjel Rachaõ 
fez os papers fobred tos e os mandou fixar por Ifrael da 

15 Cunha pello que ao dia feg. e 17 de Sebat fe publicarão 
por Enheremados — E f e leo da Tevah o feguinte. 

Ontem fe publicou defta Tevah e um Herem fobre quem 
ouviffe fejto ou fixado certos papers diffamatorios que fe 
acharão poftos, nas Portas da Efhoga, na Ponte, e na 

20 Bolfa e em outra parte. Os s res do Mahamad haõ fido 
fabedores que danjel Rachaõ os fez e efcreveo e que 
Ifrael da Cunha os levou, e fixou em d tas partes, e ambos 
foraõ convencidos e confeffaraõ haverem cometido o 
acima. Pelloque os s res do Mahamad na conformidade 

25 da Afhamah, Publicaõ a d tos Danjel Rachaõ, e Ifrael da 
Cunha por poftos em Herem. E mandaõ que ningem fale 
com Ellos, falve agente de fua cafa feus parentes em 
poim n te 2 o grao- . Em Amfterdam a 1 7 de febat A° 5400 — . 
ibid. fo. 56. 

30 Termo de fe haver levantado o Herem A Daniel Rachaõ. 
A femana paffada fe publicou defta Tevah, haver encor- 
rido Daniel Rachaõ em Herem, por haver feito, e man- 
dado fixar certos papers. Agora por peticaõ que fez, ha 
manifeftado eftar m to arrependido, e pede lhe levantem d t0 
Herem. O que confiderado pellos r | s do Mahamad. E viíto 



214 



Regesten 



eftar em cama doente de hu* a perna, e nao pode de prez te 
cumprir a Sneã — Refolvêraõ, fe lhe levante o Herem, 
a condição, que t t0 que eftiver capaz de fahir fora de caía, 
venha a Efnoga, e lea da Tevah O papel que fe lhe dará 
em que fignifige feu arrependim to , e que pede perdão aos 5 
do Mundo, A fua s ta Ley, E a misma parte e ao K. K. 
do Efcandalo q ha dado. Prometendo, naõ reencedir em 
femilhante delicto feito en Amfterdam; A 23 de febat, 
A° 5400 — . 

Abraham Salom Semuel Athias 10 
Abraham Pharar Samuel Abrabanel 
Mano el Franco 
Ifchack Naar 
Jeofuah Jefurum. 

3t.3f.3f 

Buch der Befchlüffe der Nation, Escamot und Wahlen der 15 
hl. Gemeinde Thalmud-Thora (1638 — 1680), BI. 55. 
9. Februar 1640. 

Feftfetzung der Entfchließung, die von der Tevah ver- 
kündet wurde, um zu entdecken, wer gewiffe Pafquille 
und Schmähfchriften verfaßte und anfchlug, die an der 20 
Synagogenthüre, an der Brücke, der Börfe und ander- 
wärts angefchlagen wurden. 

Erft wurde die Afhamah Nr. 43 auf Blatt 25 diefes 
Buches vorgelefen und dann wie folgt. 

Die Herren vom Mahamad haben erfahren, daß gewiffe 25 
Pafquille oder Schmähfchriften an den Synagogenthür en, 
an der Brücke, der Börfe und anderwärts angebracht 
worden find. Was für eine abfcheuliche Tat das ift, wie 
verworfen und ftrafwürdig, ift allen wohl bekannt. Da- 
rum, in Beftätigung der Afhamah, die hier verlefen worden 30 
ift, verfetzen wir in Cherem und verkünden als von Gott 
verflucht und vom Volke gefchieden die Perfon oder die 



Regesten 



215 



Per fönen, die derartige Papiere verfertigt und ange- 
fchlagen haben, daß niemand mit ihnen rede noch ihnen 
Gunft erweife und ße in irgend etwas unterftütze. Wir 
verfügen bei der gleichen Strafe des Cherem, daß jede 
5 Perfon, die weiß oder Kenntnis erhielt von dem, der fie ver- 
fertigt, gefchrieben oder angefchlagen hat, der möge fo- 
gleich kommen, was er weiß, irgend einem der Herren des 
Mahamad anzuzeigen, die unter der Verpflichtung des feier- 
lichen Eides, den fie geleiftet, es als unverbrüchliches Ge- 

10 heimnis bewahren werden, dergeftalt, daß fie verfprechen, 
daß man nicht wiffen foll, wer es offenbart hat; falls die 
Perfon Mittäter ift, wird verordnet, daß er feine Sünde be- 
kennen foll, um iich der zukommenden Strafe zu über- 
geben, daß damit der Bann aufgehoben wird und fein Ver- 

15 gehen vergeben fein kann. Im anderen Falle aber wird 
feine Sünde über feinem Haupte bleiben, und die Herren 
des Mahamad und die hl . Gemeinde werden frei fein und auf 
das Volk derer, die Ihn fürchten, wird er den Segen legen. 
Nachdem der Gabay das Obige von der Tevah ver- 

20 kündet, erhoben fich der Chazan fowie der Chacham 
David Pardo und der Chacham Ifak Aboaf, und es 
fagte der Chazan mit lauter Stimme auf Hebräifch in 
der gebräuchlichen Form : 

Daß fie mit Erlaubnis der Oberen und Unteren, mit 

25 Erlaubnis der Herren des Mahamad und mit Erlaubnis 
der ganzen hl. Gemeinde in Cherem ver fetzen und für 
von Gott verflucht und von der Nation gefchieden er- 
klären die Perfon oder die Per fönen, die jene Schmäh- 
fchriften gemacht oder angefchlagen haben. Gott ftrafe 

30 fie und fcheide fie von feinem Volke. Die hl. Gemeinde 
aber fei gefegnet und er legte auf fie den Segen. Und er 
fprach Miffeberach über die Gemeinde. 
ebend. Blatt 55-56. 

An eben dem gleichen Tage wurde kund, daß Daniel 



2l6 



Regesten 



Rachaõ die erwähnten Papiere verfertigt und fie durch 
Ifrael da Cunha anfchlagen laffen, wofür fie am folgenden 
Tag, den 10. Februar, als in Cherem getan erklärt wurden 
und es wurde von der Tevah das Folgende verlefen. 

Geftern wurde von dieser Tevah ein Cherem über den 5 
verkündet, der gewiffe Schmähfchriften verfertigt oder 
angefchlagen, die fich an den Synagogenthüren, an der 
Brücke und der Börfe und anderwärts angebracht fanden. 
Die Herren des Mahamad find unterrichtet worden, daß 
Daniel Rachaõ fie verfertigt und gefchrieben und daß 10 
Ifrael da Cunha fie hingebracht und an den erwähnten 
Stellen angefchlagen hat, und beide waren überführt und 
geftanden, das Obige begangen zu haben. Deshalb er- 
klären die Herren des Mahamad kraft der Afhamah die 
genannten Daniel Rachaõ und Ifrael da Cunha als in 15 
Cherem ver fetzt. Und fie verfügen, daß niemand mit 
ihnen rede, ausgenommen foweit es iich handelt um 
ihr Haus und ihre Verwandten bis zum zweiten Grad. 

Amfterdam, am 10. Februar 1640. 

ebend. Blatt 56. 20 
Feftfetzung über die Aufhebung des Cherems über 
Daniel Rachaõ. 

In der vergangenen Woche wurde von diefer Tevah 
Daniel Rachaõ als in Cherem verfallen verkündet, weil er 
gewiffe Papiere verfertigt und anfchlagen laffen. Jetzt 25 
hat er durch ein von ihm verfertigtes Gefuch kundgetan, 
daß er tiefe Reue empfindet, und er bittet, den erwähnten 
Cherem gegen ihn aufzuheben. Nachdem es von den 
Herren des Mahamad erwogen worden, und da er im Bett 
liegt mit einem kranken Bein und fich augenblicklich 3^ 
nicht zur Synagoge begeben kann, haben fie befchloffen, 
den Cherem gegen ihn aufzuheben, unter der Bedingung, 
daß er, fobald er im Stande fein wird auszugehn, zur 
Synagoge kommt und von der Tevah das Papier verlieft, 



R E G E S T E N 



217 



daß man ihm geben wird, worin er feine Reue bezeugt 
und den Herrn der Welt um Verzeihung bittet, 
fein heiliges Gefetz, und zugleich die hl. Gemeinde 
für das Ärgernis, das er gegeben hat, indem er ver- 
5 fpricht, nicht mehr in ein ähnliches Vergehen zurück- 
zufallen. 

Gegeben Amfterdam, am 16. Februar 1640. 

Abraham Salom Semuel Athias 
Abraham Pharar Samuel Abrabanel 
10 Manoel Franco 

Ifchak Naar 
Jeofuah Jefurum. 

Escamoth Gerais do K. K. d. T. T. a folha 21 do Livro A. 
Termo de Rezuluçaõ em 16 de Jar que fe tomarão os 

15 f res do Mahamad de hums Papeis que fe fifjeraõ fobre o 
fugeito do Brazil nomeando muitas Peffoas nellas e out- 
tros emcubertos examinando o cafo acharão avelo feito 
Jona Abarbanel hum delles Mofeh Belmonte dous no que 
em coreraõ na Pena de Her em, como pareçe da Escamah 

20 que fobre ifto trata, os mandarão chamar elhes mani- 
feítaraõ a culpa em que aviaõ emcurido a qual deraõ 
fatisfaçaõ a d os SS res do MM d em tal maneira que clara- 
mente entenderão & conheferaõ averem feito por erro & 
fem malifia alguma, nem tençaõ de efcandelifarem a parti- 

2^5 cular algum & imaginarem naõ eraõ femelhantes papeis 
prohibidos de que fe moftraraõ muy fentidos, que enten- 
derão outra coufa por nemhum cafo o fifjeraõ, o qual vifto 
por d 055 SS res lhes mandarão logo levantar o Herem e os 
condenarão na Pena que lhes pareçeraõ e no tocante a 

30 d 08 Papeis os quais que outros que fe ayaõ feito nomeando 
peffoa ou peffoas ordenarão d os SS res com Pena de Be- 
racha, a quem os tiver, os entregue todos ao gabay dentro 
de vinta e quatro oras, e fe alguém tiver dado ou mandado 
fora, com a mefma pena declare e precure retiralo para que 



218 



Reges Ten 



naõ fique copia nemhuma, e venhaõ todos a maõ de ditto 
Gabay o que fe ordena por muitos rezoims. Rezuluçaõ 
que os S re8 do Mahamad tomarão fobre que fes Menafeh 
ben Ifrael na Efnoga em prefençia de d 08 SS r ^ 8 do Maha- 
mad, em d° dia havendo lido o gabay por ordem de d 08 5 
SS res na Tebah hum papel, tocante a Jona abarbanel & 
Mofeh Belmonte, fobre os papeis que íifjeraõ contra a 
ascamah 43 : Estando d° gabay na Banca com os mais 
SS res Veu de feu lugar d° Menafeh & em vos alta & alte- 
rada reprendeu por naõ haver nomeado a feu cunhado 10 
por Senhor dandole o titulo que le devia com outros 
palavaras femelhantes, a qual refpondeu o gabay que 
mereçe nao falava com elle, mais que os S res do MM d e 
que na Tebah fe dava Titulo dé Senhor aos f res do Ma- 
hamad fomente, muita parte da Congregação aparde feu 15 
lugar depois detornado a ella fem le querer aquietar por 
mais que fe lhe advertiu a tanto que dous Parnaffes fe 
fahiraõ da Banca para lhe fazer callar, e naõ podendo com 
baftantes palavras com Pena d. Herem lho mandarão, 
que o íifjeffe e fe fora para a cafa, refpondeõ que naõ 20 
queria em vos alta, convindo os mais S res que eftavaõ na 
Banca e que a inquietação hera pordiante p r que fefafem, 
comíirmaraõ a pena de Herem, y que nimgem falaffe com 
elle Juntos, os f res do Mahamad entro na Camara, fem 
fer chamado dentro, alevantando a boz e batendo na mefa, 25 
feriozamente dixe as Liberdades que quis, a tanto que 
mandandolhe hums dos Parnaffim a fer elle o Inftrumento 
& ocaziaõ de femelh tes defturbos que fufedeõ y que ahaçaõ 
eftiveffe embrulhada e perturbada a Congregação o que 
Vifto por os de mais SS res para que a Coufa naõ fora mais 3° 
adiante o íifjeraõ fahir da Camara e que o aviaõ por 
apartado, que em bos alta refpondeõ que elle os punha 
em Herem a elles, e dittos SS re8 naõ a eile, e outtros 
cumpufturas femelhantes. 



Regesten 



219 



Depois de Ifto ficarão d 08 SS res Juntos & coníiderando 
bem o cafo livre de paixaõ & Dezeyos de afertar, havendo 
largamente discurido o cafo, e ponderado as rezoims de 
hum & outro parte de cumun acordo com a authoridade 
5 que tem elles deõ o K. K. de T.T. particularmente como 
pareçe da Escamah primeira ordenaõ o feguinte a faber: 
que fe lhe mandafe dizer logo por o Samas que naõ venha 
a Esnoga fem ordem de dittos SS res que aõ outtro dia 
apella manha fe lhe alevantaffe o Herem, em hora pre- 

10 cenca os mais HH m depois diffo difjeffe o gabay na 
Tebah as palavras feguintes a Nottifia de MM, venha que 
Menafeh ben Ifrael naõ efta em Herem pellas defobie- 
diencias motins Palavras afrontas que por 4 vezes f aliou, 
como aíima pareçe foffe condenado em f 60: y naõ fuba 
a Tebah adarfar em todo o discurffo defte anno the 

15 Sabath a gadol que vem embora para que íirve por 
exfemplo dos demais enyaõ Paz & Uniaõ entre ho tudo 
em Servifcio do Altifimo. 

A outro dia fe lhe alevantou ô Herem, y aos mais que 
falarão com eile e fe dixe da Tebah ô afima ditto, N. B. 

20 efta folha efta cuberta na capa em 8 d. Elul a. 5407: foy 
refolvido por as f res do Mahamad que por bom refpeitos 
fe cubriffe efta folha e ifto firmarão. 

* * * 

Allgemeine Escamoth der hl. Gemeinde Thalmud-Thora auf 
Blatt 2 1 von Buch A . 
25 Feftfetzung der Entfchließung am 8. Mai, die die Herren 
des Mahamad über einige Papiere faßten, die hergeftellt 
waren über die brafilianifche Affaire, in denen viele Per- 
fonen benannt wurden und andere verfteckt. Indem fie 
30 den Fall unterfuchten, fanden fie, daß Jona Abarbanel 
eines davon gemacht hatte und Mofeh Belmonte zwei, 
wodurch fie in die Strafe des Bannes verfielen, wie aus 



220 



Regesten 



der Escamah hervorgeht, die darüber handelt. Jene be- 
fahlen, fie vorzuladen und ße bekannten die Schuld, 
in die ße verfallen, wofür ße den Herren des Maha- 
mad Genugtuung gaben, in einer Weife, daß diefe klar 
einfahen und erkannten, daß ße aus Irrtum und ohne 5 
irgendeine fchlechte Abficht gehandelt, auch nicht in 
dem Vorhaben, irgendwelche Privatleute zu beleidigen, 
fondern daß fie fich nicht vorgeftellt, daß derartige Papiere 
verboten feien. Sie zeigten fich darüber fehr bekümmert; 
denn hätten fie etwas anderes gewußt, dann hätten 10 
fie es keinesfalls getan. In Anfehung deffen ord- 
neten die Herren an, den Bann über fie aufzuheben und 
verurteilten fie zu der ihnen angemeffen erfcheinenden 
Strafe, und hinfichtlich jener und anderer etwa ver- 
faßten Papiere, in denen eine Perfon oder Per fönen be- 15 
nannt wurden, befahlen die Herren unter der Strafe der 
Beracha für jeden, der fie befäße, fie f ämtlich dem Gabai 
innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu übergeben, und 
wenn jemand eines weitergegeben oder gefchickt hätte, 
fo folle er unter derfelben Strafe fich erklären und fuchen, 20 
es zurückzuziehen, damit keinerlei Abfchrift davon bliebe, 
vielmehr alle zu Händen des genannten Gabai kämen, 
was aus vielen Gründen verordnet wird. 

Entfchließung, die die Herren des Mahamad faßten 
über das, was Menafeh ben Ifrael in der Synagoge in 25 
Gegenwart der Herren des Mahamad am genannten Tage 
getan, nachdem der Gabai auf Befehl der Herren auf der 
Tebah ein Papier verlefen in Bezug auf Jona Abarbanel 
und Mofeh Belmonte über die Papiere, die fie entgegen 
der Ascamah 43 hergeftellt. Als der Gabai in der Bank 30 
war mit den Herren, kam Menafeh von feinem Platz und 
fchalt mit lauter Stimme und aufgeregt, daß man feinen 
Schwager nicht Senhor genannt, ihm den Titel gebend, 
der ihm zuftände, mit andern ähnlichen Worten. Darauf 



Regesten 



221 



erwiderte der Gabai, er verdiene, daß er nicht mit ihm 
fpräche, ebenfo wenig die Herren des Mahamad : auf 
der Tebah gebe man den Titel Senhor allein den Herren 
des Mahamad. Ein großer Teil der Verfammlung verließ 
5 feinen Platz, worauf er fich an fie wandte, ohne daß er 
fich beruhigen wollte, je mehr man ihn warnte, bis fchließ- 
lich zwei Parnaffen von der Bank aufftanden, um ihn zum 
Schweigen zu bringen, und zwar da fie es mit hinreichen- 
den Worten nicht konnten, mit der Strafe des Bannes. 

io Sie befahlen ihm anzuhalten und fich nach Haufe zu be- 
geben. Er entgegnete mit lauter Stimme, er wolle nicht. 
Da traten die Herren, die in der Bank waren, zufammen 
und da die Beunruhigung weiter dauerte, beftätigten fie, 
um ihn aufhören zu machen, die Strafe des Bannes fowie 

15 daß niemand mit ihm fpräche. Als die Herren des Maha- 
mad beifammen waren, trat er in die Kammer ein, ohne 
hereingerufen zu fein, und die Stimme erhebend und auf 
den Tifch fchlagend, fagte er ernfthaft all das Ungezügelte, 
das ihm in den Sinn kam, fodaß fchließlich einer der Par- 

20 naffim ihm verwies, daß er das Werkzeug und die Veran- 
laffung derartiger Unruhen, wie fie vorgefallen, fei, und 
daß die Verhandlung verwirrt und die VerfammJung be- 
unruhigt worden fei. Im Hinblick darauf, damit die Sache 
nicht weiter gehe, hießen ihn die Herren die Kammer ver- 

2 5 laffen und daß fie ihn als abgefondert betrachteten. Er 
erwiderte darauf mit lauter Stimme, er verfetze fie in 
Bann und nicht die Herren ihn, und andere dergleichen 
Unverfchämtheiten. 

Nachdem blieben die Herren beieinander, und indem lie 

30 den Fall wohl betrachtet, frei von Leidenfchaft und mit dem 
Wunfche, das Rechte zu treffen, nachdem fie eingehend den 
Fall erörtert und die Gründe der einen und anderen Seite 
erwogen, ordneten fie in gemeinfamer Übereinkunft auf 
Grund der ihnen von der hl. Gemeinde Thalmud -Thora 



222 



Regesten 



verliehenen Autorität, insbefondere in Anfehung des erften 
Escamah das folgende an : es möge ihm fogleich durch den 
Synagogogendiener eröffnet werden, daß er nicht ohne An- 
ordnung der Herren zur Synagoge komme, daß am anderen 
Tage morgens früh der Bann über ihn in Gegenwart der 
Rabbiner aufgehoben werden folle ; darauf folle der Gabai 
auf den Tebah die folgenden Worte als Verkündigung des 
Mahamad fprechen : es möge gefchehen, daß Menafeh ben 
Ifrael nicht im Banne fei; für die Wider fetzlichkeiten, 
die Auftritte und Schimpf worte, die er zu viermalen ge- 
fprochen, wie oben fich ergibt, werde er zu fl. 60 ver- 
urteilt und er betrete die Tebah nicht im ganzen Verlauf 
diefes Jahres bis zum kommenden großen Sabbath, damit 
es den Anderen zum Beifpiel diene, auf daß Friede und 
Eintracht bei allen fei im Dienfte des Höchften. 

Am anderen Tage wurde der Bann aufgehoben auch 
über die, die mit ihm gefprochen hatten und von der 
Tebah wurde das Obige gefagt. N.B. diefes Blatt wurde 
mit einer Umhüllung verdeckt am 8. September 1647; es 
wurde durch die Herren des Mahamad befchloffen, daß 
aus Rückfichtnahme diefes Blatt zugedeckt werde und 
fo unterfchrieben fie es. 



ANMERKUNGEN 



Anmerkungen 



225 



ZUR DA COSTA-LITERATUR. 

Die Literatur über Uriel da Cofta ift, feiner Celebrität entfpre- 
chend, fehr umfangreich, befteht aber zum weitaus größten Teil aus 
mehr oder weniger belanglofen Notizen in Sammelwerken, Lexiken 
oder Gefchichtscompendien. 

Den Quellwerken ift in den Regeften diefes Buches alles ent- 
nommen, was für die Gefchichte da Coitas von Bedeutung ift; in 
den Anmerkungen findet fich zu den einzelnen das bibliographifch 
Bemerkenswerte gefagt. Das hauptfächlichfte biographifche Quel- 
lenwerk ift natürlich Philipp van Limborchs De Veritate Religionis 
Chriftianae Amica Collatio cum erudito Judaeo (Gouda 1687, hol- 
ländifche Ausgabe Amfterdam 1723), die das Exemplar Humance 
vitce publiciert und in der Einleitung wichtige biographifche Nach- 
richten gibt. Daneben tritt Johannes Müllers Judaismus (Ham- 
burg 1644, Neue Edition, ebend. 1707), dem wir Nachrichten über 
da Coitas Hamburger Aufenthalt und fein Lebensende verdanken. 
Wichtige biographifche Ergänzungen liefern zwei Brief- und Re- 
fponfenfammlungen, Leon da Modenas Briefe und Schriftftücke in 
der Ausgabe von Blau (Budapeft 1905, 1906) und das Buch der 
Fragen und Antworten des Ja'aqob aus dem Haufe Levi (Venedig 
1632). Was wir von da Coitas Lehre befitzen, ift uns im wefent- 
lichen durch Gegenfchriften überliefert: abgefehen von Limborch 
durch Leon da Modenas HJXl pft in der Ausgabe von Geiger 
(Breslau 1856), vor allem in der bisher wegen ihrer Seltenheit 
wiffenfchaftlich noch unbenutzt gebliebenen Gegenfchrift Semuel 
da Silvas, Tratado da Immortalidade (Amfterdam 1623), in Mofe 
Rephael d'Aguilars handfchriftlichen Repoftas a certas propoftas 
contra a tradiçaô(i6S9) und in gewiffemSinn auch inMenafcheh ben- 
Ifraels deRefurrectione Mortuorum (Amftercam 1636), während die 
Schriften d'Aguilars und Saul Levi Morteiras über die Urifterb- 
lichkeitsfrage kaum etwas für da Coitas Gefchichte Belangreiches 
enthalten. Den Titel des Hauptwerkes da Coitas hat uns Wolfs 
Bibliotheca Hebrcea (Vol. IV., Hamburg 1733) aufbewahrt, wäh- 
rend die übrigen bei Wolf fich findenden Nachrichten nur den 
andern Quellen entlehnt find. 

Das Schickfal da Coitas hat alsbald nach dem Bekanntwerden 
des Exemplar Humance Vitce großes Auffehen erregt und in vielen 

Da Costa Opera. 15 



226 



Anmerkungen 



Schriften, die über jüdif che Dinge der Zeit von Chriften gefchrieben 
wurden, wird feiner gedacht, auch wohl in folchen Schriften, die 
fich mit dem Atheismus auseinanderfetzen. Johann Jacob Schudt 
widmet in feinen Jüdif chen Merckwürdigkeiten (Franckfurt und 
Leipzig 17 14) da Cofta eine ausführliche auf das Exemplar und 
Johannes Müller zurückgehende Betrachtung, wobei er fein Todes- 
jahr richtig angibt. Befonderes Intereffe für da Cofta wegen feines 
Aufenthalts in Hamburg hatte der Flensburger Gelehrte Johannes 
Möller (Mollerus), der in feiner Ifagoge ad Hiftoriam Cherfonefi 
Cimbricce (II. Pars, Leipzig 1692, S. 96), in feiner Homonymoj 'copia 
Hiftorico- Philologico- Critica (Hamburg 1697, S. 89) und fchließlich 
am ausführlichften in feiner Cimbria Literata (Tom. See. Kopen- 
hagen 1744, S. 954 — 957) da Coitas gedenkt. Im letzteren Werk 
gibt er einen Auszug aus Müller, wobei er bezweifelt, daß diefer 
das Autograph des Exemplar befeffen. Dabei gibt er einen Über- 
blick über die da Cofta-Literatur jener Zeit, die noch heute von 
bibliographifchem Intereffe ift: 

Adr. Baillet Tr. des Auteurs degvifez, P. III., c. 15., p. 422; 
Joh. Müllerus, Atheismus devictus p. 13. 30. 246; Tob.Wagnerus, 
Examen Atheismi fpeculativi, c. 31., p. 75; Joh. Fechtius, Diss. de 
Ecclefia Judaica p. 62; Joh. Chriftoph. Rumetfchius, Schediasm. 
de Conjecturis ultimi temporis, Sect. HL, § 2., p. 60. 61 ; Joh. Cle- 
ricus, Biblioth. univ. Hiftor. Tom. VIL, M. Nor. A. 1687., p. 327 
bis 330; Pierre Bayle, Diction. Hiß. & Crit. T. I. p. 68. & sq. edit. 
fec; Acta Erud. Lipf. M. Apr. A. 1688., p. 221. 222; Wilh. Ern. 
Tenzelius, in Dialogis menftruis Germanicis, M. Sept. A. 1698. 
p. 815 — 818; Joh. Franc. Buddeus Lefici Hiftorici GermaniciT. L 
p. 25. 26; Andr. Carolus in Memorabilibus See. XVII. ecclefiafticis, 
Lib. V., c. 19., p. 978. 979; Joh. Upmarkius in Atheomaftige, 
A.. 1709., cap. L; Mart. Diefenbachius, in Judceo convertendo p. 132 ; 
Joh. Jac. Schudtius in den Jüdifchen Merkwürdigkeiten, P. I., 
Lib. 4., c. 18., p. 286 — 291 ; Joh. FabriciusP. III. Hiftorice Biblioth. 
Fabriciance p. 400. Diefen Werken kann noch Reitzmann, Hift. 
theol. Judaicce, Henr. Scharban, Judaismus detectus, Lübeck 1722, 
und Joh. Helvicus Willemer us, Differtat. philologica de Sadducceis 
beigefellt werden. 

Für uns ift (neben Schudt) davon in erfter Linie bedeutfam 



Zur da Costa-Literatur 227 



Pierre Bayles Dictionaire hiftorique et critique (1. Ausg. Rotterdam 
1695, 2. Ausg. 1702, 3. Ausg;. 1720, 4. Ausg. 1730, 5. Ausg. 1740, 
Genfer Ausg. 17 15, deutfche Überfetzung von Gottfched, Leipzig 
1741). Bayle gibt einen kaum gekürzten Auszug aus dem bio- 
graphifchen Teil des Exemplar, den er mit Anmerkungen begleitet, 
in denen er den Conflict zwifchen Vernunftgebrauch und Offen- 
barung im Sinne des Skeptikers hervorhebt. Die Lebensfkizze des 
weitverbreiteten Dictionaire hat am meiften zur Berühmtheit da 
Coitas beigetragen. Übrigens findet fich auch die (erit durch Graetz 
richtig geitellte) Jahreszahl 1647 für das Todesjahr da Coitas bei 
Bayle. 

Von Bayles Dictionaire ab fehlt da Coita in keinem Gelehrten-, 
Univerfal- oder Converfations-Lexicon, in keiner Encyclopädie, in 
keinem Handbuch des Wiffens dergeitalt, daß eine vollitändige 
da Cofta-Bibliographie zugleich eine vollitändige Bibliographie 
der encyclopädifchen Literatur in fich fchließen müßte. Erwäh- 
nung verdient allenfalls Barbofa Machados Bibliotheca Lufitana 
(II, 311 — 313), Peignots Dictionaire Critique des Principaux Livres 
condamnêes au feu (II, 208) und Erich und Grubers Encyclopädie. 

Als David Franco Mendes feine große, 1769 datierte Chronik 
der Amiterdamer fephardifchen Gemeinde Memorias do eftabeleci- 
miento e progreffos dos Judeus Portuguezes & Hefpanhoes nefta 
famofa cidade de Amfterdam fchrieb, war keine unmittelbare Er- 
innerung an da Coita mehr in der Gemeinde lebendig, und was 
Franco Mendes über ihn fagt, iit in der Hauptfache aus Bayle 
gefchöpft und ohne Quellwert. So gibt er das Todesjahr unrichtig 
mit 1647 an und läßt das Attentat da Coitas gegen den Bruder, 
nicht gegen den Vetter erfolgen. 

Die erite Überfetzung des Exemplar war (nach der holländifchen 
Ausgabe des Limborchfchen Werkes) eine englifche, Thomas Whi- 
itons The remarkablc Life of Uriel Acofta an eminent Freethinker 
(London 1740). Ins Deutfche wurde das Exemplar zum eritenmal 
übertragen in Johann Georg Müllers Bekenntniffe merkwürdiger 
Männer von fich felbft (Winter thur 1793, 2. Bd. S. 155), unter Weg- 
laffung der theoretifchen Betrachtungen des Schluffes. 

Durch Müllers Übertragung trat da Coitas Schickfal in den 
Gefichtskreis Weimars. Herder widmet in feinen Briefen zur Be- 

15* 



1 



228 



Anmerkungen 



V 



förderung der Humanität (5. Sammlung, Riga 1795, S. 22 ff.) da 
Colla folgende Worte: So angenehm mir Petrarca war, fo weh that 
mir Uriel Acofta in feinem letzten Selbft- Bekenntniss. Der arme 
Jude, von Zweifeln über feine Religion ergriffen, gab alle Verhält- 
niffe feiner edlen Geburt, [eines Glückes und Standes auf, fuchte Ruhe 
hie und dort, fand an feinen nächften Verwandten die ärgften Feinde, 
und endigte damit, daß er als ein Neuaufgenommener in der Syna- 
goge feiner Glaubens genoffen, fchimpflich entblößt, mit Füßen ge- 
treten, gepeitfcht, verfpeiet, es nicht länger ertragen zu dürfen glaubte 
und [ich felbft den Tod gab. Die Auffchrift feines Urlaubes aus dem 
Leben, exemplar humanae vitae rühreien mich von jeher; und fo 
möchte ein jeder, der von Menfchen aus der Welt gedrängt, zuletzt 
noch einige Worte für Menfchen zu fchreiben, guten Willen und Kraft 
hat, fein Exemplar des menfchlichen Lebens dem Exemplar des 
Acofta hinzufügen! Die Menfchheit erhielte damit eine Anzahl fonder- 
barer Exemplare. Von Kindheit auf ift mir nichts abfcheulicher ge- 
wefen, als Verfolgungen oder per fönliche Befchimpfungen eines Men- 
fchen über feine Religion. Wen geht diefe, als ihn felbft und Gott an? 
ja, wer weiß nicht, was an dem Wort Religion, fobald es innere Über- 
zeugung und Gefühl betrifft, für tiefe Skrupel und Schwierigkeiten 
haften? Dem ift Diefes, einem andern Das aufs innigfte anftößig; 
zu diefem Ausdruck kann er fich nicht gewöhnen, von jener früh er- 
faßten Vorftellungsart auf keine Weife fondern. An ihr hangen feine 
moralifchen Begriffe; an ihr vielleicht feine vornehmfte Triebfeder, ja 
fein Ideal der Moralität felbft. Diefer findet Zweifel, wo keiner fie 
findet, die fchwarze, phantaftifche Fliege verfolgt ihn, ohne daß ein 
andrer als Er fie fiehet. Wie graufam ifts alfo, wie unvernünftig, 
nutzlos und unmenfchlich, wenn fich ein Menfch, ein Gericht, eine 
Synagoge das V erdammungs- , das V erfolgungs-Urtheil über die Re- 
ligion eines andern, wäre er auch ein Neger und Indier, anmaßt! 
Mit Schauder liefet man Acofta 's Erzählung Klagen und Seufzer, 
die er im tiefen Schmerz über die ihm, einem Rückkehrenden, in 
einem Gotteshaufe zugefügte peinliche Befchimpfung ausftößt, und die 
mit dem traurigen Gefühl der völligen Verla ffenheit und Ohnmacht 
enden. Goethe hat, fo viel ich fehe, von da Cofta nicht Notiz ge- 
nommen. . 

Das Intereffe für da Cofta wurde dadurch allgemein, daß Karl 



f 



Zur da Costa-Literatur 229 

Gutzkow ihn zum Helden erft einer Novelle Der Sadducäer von Am- 
[ter dam (in feinen Soireen, 2.Th. Frankfurt a.M. 183 5) und dann eines 
Dramas Uriel Acofta (Leipzig 1847) machte. Perfönliches Erlebnis 
des Dichters — feine Braut hatte wegen feines Schleiermacher- 
Nekrologs fich von ihm als Gottesleugner losgefagt — verband fich 
mit der Tendenz einer Zeit, die fich in Strauß' Leben Jefu (1835) 
und Feuerbachs Wefen des Chriftentums (1841) von der pofitiven 
Religion löfte. So wurde da Cofta, getrennt von feinem Jahrhun- 
dert, von dem das junge Deutfchland wenig wußte, mit feinem 
Bekenntnis der Toleranz und der Vernunft zum Helden der Zeit, 
fein Schickfal zur Tragödie der Gewiffensfreiheit, im Stil einer 
Hiitoricnmalerei, für die die fchöne Pofe alles, das Individuell- 
Seelifche wenig bedeutete. Am 13. December 1846 hat Gutz- 
kows Drama mit unerhörtem Erfolg feine Eritaufführung auf dem 
Dresdener Hof theater, an das Gutzkow als Dramaturg berufen war, 
erlebt und trat von dort nach kurzem Kampfe mit der Cenfur fei- 
nen Triumphzug über die deutfchen Bühnen an. Gutzkows Drama 
wurde oft überfetzt, nach feiner eignen Angabe ins Franzöfifche, 
Italiänifche, Ungarifche, Polnifche, Böhmifche, Schwedifche und 
ins Hebräifche. (Auch eine Jiddifche Überfetzung exiftiert.) 

Das durch Gutzkow geweckte Intereffe wandte fich nun der 
Lebensbefchreibung da Coitas felbft zu, ohne daß hiervon irgend 
eine wefentliche Bereicherung der wiffenfchaftlichen Forfchung 
ausgegangen wäre. 1847 erfchienen gleichzeitig drei Wieder- 
gaben der Lebensgefchichte da Coitas. Die eine itellt eine Publi- 
cation Wellers dar, der auch eine andre ketzerifche Schrift, das 
berüchtigte Büchlein De tribus impoftoribus veröffentlicht hat, 
unter dem Titel Uriel Acofta's Selbftbiographie. Lateinifch und 
deutfch (Leipzig 1847, zweite <Titel-> Auflage ebend. 1849); fie ent- 
hält neben einer ganz kurzen Einleitung einen Abdruck des Exem- 
plar und eine Übertragung desfelben. Die zweite Publication cha- 
rakterifiert fich bereits durch ihr Titelblatt: Uriel Acofta, ein Opfer 
des Zelotismus. Das Leben Uriel Acofta's von ihm felbft kurz vor 
feinem Tode in lateinifcher Sprache befchrieben. U eberfetzt und mit 
einem Vor- und Schlußwort verfehen von L. Weiß, Berlin 1847, * w 
Selbftverlag des Verfaffers. Den Manen des Spinoza in Ehrfurcht 
gewidmet. Die Schrift, die für Freidenkertum und Judenemanci- 



230 



Anmerkungen 



pation eintritt, hat als Kern eine ziemlich willkürliche Paraphra- 
fierung des Textes des Exemplar. Die dritte Schrift, die übrigens 
auch größere Partien des Exemplar in Überfetzung bringt, hat zu 
ihrem Verfaffer den 1848 als ein Opfer der Revolution in Wien 
erfchoffenen Herrmann Jellinek; fie nennt fich auf dem Titelblatt: 
Uttel Acofta' s Leben und Lehre. Ein Beitrag zur Kenntnis feiner 
Moral, wie zur Berichtigung der Gutzkow' fchen Fiktionen über Acofta, 
und zur Char akter iftik der damaligen Juden. Aus den Quellen dar- 
geftellt. (Zerbft, 1847.) Jellinek lehnt es ab, Acoita- als liberalen 
Phrafenmacher zu fchildern; immerhin fieht er fein eignes Zerwürf- 
nis mit dem Judentum, auch mit feinem Bruder, dem bekannten 
Gelehrten Adolf Jellinek, in da Coitas Conflict hinein. Ein fpäter 
Nachfolger diefer Gutzkow-da Coíta-Literatur iit Alfred Klaars 
Buch Uriel Aco/ta, Leben und Bekenntnis eines Freidenkers vor 300 
Jahren (Berlin 1909). In diefem für die Forfchung völlig unergiebi- 
gem Buche, das auch einen Abdruck des Exemplar (nach Lim- 
borch) nebit einer Übertragung bringt, wird da Coita mit einiger 
Sentimentalität als Märtyrer des freien Gedankens dargeitellt, ohne 
Voritellung von der befonderen Eigenart feines Marranenfchickfals. 
Klaar hat übrigens auch in der Einleitung und den Anmerkungen 
zur Ausgabe des Uttel Acofta in den von Witkowski herausgegebenen 
Meiftetwetken det deutfchen Bühne (Leipzig 1908) die Beziehungen 
zwifchen der Novelle und dem Drama Gutzkows dargelegt. 

Es veriteht fich, daß da Coita zu den Vordergrundsfiguren der 
neueren jüdifchen Gefchichte gehört und demnach in allen Dar- 
ftellungen diefer Gefchichte feine Würdigung findet. Hervorzu- 
heben iit darunter Izaac da Coitas Ifrael en de volken (Harlem 1848 
bis 1849, deutfche Ausgabe Frankfurt a. M. 1855) und Kayferlings 
Gefchichte der Juden in Portugal (Leipzig 1867), ferner der Artikel 
Acofta von de Sola Mendes in der Jewish Encyclopedia und von 
Eifenitein in ^iOfc^ In feiner Gefchichte der Juden hat H. 

Graetz da Coita feine Stelle in dem Capitel Die Wühler gegeben 
(10. Bd., 3. Aufl., Leipzig 1897, S. 120 — 128, 399 — 401); er hat 
zuerit nach Müllers Judaismus das Todesdatum fichergeitellt, aber 
feine Geburt um 1595 zweifellos zu fpät angefetzt. Über feine 
Perfönlichkeit urteilt er: Er war iveder ein theoretischer Denker, 
noch ein praktischer Weiser, noch ein mannhafter Charakter. 



Zur da Costa-Literatur 231 



Eine neue Ausgabe des Exemplar veranftaltete Volkmann (in 
Feftfchrift zur 250 jährigen Jubelfeier des Gymnafiums zu St. Maria 
Magdalena zu Breslau, Breslau 1893, 77. Teil. Uriel Acofta eine 
Skizze- von Oberlehrer Dr. Walther Volkmann, S. 55 — 90). Er gab 
dem Textabdruck eine Einleitung bei, in der er Graetzens allzu 
ungünftige Charakteriftik da Cottas zurückwies, aber auch die 
pofitive Religion gegen da Cottas Naturreligion in Schutz 
nahm, ferner Anmerkungen, die das Exemplar auf Grund 
von Basnages Hiftoire des Juifs erläuterten. Eine Übertragung des 
Exemplar erfchien 1909 in Temefvar {Uriel Acofta' s Selbftbio- 
graphie). 

Auch das fteigende Intereffe für die Lehre und die Lebensfchick- 
f ale Spinozas kam da Cotta zu gute. In den Einleitungen der meiften 
ausführlichen Darftellungen Spinozas findet da Cotta eine Würdi- 
gung, fo bei Kuno Fifcher (Spinozas Leben, Werke und Lehre, 5. Aufl. 
Heidelberg 1909, S. 1 14 f.), Sir Frederick Pollock (Spinoza, his life 
und philo fophy, 1. Aufl. London 1880, S. 8 ff.), Freudenthal (Spi- 
noza, fein Leben und feine Lehre, I. Bd. Stuttgart 1904, S. 58 f.), 
Dunin- Bor kowski (Der junge De Spinoza, Münfter 1910, S. 104 bis 
107, 197, 540, 551). Förderfam war die Betrachtung, die Meinsma 
in feinem Buche Spinoza en zijn Kring ('s Gravenhage 1896, S. 44 
bis 54) dem Schickfal da Cottas gewidmet, vor allem weil er auch 
einen unbekannten Brief Limborchs darüber beibringen konnte. 

Unter der außerdeutfchen da Cotta- Literatur ift hervorzuheben 
des fpanifchen Hiftorikers und Philofophen Marcellino Menendez y 
Pelayo Hiftoria de los heterodoxos efpanoles (Madrid 1880 f.), der in 
dem Capitel Judaizantes. La finagoga d' Am / 'ter dam(2. Bd. S. 586 -620) 
die Autobiographie da Cottas reproduciert. Von Intereffe ift ferner: 
Uriel da Cofta. Efpelho da vida humana verfão de A. Epiphanio da 
Silva Dias com uma introducção fobre a autobiographia de um livre 
penfador por Theo philo Braga. Lisboa Imprenfa Lucas, içoi. Braga 
macht hier den Verfuch, Uriel da Cofta mit einem Rechtsgelehrten 
und Theologen Dr. Gabriel da Cofta an der Univerfität Coimbra zu 
identificieren, der 1564 geboren wurde und deffen Tod im Jahre 
1616 gemeldet ift. Braga möchte diefe Todesnachricht als fingiert 
erweifen, um die Auswanderung da Coftas zu maskieren. Diefer 
Verfuch fcheitert aber an den Angaben des Exemplar und den 



2 32 



Anmerkungen 



urkundlichen Funden Mendes dos Remédios'. Eine (mir nicht zu- 
gängliche) Befchreibung der Schrift da Silvas nach einem in feinem 
Befitze befindlichen Exemplar gab Joaquim de Aranjo in feinen 
Judeus Portuguefes. Notas de Bibliographia (Famalicão 1901, S4 47). 

In diefem Zufammenhang muß auch von einer Myftification die 
Rede fein, diefich fchon als ächte Urkunde in die da Cofta-Literatur 
eingefchlichen hat. In einer Feimummer, die die fpanifche Zeitung 
El Dia zur 200- Jahr- Feier Calderons am 25. Mai 1881 herausgab, 
veröffentlichte Menendez y Pelayo einen fingierten Brief, den der 
Chroniit de Barrios, der im Jahre der Buße da Cofias erft 15 Jahre 
alt und noch nicht in Amfterdam war, an den marranifchen Schau- 
fpieldichter und Soldaten Antonio Enriquez de Gomez (1600 — 1650) 
in Liffabon gefchrieben haben foll. In diefem Brief gibt de Barrios 
von den Motiven feiner Niederlaffung in Amfterdam Rechenfchaf t, 
erzählt die Execution da Coitas (nach dem Exemplar) und berichtet 
am Schluß vom Widerfpruchsgeift eines (damals 8jährigen) Schü- 
lers mit Namen Spinoza. Eine fcherzhafte Einkleidung, in der der 
Name Menendez y Pelayo veríteckt ift, kennzeichnet die Spielerei. 
Diefen Brief grub nun die Berliner Voffifche Zeitung vom 18. Juli 
1886 als ächt aus, und von hier aus fcheinen ihn mehrere jüdifche 
Blätter übernommen zu haben. Dazu gehörte auch der Amiter- 
damer Ifraelitifche Nieuwsbode, der den Brief am 6. Auguft 1886 
abdruckte und am 13. Auguft durch feinen Redacteur Roeft in 
Einzelheiten berichtigte. Der ausgezeichnete Kenn er der Gef chichte 
der fephardifchen Gemeinde, Henriquez de Caitro erhob im gleichen 
Blatt vom 20. Auguft Zweifel an der Ächtheit, wandte fich an Me- 
nendez y Pelayo, von dem er die Beitätigung der literarifchen Phan- 
tafie erhielt und legte den Sachverhalt im Ifraelitifche Nieuwsbode 
vom 4. März 1887 klar; im Anfchluß daran erklärte Roeft, im Ver- 
trauen auf das kurze Gedächtnis des Lefers, der Nieuwsbode habe 
denBrief immer für unächt gehalten und nie abgedruckt. In neuerer 
Zeit ift die auf da Coita bezügliche Stelle des Briefes von Benito F. 
Alonfo in feiner kleinen Schrift Los Judios en Orenfe (Orenfe 1904, 
S. 27 f.) als ächt abgedruckt und auch von Dunin-Borkowski (Der 
junge De Spinoza, Münfter 1910, S. 105, 540) als ächt genommen 
worden. Mir ergab fich die hiftorifche Unmöglichkeit des Briefes 
und die umfaffende Sachkunde Sigmund Seeligmanns lieferte die 
Daten der Myftification. 



Zur Einleitung 233 

Erft das letzte Jahrzehnt hat eine wiffenfchaftlich fundierte da 
Cofta-Literatur gezeitigt und damit die urkundlich geficherte Grund- 
lage für feine Lebensbefchreibung geliefert. Nachdem J. Perles 
zum erften Mal in der zeitgenöffifchen Literatur documentarifche 
Nachrichten über da Cofta nachgewiefen (Eine neuer fchlo ff ene Quelle 
über Uriel Acofta in Monatsfchrijt für Gefchichte und Wiffenfchaft 
des Judentums, 26. Jg., Krotofchin, 1877, S. 193 — 213) — ein Nach- 
weis, der lange dadurch wirkungslos gemacht wurde, daß ihm fo- 
gleich mit anfeheinend triftigem Grund Güdemann widerfprach (Be- 
merkung und Ergänzung zu der Abhandlung: „Eine neuer fchlo ff ene 
Quelle über Uriel Acofta 1 ', ebend. S. 327 — 329) — gelang es dem 
portugiefifchen Gelehrten J. Mendes dos Remédios die Spur da 
Coitas in feiner portugiefifchen Heimat nachzuweifen und in Amfter- 
dam das Protokoll des Banns gegen ihn zu finden (Os Judeus 
Portuguefes em Amfterdam, Coimbra 191 1, Capitulo VI. Uriel da 
Cofta. Alguns dados inéditos e desconhecidos para a fua biographia, 
S. 157 — 168). Das Hauptverdienft, die Lebensdaten da Coftas 
fichergeftellt zu haben, gebührt Sigmund Seeligmann (Recenfion 
von Mendes dos Remédios' Buch in Zeitfchrift für Hebräifche 
Bibliographie, Frankfurt a. M. 191 1, XV. Jg. S. 41 — 43), der auf 
Grund von Müllers Judaismus zuerft den Hamburger Aufenthalt 
da Coftas nachwies, und N. Porges (Leon Modena über Uriel da 
Cofta, ebend. S. 80 — 82, Das Wort Pharifäer bei Spinoza in Monats- 
fchrift für Gefchichte und Wiffenfchaft des Judentums, 61. Jg. 
Breslau 1917, S. 150 — 165, Zur Lebens gefchichte Uriel da Coftas, 
ebend. 62. Jg. Breslau 1918, S. 37 — 48, 108 — 124, 199 — 218), der 
in Leon da Modenas Gegenfchrift die Propoftas da Coftas wiederfand 
und mit umfaffender Sachkunde die Einzelheiten feiner Biographie 
erörterte. 



ZUR EINLEITUNG. 
VII. Die Abbildung ftellt die Synagoge der 1639 vereinigten Ge- 
meinde nach dem Stich von Pieter Perfoy dar, in der der Bann 
über da Cofta gefprochen wurde. (Vgl. J. S. da Silva Rofa, Over de 

In den Anmerkungen verweifen die vorangehenden Ziffern auf die 
Seiten die f es Buches, die beigedruckten Ziffern auf die Zeilenzählung. 



234 



Anmerkungen 



VII-IX 



Oiidfte Portugeefche Synagoges in Chronicon Spinozanum, Tom. I, 

Hagae 192 1, S. 267-272. VII. 2. Karl Gutzkow, Der Sadducäer 

von Amsterdam in Soireen (1835); derf., Uriel Acofta, Trauerfpiel 
in fünf Aufzügen (1846); J. Zangwill, Uriel Acofta in Dreamers of 
the Ghetto (1898); E. G. Kolbenheyer, Amor Dei, ein Spinoza- 
Roman (1908). VIII. 14 bis IX. 18. Im fpanifchen Urtext: 

Todos los, que invocaren el nombre dei Sr.ferán e/capados: publicalo 
el Propheta Joel: y entrelos horrores de la cruel Inquificion lo in- 
voco Mayor Rodriguez para escapar con fu marido Gafpar Lopez 
Homem y fus hijos Manuel y Antonio Lopez Pereyra: y fus hijas 
Maria Nunez y Jufta Pereyra. Manuel, y Maria fe embarcar on 
para Holanda con fu tio Miguel Lopez en el Ano Judayco de 5353. 
que correfponde al de 1593. de la Chriftiandad. Tomaron los Inglefes 
que tenian guerra contra Efpana aios propueftos Navegantes: y un 
Duque Inglês enamorado de la rara hermofura de Maria Nufíes la 
folicitò con tan amante extremo que la Reyna Ifabela de Inglaterra, 
informada de fu Amor, ordeno que fe la traxefen afu prefencia: ad- 
miro fu hermofura como fu modeftia y dexando libre al Navio por 
fu refpecto con benignas promefas la llevó en fu Carroza para moftrar 
a los de Londres un prodígio de belleza que no rindiendofe a los amo- 
rofos Ruegos, y a los ofrecimientos honorijicos, y proveckofos; dexò 
toda la pompa Inglefa por el Judaifmo que obfervó en Amfterdam. 
Y en el Ano de 1598. viniendo de Portugal fu madre Mayor Rodrigues 
con fus hijos Antonio Lopes Pereyra, y la famofa Jufta Pereyra fe 
ajuftáron los Cafqmientos de Manuel Lopes Homem, con la heroyca 
Maria Nunes, y de Jufta Pereyra con fu Primo Francifco Nunes 
Pereyra. Y en fus bodas 24. primos hermanos de los defpofados todos 
adultos; las folenizaron, con danças, con Muficas y juegos differen- 
tes. Antonio Lopes Pereyra paffó defpues adonde fue Contador Mayor 
dei Rey de Efpana y balido dei Conde Duque. Y la celebre Jufta 
Pereyra, con el fentimento de haverfele muerto dos hijos atribuyendo 
fu muerte ala detencion de no circuncidarfe fu marido, fe aparto de el, 
hafta que fe circuncido por mano de Uri Levi. Llamofe en la circun- 
cifion David Abendana, y fu muger Jufta, Abigail: y defte fanto 

matrimonio naciò el Jaxam Manuel Abendana. VIII. 14 — 15. 

Joel 3,5. — VIII. 22. De Barrios, deffen Bücher namentlich in den 
Jahreszahlen von Druckfehlern wimmeln, hat 5350 und 1593. Es 



IX-XI 



Zur Einleitung 



235 



muß aber heißen 5350 und 1590, oder 5353 und 1593. Sicherlich ift 
die letztere Lesart richtig, wie auch Sigmund Seeligmann [Über die 
er fie jüdifche Anfiedlung in Amfterdam, in Mitteilungen zur jüdifchen 
Volkskunde, herausg. von Dr. M.Grunwald, Breslau 1906) annimmt, 
denn Maria Nufiez ift, wie aus ihrer Trauungsurkunde hervorgeht, 

1575 geboren, war alfo 1590 erft 15 Jahre alt. IX. 21 bis X. II. 

Die Urkunden lauten im Text der Puyboecken der Stadt Amfter- 
dam: den i$en Augufti 1598 Compareerden voor Lauris Jacobsz 
en[de] D Pieter Schar -p, Duarte Serayva van Amarante in Portugal 
oudt XXVI Jaren wonende tot Liffabon wed e van brüte rodrigues, 
ter eenre, Ende Maria nunnez, de Saa do Porto in Portugal, oudt 
XIX Jaren geaffifteerd met S. Pedro homem hare vader en[de] branca 
nunnez hare moeder ter andere zijde Ende gaven aen [dat fe aen mal- 
canders verlovet en de met trouwe verbünden waren] v[er]foekende haere 
drie fondaegfche uytroepingen omme naedeflve de voorf[chreven] trou- 
we te folemnif eren en[de] in alles te voltrecken foe verre daer anders 
geene verhinderinge voor en valle Ende naar dien fy op alles naar 
behooren geantwordt hadden fyn hun haere geboden v[er]williget. 
[w. g.] Maria nunez. [w. g.] Duarte Sarajua. — DenXXV III en 
Novembris i$g8. Compareerd[en] voor D. Jacob [z Rofencranz ende 
D. Pieter Schaep, Manuel Lopez home, van Porto a porto oudt 
XXVII Jaren [wonende] op de oude zyds voorburghwal, geaffifterte 
met Sr. Pero home zyn vader en[de] maria nunnez fyn moeder en[de] 
miguei Lopes home fyn 00m ter eenre ende Maria nunez van Liffe- 
boen oudt XXIII Jaren won[ende] alsvoren, geaffif teert met Sr. duarte 
fernandez dewelcke v[er]claarde prefent geweeft te hebben in Lifbona, 
dat de vader int huwel[yk] conf enteerde ende met manoel Lopez pereira 
hare br oeder ter andere zyde e[nde] gaven [aen . . enz.] [w. g.] Manuel 

lopez home. [w. g.] Maria nunez. Die beiden Urkunden find 

von Seeligmann in de Joodfche Courant, I. Jg. 1902, Nr. 6 publi- 

ciert. XI. Die Abbildung ftellt die Synagoge des Bannfluchs 

in der Innenanficht nach dem Stich von J. Veenhuyfen dar. (Vgl. 

J. S. da Silva Roía, a. a. O.) XI. 4 bis XV. 27. Die Denkfchrif t 

lautet nach dem einzig erhaltenen Druck der erften Ausgabe im 
Befitze des Archivs der portugiefifch-ifraelitifchen Gemeinde in 
Amfterdam folgendermaßen: 



236 



Anmerkungen 



XI 



MEMORIA PARA OS S1GL0S FUTUROS. 
Os lluftres H. H. A falem, R. MOSSEH URI LEVI que Deos 
tem, e ò feu filho AHARÔN URI ALEVI, meu Pay e fenhor foram 
moradores de EMDEM, na Província de OOSTFRISLAND, ei in- 
hám efcrito [obre á porta de fua caza D^I^H TlD** Dlbt&H fIDK (que 
quer dizer Averdade e à paz he o fundamento do mundo,) è embaxo 
fuá traducçam em língua latina. Sufedeo que no Anno 5364. arri- 
baram à efta cidade dois navios vindos de Efpanha, os quais traziam 
dez Judeus de Efpanha (àfabev forfados) e quatro meninos, cargados 
de mercadorias e com os moreis e alhajas de caza que traziam, montava 
grande cabedal; è faindo a terra alguns daqueles Judeos ,ou pafagey- 
ros dos navios, pafeandofe por a cidade, viram levar hum pato dego- 
lado para à caza de meu Avó; è repararam à deviza que era efcritura 
Hebrayca, a qual elles naõ fouberam leer, chegando dittos à fua pou- 
zada, dixeram à o Ofpede, que queriam aquelle dia jantar hum pato 
foy ò tal ofpede a compralo è entrando em caza de meu Avó viu ahi 
hum pato muy gordo degolado pofto fobre hua meza, e procurando 
comprar ditto pato, dizendo que haviam chegado huns Mercadores 
ricos de Efpanha, os quais tinham grandes de[ 2 Jzejos de comer hum 
pato gordo meu Avó fe efcuzou dizendo, que aquelle ò havia man- 
dado fovár para elle mefmo, è fazendo ò tal ofpede muitas inftancias 
para que lho vendeffe, lhe deu o pato de baixo de condigam, que por 
elle lhe daria outro pato vivo também acondicionado como aquelle; 
foyfe ò goy para caza muy contente com ò tal pato, e prezentandoò 
diante dos ofpedes Judeos, dixeram fer taô gordo que o naõ podiam 
comer; e preguntandolhe dondeo havia comprado, refpondeu que do 
Judeo dixeram, (como admirados os forçados) pois como ay aqui 
Judeos? refpondeo b goy, que fi, è que tinha à fua porta huma 
diviza em Hebrayco; Dois dos tais Paffageyros foram o dia figuinte 
à caza de meu Avó que Deos tem, è falando com elle em efpanhol 
naó os pode elle entender, ê chamou á feu filho Aharon, (que hera 
meu pay que Deos tem) paraque falaffe com elles, lhe dixeram que 
queriam falar com elle ocultamente, e entrados todos em hum apofento, 
fe declaram com meu Paè. dizendo haviam arribado ahi com dois 
navios fahidos de Efpanha, que entre todos eram dez Mercadores, e 
quatro meninos, é que fe queriam circoncidar porque eram, dos filhos 
de Ifrael; à o que lhes refpondeu meu Pae, nam poder executar iffo 



XI 



Zur Einleitung 



237 



neffa cidade, porque todos eram Luteranos, que feguiam à religiam 
de Lutero, porem que lhes mo [traria hum paynel que tinha em 
sua caza donde eftava pintada á cidade de [3] Amfterdam è lhes mo- 
[traria na tal pintura huma torre chamada Monquelbaens toren; è 
que quando chêgaffem à ditta cidade, alugdffem huma caza no Jonker- 
ftraat, de fronte da ditta torre nomeada arriba, e que fiffeffem um 
fenho para poder f ab er achar a caza; que em tempo de 2 ou 3. f emanas 
combem eftaria la; è affi fe foram para Amfterdam e tomaram huma 
caza a donde lhes dixe defronte da torre a qual torre chamaó os 
portuguefes aynda, a torre de Aharon, e affi foy meó avo e meó 
pay que Deos tem para Amfterdam a vi) fitar a eftes fenhores, e os 
acharam na rua com o fenho como lhes dixeram; os quais quando 
vieram, fe alegraram muito, e os ferconfidaron a todos os 10: hommes 
e 4: crianzas e tomaram hua camará Donde faziaòfua horafam todos 
os dias com grande devafam, defpois de algumas femanas, foram, os 
framengos vezinhos adar conta a juftiça como moravam áqui gente 
que viera de Efpanha e fedeixara ferconfidar de dois Judeos que 
vieron de fora; e faziam fua orafam todos os dias em uma camará 
a parte; quando ouviram ifto os Sres Búrgameftres, deram ordem que 
tomaffen Prefos a meó avo e a meó pay como fizeram, e quando 
eftivéram prefos alguns dias defpois os trouxeram diante dos Sres 
Búrgameftres, elhes perguntaram quem lhes dava effa autoridade de 
fazer aquy hua religiam nova e Judeus e ferconfidar efta[4] gente que 
vieram de Efpanha, vos fondes gente que mereçeis amorte. Refpon- 
deram meos Pais a os Sres Búrgameftres, he verdade que fizemos 
por proveito e benefifio de efta cidade de Amfterdam para fazella 
entrar en hum grande negofio, bem o podíamos ter feito en otros 
lugares, que nos quiferam dar toda Libertade, mais ofizemos para 
fazer entrar efta cidade em grandes negofios por mar por que effa 
gente defpanha trouxeram grandes cabedais y riquefa configo 
e fè os Sres forem fervidos de dar a efta gente de Efpanha aliber- 
tade de poder morar aqui libertamente affeguramos a os Sres Búrga- 
meftres que em tempo de um anno teram Vmds: aqui mais de 50: 
Cazas deffa nafaó de Efpanha e Portugal com grandes cabedais e 
poraó efta cidade de Amfterdam cabeça de todos os lugares de 
Europa de negofio por que de antes tinha Amfterdam poco negofio, 
quando ouviram iffo os Sres Búrgameftres de meó avo e mèo pay, 



238 



Anmerkungen 



XI 



pergutaram donde afßftia effa gente, Ref ponderam na Caza de adonde 
os Sres nos mandaram tomar prefos, logo os mandaram chamar 
diante dos Sres Burgameftres, e quando vieram eftagente de Efpanha 
diante dos Sres naó fabiam falar fenaô efpanhol e Latin e affi 
comeffaram os Sres a falar Latin com elles e os examinaram e acha- 
ram toda a verdade como lhes dixeram meos pais que un poco tempo, 
dandolhes effa libértade viriam aquy muytas Cazas principais de 
Efpanha y Portugal con[5 Jgrandes cabedais, quando os Sres ouviram 
iffo lhes contentou muito, e nos mandaram para caza, de f pois man- 
daram os Sres chamar a meó avo e a meó pay que Deus tem e dixeram 
vofas palabras con agente defpanha fe acordaram bem, e affim 
refolvemos de dar os toda Libértade do mundo de morar aqui e 
obfervar avoffa ley e religiam libertamente, e caza de faffer voffa 
oraçam, quando oiviram iffo agradeceram meos pais muyto a o 
Sres Burgameftres, e foram para caza com grande alegria, e trouxeram 
effa nova a os Judeus de Efpanha, os quais os abrafaram e choraron 
de alegria e louvaram a Deus bendito por amerce que lhes fez, e 
affi efcreveram para Efpanha e portugal da libértade q os Sres 
Burgameftres de Amfterdam lhes deram, despois diffo vieram muitas 
cazas defpanha e portugal, amorar aqui em efta cidade e meò avo 
foy feo haham e meò pay seo hafan, e os ferconfidaram e foram os 
autores defte K. K. e lhes ordenou as Refzas e as efcamot como fe 
devem governar na obfervanfa dos perfeytos de El Dio Bendito, os 
quais el Dio aumente para fempre amen. E como ouviram os Ju- 
deos de Alemanha, e Polónia que moravaò aquy Judeus de Efpanha 
e portugal vieraó também aquy a morar é fe tomaram toda a auto- 
ridade, ate o dia de oje. Seja o fenhor louvado por as muitas mercês 
que nos fez, énos aproxime noffo bem con a vinda de noffo Maffiah 
Amen. Amfterdam em 10 de Kifleff 5471. ÜRY DE ARON ALEVY [6 ] 
filho do H. H. a Salem R. MOSSEH VRY LEVY fundadores defte fanto 
K. K. que el Dio aumente por muitos Annos Amen. 

Die Denkfchrift iít von einer Approbation begleitet, die folgen- 
den Wortlaut hat: Declaro que tive conhecimento no tempo de minha 
mocidade do Infigne e venerando H H Afalem Mo ff eh Uri Levi, 
fendo H H do Beth Jahacob, nefte illuftre cidade muitos annos, e 
Juntamente lhe ouvi fua pregação por via de Interprete, fugeito muy 
devoto e virtuofo; também conheci [eu filho Aharon, [er Hazan em 



XI 



Zur Einleitung 



239 



Neve Salom, e admirável ferconcidador, cujos fugeytos foram fempre 
o exemplo da virtude, dotados de todas as excellencias e obras illuftres, 
e conhecidos e tidos de todos por tais, fendo o lluftre H H Aharon 
fempre o prymeiro a todos os actos de devoçam,que fe achavam na cidade, 
tanto em circoncidar os que vieram de terras eftranhas, para abrigar fe 
debaxo da Protecçam Divina; como também feus filhos, tanto para ani- 
malos ao fervifo da Ley de Deos e como fe deviam governar na fua 
obfervança e bons coftumes; e por paffar affim ha verdade o firmey de 
minha mão, Amfterdam a 32 do Homer S433 e e flava firmado. David 
filho de Ifhak Cohen de Lara. Também eu tive conhecimento do 
fugeito afima, e fua muita virtude, virtuozo filho de virtuozos e fantos, 
e fuy [eu particular amigo no efludos do K. K. de Neve Salom, 
fendo dotado de toda a perfeyçam, e virtude, como delle dá Fé o H. H. 
afima, o que confirmo eu também [er affim verdade aos 20, do Homer, 
de 5434 eflava firmado. Ifhak Aboab. (Ich erkläre, daß ich in meiner 
Jugendzeit den ausgezeichneten und ehrwürdigen fei. Rabbi Moffeh 
Uri Levi gekannt habe, der in die f er vortrefflichen Stadt viele Jahre 
hindurch Rabbiner von Beth Jahacob war, und zugleich hörte ich Pre- 
digten von ihm vermittels eines Dolmetfchers, eine [ehr fromme und 
tugendfame Perfönlichkeit; ebenfo kannte ich feinen Sohn, der Hazan 
in Neve Salom und bewundernswerter Befchneider war, deren Perfön- 
lichkeiten immer das Beifpiel der Tugend waren, begabt mit allen 
Vorzügen und vortrefflichen Werken, als folche von allen gekannt 
und gehalten, indem der vortreffliche Rabbi Aharon immer der erfte 
war in allen Werken der Frömmigkeit, die in der Stadt [ich fanden, 
ebenfo indem er die aus fremden Ländern kommenden befchnitt, 
um fie unter den göttlichen Schutz zu bergen, wie auch feine 
Söhne, als auch indem er fie zum Dienft des Gefetzes Gottes an- 
eiferte und wie fie in feiner Beobachtung und in guten Sitten fich 
regieren müßten. Und zur Bezeugung der Wahrheit unter fchrieb ich 
mit eigner Hand Amfterdam am 3. Mai 1673 und es war 
unter fchrieb en. David Sohn von Ifhak Cohen de Lara. Auch ich 
kannte die genannte Perfönlichkeit und feine befondere Tugend, 
tugendfamen Sohnes tugendfamer und heiliger Männer, und ich war 
fein befondrer Freund in den Studien der hl. Gemeinde Neve Salom, 
indem er mit aller Vollkommenheit und Tugend begabt war, wie davon 
der obengenannte Rabbiner Zeugnis ablegt, deffen Wahrheit ich gleich- 



240 



Anmerkungen 



XI 



falls bef tätige am Ii. Mai 1674. Ifhak Aboab.) Diefe Appro- 
bation ift nicht authentifch, fondern nur die Nachbildung eines 
Zeugniffes der beiden Rabbiner de Lara und Aboab, das de Bar- 
rios fchon 1684 veröffentlicht hat, in dem aber Mofe Uri ha-Levi 
nur als Befchneider und Chazan der Gemeinde Beth Ja'aqob be- 
zeugt wird. Hillefum (Uri-ha-Levi, de eerfte Mohel, Chazzan en 
Predikant der Portugeefche Joden te Amfterdam in het Jaar 15^3, 
Overdruk uit het Centraal Blad v. Ifr. in Nederland, Amfterdam 
1904) hat in einer Polemik mit Cardozo de Bethencourt, der für 
die Rabbinerwürde Mofe's und für 1604 als Gründungsjahr der 
Gemeinde eingetreten war, mit Recht auf diefe gefälfchte Appro- 
bation hingewiefen. Indem er darin einen Verlegertrick fieht, zieht 
er die Authenticität der Memoria überhaupt in Zweifel und möchte 
ihr jeden hiftorifchen Quellwert abfprechen (a. a. 0. S. 6). Darin geht 
aber Hillefum m. E. viel zu weit. Von einem Verlegertrick kann bei 
einem Heftchen von acht Seiten, das ficherlich kein Verlagsobject 
war, kaum die Rede fein. Zudem findet die Memoria para os figlos 
futuros in der (oben S. XVIII reproducierten, S. XVI überfetzten) 
Ehrenurkunde für Ifaak Levi eine wertvolle Beilätigung, denn 
dort wird fie ausdrücklich als Chronik für die künftigen Gefchlechter, 
und zwar als Druckfchrift (an anderer Stelle gefchrieben und ge- 
druckt) citiert und ihr ganze Sätze entnommen. Daraus wird auch 
die Entftehung der Memoria verftändlich: die Familie, insbefondere 
der nach Hamburg auswandernde Ifaak Levi brauchte die Ehren- 
urkunde als Empfehlungsbrief bei auswärtigen Sephardim, und d J e 
Gemeinde beitätigte in der Tat den Anfpruch der Familie, foweit 
fie ihn für hiftorifch berechtigt hielt, wobei fie nur den Anfpruch 
des fel. Uri ha-Levi auf die Rabbinerwürde nicht gelten ließ. So 
gefehen ift aber die Memoria, die der Ehren-Urkunde zur Unter- 
lage dienen follte und wohl für folchen Zweck verfertigt war, ab- 
gefehen von den der Familieneitelkeit entfprungenen Zutaten (wo- 
zu auch die fingierte Approbation gehört), als hiftorifche Quelle 
durch die Gemeindebehörden beftätigt, die in der lebendigen Tra- 
dition die einzige mögliche Controlle befaßen. XI. 10. Die 

Jahreszahl 1604 iftficher falfch, denn nach dem glaubhaften Zeug- 
nis des Chroniften Franco Mendes wurde fchon 1597 die Synagoge 
Beth Ja'aqob eingeweiht und für das Jahr 1598 ift die fephar- 



XI-XVI 



Zur Einleitung 



241 



difche Kolonie in Amfterdam durch Hugo Grotius bezeugt. Es 
fcheint mir daher wahrfcheinlich, daß die Aufzeichnung, aus der 
die Memoria fchöpfte, 5354 (ftatt 5364) hatte, und das Jahr 1594 

als das Jahr diefer (zweiten) Einwanderung anzunehmen ift. 

XII. 1 — 5. Fraglos fcheint mir, daß diefe Expedition mit der der 
Maria Nunez nichts zu tun hat, wie es wohl fchon Franco Mendes 
in feinen handfchriftlich im Archiv der port.-ifr. Gemeinde in 
Amfterdam aufbewahrten Memorias do Eftabelecimiento e progref- 
fos dos Judeus Portuguezes e Hefpanhoes nefta famofa cidade de 
Amfterdam aus dem Jahre 1769 annimmt, während Graetz (Ge- 
fchichte der Juden 3. Aufl., 9. Bd., Leipzig 1891, S. 479) und de 
Caitro {De Synagoge der Portugeefch-lfraelitifch Gemeente te Amfter- 
dam, 's Gravenhage 1875, S. 3) die beiden Expeditionen iden- 

tificieren. XIII. 29 — 31. Nach Franco Mendes wurde die 

Gemeinde am Verföhnungstag 5357 (September 1596) in ihrem 

Bethaufe überrafcht. XV. 25. Der als Autor der Memoria 

genannte Uri ift der als Drucker bekannte Uri Phoebus ha-Levi, 
der um 1700 in Zolkiew tätig war und am 27. Januar 171 5 in Am- 
fterdam ftarb. XV. 33 bis XVI. 25. Die Urkunde ift im Befitz 

von Nachkommen des Mofe Uri ha-Levi, 1906 des Dr. jur. J.E.Rofen 
Jacobfon in Amfterdam. Der Schluß lautet: Da jetzt auf die alte 
Freundfchaft Anfpruch erhoben und es notwendig wird, das Gute der 
Eltern die Kinder genießen zu laffen, ift vor mich gekommen Ifaak, 
Sohn von Juda Levi, Sohn Jacobs, Sohn des fel. Uri ha-Levi, indem er 
mich bat, meinen Namen tinter diefe Schrift zu fetzen, damit ihm fol- 
ches zum Beweis bei den Parnaffim der fephardifchen Gemeinde in 
Hamburg diene, wohin er jetzt fich zu begeben vorhat, daß er felbft zur 
fephardifchen Gemeinde gehört als Urenkel des fel. Uri ha-Levi, wie 
denn auch der Vater des genannten Ifaak hier auf dem beften Teile 
des Begräbnis platze s begraben. Da nun die afchkenafifche Gemeinde 
in Hamburg eine befondre Beftimmung erlaffen hat, daß niemand 
dort zugelaffen wird um Handel zu treiben, wenn er nicht Mitglied 
ihrer Gemeinde ift, fo diene diefe Erklärung dem Inhaber als Beweis 
feiner Zugehörigkeit zur fephardifchen Gemeinde, wonach er alfo in 
Hamburg zugelaffen werden muß, ohne daß man ihn daraus ver- 
ftoßen darf, indem er zur fephardifchen Gemeinde feine Zuflucht neh- 
men und fie ihn gerade wie jeden andren Sepharden befchützen wird. 

Da Costa Opera. 16 



242 



Anmerkungen 



XVII-XXI 



Obfchon allgemein bekannt ift, daß das alles der Wahrheit entfpricht, 
find gleichwohl unten flehende Zeugen vor mir erfchienen, deren Zeug- 
nis in jeder Hinficht glaubwürdig ift. Gefchehen Amfterdam, am 

7. März ijiç. Gez. Samuel da Silva Rofa. Moffeh Sanches. 

XVII. 32. In der Verfchiedenheit der Ausfprache liegt das Schick- 
fal der beiden Raffen. Die fephardifche Ausfprache mit ihrem Vor- 
wiegen des a-Lautes ift ein ftolzes, tönendes Dur, die afchkena- 
fifche mit dem Vorwiegen des o-Lautes ein dumpfes, leidendes, zu- 
weilen klagendes Moll. Im jiddifchen Jargon, wie er heute von den 
Oftjuden gefprochen wird, verbindet fich diefes Hebräifch mit dem 
fpitzen mittelalterlichen Deutfch zu einer Sprache von ficherem 
Rhythmus. Wo fich diefer in fich beruhende Rhythmus, unter 
gleichzeitigem Zurücktreten der hebräifchen Sprachbeftandteile, in 
den fingenden Tonfall der Selbftironie verwandelt, kündet fich die 
innere Unficherheit und das Bewußtwerden der eigenen Entwurze- 
lung. XIX. 28. Idolatria ift bei den Marranen des terminus 

technicus für die katholifche Religion. XX. 4 bis XXI. 25. 

Der Arzt Ifaak (als Chrift Baltazar) Orobio de Caftro, geb. ca. 
1620 in Braganza, verbrachte drei Jahre in den Kerkern der 
Inquifition zu Sevilla, wurde gefoltert und mußte zwei Jahre lang 
das Büßergewand tragen; dann kam er über Frankreich (Tou- 
loufe) nach Amfterdam, wo er 1669 unter den Parnaffim erfcheint 
und 1687 geftorben ift. Er fchrieb über philofophifche und theo- 
logifche Themata, unter anderem auch ein Certamen philofophicum 
gegen Bredenburg und damit gegen Spinoza (1684). Von befon- 
derem Intereffe ift eine in Abfchriften erhaltene Streitfchrift gegen 
einen jungen Amfterdamer Arzt Juan de Prado, der dem Glauben 
an die hl. Schrift das Bekenntnis zu Gott und Gefetz der Natuur (la 
confefion de Dios, y Ley de naturaleza) entgegenftellt. (Die Biblio- 
thek des port. ifr. Seminars in Amfterdam befitzt drei Copien, eine 
unter dem Titel Repuefta a un Filo fofo Hebreo 1668 von Abraham 
Machorro hergeftellt, eine andere unter dem Titel Epiftola Invectiva 
contra Prado un Philo fopho Medico.) Der angeführte Text ift dem 
Anfang diefer Streitfchrift entnommen. Im Original heißt es: 

Los que fe retiran de la Ydolatria a las Provindas donde fe 
permete libertad a el Judaísmo, fon en dos maneras, vnos que en 
llegando a el deffeado Puerto recibiendo el fancto firmamento em- 



XXI-XXIV Zur Einleitung 



243 



plean toda fu voluntad en amar la divina Ley, procurando quando al- 
catifa la juerfa de fu entender à aprender lo que es neceffario para 
obfervar religio famente los fagrados preceptos, fueros, y feremonias, 
que con el mifero captiverio olvidaron ellos, y fus mayores, oyen 
humildes a los que por haver fe criado en Judaísmo, y aprendido Ley 
pueden expiicarlo, hazenfe quanto pueden capazes, de los eftilos, tra- 
ducciones, y coftumbres loables que obferva Ifrael por todo el vni- 
verfo, cadavno conforme fu eftado, y poffiblidad para ordenar fu vida 
en fervido de Dios, y evitar los errores que antes ocafionava la igno- 
rância. Eftos vinieron enf irmos de ignorância, mas como no les af- 
fiftia la horrible enfirmidad de la foberbia facilmente fanaria guftando 
la faludable, y fancta medecina que le ofrece la piedad de fus hermanos; 
pues enllegando desde el mayor Haham, al mas Lego, todos procuran 
enfenarle, paraque no yerre en la obfervancia de la Ley divina. 

Otros vienen a Judaísmo, que en la idolatria eftudiaron algunas 
[ciências prophanas, como Lógica, Philofophia, Methaphifica, y Me- 
dicina, eftos llegan no menos ignorantes de la Ley de Dios que los 
primeros, mas llenos de vanidad, y foberbia, de altives, perfuadidos 
que fon doctiffimos en todas matérias, que todo faben, y aunque igno- 
ran lo mas effencial creen que lo faben todo, entran debaxo de el dichofo 
Jugo dei Judaismo empieffan a oyr de los que faben aquello que ellos 
ignoran, no les permite fu vanidad, y foberbia recebir doctrina para 
falir de la ignorância, pareceles que defcaecen dei credito de Doctos fi 
fe dexan enfenar de los que verdaderamente lo fon en la Ley fancta, 
afectan grande ciência en contradezir lo que no entienden, aunque 
và todo verdadero, todo fancto, todo divino, pareceles, que con hazer 
argumentos fophif ticos fin fundamento alguno fe acreditan de in- 
geniofos, de agudos, de cientes, y lo peor es que configuen efta opinion 
entre algunos que por fus poços anos, ô por fu mal natural prefumen de 
discretos, y aunque no entienden cofa de lo que dize el nuevo Philo - 
fopho contra la Ley de Dios, con todo hazen como que lo entienden, 
por no confeffar que no lo entienden, y quedar calificados de enten- 
didos, eftos acaban de enfoberbecer al tal fophiftico, crece fu foberbia, 
y al mifmo paffo fu impiedad, con que a poços lances caen en el 
abismo de la Apoftacia, y heregia. 

XXIII. 32 bis XXIV. 34, Die Urkunde findet fich in den Ref- 
ponfen des R.Joel Sirkes (1565— 1640) EHn JTDUtfMl JTI^Ktf 

16* 



244 



Anmerkungen XXIV-XXV 



(Frankfurt a. M. 1697, Nr. 4). Da das Gutachten von Breft aus- 
ging und Joel Sirkes 1619 als Rabbiner nach Krakau kam, ift es 
161 8 zu datieren. Fränkel hat zuerft (in Literaturblatt des Orients, 
Leipzig 1847, Nr. 47, Sp. 747) darauf hingewiefen. Hillefum hat fie 
(in Nieuw Ifrael. Weekblad vom 31. März 1893) zuerft mit der Ab- 
fplitterung der Gemeinde Beth Jifrael 1618 in Verbindung ge- 
bracht, und danach fchrieb Kayferling im gleichen Sinne über Un 
Conflit dans la communauté Hifpano-Portugaife d' Am f ter dam — [es 
conféquences (in Revue des Etudes Juives, Tome XLIII, Nr. 85, 
Paris 1901, S. 275 f.). Die entfcheidende Stelle des Refponfums 
lautet: nty ^ DTWDS Ttf Hpim pSD pM ItyüW MW ^p 

my mm zrnt&n . ♦ ♦ pari inao sann ^tes sin pian 
itw idöiw mty . ♦ • nWiiftn nVna njn sin rins ppa 

sbo ptói nn 5 ? kbu noa n? smi tok 
i'w'? t n'w n&pn •»sann arpfimas b"i wasn 
s 5 ? iösi "»an mty liii n&sn fi^sn mann prftnai 
,ms ^ S/T nnnsi s^ioVran pi as "ü prya ntrn: 
ams nnsöi n^un a^s vbs cps 1 ? irisaiBn pnna bijn 
ins v*Kb \r\i abanana nns svn nt^s 5 ? ^ jtwh njnn ,ifijrrt 
^nn i&>s nayan •wjki bnpn -pi* 1 ? mann aint^ mm 
tarnen &"sn ims bistrt» arwiff a^aan m^aja 
iasi naisa s 1 ? vnbst? itrsai na^n» "»rna sinn 
s"/im in^vl a^aanm mnayan maaann Tai ima Tasn 
n'?^ s\n sinn t&"sn *r vnmn ntran p"pn ^ntrn 
na 1 ? s 1 ? naw mabn V^ds "O a^-nas ann ltonruff Detern 
^ipi nasi njw nmss bnsan t^snb nty wan sann ^i^i 
iffsa tyi rty ntran V?as^i s\nn nrönn lrw s 5 ?^ an 
amadas Tya a^pnma a^m nmtra sroa unrs 5 ? yun nbs 
^•»toft p"pn t'äk am •»jös ajwnn na^prui 

XXIV. 1. Nach 2. Mofe 32, 18. XXIV. 31. Die Rabbiner, 

von denen die Anfrage ausgegangen fein muß, find Jofeph Pardo, 
Rabbiner der Gemeinde feit 1597, geftorben 1619, Ifaak Uziel, 
Rabbiner feit 1610, geftorben 1622, und Saul Levi Morteira, Rab- 
biner feit 1616, geftorben 1660. XXV. 7 — 9. Abraham Farrar 

war, wie Cohen (Spinoza en de Geneeskunde, Amfterdam 1920, 



XXV-XXVIII Zu r Einleitung 245 

S. 45 f.) feftftellt, der einzige Arzt jener Zeit, der gleichzeitig Ge- 
meindevorftand war. Er iit wie da Cofta in Porto geboren, hat in 
Liffabon practiciert, war (nach de Barrios) feit 1614 Parnas und 
ftarb 161 8. (Von einem Abraham Farrar erfchien 1627 bei Paul van 
Ravefteyn Declaração das 6i 3 Ericomendangas de noffa Sancta Ley.) 
XXV. 10 — 15. Die Gefchichte des Conflicts und der Grün- 
dung der dritten Gemeinde Beth Jisrael iit noch keineswegs klar- 
geftellt. Sicher ift eine tiefgehende Gärung der Gemeinde im Jahre 
1618 (nach de Barrios durch den Rigorismus und die Bußpredigten 
des Rabbiners von Neweh Schalom, Ifaak Uziel, hervorgerufen). 
An die Spitze der Separation trat David Oforio, erfter Rabbiner 
der neuen Gemeinde wurde David Pardo und fpäter neben ihm 

Ifaak Aboab. XXV. 15—18. Vgl. 153, 8—157, 2. XXV. 

18 — 20. Da Farrar älter als da Cofta und fchon bei deffen Ein- 
wanderung angefehen war, könnte er fehr wohl Einfluß auf da 
Cofta geübt haben. XXVI. 12 — 13. Vgl. hierzu meine Ab- 
handlung Spinoza und der Piatonismus in Chronicon Spinozanum I, 

Hagae 1921, S. 178 — 234. XXVI. 21 — 22. Vgl. Anm. zu 105, 1 ; 

124, 1. XXVI. 22—25. 'Vgl. 149, I— 150, 5. XXVI. 25 

bis 26. Vgl. 106, 18 — 21; 125, 21 — 25. XXVI. 26 — 27. Vgl. 

106, 19 — 21 bezw. 125, 23 — 25 und Anm. dazu. XXVI. 29 

bis 30. Vgl. 105, 5—6; 124, 5—6. XXVI. 30 bis XXVII. 4. 

Vgl. 105, 23—106, 15; 124, 27—125, 18. XXVII. 6—8. Vgl. 

166, 6—9; 178, 19—23. XXVII. 8—9. Vgl. 164, 24—165, 3; 

176, 22 — 177, 6. Die Bibelcitate da Coftas fcheinen in der Tat nach 

der Vulgata überfetzt zu fein. XXVII. 13 — 17. Vgl. 107, 10 

bis 18; 126, 19 — 28 und Anm. dazu. XXVII. 15 — 16. Vgl. 

110, 24; 130, 26. XXVII. 22 — 23. Vgl. 163, 8 — Ii; 174, 26 

bis 29. XXVII. 29 — 33. Vgl. 107, 19 — 25; 126, 29 — 127, 3. 

XXVIII. 5 — 6. Graetz, Gefchichte der Juden, 10. Bd., 3. Aufl. 

Leipzig 1897, S. 17. 1612 erfcheint da Cofta noch nicht in der Ham- 
burger Rolla der portugiefifchen Nation. XXVIII. 7 — 9. Das 

Archiv der (feit dem Übertritt des Dichters und Gefchichtsfchrei- 
bers Izaac da Cofta chriftlichen) Familie da Cofta, in das mir in der 
bereitwilligften Weife Einficht verftattet wurde, befindet fleh im 
Befitz von Herrn A. J. da Cofta in Amfterdam. XXVIII. 11 

bis 13. Vgl. 152, 27—153, 8. xxviii. 13—15. Vgl. 10, 4—7; 



246 



Anmerkungen 



XXVIII-XXX 



22, 1—7. XXVIII. 15—18. Vgl. 185, 31—186, I; 187, 7— Ii. 

XXVIII. 22 — 26. Über Leon da Modena vgl. u. S. 249. 

XXVIII. 26—29. Vgl. 150, 7—152, 25. XXVIII. 29—34. 

Vgl. 153, 10—157, 2. XXVIII. 34—35- Vgl. 181, 27—28; 182. 

20 — 21. XXIX. 3 — 4. Dafür fpricht das Document 157, 4 — 16, 

wenn es so früh datiert werden darf, und vor allem die Schilderung 

64, 7 — Ii bezw. IOI, I — 5. XXIX. 4 — 5. Vgl. 167, 5; 179, 26. 

XXIX. 5—6. Vgl. 157, 18—158, 8. XXIX. 6—7. Vgl. 

109, 15; 129, 8. XXIX. 7-8. Vgl. 182, 8-9; 183, 6-7; 

ferner III, 2 — 6; 131, 6 — 10. XXIX. 8 — Ii. Vgl. 64, 7 — 11 ; 

101, 1 — 5. XXIX. 18 — 22. Vgl. 108, 10 — 23; 127, 29 — 128, 11. 

XXIX. 22—25. Vgl. u. S. 254 f. XXIX. 25—28. Vgl. 108, 

28 — 33; 128, 18 — 22; ferner 162, 30 — 163, 2; 174, Ii — 18. 

XXIX. 28— 32. Vgl.u. S.253ff. XXIX. 34. Vgl.109, 12; 129, 5. 

XXX. 1—2. 181, 21—183, 10. XXX. 2—7. Vgl. 109, 15 

bis 20; 129, 9 — 14. XXX. 8 — 9. Vgl. 183, 12 — 184, 13. 

XXX. 9 — 13. Vgl. 109, 20 — 25; 129, 14 — 20. XXX. 13 — 14. 

Vgl. 109, 25 — 27; 129, 20 — 22; ferner 184, 15 — 185, 10 und Anm. 

XXX. 15 — 17. Vgl. 109, 27 — 29; 129, 22 — 24; ferner 185, 19 

bis 22; 186, 18 — 25. XXX. 29 — 34. A. Wolf (Spinoza' s [hört 

treatife on God, Man, & his well-being, London 1910, Introduction 
S. XLIIIf.) nimmt an, daß die Gemeinde bei ihrem Vorgehen gegen 
da Coita (und ebenfo fpäter gegen Spinoza) durch die Rückficht 
auf die chriftlichen Nachbarn beitimmt gewefen fei, denen gegen- 
über fie jede Verantwortung für eine Ketzerei hätte ablehnen wol- 
len. Das fcheint mir nicht entfcheidend. Die Anfrage an Ja'aqob 
(0. S. 185 ff.) in Verbindung mit dem Refponfum des Joel Sirkes 
gibt über das Motiv völlig Auffchluß: es ift der betonte Fanatis- 
mus defien, der fich erft durch folchen Fanatismus die Vollwertig- 
keit erwerben muß. Den holländifchen Chriften werden die Reli- 
gionsftreitigkeiten der Juden, die fich zudem in einer ihnen un- 
verftändlichen Sprache abfpielten, fehr gleichgültig gewefen fein. 
Sie mußten erft durch die jüdifchen Autoritäten auf die Ketzerei 
hingewiefen, ja aufgehetzt werden, und gingen jenen, wie die An- 
frage zeigt, lange nicht weit genug. Wie wir aus einem bei Grätz 
(Gefchichte der J"tden, 3. Aufl. Bd. X, S. 406) angeführten Refpon- 
fum des Jacob Sasportas vom Jahre 1683 wiffen, verfuchten fogar 



XXX-XXXVI ZürEinleitung 247 

polnifche Rabbiner durch Androhung des Banns ihre Jurisdiction 

auf Amfterdam auszudehnen. XXXI. 8 — Ii. Vgl. 185, 12 bis 

187, 19. XXXI. Ii— 15. Vgl. 185, 23—24; 186, 25—29. 

XXXI. 20 — 23. Vgl. 109, 30 — 110, 10; 129, 25 — 130, 8 und Anm. 

— XXXI. 24—30. Vgl. 110, 10—20; 130, 8—21. XXXI. 

30— 31. Vgl. in, 1—2; 131, 4— 5- XXXI. 33— 34. Vgl.112, 

17 — 18; 132, 30. XXXII. 1 — 2. Vgl. 110, 23 — 26; 130, 25 — 28. 

XXXII. 3—5. Vgl. 110, 26— in, 2; 130, 30—131, 5- 

XXXII. 5—7. Vgl. in, 2—6; 131, 6—10. XXXII. 7—9. Vgl. 

112, 27—31; 133, 8—13. XXXII. 10—14. Vgl. in, 12— 112, 

14; 131, 17—132, 26. XXXII. 16—18. Vgl. 188, 3—195, 24 

und Anm. XXXII. 18. Aguilars Tratado da immortalidade in 

dem u. S. 250 erwähnten Band der Aguilar-Manufcripte der Biblio- 
thek des portugiefifch-israelitifchen Seminars in Amfterdam. Mor- 
teiras Schrift über die Unfterblichkeit in den Obras originaes, einem 

Manufcript-Band von 420 Seiten ebendort. XXXII. 19 — 23. 

Vgl. 195, 27 — 198, 22 fowie u. S. 280. XXXII. 23 — 27. 112, 

18 — 27; 132, 31 — 133, 8; ferner 200, 3—4; 202, I — 2. XXXII. 

27—29. Vgl. 113, 18— 114, 24; 134, 6—135, 23; ferner 200, 4—6; 

202, 2 — 5 und 203, 24 — 26. XXXII. 29 — 32. Vgl. 198, 24 — 27. 

XXXII. 34— XXXIII. i.Vgl. 206, 14-18; 210, 3-8; ferner u.S.26of. 

XXXIII. 2—5. Vgl. 206, 18—25; 210, 8—17. XXXIII. 

3—4. Vgl. 123, Ii— 13; 146, 18—21. XXXIII. 5. Vgl. 203, 

27—28. XXXIV. 23—25. Vgl. 42, 12—14; 74, 1—3. 

XXXIV. 25 — 29. Vgl. 62, 15 — 34; 98, 28 — 99, 18; ferner 120, 15 

bis 25; 142, 28—143, 8. ■ XXXIV. 30—35. Vgl. 64, Ii— 17; 

101, 5 — 14. XXXV. 12 — 19. Vgl. hierüber meine Abhandlung 

Spinoza und der Piatonismus in Chronicon Spinozanum I, S. 214 

bis 216. XXXV. 26 — 32. Vgl. 118, 10 — 119, 7; 140, 6 — 141, 11. 

XXXVI. 3—4. Vgl. 105, 22—23; 124, 26—27. — XXXVI. 

5— 8. Vgl. 117,22—31; 139, 12—23. XXXVI. 8— 11. Vgl. 118, 

16—24; 140, 14—25. XXXVI. 13—14. Vgl. 117, 34; 139, 26 

bis 27. Danach Gutzkows: Ins Allgemeine möcht ich gerne tauchen, 

Und mit dem großen Strom des Lebens gehn. XXXVI. 15 — 18. 

Freudenthal (Spinoza I., S. 59) hält es für zweifelhaft, ob Spinoza 
das Exemplar kennen konnte, da es erft zehn Jahre nach feinem 
Tode gedruckt wurde. Indes befteht die Möglichkeit durchaus, daß 



248 



Anmerkungen 



XXXVI-XXXIX 



es noch in Abfchriften circulierte, fo wie die Propoftas noch 23 
Jahre nach ihrer Entziehung in Abfchriften ihre Wirkung übten. 

XXXVI. 27—30. Vgl. Cap. XIV. XXXVII. 21—23. Vgl. 

107, 25—30, Iii, 24, 117, II— 12, 118, I; 127, 4— Ii, 131, 30, 138, 

32—34, 139, 28—29. XXXVII. 23—24. So Menafcheh ben 

Ifrael, De termino vitce, Amfterdam 1639, S. 19. XXXVII. 25 

bis 26. So Menafcheh ben Ifrael, De refurrectione Mortuorum y Am- 
fterdam 1636, S. 45, 48, 90, 91, 102. Vgl. 0. 189, 15 — Í6, 191, 17; 

193, 1—2, 195, 23—24. XXXVII. 26—30. Das hat zuerft 

richtig Porges erkannt und nachgewiefen, gegen meine eigne fal- 
fche Deutung des Begriffs (Das Wort Pharifäer bei Spinoza in 
Monats fchrift für Gefchichte und Wiffenfchaft des Judentums, 61. Jg., 

Breslau 1917, S. 150 — 165). XXXVII. 31 — 34. Jean Brun, 

La véritable Religion des Hollandois, Amfterdam 1675, S. 222: la 
fuperftition 1 Pharifaique, à la quelle ils font encor attachez. 

XXXVIII. 3—5. Vgl. 59, 24—28; 95, 14—19- XXXVIII. 

7—20. Vgl. 51, 19—52, 2; 85, 9—30. XXXVIII. 26—32. Vgl. 

TracL Theol. Pol. X, 136 (nach der Seitenzählung der Ed. pr.). 
XXXVIII. 32—34. Vgl. TracL Theol. Pol. VII, 83. 

XXXIX. i — 5. Vgl. meine Inédita Spinozana in Sitzungsberichte 
der Heidelberger Akademie der Wiffenfchaften, Philo fophifch-hi fto- 

rifche Klaffe, Jg. 1916, 13. Abh., Heidelberg 1916, S. 10 — 12. 

XXXIX. 5—6. Vgl. Tract. Theol. Pol. VII, 102. XXXIX. 8 

bis 11. Vgl. 59, 16 — 61, 1; 95, 4 — 97, 2. XXXIX. 11 — 14. 

Vgl. Tract. Theol. Pol. X, 136. XXXIX. 15—19. Vgl. 109, 

30—110, 6; 129, 25—130, 3 u. Anm. 

ZU DEN PRO POSTAS CONTRA A TRADIÇÃO. 
Als Abraham Geiger feine Schrift Leon da Modena und feine 
Stellung zur Kabbalah, zum Thalmud und zum Chriftenthume (Bres- 
lau 1856) und in Verbindung damit Leons fUXI (Schild 
und Tartfche) publicierte, nahm er an, daß die in diefer Schrift ent- 
haltenen Thefen, die als Fragen (Jn^NíT) bezeichnet werden, nicht 
minder als die Antworten von Leon felbft ausgehen, und daß feine 
eigentliche Ab ficht eben die Fragen find; Leon habe, um die Autori- 
tät des Thalmud und der Tradition zu untergraben, feine Thefen 
einem fingierten Autor untergefchoben, um nicht in den Verdacht 



Zu den Propostas contra a tradição 249 

der Ketzerei zu kommen, und ihnen, um den Schein zu wahren, 
eine Widerlegung mitgegeben. Noch darüber hinausgehend hat 
Deutfch (in Menorah VI, S. 361) die ganze Schrift als eine moderne 
Fälfchung erklärt. Nun hat N. Porges den Nachweis erbracht 
{Leon Modena über Uriel da Cofta in Zeitfchrift für hebräifche 
Bibliographie, XV. Jrg. Frankfurt a. M. 191 1, S. 80 — 82), daß die 
Thefen von da Cofta Hammen, mit deffen anderweit überlieferten 
Lehren fie genau übereinftimmen, ein Nachweis, der feine Beftäti- 
gung dadurch erhielt, daß ich einen Auszug des portugieiifchen 
Originaltextes der Thefen in der Gegenfchrif t Rephael Mofe d'Agui- 
lars auffand. 

Leon da Modena ( 1 57 1 — 1649), Rabbiner in Venedig, ift ein 
Beifpiel dafür, daß jene Spaltung des Bewußtfeins fich nicht auf 
die Marranen befchränkte, fondern darüber hinaus Juden, die mit 
der Renaiffance-Cultur vertraut geworden waren, zu ergreifen be- 
gann. Leon, der fich um des Erwerbs willen in vielem verfucht, 
Polyhiftor, in den Profanwiffenfchaften wie in der chriftlichen Theo- 
logie wohl erfahren, ift eine feltfame Mifchung von Aufklärung und 
Aberglauben. Er ift durchaus Impreffionift, die Eindrücke des 
Augenblicks literarifch formulierend, und dadurch voller Wider- 
fprüche. Sein Hauptwerk ift das merkwürdigfte literarifche Docu- 
ment jener Bewußtfeinsfpaltung. Erft trägt er in einer Schrift, 
der er den Titel ^DD blp {Stimme des Toren) gegeben, alle Argu- 
mente gegen Thalmud und mündliche Tradition zufammen, fordert 
eine Reform des Judentums durch Vereinfachung des Cultus und 
Befeitigung der Ritualien und zieht felbft die Möglichkeit in Be- 
tracht, daß die Welt nicht Product der Schöpfertat eines perfön- 
lichen Gottes und die Offenbarung am Sinai Menfchenwerk fei; 
dann fammelt er in einer Gegenfchrift /T")K ilJKt^ {Gebrülle des 
Löwen, mit Anfpielung auf feinen Namen) Gegenargumente ohne 
rechten Ernft und ohne Beweiskraft. In einer anderen Schrift 
QHJ {Brüllender Löwe) bekämpft er den Aberglauben der Qab- 
balah. Obwohl er in rtf¥l als Gegner da Coftas auftritt, gehört 
er der gleichen Zeitftrömung an und Graetz hatte das Recht, beide 
in feiner Gefchichte der Juden im gleichen Capitel Die Wühler zu 
behandeln. 

Das Manufcript, nach dem Geiger T\W\ veröffentlichte, 



250 



Anmerkungen 



3-6 



war in feinem Befitz. Da es zur Zeit nicht nachzuweifen ift, erfolgt 
die Veröffentlichung der Propoftas da Coitas in der Überfetzung 
Leons nach der Publication Geigers mit den Emendationen, die 
Porges {Zur Lebensgefchichte Uriel da Coftas in Monats fchrijt für 
Gefchichte und Wiffenfchajt des Judentums, 62. Jrg., Breslau 1918, 
S. 114) gegeben. 

Mofe Rephael d'Aguilar, deffen Gegenfchrift uns den portu- 
giefifchen Auszug der Propoftas aufbewahrt hat, gehörte zu den 
Amiterdamer Rabbinern, die da Coita bekämpften. Wahrfchein- 
lich in Portugal geboren, fcheint er in früheiter Jugend nach 
Amiterdam gekommen, denn er beherrfchte das Hebräifche fo voll- 
kommen, daß er darin mit feinen Schülern fich unterhielt und hat 
auch ein Epitome da Grammatica Hebray ca (Leyden 1660) ver- 
öffentlicht. 1642 ging er mit Ifaac Aboab nach Brafilien, kehrte 
nach dem Zufammenbruch der niederländifchen Colonie nach 
Amiterdam zurück, fchloß fich im meffianifchen Jahr 1666 der fab- 
bathianifchen Bewegung an und ift 1679 geftorben. Ein Folioband 
der Bibliothek des portugiefifch-ifraelitifchen Seminars in Amiter- 
dam umfaßt eine Reihe nicht im Druck veröffentlichter kurzer 
Schriften von ihm, als erite ein Tratado da immortalidade da alma 
(S. 1 — 10), der wohl durch da Coita veranlaßt ift, aber fich nicht 
polemifch mit ihm auseinanderfetzt, als einundzwanzigfte der Reihe 
die Repofta a certas propoftas contra a tradição (S. 355 — 391). In 
diefer Repofta (vgl. S. 195 — 198) haben wir den Verfuch eines 
Rabbiners, da Coita wieder dem Judentum zu gewinnen. Daß die 
Schrift fich gegen die 23 Jahre zurückliegenden Propoftas wendet, 
beweift, daß diefe immer noch von Wirkfamkeit waren, während 
da Coita deren Standpunkt fchon längit aufgegeben hatte. 

Die Handfchrift d'Aguilars — es ift fein Autograph — liegt 
unferer Ausgabe der portugiefifchen Propoftas zugrunde. 

3. 4—5. < 10. 14—16. > 4. Mofe 15, 37—41. 3. 8. < 10. 23. > 

2. Mofe 13, 9. 3. 13— 14. < 11. 1—4. > 2. Mofe 13, 9. 

3. 18. < 11. 10 — 12. > 2. Mofe 13, 16. 3. 20 — 21. < 11. 16 — 19. > 

5. Mofe 6, 6. 3. 23. <ii. 21 — 22.) Die Stelle findet fich 

in Wirklichkeit 5. Mofe 4, 9. 3. 25 — 26. <ll. 26 — 28.) 

Sprüche 3, 3. 4. 3. < 11. 34.) Die Qaräer (D^lp von Klp 



<io-i6> 



Zu den Propostas 



251 



lefen, dh. Feilhalten am Bibeltext) ftellen eine fchismatifche Bewe- 
gung innerhalb des Judentums dar, die (im Gegenfatz zum rabbini- 
fchen Judentum, das nicht nur auf das Gefetz, fondern auch auf 
die Tradition der mündlichen Lehre fich ftützt) darauf ausgeht, 
den Bibeltext allein zur Norm für Lehre und Leben zu machen. 
Im 8. Jahrhundert ins Leben getreten, vom 10. bis 12. Jahrhundert 
auf feinem Höhepunkt, tritt der Qaraismus in der Blütezeit der 
rabbinifchen Cultur in Spanien in den Hintergrund und lebt fchon 
zur Zeit da Coitas nur noch in einer kleinen, wenig bedeutenden 
Secte, vorwiegend in Ofteuropa, fort. Ein Einfluß des Qaraismus, 
der fein abfolutes Schriftprincip nicht durchführen „konnte, fon- 
dern fich alsbald eine eigne Tradition bilden mußte, auf da Cofta 
ift nicht anzunehmen, da ihm Urkunden des Qaraismus kaum zu- 
gänglich waren. 4. 18. < 12. 29. > 5. Mofe 4, 6. 4. 22. < 13. 

2 — 4.) 5. Mofe 4, 2. 5. i — 2. <I3. 23 — 25.) Nach der Er- 
zählung des Midrafch Rabba foll Elias als der für den Bund Gottes 
Eifernde nach Gottes Geheiß ftets gegenwärtig fein, wo immer ein 

Knabe in den Bund eingeführt wird. 5. 3. Der Text bei Geiger 

hat: D^SIDHÖ "inK D}tt3E fit filVl DK Porges möchte den von 
Geiger felbft bezweifelten Text verbeffern: fityyü fit JTPfi Ü$ 

D^BD^fiD irtK (oder JHjD) 5- 5—6. < 13- 31—32 >. Da Cofta hat 

offenbar das circumcifio der lateinifchen Verfion im Auge, da im 

Stamme bbft eine ähnliche Begriffsbefchränkung kaum liegt. 

5. 18 — 19. < 14. 20 — 21. > 2. Mofe 13, 6 — 10, eb. 23, 15, 3. Mofe, 23, 

5 — 8. 5. 25 — 26. < 14. 31 — 33. > 2. Mofe 12, 42 und entfpre- 

chend in beiden Nächten die Frage des Seder: Was ift diefe Nacht 

anders als alle Nächte? 5. 29. < 15. 5 — 6. > Nach der Erklärung 

des Thalmud, Tractat Bezah fo. 4b. 6. 6. {15. 19 — 20.) 

3. Mofe 20, 14. 6. 6 — 7. <I5. 20 — 22.) So nach der Inter- 
pretation des Thalmud, Tractat Sanhedrin fo. 52 a. 6. 14 — 16. 

< 15. 32 bis 16. 4. > 4. Mofe 19, 1 — 10. 6. 20 — 28. < 16. 10 — 28. > 

2. Mofe 21, 28 — 32. 6. 20 — 21. <i6. 10 — 13.) So nach der 

mildernden Interpretation des Thalmud, z. B. Tractat Sanhedrin 

fo. 33. 6. 25 — 26. < 16. 22 — 23. > 2. Mofe 21, 30. 6. 26. Der 

Text bei Geiger hat: JTpfi 5 ? fiM. Nach Porges' Vorfchlag ift "p m 

zu ergänzen. 6.27. Geiger fchreibt: [JTJDfi V"X •»? '11 !] AtKfl 

Nach Porges Vorfchlag ift hier JTJKfi zu lefen HJ-pDfi 6 - 28 - 



252 Anmerkungen - 6-26 

< 16. 27 — 28. > 2. Mofe 21, 29.- — 6. 30. < ró. 31 — 32. > 2. Mofe 2i } 

33—34- 6.31. <i6. 33—34-> 2. Mofe 22, 5. 7. 3—4. < 17, 

5 — 8. y So nach der mildernden Umdeutung des Thalmud, z. B. 

Tractat Baba Kama fo. 84. 7. 3. Der Text bei Geiger hat Ip^Ef 

wofür Porges^pUtP fetzt. 7.5 — 6. < 17. 9 — 11. > 3. Mofe 24, 19 

bis 20.— — 7. 7 — 8. < 17. 15 — 17. >2. Mofe 21, 18 — 20. 7. 9 — 10. 

< 17. 19 — 21. > 2. Mofe 21, 23 — 25. 7. 11. < 17. 22 — 24. > 2. Mofe 

2i, 26 — 27. — —7. 19 — 20. < 18. 4 — 6. > 5. Mofe 25, 11 — 12. 8. 11. 

<I9. 12 — 14. > 5. Mofe 4, i — 2. 8. 15. < 19. 20 — 21. > Der Text 

bei Geiger hat und weift damit auf 5. Mofe 17, 19. Das Citat 

fteht aber 5. Mofe 27, 26, und danach fit f'S zu verbeffern. 

8. 18. < 19.25 >2. Mofe 18, 26. 8. 22 — 23. < 19. 31 — 33. >i. Könige 

3, 9 — 12. 8. 25 — 26. < 20. 3 — 4. >2. Mofe 18, 21. 8. 30. Porges 

möchte ftatt lefen ""D"!, was an fich natürlich ungezwungener 

wäre. 8. 32. Der Text bei Geiger hat yötfiTlbl, wofür mit 

Porges zu fetzen ift JPftttfnVl 9- 5 — II. < 20. 24 — 32. > Welche 

Anflehten da Cofta hier im Auge hatte, läßt fich nicht ausmachen. 
Auch Leon da Modena weiß nichts damit anzufangen, und d'Agui- 
lar fchreibt: Auf das, worin er fich nicht erklärt, find wir nicht ver- 
pflichtet zu antworten; aber da er fo im allgemeinen fpricht, beftreiten 
wir es abfolut. W er dunkel redet, dem kann man nicht klar antworten. 
Im übrigen meint er, wenn da Cofta in den Glaubensartikeln, wie 
fie Maimonides oder Jofeph Albo ausgelegt, derartiges finde, fo 
komme es nur von feiner eignen fchlechten, irrigen oder ketzerifchen 

Anficht. 9. 20. Für ^KtörP, wie der Text bei Geiger hat, ift mit 

Porges zu fetzen liOtsrp. 9. 20 < 21. II. > Der terminus tech- 

nicus, gebildet in Anlehnung an 3. Mofe 18, 30, findet fich zuerft 

in den Pirke Aboth und danach häufig im Thalmud. 9. 29. 

<2I. 26 — 29.) Das Hallel-Gebet wird an Neumonden und Feier- 
tagen gefprochen. Der Thalmud erklärt die Formel in ähnlichen 

Fällen unter Berufung auf 5. Mofe 17, II oder 5. Mofe 32, 7. 

10. 2 — 3. <2i. 30 — 33. > So in den S'lichoth, mittelalterlichen Poe- 

fien zum Jörn Kippur. 10. 6. < 22. 4 — 5.) Geiger verfteht: 

entweder durch Zuftimmung oder durch eine gründliche Widerlegung 
aus Schrift und Vernunft, nicht aber mit Streitfucht und Hartnäckig- 
keit, fondern im wahren Bekenntnis Gottes und feiner heiligen Lehre. 
Porges (a. a. O. S. 110) überfetzt, das Mißverftändnis Geigers zu- 



<i6-32> 



Zu Sobre a Mortalidade 



253 



rückweifend: entweder durch Gegenbeweife aus der Schrift und der 
Vernunft und durch gründliche Widerlegung der auf ge [teilten Thefen 
oder durch Zuftimmung, und es möge mir folches nicht als eine Art 
Streitfucht und Hartnäckigkeit ausgelegt werden, fondern als Be- 
kenntnis zum Namen Gottes und zur Ehre feines heiligen Gefetzes. 

— Vgl. 107, 23 — 25; 127, I — 3. 26. 26. Im Ms. falfch: Outava 

propofiçàô. 30. Im Ms. falfch: ça Propofta. 26. 33. <32. 

18. > Die Ii. Thefe, die Leon da Modena vorlag, fehlt hier und hat 
auch d'Aguilar nicht vorgelegen (vgl. 195, 27; 197, 6). 

ZU SOBRE A MORTALIDADE DA ALMA. 

Wie wenig bis vor kurzem von einer da Cofta-Forfchung die 
Rede fein konnte, geht fchon daraus hervor, daß bisher die eigent- 
liche Gegenfchrift gegen das Hauptwerk da Coftas noch nie einer 
genauen Durchficht unterzogen wurde, fo daß es bis heute un- 
bekannt blieb, daß uns darin da Coftas Schrift felbft in den ent- 
fcheidenden Capiteln über die Sterblichkeit der Seele aufbewahrt ift. 

Semuel da Silvas Tratado da Immortalidade (der genauere Titel 
o. S. 159) ift ein klein Octav-Bändchen von etwas überhöhtem 
Format (Satzfpiegel 7,2x13,2 cm) von 178 Seiten. Es ift eingeteilt 
in Vorrede: Ao benigno Leitor S. 3 — 6 und 30 Capitel: Cap. I. Da 
criação do homem & de fuas perfeiçoins. S. 7 — 10. Cap. II. Das 
opinioins acerca da Alma entre os Philofophos das gentes. S. IO — 12. 
Cap. III. Em que fe refutaõ as opinioins aßima & fe poem a verda- 
deira. S. 12 — 13. Cap. IV. Em que fe proua a immortalidade da 
alma por parte do entendimento. S. 14 — 18. Cap. V. Em que fe 
proua a imortalidade da alma por parte da vontade. S. 19 — 21. 
Cap. VI. Em que fe iluftra a mefma proua por parte da juftiça 
divina. S. 22 — 24. Cap. VII. Em que por paffos da efcritura fe 
confirma de todo efta verdade. S. 24 — 27. Cap. VIII. Da falfa 
definição da alma do homem & ignorância do author delia. S. 27 — 32. 
Cap. IX. Que a alma do homem naõ procede da matéria como a dos 
brutos & repofta do argumento en contrario. S. 32 — 37. Cap. X. 
Que Deus introdus as almas nos corpos humanos por modo a nos oc- 
culto. S. 38 — 40. Cap. XI. Da imortalidade da alma & mundo vin- 
douro refutando a falfa conclufaõ do contrariador. S.41 — 45. Cap. XII. 
Confirmaffe a verdade do mundo vindouro refutando mais as f alfas 



254 Anmerkungen 

rezoins em contrario S. 45 — 48. Cap. XIII. Que os padres conheçeraò 
o mundo vindouro. S. 48 — 52. Cap. XIV. Que as almas dos bemaven- 
turados gozam da gloria de Deus & o louvaõ. S. 53 — 59. Cap. XV. 
Da impertinençia de [te contrariador em alguas rezois que alega. 
S. 59 — 68. Cap. XVI. Dos novos argumentos & repoftas do con- 
trariador, & confutação da primeira delias. S. 68 — 73. Cap. XVII. 
Que a alma do homem tem nome proprio com que também fe diftingue 
da alma dos brutos. S. 73 — 82. Cap. XVIII. Que explica algüs paf- 
fos mal entendidos do contrariador. S. 82 — 87. Cap. XXIX. Do mal 
que o contrariador entende & nega o paffo da alma de Semuel vir 
falar a Saul. S. 87 — 97. Cap. XX. Repeteffe o argumento da juftiça 
divina, & moftraffe a falfa explicaçam do adverfario fobre ella. 
S. 97 — 107. Cap. XXI. Moftraffe mais a verdade por outros ver f os 
mal entendidos do adverfario. S. 107 — III. Cap. XXII. Da refur- 
reiçaô dos mortos & falfa explicação dos verfos trazidos em contrario. 
S. 112 — 124. Cap. XXIII. Que o livro de Daniel he canónico contra 
a infolencia do adverfario que o nega. S. 124 — 139. Cap. XXV. Que 
he devido fazer bõs officios & rogativas poios mortos contra a barbaria 
do adverfario. S.139 — 143. Cap. XXV I. Que he devido humilharfe o 
Yudeo, & quebrantarfe, & ynda deixar a própria vida por Santi- 
ficar o nome do Senor. S. 144 — 147. Cap. XXVII. Dos bes que 
fe feguem de efperar pola outra vida contra a ignorância do adver- 
fario. S. 147 — 149. Cap. XXV III. Da perdição em que vem dar 
quem fe coftuma & obftina emrõisopinõis. S. 150 — 155. Cap. XXIX. 
Da ley de boca & verdadeira tradiçam. S. 156 — 160. Cap. XXX. 
De alguas rezois que provam a verdade da tradiçam & ley de boca. 
S. 160 — 170. Cap. ultimo. Da verdade de no ff as contas nas luas 
novas & folenidades. S. 171 — 178. Der Text der Schrift da Coitas, 
die widerlegt werden f oll, ift von Cap. VIII. (S. 28) ab bis Cap. 
XXVIII. (S. 151) in den Text geftellt, durch Curfiv-Druck von 
diefem unterfchieden und jedesmal durch Diz:, Diz mais: oder Diz 
eile mais: eingeleitet. 

Wie da Silva bezeugt (vgl. 0. S. 162, 3 bis 163, 2 bzw. 174, 
II — 18), hat er von da Coftas Schrift, die er vor ihrer Veröffent- 
lichung fchon zu widerlegen unternahm, nicht mehr erhalten kön- 
nen, als ein Heft, das diefe drei Capitel enthielt. Haben wir darin 
die entfcheidenden Stellen feines Hauptwerks zu fehen? Da Cofta 



Zu Sobre a Mortalidade da Alma 255 



berichtet im Exemplar, er habe ein Buch gefchrieben, um aus dem 
Gefetz felbft die Nichtigkeit der pharifäifchen Tradition und Obfer- 
vanz, und den Widerftreit ihrer Traditionen und Einrichtungen mit 
dem mofaifchen Gefetz nachzuweifen; in der Ausarbeitung felbft 
kam er dazu, Lohn und Strafe des alten Gefetzes in zeitlichem Sinn 
zu begreifen, nicht im Hinblick auf ein andres Leben und auf die 
Unfterblichkeit, weil das mofaifche Gefetz völlig darüber fchweige und 
denen, die das Gefetz beobachten und übertreten, nur zeitliche Beloh- 
nung oder Strafe in Ausficht ftelle (vgl. S. 108, 10 — 23 bzw. 127, 
29 bis 128, Ii). Die zweite Abteilung des Buches, die Unter- 
fuchung über zeitliche und ewige Strafe und über Sterblichkeit und 
Unfterblichkeit, ift uns reftlos in da Silvas Gegenfchrift erhalten. 
Die erfte Abteilung, aus 22 Capiteln beftehend, eine Vergleichung 
der rabbinifchen Tradition in Lehre und Cult mit der Thora, liegt 
uns in den Grundzügen fchon in den Propoftas vor, nur ift zweifel- 
los vieles weiter ausgearbeitet worden. So hat vor allem die 
fiebente Propofta über das Grundfätzliche der mündlichen Lehre, die 
auch den gedanklichen Kern der Propoftas bildet, als 7. Capitel 
des Buches die erfte und Hauptgrundlage unferer Thefe (o primeiro 
& principal fundamento de noffa propofiçam vgl. S. 67, 31 — 33 
bzw. IOI, 32 — 34) ihre weitere Ausführung erfahren. (Da Silva 
hat diefes Capitel nicht gekannt, vgl. S. 168, I — 5 bzw. 180, 
28 — 34.) Neben der in den Propoftas behandelten Frage der 
zweiten Fefttage hat fich offenbar da Cofta auch mit dem Problem 
der Fefttagsberechnung nach den Neumonden befchäftigt (vgl. 
S. 168, 6 — 13 bzw. 181, I — ro, ferner, 187, 8 — Ii). Das Manu- 
fcript, das da Silva abfchrieb und uns überlieferte, dürfte dann in 
einer vielleicht unter Berückfichtigung der Argumente da Silvas 
umgearbeiteten Form in da Coftas Gegenfchrift Examen das tradi- 
çoens Pharifeas conferidas con a Ley efcrita übergegangen fein, in 
der er die Unfterblichkeit mit aller Macht bekämpfte und in der er 
auf manches hinwies, worin die Pharifäer von Mofes abweichen (vgl. 
S. 109, 14 — 20 bzw. 129, 10 — 14). Da Coftas Examen das tradi- 
çoens Pharifeas ift verfchollen, indeß haben wir die Gewißheit, in 
den Propoftas und nunmehr in den Capiteln Sobre a mortalidade da 
alma den wefentlichen Inhalt feiner Lehre zu befitzen. 

Da Silvas Gegenfchrift ift von äußerfter Seltenheit. Bisher find 



2$6 



Anmerkungen 



35-50 



nur vier Exemplare von ihr bekannt geworden, eines in der Biblio- 
thek des portugieiifch-ifraelitifchen Seminars in Amilerdam, ein 
zweites in der Rofenthaliana (Univerfiteits-Biblioteek) in Amiler- 
dam, früher im Befitze von Henriquez de Caftro, ein drittes im 
British Mufeum und ein viertes im Befitz von Joaquim de Aranjo 
in Portugal. 

Über da Coftas Gegner Semuel da Silva wiffen wir nicht viel 
mehr, als was feine Schrift felbft uns mitteilt. Er ift in Portugal 
geboren, offenbar erheblich älter als da Coita, lebte wohl vor fei- 
ner Auswanderung in Oporto und veröffentlichte 1613 in Amfter- 
dam die fpanifche Überfetzung eines maimonideifchen Tractats 
über die Buße unter dem Titel: Tratado de la Tefuvah Contri- 
cion. Traduz. Palabra por Palabra de Lengua Hebray ca en Espanol. 

35. 9 — 10. {6$. 10 — 11. > Da Coita denkt offenbar an fpätmittel- 

alterliche Daritellungen des jüngiten Gerichts u.dgl. 35. 18 — 19. 

<65. 21—23.) Prediger 3, 19. 35. 19—20. (65. 23—24.) 

3. Mofe 17, 10 — 14. 35. 32. Im Text: en tendido. 36. 7 — 10. 

<66. 13 — 15. > 1. Mofe 1, 28. 36. 11 — 12. <66. 17 — 18. > i.Mofe 

5, 3. 36. 15—17. <66. 22—25.) Prediger 3, 19. 36. 24. 

<66. 32.) Vgl. oben S. XXXVII— XXXIX. 37. 17—18. {67. 

30 — 31. > 1. Mofe 2, 17. 37. 22 — 23. < 68. 2 — 3. > I. Mofe 3, 19. 

37- 29—32. <68. 12—14.) 1. Mofe 15, 2. 38. 3—4. <68. 

20 — 21.) I. Mofe 27, 28 — 29. 38. 5 — 8. <68. 23 — 26.) Pre- 
diger 4, 3. 38. 9. <68. 27. > Hier zeigt der Text in der Über- 
lieferung da Silvas eine kleine Lücke. Zur Ergänzung vgl. 190, 

16 — 21; 194, 12 — 18. 38. 9 — 14. <68. 27 — 32.) Pfalm 88, 

11 — 13. 38. 18 — 20. <69. 4 — 6. > Pfalm 115, 17 — 18. 20. 

Der Text hat Por iffo eftes, & outros lugares. Es ift wohl em ein- 
zufügen. 38. 24 — 30. {6g. 12 — 20.) Pfalm 39, 6 — 7, 13 — 14. 

26. Im Text: fombra. 29. Im Text: enfortecermeei. 

38. 30— 34. (69. 20—25. > Pfalm 78, 38—39. 38. 32. Im Text: 

esperatara. 38. 34 — 39. 6. {69. 25 — 34. > Hiob 7, 6 — 10. 

39. 3. Im Text: olho. 39. 6—8. {6g. 33—70. 3. > Hiob 7, 16. 

39. 14—21. <70. 8—19.) Hiob 14, 7—12. 39. 27—29. 

<70. 26 — 29.) Pfalm 13, 4 — 5. 40. 3 — 7. <7i. 6 — 10. > Hiob 

16, 22. 40. 12. < 71. 16 — 17. > 1. Mofe 3, 19. 40. 34 — 41. 1. 



<65-83> Zu Sobre a Mortalidade 



257 



< 72. 10 — 11. > Hiob f t 7. 41. 2 — 3. < 72. 12 — 14. > Pfalm 78, 

39. 41. 5. Im Text: o corpo tal. 41. 9 — II. < 72. 23 — 25. > 

1. Mofe 18, 27. 41. 25. < 73. 9 — 10. > 1. Mofe 3, 19. 41. 

28—34. < 73- 13—19. > Prediger 3, 19. 42. 5—10. < 73. 26—31. > 

Prediger 3, 20 — 22. — — 14. Im Text: cadebal. 42. 28. (74. 

19. > 1. Mofe I, 26 — 27. 43. i. < 74. 24. > i. Mofe 2, 7. 43. 

3—4. <74. 26—27.) i. Mofe 2, 17. 43. 6—7. <74. 30—75. L> 

2. Mofe 32, 32. 43. 10 — 11. <75. 4 — 5.) 1. Samuel 28, 3 — 20. 

43. 12. <75. 6.) 2. Könige 2, 11. 43- 6—7. {75. 7.) 

2. Könige 4, 18—37. 43. 18—20. <75. 14—16.) Pfalm 16, 

10. 43. 20 — 21. < 75. 16 — 17. > Pfalm 31, 20. 43. 22. Im 

Text fehlt IX. Der Satz ift ohne a linea an das Vorhergehende 

angefchloffen. 43. 22 — 23. {75. 18 — 20. > Jefajas 26, 19. 

43- 25—29. <75- 22—27.) Hiob 19, 25—27. 43. 29—30. <75. 

27 — 28. > Daniel 12, 2. 44. 15 — 17. < 76. 14 — 16. > Hiob 10, 5. 

44. 20 — 21. < 76. 19 — 20. > 1. Mofe 2, 7. 44. 27. < 76. 27 

bis 28. > 1. Mofe 1, 24. 44. 29. < 76. 30. > 1. Mofe 2, 7. 44. 

30—31. <76. 32—33.) Prediger 3> 19. 45. 16—22. {77. 22 

bis 29. > Pfalm 146, 2 — 4. 45. 22 — 24. < 77. 30 — 33. > Prediger 

9, 10. 45- 27—30. < 78. 2—5. > Hiob 34, 14L 45- 30—31. 

< 78. 5 — 7. > Pfalm 104, 29. 46. 10 — 11. < 78. 22 — 23. > 1. Mofe 

2, 17. 46. 21— 23. < 79. 3—4. > Hefekiel 33, 11. 47. 3—4. 

< 79. 23 — 24. > 2. Mofe 32, 32. 47. 17 — 18. < 80. 5 — 8. > 4. Mofe 

11. 15. —47- 23— 25. < 80. 13— 16. > 1. Mofe 27, 46. 47. 34. 

Im Text: poço filencio. 48. 3 — 5. < 80. 30 — 32.) Pfalm 116, 

8—15. 48. 9— 11. <8i. 3—7.) Pfalm 116, 1 3 f f . 48. 

15 — 16. <8i. 10 — Ii.) Pfalm 116, 14. 48. 18 — 19. <8i. 15 

bis 16.) 1. Samuelis 28, 3 — 25. 48. 27 — 28. <8i. 27 — 28.) 

Vgl. oben S. XXXVII— XXXIX und Anm. zu 150, 10— 11 ; 151, 

12. 48. 30—34. <8i. 31—82. i.) 5. Mofe 13, 2—6. 49. 

1 — 3. <82. 3 — 6.) 5. Mofe 18, 18 — 22. 49. 10. Im Text: ve. 

49. 14. Im Text a chara. — — 49. 15 — iö. <82. 22 — 23.) 

1. Samuelis 28, 14. 49. 20. <82. 27 — 28. > 1. Samuelis 28, 19. 

49. 22. Im Text: minofo. 49. 28 — 29. <83. 4 — 5. > Jefa- 
jas 8, 19. 49. 31—50. 4. <83. 9 — 15. > Prediger 9, 4—6. 

50. 5—7. <83. 17—20.) Hiob 14, 21. 50. 12. (83. 25—26.) 

2. Könige 2, 1 — 12. 50. 12 — 13. < 83. 26. > 2. Könige 4, 18 — 37. 



Da Costa Opera. 



17 



2 5 8 



Anmerkungen 



50-64 



50. 25—27. <84. 10—12.) 2. Könige 4, 34. 51. 2—9. 

<84. 23 — 31. > 2. Samuelis 12, 15 — 23. 51. 9 — 17. {84, 31 bis 

85. 6. > 2. Könige 6, iff. — 51. 17. Im Text milagres. 52. 10. 

Im Text: Refponde: mos que. 52. 16 — 21. < 86. 14 — 20. > 

2. Mofe 20, 5 f. 53. 13 — 17. < 87. 16 — 21. > 1. Mofe 15, 16. 

53. 21—23. <87- 26—29.) Pfalm 37, 35 — 36. 54- 2—3. <88. 

11—13.) Pfalm 37, 25. 84. 30—32. <89. 13— 17. > Prediger 

8, 17. 55. Ii— 12. <89. 30—32.) Pfalm 16, 10. 55. 14. 

<89. 32—33. > Pfalm 31, 20. 55. 34— 36. < 90. 23—25. > Pfalm 

31, 21. 56. 4. <90. 33— 34. > Jefajas 26, 19. 56. 11— 15. 

<9I. 9 — 13. > Hefekiel 37, Ii. 56. 26 — 28. <9i. 25 — 29. > Je- 
fajas 26, 14. 56. 31 — 32. <9i. 34 — 92. 1. > Jefajas 26, 15. 

57, 6 — 7- <9 2 - 10 — 12.) Jefajas 27, 6. 57. 10 — 12. <92. 17 

bis 18. > Hiob 19, 25. 57. 27. < 93. 1 — 2. > Hiob 19, 26. 57. 

29—30. < 93- 3—5- > Hiob 2, 7. 57. 32—33. < 93. 7—9- > Hiob 

7, 5- 57- 34—58. 1. <93- 10— Ii.) Hiob 19, 26. 58. 10 

bis 12. <93. 23—25.) Hiob 19, 3. 58. 12—15. <93. 25—29.) 

Hiob 19, 20. 58. 32 — 34. <94. 17 — 19.) 5. Mofe 8, 16. 

59. 2. Im Texte: prometeda. 59. 5 — 7. {94. 25 — 26.) Hiob 

42, 12. 59. 8 — 9. <94. 29.) Hiob 19, 26. 59. 11 — 14. 

<94- 33 bis 95. I > 5. Mofe 16, 16. 59. 12». Im Text: vereis. 

59- l 7 — 20. <95. 5 — 7.) Daniel 12, 2. 59. 19 — 20. 

<95. 7 — 9.) Daniel 12, 13. 60. 10 — 11. <96. 4 — 6.) Daniel 

12, 13. 60. 17 — 20. <96. 13 — 16. > Daniel 8, 16; 9, 21; 

10, 13 und 21. 61. 12 bis 62. 7. <97. 17 — 98. 17.) Die 

Lehre der Seelenwanderung (^Ubü) ift qabbaliftifch, aber mit 
anderen qabbaliftifchen Lehren von der Amiterdamer fephardi- 
fchen Gemeinde angenommen. So vertritt fie unter Berufung auf 
das Buch Sohar Menafcheh ben Ifrael {De Refurrectione Mortu- 

orum, II, 18). 62. 15 — 34. <98. 28 bis 99. 18. > Mit Recht 

wendet Semuel da Silva hiergegen ein: efte capitulo parece fala 
com as gentes especialmente com os papiftas que ordenaram religiões 
& condenaram o matrimonio contra ley divina & natural (diefes 
Capitel fpricht anfcheinend mit den Nichtjuden, insbefondere mit den 
Papiften, die Religionen einrichteten und die Ehe verdammten gegen 

göttliches und natürliches Gefetz. 63. 22 — 24. < 100. 12 — 14. > 

5. Mofe 14, 23. 63. 27 — 28. < 100. 17 — 18. > Pfalm 19, 11. 



<84-ioi> 



Zum Exemplar 



259 



63. 29. < 100. 19. > Hiob 17, 13. 64. 33. < 101. 34. > Im 7. Ca- 
pitel hat da Cofta offenbar den Centraigedanken feines Buches 
dargeftellt, daß jedes Hinausgehen über die Thora nach dem 
Rechte mündlicher Tradition unzuläffig fei, fo wie er den gleichen 
Gedankòn auch in der 7. Propofta verfocht. 



ZUM EXEMPLAR HUMANAE VITAE 

Die Autobiographie da Coitas ift zum erftenmal veröffentlicht 
in Philippi a Limborch De Veritate Religionis Chriftiance Amica 
Collatio Cum Erudito Judceo. Govdce, Apud Juftum Ab Hoeve. 
C1DIDCLXXXVIL Limborch (1633— 1712), einer der Führer 
der Arminianer, der dogmatifch freieren Richtung des hollän- 
difchen Calvinismus, ein Mann, deffen tolerante Gefinnung aus 
manchem Document hervorgeht (vgl. unten S. 199 — 202), fetzt 
fich hier in dreimaligem Austaufch von Schrift und Gegenfchrift 
mit dem Amfterdamer Marranen Ifaac Orobio de Caftro (vgl. über 
ihn oben S. 242) über das Chriitentum auseinander. Im Anhang 
diefer Schrift veröffentlicht er Urielis Acofta Exemplar Humanes 
Vitce. Addita eft Brevis Refutatio Argumentorum quibus Acofta 
omnem Religionem revelatam impugnat, per Philippum a Lim- 
borch. (Prcefatio Ad Lectorum S. 343 — 345. Urielis Acofta Exemplar 
Humanes Vitce. S. 34'6 — 354. Philippi A Limborch Brevis Refu- 
tatio Argumentorum quibus Acofta omnem Religionem revelatam 
impugnat. S. 355 — 364.) Wie Limborch in feinem Vorwort mit- 
teilt, hat er das Manufcript des Exemplar unter den nachgelaf- 
fenen Papieren feines Großoheims Simon Episcopius, des einftigen 
Hauptes der Arminianer gefunden, der 1643 ftarb, welch letzterer 
es feinerfeits von einem ausgezeichneten Manne aus diefer Stadt er- 
halten (vgl. o. S. 220f.). 

Es ift das Verdienft Sigmund Seeligmanns, daß er zuerft darauf 
hingewiefen (Recenfion über Mendes dos Remédios in Zeitfchrijt 
für hebräifche Bibliographie, XV.Jrg., Frankfurt 191 1, S. 42), daß 
die Druckvorlage Limborchs fich erhalten hat und zwar in einem 
Sammelband der Amfterdamer Univerfiteits-Biblioteek, der 125 
Stücke verfchiedenen Inhalts, meift Briefe, Concepte zu Eingaben 
ufw. vom Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts ent- 

17* 



2ÓO 



Anmerkungen 



105 



hält, die offenbar zum Teil aus dem Befitz von Epifcopius flammen 
(Bibliotheek van de Remonftr. Kerk t' Am f ter dam. III E. 3, No. 83). 

Das Manufcript befteht aus 4 Folio-Blättern (8 Folio-Seiten). 
Dabei find fünf verfchiedene Hände zu unterfcheiden. Der Text 
felbft ift von zwei Händen gefchrieben, von der einen die erften 
beiden Blätter bis nam judicium Legis eft, ut numerus ( 1 14, 6), von 
der anderen die beiden letzten Blätter. Von einer dritten Hand, 
vermutlich der Hand Limborchs, ift zum Titel der Gegenfchrift 
da Silvas (108, 33) der Zufatz an den Rand gefchrieben Editus eft 
hic libellus anno à creatione mundi 5383. uff., ferner der Name 
Gabriel à Co/ta geändert in Gabriel Acofta. Von einer vierten Hand, 
wohl der des Correctors, find die Seitenzahlen der Ausgabe Lim- 
borchs an den Rand gefchrieben. Schließlich ift in der Schrift 
des 19. Jahrhunderts beigefügt: Uitgegeven in Ph. a Limborch de 
Veritate religionis Chr. Amica collatio cum erud. Judaeo Goudae 
l68y J. T. Das Manufcript weicht vom gedruckten Text, von 
orthographifchen Details abgefehen, nicht fehr wefentlich ab. Dem 
vorliegenden Text wurde es zum erftenmal als Textquelle zu- 
grunde gelegt. 

Seeligmann hat fchon die Vermutung ausgefprochen : es ift nicht 
zmhrfcheinlich, daß da Cofta diefe Schrift in lateinifcher Sprache 
verfaßt, viel eher wird er fie in portugiefifcher Sprache gefchrieben 
haben und wird das lateinifche eine Über fetzung fein. Das hat Porges 
{Zur Lebensgefchichte Uriel da Cofias, a. a. 0. S. 39) bezweifelt, da 
Limborch den Titel als vom Verfaffer herrührend und den Text 
als Abfchrift bezeugt habe. Eine genauere Unterfuchung zeigt 
aber, daß Seeligmann mit feiner Vermutung im Rechte ift. Die 
Handfchrift fchwankt an verfchiedenen Stellen, indem fie einen 
zuerft gewählten Ausdruck ftreicht und durch einen anderen er- 
fetzt. So hatte fie 106, 30 ftatt parere urfprünglich credere, HO, 16 
ftatt eorum urfprünglich iftorum, in, 5 ftatt in quo tunc res meae 
erant urfprünglich in quo tunc eram, III, 20 ftatt imponebant ur- 
fprünglich imponerent, 1 12, 5 ftatt coram concione urfprünglich foro 
(im Sinne eines JTO), 115, 20 ftatt amicos ein unlesbares Wort 
117, 17 ftatt etiam omnes urfprünglich omnes etiam (durch Zahlen 
umgeftellt), 117, 22 ftatt religionem ein unlesbares Wort, 118, 22 
ftatt declinatur urfprünglich declinetur, 119, 5 ftatt aliena ur- 



<I24> 



Zum Exemplar 



261 



fprünglich alios. Alle diefe Schwankungen und Änderungen kön- 
nen keine Verbefferungen von Fehlern in der Abfchrift, fondern 
nur die Erfetzung eines weniger treffenden Ausdrucks der Über- 
tragung durch den treffenderen bedeuten (am klarften bei parere 
für credere und bei coram concione für foro). Dazu kommt, daß wir 
von einer anderen Verfion der Autobiographie Kenntnis haben. 
Der Hamburger Paftor Johannes Müller bezeugt 1644 in feinem 
Judaismus (vgl. 203, 29 — 30), daß ihm das klägliche Schreiben da 
Cofias zuhanden kommen. Nun weicht auch feine Überfetzung in 
verfchiedenen Stellen von dem Amfterdamer Manufcript ab (vgl. 
203, 33 — 204, 10 mit 123, 1 — 13). So hat Müller Judcei für Phari- 
zcsi, er fügt vor concionaretur ein hodie ein, hat für homines fubditos 
und vor allem hat er an Stelle der Rachedrohung nil mirum, fi ipfe 
per fe quaerat fe defendere, & injurias acceptas vindicare ein fehr 
abgefchwächtes quid mifer faciet. Trotzdem ift die Verfion Müllers 
nicht unabhängig von der Amfterdamer Handfchrift, fondern geht 
offenbar auf die gleiche nur in der Abfchrift modificierte Über- 
tragung zurück, fpricht aber auch ihrerfeits gegen das Vorhanden- 
fein eines feftftehenden lateinifchen Original-Textes und für die 
Tatfache der Übertragung. 

Auch pfychologifch ift es das Wahrfcheinliche, daß da Coita, 
als er feine Not fich von der Seele fchrieb, fich feiner Mutter- 
fprache, des Portugiefifchen, bediente, wie in feinen andren Schrif- 
ten. (Unpfychologifch läßt Kolbenheyer in feinem Roman Amor 
Dei von diefer in tiefiter Verzweiflung hingewühlten Schrift da 
Coita fagen: Seht ich gönne mir den Luxus, meine Biographie zu 
fchreiben, dazu in elegantem Latein.) Wer hätte ein lnter effe daran 
gehabt, fie ins Lateinifche zu überfetzen? fragt Porges. Sicherlich 
derfelbe, der genügend Intereffe an ihr nahm, fie nach Hamburg 
zu fchicken oder fie Epifcopius zu vermitteln. Denn wäre die 
Schrift nicht in die Hand eines am Schickfal da Coitas Interef- 
fierten gelangt, fo hätten wir von diefem Schickfal keine Kunde. 

105. 1. < 124. 1. > Porges (a. a. O. S. 206) datiert die Geburt da 
Coitas fpäteftens 1580, weil fich da Coita 1640 als hominem fenem 
bezeichnet und weil er im 25. Jahr, während er Jurisprudenz 
ftudierte, das kirchliche Amt erhalten habe. Das ift ein Irrtum. 



1 



2Ó2 



Anmerkungen 



105-107 



Da Coita berichtet (107, 2 — 7; 126, 10 — 16), daß er fein kirchliches 
Amt aufgegeben und fein väterliches Haus verkauft habe, als er 
fich zur Rückkehr zum Judentum und zur Auswanderung ent- 
fchloß. Er war alfo Schatzmeifter einer Stiftskirche in Oporto und 
nicht, wie Porges annimmt, als Student Schatzmeifter in Coimbra. 
Daraus ergibt fich, daß er das Amt erft nach beendetem Studium, 
alfo erft nach 1609 erlangt, und daß auch nicht (wie Porges der 
früheren Anfetzung des Geburtsdatums halber will) anzunehmen 

ist, daß er schon vor 1604 immatriculiert gewefen fei. 105. 

1 — 2. <I24. I — 2.) O Porto (der Hafen), lateinifch Portus Cale 
(oder Portus Gallorum), woraus der Name Portugal. 105. 12. 

< 124. 13—14. > Vgl. 149, 1— 150, 5- 105. 28. < 124. 33—125. 

I. > Unter den Summte confeffariorum ift in erfter Linie die Summa 
theologica des hl. Thomas von Aquino zu verftehen, die von der 
fpanifch-portugiefifchen Scholaftik des 16. Jahrhunderts zum Fun- 
dament ihrer Lehre gemacht und in zahllofen Commentaren aus- 
gedeutet war, und die, da der hl. Ignatius von Loyola Thomas 
zum Ordenslehrer erwählt, auch die von da Cofta befuchte Jefuiten- 
univerfität Coimbra beherrfchte. (Vgl. Ferreira-Deusdado, la philo- 
fophie thomifte en Portugal, in Revue Néofcolaf tique, Louvain 1898, 
S. 305 ff.) 106. 10 — 11. < 125. 13 — 14. ^ Ungefähr 1608, jeden- 
falls noch während des academifchen Studiums. 106. 12. 

< 125. 14 — 15. > Volkmann (Uriel Acofta, eine Skizze, S. 73) bezieht 
die Worte auf den Glauben ans Fegefeuer, während Klaar (Uriel 
Acofta, S. 163) fie auf den ganzen Complex der Vorftellungen aus- 
dehnt, die fich an die Annahme einer Erbfünde anfchließen. Das 
Schwergewicht liegt aber offenbar auf der beängftigenden Vor- 
ftellung des Lebens nach dem Tode überhaupt, während die Lehre 
der Erbfünde gerade in der Jefuitendogmatik zurücktritt. Darum 
liegt auch keine Veranlaffung vor, mit Klaar unter den Summae 
confeffariorum (105, 28; 124. 33) die Lehre Auguftins von der Erb- 
fünde zu verftehen. 106. 19. < 125. 23.) Da Cofta war 1609 

noch Student (vgl. 149, 14; 150, 5) und hat fein Amt wohl 1610, 
nach beendetem Studium erhalten, was zur Annahme von 1 585 

als des Geburtsjahres ftimmt. 106. 19 — 21. < 125. 23 — 25.) 

Demgemäß ift nach dem Urteil Stanislaus von Dunin-Borkowskis 
S. J. (Der junge De Spinoza, -S. 104) anzunehmen, daß da Cofta 



< I24-I2Ó) 



Z um Exemplar 



263 



die niederen Weihen empfangen hat. Ecclefia collegiata ift (nach 
Du Cange) Ecclefia quae eft Collegii Canonicorum oder in qua eft 

Collegium Canonicorum. 106. 27. < 125. 32.) Nicht wie Volk- 

mann (a. a. O. S. 72) interpretiert quae de Deo dicebantur, alfo im 
Hinblick auf das Problem des Monotheismus und der Dreieinigkeit, 

fondern in der göttlichen Offenbarung (a Deo) felbft, 106. 30. 

Vor parere fteht im Ms. ein a'.isgeilrichenes credere. 106. 30 — 33. 

< 126. 3 — 6.) 2. Mofe 3 und 4. 106. 33. Der Satz in Paren- 

thefe fleht im Ms. am Rand. Vgl. dazu unten HO, 4 — 6 < 130, 

1 — 3. > 106. 34 — 107. 1. < 126. 7 — 9. > Vgl. noch Schudt, Jü- 

di/che Merkwürdigkeiten, Franckfurt und Leipzig, 17 14, I. Theil 
S. 188: Die Portugiefifche Inquifition ift die ftrengfte in der Welt j 
und weit fchärfer als die Spanifche / dahero die heimliche Juden 

defto größere Vorfichtigkeit gebrauchen muffen. 107. 3. Für 

iftud hat Limborch illud. 107. 7 — 8. < 126. 16 — 17.) 1610 

erhielt da Cofta fein Amt in Oporto und 161 6 fandte er feine Pro- 
poftas von Hamburg nach Venedig. 161 7 finden wir in der Toten- 
lifte der Amfterdamer Gemeinde ein kurz nach der Geburt ver- 
ftorbenes Kind Mordechai da Coitas aufgeführt (Henriques de 
Caftro, Keur van Graf steenen, Leiden 1883, S. 20ff.). Danach dürfte 
die Auswanderung etwa um 1614 erfolgt fein. 107. 8 — 10. 

< 126. 17 — 19.) Der Satz in Parenthefe im Ms. wieder als Rand- 

fchrift. 107. 8 — 10. <I26. 17 — 19.) Das erfte Gefetz, das die 

Auswanderung von Marranen von der königlichen Genehmigung 
abhängig machte, hatte König Manoel im April 1499 erlaffen, aber 
fchon am I. März 1507 bedingungslofe Auswanderungserlaubnis 
gegeben. Durch ein Gefetz vom 14. Juni 1532 verbot König 
Joaõ III. die Auswanderung von Marranen bei Vermögensconfis- 
cation und Körperflrafe, und fein Bruder, der Cardinal- Infant Don 
Henrique erneuerte als Regent von Portugal durch Gefetz vom 
11. Februar 1569 das Verbot, fo daß kein Neu-Chrift das portu- 
giefifche Reich ohne befondere königliche Erlaubnis und vorherige 
Bürgfchaftsleiftung verlaffen durfte. Auch diefes Verbot wurde 
durch König Sebaftian am 21. Mai 1577 wieder aufgehoben, je- 
doch, als Portugal unter fpanifche Herrfchaft kam, durch Phi- 
lipp II. wieder eingeführt. (Vgl. Gordo, Memoria fobre os Judeos 
em Portugal, S. 33 f. bei Kayferling, Gefchichte der Juden in Por- 



2Ó4 



Anmerkungen 



107-108 



tugal, Leipzig 1867, S. 143, 154, 259, 276.) Ein Decret Philipps III. 
vom 4. April 1601 erlaubte den Neu-Chriften die Auswanderung 
und den Verkauf ihres Befitzes, doch wurde diefes Decret auf Be- 
treiben der Inquifition am 13. März 1610 und von neuem am 9. Fe- 
bruar 1612 annulliert. Am 17. November 1629 wurden endgültig 
die Gefetze gegen die Auswanderung der Neu-Chriften aufgehoben 

(Amador de los Rios, Hiftoria de los Judeos III, 5 15 ff.). 107. 

10. < 126. 19 — 20. > Über die Mutter da Coitas vgl. 185, 30 — 186, 5, 
bzw. 187, 4 — 19 und 187, 21 — 188, I. Über die Brüder hat Izaac 
da Cofta, ein Nachkomme Jofeph da Coftas, des Bruders Uriels, 
aus Familienpapieren in der Zeitfchrift De Navorfcher (Zevende 
Jaargang, Amfterdam 1857, S. 214 — 216) Auffchluß gegeben. Uriel 
hatte vier Brüder, Aaron, Mordechai, Abraham und Jofeph da 
Cofta. Aaron ftarb ebenfo wie Uriel kinderlos. Der Stamm Morde- 
chais (in Portugal Miguels), in Hamburg mit den Milanos, Bravos 
und Palacios verfchwägert, ftarb in der dritten Generation aus. 
Jofeph da Cofta (in Portugal Joaõ) war, ebenfo wie Abraham 
öfters Gemeindevorftand (Parnas), fo im Jahre 1650 zufammen 
mit Michael d'Espirioza, als Menafcheh ben Ifrael den Parnafim 
feine Esperança de Ifrael widmete. Sein Stamm ift verfchwägert 
mit den Oforio, de Lemos, Franco Pacheco, Jefchurun Lopes, 
Abendana, Ricardo, Capadofe, Vaz Nunes, Curiel und Belmonte. 
Diefer Zweig der Familie lebt noch in den Nachkommen Izaac da 
Coftas. Drei Söhne Abraham da Coftas ließen fich in Brafilien, 
fpäter in Surinam nieder; ihre Nachkommen, verfchwägert mit 
den Cohèn Naffy, de la Parra, de Brito, Pinto da Fonfeca und 
Henriques de Granada, bildeten das jüdifche Patriciat der Colonie. 
Vgl. auch 185, 25 — 29 bzw. 186, 31 — 187, 4 und Anm. dazu. Daß 
Uriel da Cofta auch eine Schweiler hatte, ergibt fich aus 110, 24 

bzw. 130, 26. 107. 21 — 22. < 126. 32 — 33. > So 3. Mofe 26, 14, 

5. Mofe 4, i, 5. Mofe 27, 26. 107. 22 <I2Ó. 34) Sapientes 

find hier und im folgenden die Hahamim, die Rabbiner. 107. 

22 — 28. <I26. 33 — 127. 7.) Vgl. Basnage, Hiftoire des Juifs II, 
XVIII, VIII; XVIII; III; XIX, XIV. Les Rabbins modernes fönt 
Pharifiens: ils ont étudié les Sentimens de leur Maitres; ils les fui- 
vent encore ... Iis iomboient dans une Contradiction fenfible; car, 
non conténs des Préceptes de la Lot, ils y ajoutoient des Oeuvres de 



<I2Ó-I28> 



Zum Exemplar 



265 



Surérogation, des Jeunes, des Äbftinences, et des Dévotions três morti- 
fiantes, ausquelles ils donnoient un grand Prix. . . Cependant, à la 
faveur de ce Zele apparent ils fe rendoient vénérables au Peuple. On 
leur donnoit le Türe di Sages, par Excellence ... Iis foutenoient 
qu'ouire la Loi donnée für le Sinai, et gravée dans les Ecrits de 
Moife, Dieu avoit confie verbalement à ce Legislateur un grand 
Nombre de Rites et de Dogmes, qu'il avoit fait paffer à la Pofterité 
fans les ècrire. Iis nommoient les Perfonnes, par la Bouche desquels 
ces Traditions s'etoient confervées: ils leur donnoient la mente Auto- 
rité qu'à la Loi. L'Entetement pour les Traditions a pafft des Phari- 
fiens anciens aux modernes. Iis foutiennent, que celui qui rejette la 
Loi Orale, devient Apoftat; qu'il mérite la Mort fans aucune Forme 

de Procés. 107. 29 — 30. < 127. 8 — 10. > Lukas Ii, 43: Wehe 

euch Pharifäern, daß ihr liebt die Vorderfitze in den Synagogen und 
die Begrüßungen auf den Märkten. Ähnlich Lukas 20, 46, Matthaeus 

23, 6, Marcus 12, 39. 107. 33 — 108. 1. < 127. 13 — 16. > Wohl 

im Anfchluß an die Proclamation von Venedig (vgl. 153, 10 bis 

157, 2), alfo etwa 1618. 108. 6 — 7. < 127, 24 — 25. > Am 15. Mai 

1623 (vgl. 181, 21 — 183, 10). Porges (a. a. O. S.44) wirft im Hin- 
blick auf die Excommunication die Frage auf, zu welcher der drei 
Amfterdamer Gemeinden da Cofta gehört habe und denkt an 
Neweh Schalom. Wenn aber wirklich Beth Jifrael fich 16 18 als 
liberale Gemeinde von den alten loslöfte, fpricht die Wahrfchein- 

lichkeit dafür, daß da Cofta fich ihr angefchloffen. 108. 8. 

<I27. 26.) Offenbar im Hinblick auf das 107, 10 — 15 bezw. 126, 
20 — 24 Berichtete, nicht wie Porges (a. a. 0. S. 208) meint, im 
Hinblick auf einen vor da Coitas Studentenjahre fallenden Unter- 
richt. 108. 17 — 19. < 128. 3 — 7. > Jofephus charakterifiert die 

Anficht der Sadducäer (Bell. Jud. II, 8, 14): ^XÍÇ TS Siapiovqv 
xal xàç xa-O-' *'Ai$ov Tijxwptaç xai Tt(i.àç ávaipouciv (Sie heben 
das Fortbeftehen der Seele und die Strafen und Belohnungen des 

Jenfeits auf). 118. 19. Limborch verbeffert animarum. 

108. 20 — 23. < 128. 8 — ll.> In genauer Übereinftimmung damit 
erklärt Spinoza: In den fogenannten fünf Büchern Mofis wird nichts 
anderes verheißen als die zeitliche Wohlfahrt, nämlich Ehren, Ruhm, 

Siege, Reichtum, Freuden und Gefundheit (Tr. Theol. Pol. V, 56). 

108. 33. <I28. 21 — 22.) Das Ms. hat hier am Rande in anderer 



266 



Anmerkungen 108-1 12 



Schrift, offenbar in der Handfchrift Philipps van Limborch: Edi- 
tus eft hic libellus anno a creatione mundi 5383. juxta communem 
Judeorum calculum; qui respondit anno Chrifti vulgari 1623. Diefe 
Randfchrift bringt danach auch die Amica Collatio. Sie rührt 
natürlich nicht, wie Klaar (a. a. O. S. 165) meint, von da Coita 

her. 108. 34. <I28. 22 — 23.) Vgl. 161, 13 — 22 bezw. 172, 

13—25; 162, 16—21 bezw. 173, 27—33; 163, 3—7 bezw. 174, 

19 — 25; 166, 17 — 20 bezw. 178, 32 — 179, 2. 109. 7 — 9. < 128. 

33 — 129. i.> Vgl. 162, 7 — 12; 173, 16 — 22. 109. 8. Im Ms. 

negabant. 109. 15 — 20. {129. 9 — 14.) Vgl. 183, 12 — 184, 13. 

109. 20 .<I29. 15.) Damit find nach Porges' Feftftellung 

(a. a. 0. S. 215) die Velhos & Senhores Deputados da nação ge- 
meint. 109. 23. Limborch verbeffert wieder animarum. 

109. 25 — 27. <I29. 20 — 22.) Vgl. 184, 15 — 185, 10. Die Haft 

dauert alfo etwa vom 22. bis 31. Mai 1624. 110. 4 — 5. < 130. 

1 — 2. > So lautet der Text im Ms. und bei Limborch. Porges 
(a. a. 0. S. 120 f.) möchte verbeffern legem Mofis divinam non effe, 
um den Gegenfatz von göttlichen Urfprung und menfchlicher Er- 
findung herauszufallen. Damit verkennt er aber die ganze Trag- 
weite des Gedankens da Coitas, die vollkommen in der Richtung 
feiner Gedankenentwicklung liegt. Schon in feiner Schrift vom 
Jahre 1623 bezweifelt er die Authenticität ganzer biblifcher Bü- 
cher, um es in der Sprache der Zeit auszudrücken, er zweifelt, ob 
beitimmte Bücher autographa feien, wirklich von den angenom- 
menen Autoren verfaßt und will in ihnen Erfindungen fpäterer 
Zeit fehen (vgl. 48, 26 — 28 bzw. 81, 26 — 28; 59, 20 — 60, 34 bzw. 
95, 9 — 96, 34). Diefe Erkenntnis erftreckt er nun auch auf die 
Bücher Moíis felbft und bezweifelt ihren mofaifchen Urfprung, wo- 
mit der göttliche Urfprung natürlich ohne weiteres hinfällig wird. 
Darin nimmt er die Erkenntnis La Peyreres und vor allem die 
Feftftellung Spinozas vorauf: Aus alledem geht fonnenklar hervor, 
daß der Pentateuch nicht von Mofes gefchrieben ift, fondern von 
einem andern, der viele Jahrhunderte nach Mofes gelebt hat (Tr. 

Theol. Pol. VIII, 108). 110. 16. Im Ms. ürfprünglich iftorum. 

1 10. 17 — 18. < 130. 18. > Volkmann (a. a. 0. S. 77) citiert dazu 

einen bei Stobaeus überlieferten Vers des Komikers Appolodorus 
aus deffen s A$£X<poi: 'Ev &y)ç>íoiç 8s xal m#Y)xoiç ovtoc Sei 



<I28-I32> 



Zum Exemplar 



267 



EZvat, 7U<9t)xov & TaXat7rá>poi) ßiou. 110. 20 — 21. < 1 3 1 - 21 

bis 22.) Die Zeit reicht vom Bann in Venedig, 1618, bis zum 

Jahr 1633. 110. 25. O30. 27.) Volkmann (a. a. O. S. 78) 

denkt dabei an Speifenbereitung am Sabbath, indem er auf 113, 
24; 134, 13 — 14 verweift. Wahrfcheinlicher ift, daß da Cofta nicht 
nur in der Wahl, fondern auch in der Zubereitung der Nahrungs- 
mittel die jüdifchen Speifegefetze infolge feiner abweichenden Aus- 
legung übertrat, da er über die Ritualien ja feine eignen Theorien 

hatte (vgl. 185, 30—186, 1; 187, 5— 11). í II. 2. < 131- 5-> 

Vgl. 157. 18—158, 8. in. 2—6. < 131. 6— 10. > Da fich 

Abraham und Jofeph da Cofta fchon 1623 von ihm losgefagt (vgl. 
182, 8 — 9; 183, 6 — 7 und 185, 28; 187, 2 — 3 und Anm. dazu), 
kann er nur mit Mordechai oder Aaron da Cofta ein gemeinfames 

Gefchäft betrieben haben. Iii. 5. Im Ms. nach tunc ein aus 

eram verbeffertes, fchließlich geftrichenes erant. III. 14. Im 

Ms. ift vero als Abkürzung v. eingef choben. 1 1 1 . 1 6 — 18. < 131. 

21 — 23. > Vgl. Schudt, Jüdifche Merckwürdigkeiten, I. Theil S. 272: 
Eine allzugroße Juden-Fr eyheit in Holland ift es / daß in Holland / 
fonderlich zu Amfterdam / die Chriften öffentlich und ohne Scheu 
den Jüdifchen Glauben annehmen und fich befchneiden laffen / wel- 
ches im Römifchen Reich nicht gelidten / fondern am Leben geftrafft 
wird, Fälle folcher Converfionen find indeß nicht bekannt, falls 
nicht der Regelfall des Übertritts der Neuchriften damit gemeint 

fein follte. III. 20. Im Ms. urfprünglich imponerent. Iii. 

2 5- < 131« 3 1 - > Darunter find zweifellos dieParnaffim der Gemeinde 

verftanden. Iii. 25. < 131. 32.) Petulans turba (nach da Silva 

Dias" Hinweis) in Anlehnung an Phaedrus h 2, 20. Iii. 26. 

< 131. 32—33. > Lukas 23, 21. Johannes 19, 6. III. 27. < 131. 

33. > Gemeint ift wohl der Mahamad. in. 31 — 112. I. < 132. 

4 — 10. > Offenbar bezieht fich da Cofta auf ein Verfahren, das er 
wegen des vorenthaltenen Vermögens (vgl. Iii, 2 — 6; 131, 6 — 10) 

zuerft bei den Gemeindebehörden anhängig zu machen fuchte. 

1 12. 4. < 132. 12. > Von diefer der jüdifchen Tradition fonft fremden 
Ceremonie berichtet auch Lucas' Vie de Spinoza: cette Cérémonie, 
qu'ils appellent Herem, fe commence par allumer quantité de Bougies 
noires (vgl. Freudenthal, Lebensgefchichte Spinoza! s in Quellen- 
fchriften, Leipzig 1899, S. 9). Mit Unrecht fieht Freudenthal (a. a. 0. 



26g 



Anmerkungen 



i 12-1 15 



S. 243) darin eine freie Zutat des Biographen. 112. 5. Für 

coram concione ftand im Ms. urfprünglich joro. 112. 8. < 132. 

18. > Nach da Silva Dias wäre ligaculum die Latinifierung des alter- 
tümlichen portugiefifchen legdlho oder negalho. 112. 13 — 18. 

< 132. 24 — 31. > Der zweite Bann muß ins Jahr 1633 und darnach 
die Zeit der zweiten Excommunication in die Jahre 1633 — 1640 

fallen. 1 12. 24. < 133. 4. > Da Cofias Mutter war 1628 geftorben 

(vgl. 187, 21—188, 1). 112. 27—31. < 133. 8—13.) Die Klage 

bezog fich wohl gleichfalls auf die Vermögenshinterziehung. 

113. 18. < 134. 6. > Bis zum Jahre 1639 gab es, den drei Gemeinden 
entfprechend, drei Synagogen in Amfterdam. Nachdem diefe fich 
1639 zur Gemeinde Talmud-Tora vereinigt, wurde die Synagoge 
der Gemeinde Beth Jifrael umgebaut und zum Neujahrsfeft 5400 
(1639) in Gebrauch genommen. In diefer Synagoge fand alfo die 
Execution da Coitas ftatt. Sie ftand auf der Lange Houtgracht 
(jetzt Waterlooplein 33 — 37), wo jetzt das Haus De Herfchepping 
(Feeftgebouw Waterloo) fteht, wenige Häufer von '/ opre'chte Tapeyt- 
kuys dem Geburtshaus Spinozas (Waterlooplein 39). Die Syna- 
goge wurde nach der Einweihung der jetzigen neuen Synagoge 
(1675) Wohnhaus und alsdann ftändigen Umbauten unterzogen. 
In den 80 er Jahren des 19. Jahrhunderts waren noch Reite des 
Mittelbalcon-Bogens erhalten, an den eine Erinnerung noch in der 
heutigen Form der Faffade fortlebt. Vgl. die Abbildung der Syna- 
goge auf S. VII und XI. 113. 18 — 114. 24. < 134. 6 — 135. 23. > 

Da der Seibitmord da Coitas in den April 1640 fällt (vgl. 203, 27), 
muß die Execution, wie auch Porges (a. a. O. S. 200f.) annimmt, 

zwifchen Mitte März und Mitte April 1640 itattgehabt haben. 

113.20 — 21. < 134. 8 — 10. > Gemeint iit der Almemor. 113. 30. 

<I34. 20 — 21. > Nicht wie Graetz (Gefchichte der Juden, 3. Aufl. 
Bd. X, S. 127) meint, der erite Rabbiner Morteira, fondern wie 
Volkmann (a. a. O. S. 81) richtig gefehen, der Vorfitzende des Vor- 
ftandes, der Parnas Prefidente des Mahamad, nach Porges' Feft- 

ítellung (a. a. 0. S. 215) Samuel Abarbanel. 113. 32. O34. 

24. > Hier und im folgenden iit der Samas (t^Dttf ) gemeint. 

113. 32 — 114. 9. < 134. 23 — 135. 2. > Die Ceremonie der Geißelung 
(JTIpbD), die hier an da Coita vollzogen wird, iit eine fymbolifche 
Bußhandlung, die auf die Beitimmung 5. Mofe 25, 1 — 3 zurück- 



< 132-136) 



Zum Exemplar 



269 



geht. Solche frommen Bußübungen waren, namentlich am Vor- 
abend des Verföhnungstages gebräuchlich. Die Ordnung der Geiße- 
lung, wie fie auch bei da Cofta beobachtet wurde, findet fich im 
Anhang zu Binyamin Godines' Orden de Bendiciones (Amfterdam 
1687) als mpbftn T1D nach einer Handfchrift aus dem Befitz 
Ifaac Aboabs. Daß der Malcut nur fymbolifche Handlung war, 
alfo keine Schmerzen verurfachen durfte, im Gegensatz zu der als 
wirkliche Strafvollftreckung gedachten Geißelung der Thora, weil 
den Juden zur Zeit keine Criminalgerichtsbarkeit mehr zuftehe, 
hebt der Hamburger, fpäter Venetianer Rabbiner Ifhac Atias in 
feinem fpanifchen Lehrbuch der 613 Gefetzesvorfchriften, dem 
Teforo de Preceptos (Venedig 1627, 2. Ausgabe Amfterdam 1649) 

ausdrücklich hervor. (Vgl. Porges a. a. O. S. 2l6f.) 114. 3. 

<I34. 29.) Der Chazan, nach Porges' Vermutung der hochange- 
fehene Imanuel Abendana, der Sohn der Jufta Pereyra und Neffe 

der Maria Nunez (vgl. o. IX, 17 — 18). 114. 5 — 6. O34. 32 

bis 33. > Nach 5. Mofe 25, 3: Vierzig Hiebe darf er ihm geben laffen, 
aber nicht mehr, damit dein Volks genoffe nicht in deinen Augen ent- 
ehrt werde, wenn man ihm noch viele weitere Hiebe ver fetzt. Die Vor- 
fichtsmaßnahme, nur 39 Hiebe zu geben, ifl alt; vgl. 2. Korinther 
II, 24: Von Juden habe ich fünfmal die vierzig weniger eins emp- 
fangen. 114. 8 — 9. < 135. 2.) Nach dem MlpböH TD des Go- 
dines wurde während der Geißelung der Vers Pfalm 79, 38, der 
aus 13 Worten befteht, dreimal hintereinander hergefagt, zu jedem 
Schlag ein Wort, während gleichzeitig 5. Mofe 28, 58 — 59 in dem 

üblichen Cantilenenton recitiert wurde. 114. 9 — 10. < 135. 4. > 

Gemeint ift der Rabbiner. Porges (a. a. O. S. 215) vermutet dar- 
unter Menafcheh ben Ifrael. Das ift aber nicht anzunehmen, weil 
diefer damals feiner gottesdienftlichen Functionen enthoben war 
(vgl. u. Menafcheh ben Ifrael im Bann S. 212 — 222 und Anm. da- 
zu). Man wird darum in erfter Linie an Saul Levi Morteia als den 
rangälteften, erft in zweiter Linie auch an David Pardo oder Ifaac 

Aboab zu denken haben. 114. 28 — 29. < 135. 27.) Da Cofta 

war bei feiner Execution 55 Jahre alt. 115. 4 — 7. < 136. 5 — 8. > 

Die Gemeinde hebt die Frömmigkeit Abrahams und Jofephs da 
Cofta ausdrücklich hervor (vgl. 185, 25 — 29 bezw. 186, 31 — 187, 4 
- und Anm. dazu). Jofeph da Cofta war 1639/40 Parnas des neu- 



270 



An merkungen 



115-152 



gegründeten Lehrhaufes 'Ez Chajim, Abraham da Cofta zur glei- 
chen Zeit Vorfteher der Hebra Bicur Holim (Porges a. a. O. S. 200). 

115. 20. Im Ms. amicos über einem anderen unlesbaren Wort. 

115. 20 — 24. < 136. 24 — 29.) Nach Volkmanns Beobachtung 

Reminiscenz an Tacitus Hift. V. 5: apud ipfos fides obftinata, 
mifericordia in promptu, fed adverfus omnes alios hoftüe odium (bei 
ihnen herrfcht ein verftockter Glaube, Barmherzigkeit im Sichtbaren, 

aber gegen alle anderen ein feindfeliger Haß). 115. 34 — 116. 1. 

< 137. 8 — 10. > Ifokrates, Panegyricus 95: twv ávSpwv tolç xocXoíç 
xáya&OLÇ aípSTCOTepov è<m xaXcoç a7ro&aveiv 7) Çvjv alc^pwç (edlen 
Männern ziemt es mehr, fchön zu fterben als in Schimpf zu leben). 

116. 29 — 30. < 138. 13 — 14. > Nach HorazOúfen III. 2, 12 Dulce 

et decorum eft pro patria mori. ■ 117. 17. Im Ms. omnes etiam, 

dann durch Ziffern umgeftellt. 117. 22. Im Ms. religionem 

über einem geftrichenen unlesbaren Wort. 117. 27 — 31. < 139. 

18 — 23. > Unter den noachidifchen Gefetzen verlieht die thalmu- 
difche Tradition die den Noachiden, den Nachkommen Noahs gege- 
benen Gefetze, die der Gefetzgebung auf dem Sinai vorausgehen 
(vgl. befonders 1. Mofe I, 27 — 30 und 9, 1 — 8). An fie find auch 
die .Nichtbekenner der finaitifchen Gefetze gebunden. Der Thal- 
mud (Sanhedrin 56a) fagt darüber: Sieben Gebote wurden den Noa- 
chiden befohlen, 1. das des Gehorfams gegen die Obrigkeit, ihre Gefetze 
und Organe, 2. das Verbot der Gotiesläfterung, 3. das des Götzen- 
dienftes, 4. das der Blutfchande, Unzucht, 5. das des Mordes, 6. das 
des Raubes, 7. das des Fleifchgenuffes von noch lebenden, nicht toten 
Tieren. In feiner großen Sammlung der mofaifchen und rabbi- 
nifchen Gefetze Mifchneh Thor a (14. Buch D*O^D JllD^n) fagt Mai- 
monides über die noachidifchen Gebote: Jeder, der die fieben 
Gebote annimmt und gewiffenhaft beobachtet, gehört zu den Frommen 
der Völker und ift ein Erbe der zukünftigen Welt, und zwar fofern 
er fie annimmt und beobachtet, weil Gott fie im Gefetze vorgefchrieben 
und uns durch Mofes offenbart hat, daß fie fchon vorher den Söhnen 

des Noah vorgefchrieben waren. 118. 1. < 139, 28 — 29. > Nach 

Matthaeus 23, 26. 118. 8 — 9. < 140. 3 — 4.) Anklang an 

Apoftelgefchichte 15, 10. 118. 12. Im Ms. und bei Limborch 

Die igitur, das Braga und Porges mit Recht in Dico igitur ver- 
beffern. Vgl. die parallele Stelle 115, 29. 118. 22. Im Ms. 



< I36-I52> Zu DEN* REGESTEN 



27I 



urfprünglich declinetur. 119. 5. Im Ms. urfprünglich alios. 

120. 2 — 5. < 142. 11 — 15.) 5. Mofe 13, 7 — Ii: Wenn dein 

Bruder, der diefelbe Mutter mit dir hat, oder dein Sohn oder deine 
Tochter oder das Weib an deinem Bufen oder dein Freund, der dir fo 
lieb iß wie dein Leben, dich heimlich verlocken und fprechen follte: 
Laß uns doch hingehen und anderen Göttern dienen! fo follft du ihm 
nicht willfahren und ihm nicht gehorchen, auch keinen Blick des Mit- 
leids für ihn haben, noch feiner fchonen und feine Schuld verheim- 
lichen. Vielmehr umbringen follft du ihn; deine Hand foll fich zuerft 
gegen ihn erheben, um ihn zu töten, und darnach die Hand des ganzen 
Volkes. Du follft ihn zu Tode fteinigen, weil er darnach getrachtet 

hat, dich von Jahweh, deinem Gotte, abwendig zumachen. 120. 

10 — 11. < 142. 22 — 23. > Vgl. Jeremias 19, 5: fie erbauten die Baals- 
höhen, um ihre Söhne als Brandopfer für den Baal zu verbrennen. 

120. 33 — 34. < 143. 18 — 20.) Nach Matthaeus 23, 4. 

122. 29. < 145. 32 — 33.) Nach Titusbrief I, 12. 123. 6 — 7. 

< 146. 13 — 14.) Matthaeus 23. 123. 23. < 146. 32.) Das Ms. 

hat à Cofta. Von anderer Hand, offenbar derfelben, die die Rand- 
fchrift zu 108, 33 (128, 21 — 22) hinzufügte, alfo wahrfcheinlich 
der Hand Limborchs, ift das abgeändert in Acofta. Im portu- 

giefifchen Original ftand alfo zweifellos Gabriel da Cofta. 123. 

24. < 146. 34. > Der Name des Erzengels Uriel findet fich zuerft im 
apokryphen 4. Buch Esra. 



Z U D E N REGESTEN 

1MMATRICULATI0N DA COSTAS 149—150. 
Zuerft publiciert von J. Mendes dos Remédios in Os Judeus 
Portuguefes em Amfterdam (Coimbra 191 1), S. 166 — 167. 

SENDSCHREIBEN LEON DA MODEN AS 150—152. 
Zuerft publiciert in Leo Modenas Briefe und Schriftftücke, ein 
Beitrag zur Gefchichte der Juden in Italien und zur Gefchichte des 
hebräifchen Privatftiles zürn erftenmal herausgegeben, mit Anmer- 
kungen und Einleitung verfehen von Prof. Dr. Ludwig Blau, Buda- 
peft 1905 (28. Jahresbericht der Landes- Rabbiner fchule in Budapeft 
für das Schuljahr 1904 — 1905), hebräifcher Teil S. 146. Zuerft auf 
da Cofta bezogen von Porges {Leon Modena über Uriel da Cofta in 



272 



Anmerkungen 



I5I-IS7 



Zeitfchrift für hebräifche Bibliographie, XV. Jg., Frankfurt a. M. 
191 1, S. 81). 

151. 10 — 11. < 1 5 1 . 12. > Nach den Aboth des R. Nathan (ed. 
Schlechter, S. 26) waren Zadoq und Boethus Schüler des Anti- 
gonos, die deffen Lehre Seid nicht gleich den Knechten, die ihrem 
Herrn um einen Biffen dienen auslegten, als gäbe es nicht Be- 
lohnung und Strafe in einem künftigen Leben und die mit diefer 
Lehre Schule machten. (Die hiftorifchen Zufammenhänge, wiefieiich 
der Wiffenfchaft von heute darfteilen, find dabei irrelevant.) Wäh- 
rend von den Boethufeern nichts viel weiter bekannt war als die 
Erzählung des Midrafch von der Härefie des Boethus, war die 
fadducäifche Lehre einigermaßen in der Polemik des Thalmud 
überliefert. Danach erkannten die Sadducäer nur das fchriftliche 
Gefetz, nicht die mündliche Lehre als traditionelle Weiterbildung 
des Gefetzes an, verwarfen den Glauben an die Auferftehung ebenfo 
wie den an Engel und Geifter. Ein Einfluß der fadducäifchen 
Lehren auf da Cofta ift, natürlich nicht aus einem Thalmudftudium, 
das ihm verfchloffen war, aber durch Berichte Thalmudkundiger, 
wohl anzunehmen, hielt fich aber wohl nur ganz im allgemeinen. 

Über die Qaräer vgl. Anm. zu 4, 3; Ii, 34. 150. 16. < 151. 21 

bis 22. > Pfalm 85, Ii. — 

GEGENSCHRIFT LEON DA MODEN AS 152—153. 
Vgl. über Leon da Modenas HJ^l pi5 oben S. 249. 

152. 27. < 153. 3. > Porges (a. a. O. S. 108) hat nachgewiefen, daß 
der Zahlwert der Worte {törichter Mann =431) gleich ift 
dem Zahlwert des Namens de Acofta (KD&HpN *H = 43 De 
Acofta ift die (z. B. bei de Barrios häufig begegnende) fpanifche 

Form des portugiefifchen Namens da Cofta. 152. 28. < 153. 6. > 

Leon da Modena wußte alfo, daß da Cofta, der feine Propoftas 
von Hamburg aus gefchickt, zur Zeit der Erwiderung Hamburg 
fchon wieder verlaffen hatte. 

PROCLAMATION DER JÜDISCHEN GEMEINDE IN 
VENEDIG 153—157. 

Der Text ift zuerft publiciert in D^iS JDT, Hufiatyn 1902, 
Nr. 29, danach von Prof. Dr. Ludwig Blau in Leo Modenas Briefe 
und Schriftftücke, Budapeft 1905, S. 95 f. Er wurde zuerft von 



1 5 1 - 1 5 7 Zu DEN Regesten 



273 



Porgcs auf da Cofta bezogen {Leon Modena über Uriel da Cofta, 
a. a. O. S. 8i) und von einer Reihe von Fehlern befreit (Zur 
Lebensgefchichte Uriel da Coftas, a. a. 0. S. 47). 

153- II. < 154. 24. > Nach 2. Mofe 32, 18. -— 153. 13. bnnSl 

für terni nach Porges. 153. 15. Y\W für nöKl nach 

Porges. 153. 18. < 155. 16. > Sprüche 14, 15. 153. 22. 

Dinnn für QlpOn nach Porges. 153. 26. für 

nach Porges. 154. 6. < 156. 6. > Rafchba ift der fpanifche Rab- 
biner R. Schelomo ben Abraham Adret (1235 — 1310), von großer 
rabbinifcher Autorität, deffen Refponfen in der erften Ausgabe die 

angeführte Bannformel enthalten. 154. 7. fltyft für ltyfi 

nach Porges. 

BEITRAGSZEICHNUNG DA COSTAS 157. 

Das Blatt, das das einzige auf uns gekommene Autograph da 
Coftas enthält, ift eine einzelne Seite aus einem Aufzeichnungsbuch 
über die Mitgliedsbeiträge irgendeines religiöfen Vereins. In einer 
Reihe von Namen der Vereinsmitglieder (Irmãos— Brüder) erfcheint 
an 148. Stelle Vriel da Cofta. Näheres über den Verein und den 
Zweck der Beiträge ift nicht bekannt. Das Blatt war im Befitze 
des Dichters und Gefchichtfchreibers Izaac da Cofta, eines Nach- 
kommen Jofeph da Coftas, der im Navorfcher (7. Jg., Amfterdam 
1857, S. 216) zuerft darauf hinwies (verplichtingen van een Portu- 
geefch Joodfch Genootfchap tot een weldadig doel in 162g) und danach 
ein Facfimile des Autographs brachte. (Weitere Facfimiles bei 
Meinsma, in der Jewish Encyclopedia und bei Klaar.) Inwieweit 
I. da Coftas Datierung fich auf (uns nicht mehr zugängliche) Ur- 
kunden ftützt, muß dahingeftellt bleiben; an fich möchte man 
Uriel da Coftas Zugehörigkeit zu einer religiöfen Körperfchaft vor 
die Zeit legen, in der ihn der Bann aus jeder religiöfen Gemein- 
fchaft ausfchloß. Bei der Verfteigerung des Nachlaffes von I. da 
Cofta (1861) ging das Blatt in den Befitz von Henriquez de Caftro 
über, und in deffen Nachlaß- Katalog (Catalogue de Vente de la fuc- 
ceffion de feu M. D. Henriquez de Caftro Mz i8çq, S. 67) ift es 
folgendermaßen befchrieben : 566. Feuille d'un livre de contribution 
de la communeauté port. ifraél. à Amfterdam. Avant 1624. Unique. 
Aus diefer Nachlaß-Verfteigerung erwarb die Bibliothek des Semi- 
nars der portugiefifch-ifraelitifchen Gemeinde das Blatt. 

Da Costa Opera. 18 



274 



Anmerkungen 



IS7-I83 



157. 6. < 157. 12. > Mefeberah ift der Segensfpruch nach dem 
Anfang der Formel "pattf 

BEGRÄBNIS DER FRAU DA COSTAS 157—158. 

Die Angabe der Lifte zuerft bei Henriquez de Caftro, Keur van 
Graffteenen op de Nederl.-Portug.-lfrael. Begraafplaats te Oudekerk 
aan den Amftel, Leiden 1883, S. 20 ff., von Meinsma (a. a. O. S. 48) 
auf die Frau da Coitas bezogen. 

157. 24. < 158. 7. > Die chriftlichen Namen werden oft noch neben 
den jüdifchen weitergeführt. Vgl. auch 200, I; 201, 32. 

AUS DA SILVAS TRATADO DA IM MORTALIDADE 158-181. 
Vgl. dazu oben S. 253 — 256. 

159. 17. < 169. 34 bis 170. 1. > Die Propoftas contra a tradição. ■ 

J 59- 2 7- O70- 13.) Über die Anfertigung der Mefufah enthalten 
die Propoftas in der uns überlieferten Form nichts; vgl. aber auch 

167, 5 — 6; 179, 26. 160. Ii — 23. < 171. 2 — 17.) Offenbar die 

Propoftas und die Capitel Sobre a mortalidade da alma; indeffen 
findet fich die Stelle, in der da Coíla íich mit Gideon vergleicht, 

nicht in dem uns überlieferten Text. 161. 14 — 16. O72. 13 

bis 16. > Vgl. Anm. zu 151, 10 — Ii; 151, 12. 161. 30 — 31. 

< 173. I — 2. > Jeremias 3, 22. 162. 30. < 174. 10. > Pfalm 42, 8. 

163.26 — 27. < 175. 14 — 16. > Pfalm 146, 2. 164.10 — 11. 

< 176. 3 — 5. > Prediger 12, 14. 165. 9 — J3- < 177- 15—20. > 

Vgl. 161, 14 — 16; 172, 13 — 16. 165.22 — 27. O77. 31 bis 178.3. > 

Die Amidah ift das dreimalige tägliche Gebet, das aus 18 Segens- 
fprüchen befteht, dem nach dem Thalmud, Tractat Berakhoth fo. 29 a 

zur Zeit Gamliels jener 19. Vers hinzugefügt wurde. 167. 34 

bis 168. 2. <i8o. 28 — 30.) Offenbar ftimmt das 7. Capitel des 
Buches da Coftas, das ja da Silva nicht kannte, inhaltlich voll- 
kommen mit der 7. Propofta überein. 168.6 — 13. < r8i. I — 10. > 

Hier lag da Silva wieder ein Text (in den Propoftas?) vor, der uns 
nicht bekannt ift. 

DER BANN GEGEN DA COSTA 181— 183. - 
Zuerft publiciert von J. Mendes dos Remédios in Os Judeus 

Poriuguefes em Amfterdam, Coimbra 191 1, S. 159 — 163. 

181. 25. <i82. 17 — 18. > Mendes dos Remédios lieft Abadot. 

Porges erklärt das aus Abadai (*'K*T^n der Lügenredner) als ver- 



I 57" I ^3 Zu den Rlgesten 275 

ichrieben oder unrichtig gelefen, und muß demnach die Über- 
fetzung diefer Deutung anpaffen: ein Mann, der [ich den Namen 
Uriel beilegte, der bekannte Lügenredner. Das erlaubt aber der vor- 
liegende Wortlaut keinesfalls. Da Cofta hat fleh ja den Namen 
Uriel nicht beigelegt, fondern nach der Befchneidung legitim ge- 
tragen. Es kann fich alfo nur um einen Namen handeln, den da 
Cofta nach der Meinung der Gemeinde fich anmaßte oder jeden- 
falls fich zulegte. Die Form Abadat fteht feft. Man wird, fchon 
wegen der fprachlichen Schwierigkeit, kaum anAbadad (n^H der 
Einfame) denken (wozu man 163, 13 bezw. 174, 32 ziehen könnte), 
denn abgefehen davon, daß da Cofta kaum Hebräifch verftand, 
wäre diefe Pofe mehr im Stile Gutzkows als des 17. Jahrhunderts. 
Nun wiffen wir allerdings von einem Namen, den da Cofta fich bei- 
legte: er nannte fich Uriel Jurifta Hebreo (183, 21; 184, 7), was 
allerdings der Gemeinde als Anmaßung erfchienen fein muß. Dar- 
um ift man verfucht, hinter dem geheimnisvollen Namen etwa 
T" (p zu fuchen und Uriel Abadat mit Uriel 

Jurifta zu überfetzen. 181. 30 < 182. 24.) Rabbiner (Haha- 

mim, D^DSn, eig. Weife) zur Zeit des Bannes waren Saul Levi 
Morteira von Beth Ja'aqob (feit 161 6), David Pardo von Beth 
Jifrael (feit 161 8) und Menafcheh ben Ifrael von Neweh Schalom 

(feit 1622). 181. 30 — 31. <i82. 25.) Die Älteften der Nation 

find die ehemaligen Parnaffim. 182. 11 — 12. < 183. 9 — 10. > 

Offenbar je zwei Vertreter der drei Amfterdamer Gemeinden. Sa- 
muel Abarvanel gehörte zur Gemeinde Beth Ja'aqob, Jofeph Aben- 
iacar zur Gemeinde Neweh Schalom (Porges, a. a. O. S. 42 f.). 

TITEL DER HAUPTSCHRIFT DA COSTAS 183—184. 

183. 17. O84. 2.) Dort heißt es KtöDlpK biOTlK Uriel Acofta: 
librum ejus tum adhüc Ms. de mortalitate animee confutavit Samuel 

da Silva, Medicus, de quo fuo loco. 183. 20 — 22. < 184. 5 — 8. > 

Der Titel wird beftätigt in Müllers Judaismus (vgl. 203, 4 — 7.). 

183. 23 — 24. O84. 9 — 10. > Diefer Katalog ift ebenfowenig 

mehr aufzufinden wie da Coftas Buch felbft. 183. 26. < 184. 12. > 

Dort berichtet Wolf über da Cofta auf Grund des Exemplar und 
nach Joh. Müllers Judaismus. (Dabei macht er darauf aufmerk- 
fam, daß der bei Müller angeführte Text des Exemplar von dem 
Text Limborchs abweicht und daß da Cofta fich in Hamburg auf- 
gehalten hat. 

i8* 



276 



Anmerkungen 



184-185 



URKUNDE DER HAFTENTLASSUNG 184—185. 

Die Urkunde wurde aufgefunden von Izaac da Cofta, der ihren 
wefentlichen Inhalt in De Navorfcher (Zevende Jaargang, Amfter- 
dam 1857, S. 216) mitteilte. Eine Abfchrift, die er davon nahm, 
befindet fich bei dem Blatt aus dem Beitragsbuch der Gemeinde, 
das das Autograph da Coitas bewahrt (vgl. 157, 4 — 16), früher im 
Befitz von Henriquez de Caftro, jetzt im Befitz der Bibliothek des 
Seminars der portugiefifch-ifraelitifchen Gemeinde in Amfterdam. 
(Es ift nicht, wie Porges a. a. O. S, 212 in Verwechflung mit diefem 
Beitragsbuch meint, eine fpätere portugiefifche Überfetzung des 
Urteils mit einer Namensunterfchrift da Coitas.) Nach den Hin- 
weifen Izaac da Coitas hat Meinsma die Urkunde nach dem Juftiz- 
buch von 1623-24 publiciert (Spinoza en zijnKring, 's Gravenhage 
1 896, Bij läge I). DerAbdruck folgt einer neuen Collation des Original- 
textes. Dabei ergab fich mir, wie fchon Meinsma (a. a. O. S. 50) 
vermutet, daß weiteres über das Verfahren gegen da Cofta vor dem 
Amfterdamer Gericht fich nicht feftitellen läßt, weil die entfchei- 
denden Protocoll-Bücher fehlen. In diefer Zeit find die Verhöre 
protocolliert in den Confeffie- Boecken, die Urteile in den Juftitie- 
Boecken. Im Amfterdamer Stadtarchiv finden fich die Confeffie- 
Boecken vom 8. April 1623 — 2. Januar 1624 (Nr. 295) und vom 
4. Juni 1624 bis 17. Januar 1642 (Nr. 296 — 304). Das entfchei- 
dende vom Frühjahr 1624, das wahrfcheinlich da Coitas Verhör 
enthielt, fehlt; die vorhandenen, die ich durchfah, haben nichts 
über ihn. (Auch bei den Secret Confeffie- Boecken fehlen die Pro- 
tocolle der fraglichen Zeit; erhalten find die vom Ii. April 1618 
bis 26. Mai 1620 < Nr. 533 > und vom II. Juni 1624 bis 22. Januar 
1660 < Nr. 534 >). Von den Juftitie- Boecken find erhalten das vom 
8. Juli 1623 bis 27. November 1624 (Nr. 574), das die hier wieder- 
gegebene Urkunde enthält, und die vom 6. Februar 1627 bis 
7. September 1644 (Nr. 575 — 579), die nichts über ihn enthalten; 
auch hier fehlen alfo die Juftitie- Boecken vom 27. November 1624 
bis 5. Februar 1627, in denen vermutlich das Urteil über da Cofta 
ftand. (Eine Durchficht der Bücher der 50er Jahre blieb ebenfo 
ergebnislos hinfichtlich des Verfahrens gegen Spinoza.) 

184. 17. < 184. 30. > Im Amfterdamer Algemeen Handelsblad vom 
15. November 1881 (Nr. 16 131) fpricht ein Einfender, der Santa- 



184-185 



Zu DEN REGESTEN 



277 



naca unterzeichnet, in Wirklichkeit Henriques de Caftro, anläßlich 
eines Gaftfpiels Ludwig Barnays als Acoita über da Cofta, und 
deutet das Adam Romez der Akte van borgtocht, deren Abfchrift 
de Caftro aus dem Nachlaß Izaac da Coftas erworben, als hebräifch 
de menfch die een worm is, de kruipende menfch, alfo als Schimpf- 
wort, aus tPEH DTK. Mit Recht weifen Meinsma (a. a. O. Bijl. II), 
Seeligmann (a. a. 0. S. 41) und Porges (a. a. O. S. 213) diefe Er- 
klärung zurück. Die portugiefifchen Juden in Amfterdam trugen 
meift zwei Namen, den alten portugiefifchen und einen neuen jüd- 
fchen, zuweilen auch drei, nämlich dazu einen angenommenen 
portugiefifchen Namen, um im Hinblick auf Handels- und Fami- 
lienverbindungen mit der alten Heimat ihre Identität zu ver- 
fchleiern. Es war vorgekommen, daß die Inquifition Nachforfchun- 
gen anftellte, welche Portugiefen oder Spanier in Holland als 
Juden lebten, um an ihren Verwandten und Freunden Rache zu 
nehmen. Im Hinblick darauf hatten die Staaten den Juden aus- 
drücklich zugeftanden, daß fie nicht gehalten wären eenige verkla- 
ringe of getuigeniffen der waarheid te geven op vraggen de Joodfche 
Godsdienft concerneerende (vgl. Voornaamfte letterkundige Producten 
van wijlen M. Roeft Mz., door J. M. Hillefum, Overdruk uit de 
1 fraelitifche Nieuwsbode van 24. Januari en j Februari i8ço, Nos. 32 
en 34, S. 4, fowie Transactions of the Jew. Hiß. Society of England, 
Vol. IV. 1903, S.224ff. undWätjen, Die Niederländer im Mittelmeer- 
gebiet, Berlin 1909, S. 356 f.). Danach haben wir zweifellos in 
Adam Romez einen Doppelnamen da Coftas zu fuchen, ohne daß 
wir unbedingt, wie Seligmann will, Romez als Hörfehler des Schrei- 
bers für Gomez zu nehmen hätten. 184. 22. < 185. 4 — 5. > Die 

beiden find nicht, wie Porges (a. a. O. S. 212) annimmt, zwei chrift- 
liche Portugiefen in Amfterdam, fondern, wie Izaac da Cofta (a. a. 0. 
S. 216) aus der Übereinftimmung der Handfchrift und aus notariel- 
len und andern Documenten feftgeftellt hat, Uriels Brüder: Miguel 
Eftevez de Pina ift Mordechai da Cofta und Juan Perez da Cunha 
Jofeph da Cofta, nach dem Frauen- oder Mutternamen, den fie zur 

Verdeckung des eignen gebrauchten. 184. 25. < 185. 8.) 

Meinsma lieft den eerften May, und Mendes dos Remédios (a. a. O. 
S. 162) hat II de Maio de 162 1. Es muß aber, wie Seligmann 
(a. a. O. S. 41) mit Recht hervorhebt, den leften gelefen werden. 



278 



Anmerkungen 



185-187 



ANFRAGE AN R. JAKOB BEN ISRAEL HA-LEVI 185—187. 

Gedruckt in R. Jakobs JTDIttfm filbKIP 1SD, Venedig 1632. 
Die Anfrage wurde zuerft auf da Cofta bezogen durch Perles (Eine 
neuer fchlo ff ene Quelle Über Uriel Acofta in Monatsfchrijt für Ge~ 
fchichte und Wiffenfchaft des Judentums, 26. Jg., Krotofchin 1877, 
S. 193 — 213), dem aber fogleich Güdemann (ebend. S. 327 — 329) 
widerfprach. Auch Grätz (ebend. S. 329) und Seeligmann (Zeit- 
fchrift für kehr äif che Bibliographie, XV. Jg. S. 41) haben die Be- 
ziehung auf da Cofta abgelehnt, während fie Porges (a. a. O. S. 115 
bis I2l) mit durchfchlagenden Gründen für ihn in Anfpruch 
nimmt. Bis in die kleinfte Einzelheit ftimmen die in der Anfrage 
mitgeteilten Lehrmeinungen und Lebensfchickfale des ungenann- 
ten Ketzers mit denen da Coitas überein; fie bringt in dem, was 
über fein Verhalten den Ritualien gegenüber und über das Ver- 
hältnis feiner Mutter zu ihm gefagt wird, wichtige Ergänzungen zu 
feiner Biographie. Die Anfrage fällt in die Zeit zwifchen der 
gerichtlichen Verurteilung und den Tod der Mutter, alfo zwifchen 
1624 und 1628. 

185. 24 < 186. 28 — 29.) Daß man ihn von Amfterdam zu ent- 
fernen f uchte, bezeugt auch da Silva 160, 9 — Ii bzw. 170, 34 bis 
171, 2. Da Cofta fcheint nicht lange in der Verbannung gewefen 

zu fein, da er in feiner Lebensbefchreibung davon fchweigt. 

185. 25. Wegen des *ttöJt2f (eigentlich welcher verendet ift) lehn- 
ten Güdemann und Grätz es ab, die Anfrage auf da Cofta zu be- 
ziehen, der ja zu diefer Zeit noch am Leben war. Aber man wird 
wohl '"iJDJt^ faffen dürfen als daß er verendet, wenn man es nicht 
vorzieht, mit Porges zu verbeffern ^JD^ (welcher verenden möge). 
Daß der Ketzer am Leben ift, ergibt fich für jeden Fall daraus, 
daß alles von der Mutter Berichtete in der Gegenwartsform fteht. 

185. 25 — 29. < 186. 31 bis 187. 4. > Über die Brüder da Coftas ' 

vgl. Anm. zu 107, IO bzw. 126, 19 — 20. Die beiden frommen Brü- 
der find, wie Porges (a. a. O. S. 198) nachweift, Abraham da Cofta, 
der 1646 Mitglied des Mahamad, und Jofeph da Cofta, der 1650 
Parnas war und die beide zahlreiche andere kirchlichen Amter 
begleiteten, während Aaron und Mordechai da Cofta nie ein Ehren- 
amt in der Gemeinde begleiteten. 185. 31 bis 186. 1. < 187. 

7 — 10. > Daß da Cofta auch in der Speifebereitung feiner eigenen 



185-19 1 



Zu DEN REGESTEN 



279 



Gefetzesinterpretation folgte, ergibt fich aus HO, 25 bzw. 130, 27. 

186. I — 5. < 187. 1 1 — 19. > Die Mutter da Coftas fcheint wieder 

zur Gemeinde zurückgekehrt zu fein. Damit erklärt Porges (a. a. 0. 
S. 204 f.) auch die Tatfache, daß da Cofta in feiner Lebensbefchrei- 
bung die Mutter nicht weiter erwähnt. Jakob ben Ifrael ha-Levi 
verneint übrigens ein Recht, der Gebannten das Begräbnis auf dem 
jüdifchen Friedhof zu weigern, und will nur ausnahmsweife, um 
ein Exempel zu flatuieren, geftatten, daß die geplante Strafe über 
die Frau verhängt werde. 

BEGRÄBNIS DER MUTTER DA COSTAS 187—188. 
Die Angabe der Lifte zuerft bei Henriquez de Caftro, Keur van 
Graffteenen, Leiden 1883, S. 20ff., von Meinsma (a. a. O. S. 51) auf 
die Mutter da Coftas bezogen. Die Infchrif t des Grabfteins teilte 
mir Herr Adam Querido, der Begrafenisplaatsbewaarder des Ouder- 
kerker Friedhofs, freundlichft mit. 

MENASCHEH BEN- ISRAELS SCHRIFT ÜBER DIE AUF- 
ERSTEHUNG 188—195. 
188. 17 — 20. < 192. I — 5. > Auch hieraus fpricht offenbar das Be- 
ftreben, die Amfterdamer Obrigkeit gegen da Cofta mobil zu machen 

vgl. 185, 23 — 24; 186, 25 — 29. 189. 20. < 193.6 — 7. >Menafcheh 

recapituliert im folgenden die Argumente der Capitel da Coftas 

Sobre a mortalidade da alma. 189. 24 — 26. < 193. 12 — 14. > Vgl. 

35, 10—14; 65, li— 16. 189. 26— 29. < 193. 14— 19.) Vgl. 35, 

14—22; 65, 17—26. 189. 30—34- < 193- 20—25.) Vgl. 37, 

1 — 16; 67, 11 — 28. 190. 1 — 5. < 193. 26 — 31. > Vgl. 37, 27 bis 

38, 3; 68, 8—20. 190. 5—6. < 193. 30—33. > Vgl. 38, 3—5; 68, 

20—23. 190. 6—9. < 193- 33—194. 3-> Vgl. 38, 1—3; 68, 

18 — 20. 190. 11 — 16. < 194. 6 — 12. > Vgl. 51, 2 — 9; 84, 23 — 31. 

190. 16 — 19. < 194. 14 — 15. > Pfalm 6, 6; in dem von da Silva 

überlieferten Text nicht citiert, vielleicht in der Lücke 38, 9; 68, 

27. 190. 19 — 21. < 194. 15 — 18. > Pfalm 30, 10, ebenfalls wohl 

in der fehlenden Stelle 38, 9; 68, 27 citiert. 190. 21 — 22. 

< 194. 18—20. > Vgl. 38, 9—14; 68, 27—32. 190. 22—23. < 194. 

20—22.) Vgl. 38, 18—19; 69, 4—5. 190. 24—25. (194. 22 

bis 24.) Vgl. 38, 33—34; 6.9, 23—24. 190. 27—34. <I94. 

26—34. > Vgl. 41, 30—34; 42, 5—8; 73, 15—19, 22—29. 191. 



28o 



Anmerkungen 



191-204 



1—3- < 195- 1—4- > Vgl. 49, 32—50, 1; 83, 10—12. 191. 3—6. 

< 195. 4—8. > Vgl. 45, 22—24; 77, 30—32. 191. 9—14. < 195. 

12—19.) Vgl. 39, 2—6; 69, 27—33. 191. 14—16. < 195. 19 

bis 22.) Vgl. 39, 19 — 21; 70, 16 — 19. 

DIE REPOSTA D'AGUILARS 195—198. 
Vgl. oben S. 250. 

l 9S- 27. < 197. 6.) Vgl. Anm. zu 26, 33 bzw. 32, 18. 196. 

12 — 15. < 197. 23 — 27.) Der Ton ift hier und im folgenden nicht 
der der Streitfchrift wie bei da Silva und Menafcheh ben Ifrael, 
offenbar im Beilreben, eine in Ausiicht ftehende Unterwerfung zu 
erleichtern. 197. 2 — 3. < 198. 18 — 20. > Pfalm 113, 2. 

CESSIONSURKUNDE DA COSTAS 198. 
Diefe Notiz, offenbar von der Hand Izaac da Coftas gefchrieben, 
fand ich der Beitragszeichnung da Coftas (f. o. S. 157) in der Biblio- 
thek des portugiefifch-ifraelitifchen Seminars beiliegend. Wenn 
fich auch nicht feftftellen läßt, woher die Notiz gefchöpft ift, fo 
kann an ihrer Authenticität kein Zweifel fein. 

BRIEF PHILIPPS VAN LIMBORCH 198—202. 

Zuerft veröffentlicht in Meinsma, Spinoza en zvjn Kring ('s Gra- 
venhage 1896, Bijlage IL). Das Original befindet fich im Befitz 
der Univerfiteits-Biblioteek zu Amfterdam. Der Empfänger Theo- 
dor Graswinckel war Jurift und Theologe und bis zu feinem Tode 
1666 Advocat des Fiscus im Haag (vgl. Porges, a. a. 0. S. 124). 

199. 20 — 200. 10. <20i. 14 — 202. io.> Limborch macht fich 
hier völlig die Argumentation da Coftas zu eigen, der in der Ver- 
längerung des Bannes einen Eingriff in die weltliche Jurisdiction 
fieh'c. Danach wurde den Juden in' Amfterdam die Verhängung 
des Bannes verboten, wie wir aus einem Refponfum des Jacob 
Sasportas von 1683 (Nr. 76, bei Graetz, Gefchi'chte der Juden, 
3. Aufl. Bd. X, S. 406) erfahren. 200. 5. < 202. 4. > Nach 2. Ko- 
rinther 11, 24. 

JOHANNES MÜLLERS JUDAISMUS 202—204. 
Johannes Müller ift 1598 in Breslau geboren, ftudierte in Witten- 
berg Theologie und wirkte vorübergehend als Geiftlicher in Lübeck, 
dauernd in Hamburg, wo er Paftor der Petrikirche und Senior 



202-2I I 



ZU DEN REGESTEN 



28l 



Minifterii fowie Infpector der Schulen wurde. Er ift 1673 geftorben. 
In feine Amtszeit fällt das Aufblühen der fephardifchen Gemeinde 
in Hamburg, das er mit allen Mitteln zu hindern fuchte. Anftoß 
nehmend an dem Wohlleben der Hamburger Marranen, an ihrem 
Verkehr mit Chriftenmädchen und an einigen über den Kreis der 
Gemeinde hinaus bekannt gemachten antichriftlichen Schriften, 
fuchte er in feinem Judaismus, dem Monument eines gelehrten 
Antifemitismus, auf 1500 Seiten alles zufammenzutragen, was 
gegen die Juden und damit auch gegen ihre Zulaffung in Hamburg 
fprechen konnte, womit er allerdings bei dem Hamburger Senat 
nicht durchdrang. 

203. 4—7- Vgl. 183, 19—22; 184, 4—8. 203. 15—18. Vgl. 

188, 18 — 19; 192, 4. 203. 18 — 22. Wie aus 181, 27 — 28 bzw. 

182, 20 — 21 hervorgeht, wurde der in Venedig ausgefprochene 
Bann auch in Hamburg verkündet. Im Archiv der portugiefifch- 
jüdifchen Gemeinde in Hamburg findet fich leider nichts über da 
Cofta, weil das Gemeindebuch erft mit dem Jahr 5411-12 (165 1) 
beginnt, während die Protocollbücher der früheren drei Gemein- 
den bei dem großen Brande von 1842 untergingen (nach freund- 
licher Mitteilung des Gemeindevorílands). 2Ò3. 29 bis 204. Ii. 

Vgl. 123, I — 13; 146, 6 — 21, wofelbft der Text nicht unwefentlich 
abweicht (f. o. S. 261). 

L1MB0RCHS WAHRHEIT DER CHRISTLICHEN 
RELIGION 204—211. 

Vgl. oben S. 259. Das im folgenden Mitgeteilte bildet die Prce- 
jatio ad Lectorem, mit der Limborch den Abdruck des Exemplar 
einleitet. 

206. 4. < 209. 25—26. > Ifaac Orobio de Caftro. 206. 18—22. 

<2I0. 8 — 13. > Klaar (Uriel Acofta, Berlin 1909, S. 50 — 54) möchte 
in dem Beilreben, da Cofta als Edelmenfchen zu idealifieren, das 
Attentat in Abrede ftellen. Er überfieht aber dabei, daß da Cofta 
in feinem Exemplar ganz unverhüllt die Rachedrohung ausfpricht 
(123, 12 — 13; 146, 19 — 21), eine Stelle, die feltfamerweife in der 
Verfion Müllers (204, 10 — 11) ins Nichtsfagende gemildert ift. Es 
kann danach nur die Frage fein, an wem da Cofta das erlittene Un- 
recht zu rächen fuchte, d. h. wen er in erfter Linie für das erlittene 
Unrecht verantwortlich machte. Das kann aber nach HO, 21 bis 



282 



AN MEHRUNGEN 



20Ó-222 



Iii, 8 bzw. 130, 22 bis 131, Ii kein anderer als jener Vetter ge- 
wefen fein, den er den erbittertften Feind feiner Ehre, feines Lebens, 
feines Vermögens nennt. Keinem anderen als ihm wird alfo das 

mißglückte Attentat gegolten haben. 206. 25 — 26. <2io. 17 

bis 18. > Vgl. 204, 18 — 19. 206. 26 — 28. <2io. 18 — 21. > Lim- 

boreh zeigt fich über die Herkunft des Manufcripts wohlunterrichtet 
und hat wohl auch gewußt, wer der ausgezeichnete Mann ans diefer 
Stadt war, der Episcopius offenbar fehr bald nach da Coitas Tod 
(Episcopius ift felbft fchon 1643 geftorben) die Abfchrift ver- 
fchaffte, wollte aber wohl den Namen nicht nennen. Da er mit 
offenbarem Refpect von ihm fpricht, kann er kaum ein Ketzer 
oder Freigeift gewefen fein. Man möchte in erfter Linie an ein 
Mitglied der portugiefifchen Gemeinde denken und von diefer war 
Menafcheh ben Ifrael mit Episcopius befreundet (vgl. Kayferling, 
Menaffe Ben Ifrael in Jahrbuch für die Gefchichte der Juden, I. Bd. 
Leipzig 1860, S. 116). Wenn es auch nicht unmöglich ift, daß 
diefer dem Episcopius die Abfchrift beforgte, fo wird man doch 
den Mann, der die Überfetzung herilellte und fie nach Hamburg 
fchickte, wohl unter den marranifchen Freigeiftern zu fuchen haben. 
ZUM ANHANG: M EN ASCH EH BEN ISRAEL IM BANN. 

212 — 222. 

Die Urkunden über die Excommunication Menafcheh ben Ifraels 
werden hier ihres allgemeinen Intereffes halber zum erften Male 
mitgeteilt, obgleich der Vorfall felbft mit der Gefchichte da Coftas 
keinen Zufammenhang hat. Wenn die Suspenfion Menafchehs von 
feinen gottesdienftlichen Functionen Mitte Februar ftattfand, fo 
könnte fie für ihn ein Alibi hinfichtlich der Execution da Coftas 
bedeuten, und Menafcheh wäre dann durch einen zufälligen Um- 
ftand ebenfo verhindert gewefen, daran mitzuwirken, wie ihn 1656 
feine Miffion nach England verhinderte, an der Excommunication 
Spinozas mitzuwirken. (Irrig ift Volkmanns Annahme, a. a. 0. 
S. 60, Menafcheh fei am Verfahren gegen da Cofta nicht beteiligt 
gewefen, weil er zur Zeit in England weilte.) Die Documente 212, 5 
bis 217, Ii finden fich im Archiv der portugiefifch-ifraelitifchen 
Gemeinde in Amfterdam, der Manufcriptband, der das Document 
217, 14 bis 222, 22 enthält, im Befitz des portugiefifch-ifraelitifchen 
Seminars in Arr fterdam. 



212-222 



ZU DEN REGESTEN 



283 



212. 6. (214. 18. > Die Tevah oder Tebah (fDfl =7= Lade) ift der 

Sepher Thora- Schrank. 212. 10. <2I4. 23.) Die Ashamah, 

Ascamah oder Escamah (TOptK) ift ein Gemeindeftatut oder 

Gemeinderegulativ. 212. 12. <2I4. 25.) Mahamad (ID^D) 

ift der Gemeindevorftand. 212. 18. <2I4. 31.) Cherem (Din) 

der Bann. 213. 1. (215. 19.) Gabay = Einnehmer) ift 

der Collectenfammler, Schatzmeifter, Verwaltungsbeamte der Ge- 
meinde. 213. 2. <2I5. 20.) Chazan (}tn) Vorfänger. 

213. 11. < 215. 32. > Vgl. Anm. zu 157, 6. 217. 16. < 219. 27. > 

Worum es fich bei diefem Streit, bzw. bei dem Pasquillen handelt, 
habe ich noch nicht feftftellen können. Es ift die Zeit, in der ein 
Teil der Gemeindemitglieder fich zur Auswanderung nach der 1624 
von Holland eroberten und 1640 formell von Portugal abgetretenen 
Colonie Brafilien entfchloß (1642 find Aboab und d' Aguilar aus- 
gewandert) und mit diefen Plänen oder Vorbereitungen wird wohl 

die Affaire im Zufammenhang geftanden fein. 217. 31 — 32. 

< 220. 17.) Beracha (rDH), Segen bzw. Fluch, bedeutet hier den 

Bann. 219. 5. <22i. 34.) Der Name der 1639 geeinigten 

Gefamtgemeinde. 219. 19 — 22. <222. 18 — 22.) Die fragliche 

Seite im Livro dos Acordos da Nagam ift mit einem weißen Blatte 
zugeklebt, auf dem folgendes fteht: Em 8 de Ylul foy refoluido 
pelos Sr es do Mahamad que por bons ref peitos fe cubriffe efta folha 
e ifto firmarão. Jehuda Touro — Jacob Gabay Faro — Selomoh 
Curiel — Abraham Aboaf — Jofuah de los Rios — Mofeh de Mes- 
quita — Selomoh Salom. {Am 8. September 1647 wurde durch die 
Herren des Mahamad befchloffen, aus Ehrerbietung diefe Seite zu- 
zudecken und dies -unterzeichneten ufw.). 

NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN. 
Zu XXV. 1 — 12. Auf den Häretiker von 1618 bezieht fich ohne Zweifel 
auch ein Brief in einem Sammelband, aus dem Brody (in Jewish Quarterly 
Review XIII, 1922, S. 96) eine Stelle veröffentlicht. Auch hier ist der libe- 
rale Kritiker der Tradition und Rafchis Arzt. Da von zwei Amfterdamer 

Gemeinden die Rede ift, fällt der Brief zwifchen 1608 und 161 8. Zu 

40. 4 — 7. Von acabarfeam bis def andar nicht curfiv. Zu 45. 18 — 22. 

Von que despois bis cantar und von que he neffe dia bis raciocinara nicht 

curfiv. Zu 71. 6. Lies: eine Zahl von Jahren wird vergehen. Zu 

71. 7 — 10. Von vollenden bis werde nicht curfiv. Zu 77. 24 — 29. Von 

denn dann bis können und von an dem Tage bis fchließen nicht curfiv. 

Zu 89. 13 — 17. Lies: und ich fah, daß der Menfch das ganze Tun Gottes 
nicht ergründen kann, das Tun, das unter der Sonne gefchieht; aus Liebe 
dazu wird der Menfch fich mühen es zu fuchen und wird es nicht ergründen. 



284 



NACHWORT. 
Wenn es möglich geworden ift, in diefem Buche Uriel da 
Cofias Lehrmeinungen zum erfien Male unmittelbar und im 
Zufammenhang zur Darftellung zu bringen und fein Leben 
aus den geficherten Urkunden erfiehen zu laffen, fo ifi dies 
abge/ehen von einigen glücklichen Funden vor allem der 
bereitwilligen Unter fiützung und dem fördernden Inter ef Je 
zu danken , die die je Arbeit während ihrer Entfiehung 
gefunden hat. Der Dank gebührt zunächfi vier Infiituten, 
die ihr Material in der liberalfien Weife zur Ver- 
fügung /teilten: der Rofenthaliana in Amfterdam, deren 
Sammlung fephardifcher Drucke, vor allem deren Exemplar 
des Tratados da Silvas der Unter fuchung die Grundlage 
boten; der Bibliothek des Seminars der portugiefijch-ijrae- 
litifchen Gemeinde in Amfterdam, der traulichfien Bücherei 
der Welt, deren noch unerfchloffene Handfchriftenfchätze 
mannigfach Auffchluß gaben, fo wie fie der Forfchung für 
die Zukunft noch reiche Belehrung verheißen; dem Archiv 
der portugießfch-ifraelitifchen Gemeinde in Amfterdam, das, 
in feinem Beftande wohl zuweilen überfchätzt, hier in der 
freundlichften Weife off enge/teilt eine Nachprüfung der Ur- 
kunden aus der da Cofta-Zeit ermöglichte; fchließlich der 
Frankfurter Stadtbibliothek mit ihrer reichen Judaica- 
Sammlung alter und neuer Zeit als fiets bereiter Material- 
fammlung. Darüber hinaus gebührt der Dank den 
Männern, die diefe Inftitute lebendig machen und die ihr 
reiches Wiffen jederzeit die f er Arbeit liehen: Herrn Prof. 
Dr. A . Freimann in Frankfurt, deffen umf äff ende Sach- 
kenntnis ftets zu jedem Rate bereit war; Herrn J. S. da 
Silva Roja, der in der Übermittlung und Sicher ßellung 
der handjchrijtlichen Texte unermüdlicher Heljer war; 
Herrn J. M. Hillejum als kundiger Wegweijer durch 
die Amfier damer Literatur des ij. Jahrhunderts; Herrn 



285 



Mendes da Cofia als bereitwilligen Erfchließer und Deuter 
der Urkundenbücher des portugieftfch-ifraelitifchen Archivs. 
Auch dem umf äff enden Kenner der Gefchichte der jüdifchen 
Gemeinden in Amfierdam, Herrn Sigmund Seeligmann, 
dankt die Arbeit mannigfachen Rat. Herr Adam Querido in 
Ouderkerk forfchte nach den da Cofia -Gräbern, nachdem 
er IÇ20 mit dem Verfaffer zufammen die Spinoza-Gräber 
aufgedeckt. Ferner ifi Herrn Jacob S. Pofen in Frankfurt 
zu danken, der den Über fetzungen aus dem Hebräifchen 
die Sicherheit feiner Sprachbeherrfchung und ihrer Com- 
mentierung feine Sachkunde lieh. In gleicher Weife hat 
die befie Kennerin des Portugiefifchen in Deutfchland, 
Frau Lector Luife Ey in Hamburg, deren Grammatik 
den Weg in den Geifi der portugiefifchen Sprache weift 
und deren Lebensarbeit der Annäherung deutfchen und por- 
tugiefifchen Geifies gilt, die Überfetzungen aus dem Portu- 
giefifchen überprüft und manche dunkle Stelle klar-, manche 
zweifelhafte ficher gefeilt. Und nicht zuletzt gebührt der Dank 
zwei Männern, deren förderndes Inter effe die Amfierdamer 
Unter fuchungen erleichtert: Herrn Kurt H. Schmidt in 
Amfierdam und weiland Herrn Heinrich Hüttenbach in 
Amfierdam. 



\ 



INHALT. 



Einleitung : Da Cofta und das Marranenproblem . V 
Die Gründung der fephardifchen Gemeinde in 

Amfterdam VIII 

Die Spaltung des Bewußtfeins XIX 

Das Schickfal da Coitas . . . XXVI 

Da Cofta und Spinoza XXXIII 

Propoftas contra a Tradição / Thefen gegen die Tra- 
dition i 

Sobre a Mortalidade da Alma / Über die Sterblichkeit 
der Seele ' 33 

Exemplar Humanae Vitae / Ein Beifpiel menfchlichen 
Lebens .103 

Regelten 147 

Anhang: Menafcheh ben Ifrael im Bann . . . .212 

Anmerkungen 223 

Zur da Cofta-Literatur 225 

Zur Einleitung 233 

Zu den Propoftas contra a Tradição 248 

Zu Sobre a Mortalidade da Alma 253 

Zum Exemplar Humanae Vitae 259 

Zu den Regeften 271 

Nachwort , 284 



CURIS SOCIETATIS SPINOZANM 
BIBLIOTHECA SPINOZANA 



TOMUS I: Spinozana 1897-1922 / Bevattende 
Uittrekf eis uit de Jaarverf lagen van den Secre- 
taris derVereeniging Het Spinozahuis / Bene- 
vens een Levensbericht omtrent Dr. W. Meijer 
en eene Lijft van diens Gefchriften / geb. fl. 4.- 

* ❖ 

TOMUS II: Die Schriften desUriel daCofta/ 
Mit Einleitung, Übertragung und Regeften 
herausgegeben von Carl Gebhardt / geb. fl. 7.- 

* * 

Sequitur T m u s III : Leone 
E b r o I Dialoghi d i Amore 




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